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Jüdische Volksstimme · 1919-08-22 · Heft 24 (22.8.1919) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 24 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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י Seite 4. ״Misch« *»!ftfitmttt« Nr. 24. len und müssen aus diesen heterogenen Elementen eine kulturelle Einheit schaffen, wir wollen sie daher sprachlich einen. Dies wird nicht über Nacht geschehen und bedarf schwerer aufopfernder Arbeit vielleicht von Generqtionen; es ist eine eminent interne, jüdische Frage, die durch äußere politische Anerkennung nicht zu lösen ist. Wir müssen unser Hebräisch zur höchsten Stufe seiner Ausdrucksfähigkeit bringen, mütz sie doch für die aus hohen Kulturkreisen kommenden zum bedeutenden Teile die hohen Kultursprachen der Anderen vertreten. Wird diese Arbeit durch Andere geleistet werden? Welche Bedeutung hat also die äußere Anerkennung durch die Mächte? Sie bedeutet, daß die äußeren Schwierigkeiten für unser Werk wegfallen, ׳ daß wir frei einwandern, uns im Lande nach Belieben anfiedein, eventuell die staatlichen Domänen zur Verfügung bekommen können, daß Recht und Gesetz die Stelle der alten Wilkür einnehmen und eventuell wir sogar vom «Sachwalter" materiell und moralisch gefördert werden. Mehr zu erwarten wäre töricht, ja sogar eine nationale Sünde. Denn unsere Lage ist von der eines anderen bislang geknechteten Volkes, wie die Tschechen, Polen, Ukrainer usw. grundverschieden: jene sind durch Kapital und Arbeit bereits Herren ihres Landes, wir wollen es erst werden; jene waren vornehmlich politisch unfrei, wir sind es in jeder Richtung. Jene konnten daher durch Abschüttelung des politischen Joches sofort frei werden, wir müssen eigentlich fast alles neu erbauen, freilich gestützt auf unsere 30jährigee Erfahrungen im Lande. ־ Für jene gab es prinzipiell nur ein Mittel zur Erlangung der Freiheit, die Politik und deren ultima ratio, den Krieg, für uns kommen hauptsächlich ökonomisch-kulturelle Mittel, in Betracht, also bloß aufbauende, friedliche. Diplomatisch-politische Erfolge sind für unsere Sache wichtig, bedeutungSvovll, aber niemals entscheidend, denn gesetzt den Fall, wir bekämen den ..Judenstaat", so wird er es anfangs bloß auf dem Papier sein, denn die Mehrheit an Zahl und ursprünglicher Bedeuutung des Eigenlebens besitzen vorläufig Andere, nicht wir. Dieser ..Judenstaat" wäre so recht ein ..Hie Rhodns hic salta" — wir müßten ihm als einen von uns in Zukunft reell einzulösenden Wechsel ansehen. Prinzipiell bliebe die Frage offen, ob wir tatsächlich imstände sind aus ..Palästina" Erez Esrael zu machen. ..Werden wir Palästina bekommen?" Die Beant- Wortung dieser Frage liegt im günstigen wie im ungünstigen Falle nicht bei der Entente in Paris, diese kann und wird uns bloß die Hände freimachen, sondern beim jüdischen Volk selbst. Und für diese gilt noch immer Herzls geniales Wort: «Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen." Wille ist hier gleichbedeutend mit hochster Opferfähigkeit. Aphorismen. Von Rabbiner Dr. Kalischer. Moderne Rabbinerpflichten. Wahllos huldigen allem Modernen, Taghell finden die trübsten Laternen; Richtlineale vergleichen den Sternen; Ernste Gedanken und Pflichten entkernen; Hochzielsendung und Schwenkung erlernen; Nie sich aus Dunstkreis und KunstkreiS entfernen. Einst saß der Rabbi tief gebeugt Vor hoher Schicht von Folianten; Jetzt steht er manchmal tief gebückt Vor Vorstand. und Repräsentanten. Literaturverein. Geist und Seele ziemlich dumpf; Phrase feiert oft Triumph: tvcoschelchen bleibt höchster Trumpf. Rabbinerposten zu besetzen. - Was? Charakter und Persönlichkeit? Ach, das paßt ja nicht mehr in die Zeit! Lederharte Haut und breiter Rücken Werden sich zu und viel besser schicken! Heutige Gemeinden für Religion erwärmen heißt, offene Straßen Heizen. Literatur und Wisienschaft. Büchcrbespre^nngen. Die erste jüdische Republik. Novellen von Schalom Alechem (erschienen bei Oesterheld und Co., Verlag, Berlin). — Des trefflichsten aller Ghettoschriftsteller, Schalom Alcchem's, Kraft liegt hauptsächlich auf dem Gebiete der Charakterzeichnung- und Darstellung von lebenswarmen Typen des. osteurojiäi schen Ghettos. ״Die auftretenden Gegensätze zwischen den äußeren Lebensbedingungen des dunkeln Ghetto's und den reinen Seelenregungen feiner Bewohner schaffen zuweilen komische Situationen", die bisweilen ein leises Läch-l! bald laufes Lachen, stets aber ein warmes Gefühl innerer Befriedigung Hervorrufen. In der ersten Novelle des vorliegenden.Bandes nun ist es dem Dichter nicht gelungen, jenes Gefühl hervorzurufen, — vielleicht deshalb, weil es keine Ghettomenschen sind, die/ er uns bringt; die komischen Gestalten sind ausgeblieben und komische Situationen erscheinen bei den Haaren herbeigezerrt. Eiste ziemlich kunstlos anmutende Geschichte von dreizehn Schiffbrüchigen, die auf ein Eiland verschlagen wurden und sich dort mit den verschiedensten und wiederstrebendsten Ansichten und Plänen niedergelassen haben. ׳— Ein Symbol und eine böse Prognose für die jüdische Republik enthält diese Erzählung im Refrain: ״Dreizehn Menschen — dreizehn Elemente — dreizehn Meinungen". — Wie ganz anders muten einen doch die folgenden kleinen Novellen an. Ja, das sind wieder Gestalten unseres Schalom Alechem, so plastisch und greifbar gezeichnet, daß man ihren warmen Atemhauch zu spüren vermeint. Hier sehen wir des Dichters zufrieden und heiter lächelndes Antlitz durch die Zeilen seinen Helden und uns freundlich zunickon, wir empfinden׳ mit dem Erzähler der ״Geige" die Harmonie stillentsagender Resignation und sehen^nach den ersten Strichen der flinken Hand unseres Schriftstellers mit wunderbarer Deutlichkeit die ״drei Köpfchen" erstehen.-Im Ganzen genommen bedeutet diese gute und lebendige deutsche Uebersetzung (von Stephanie Goldenrmg) für die jüdisch-literarische Welt ein Ereignis, welches jeder Westjude, dem die Werke Schalom Alechem'S in der Ursprache nicht zugänglich sind, benützen sollte, um ein Stück jüdischen Lebens, wenn auch nur ein Surrogat bodenständignationalen Lebens kennen zu lernen. B. S. Die Metaphysik der Ethik Spinozas im Quellenlichte der Kabbalah, von Dr. S. Gelbhaus, Rabbiner der israel. Kultusgemeinde Wien, Lektor am Wiener Beth- Hamidrasch. — Jüdischer Buch- und Kustverlag, Max H i ck l, Wien, 8., Lerchengasse 6. Preis K 6.—. — Diese Untersuchungen weisen den Einfluß nach, den die Kabbalah auf den Werdeprozeß der spinozistisch-metb״^ fischen Jd^en ausgeübt haben. Dr, Gelbhaus, ein hervorrragender Kenner der kabbalistischen und talmudischen Literatur und ein bewährter Forscher auf dem Gebiete der griechisch-jüdischen Philosophie, deren eminente Beherrschung er in seiner ״Apologetik des Judentums" in ihrer geschichtlichen Entwicklung, dargetan hat, zeigt in vorliegendem Buche, daß die Substanz und Atributenlehre der Ethik Spinozas (in ontologischer Form) den kabbalistischen Doktrinen über diese Materie homogen ist, daß Spinoza teilweise *gegen die Behauptungen der Kabbalisten direkt polemisiert, d״* er in manchen Punkten von ihnen vollständig hem abweicht und eigene Prinzipien aufstellt. Ebenso verhält er sich mit den anderen methaphvstschen Doktnnen der Ethik. D׳e kabbalistischen Dokumente werden im svrisch-aramäischen und hebräischen Urterte und in deutscher Uebersetzpng gebracht: ebenso werden die Lehrender Etbik lat׳׳i^i^ch und deutsch voraetraaen. aus dem Stamwe JudaS", wie der Titel des «beffrnischen Herrschers lautet, erzählt die Legende von der sagenhaften Ahnfrau des KönigsgefchlechteS folgendes: M e a k e d a, die Königin Don Saba, hatte soviel von SälomoS Weisheit und Schönheit gehört, daß sie sich entschloß, trotz der endlosen Entfernung die Reise nach Jerusalem zu machen. Wie die abessinische Sage er» zählt, machte sie die Reise ״auf einem sehr großen und schönen weißen Kamel", begleitet von der Tochter Hirams, des Königs von Tyrus, dessen Gewappnete die Königinnen geleiteten. Der weise jüdische König nahm seine Gäste freundlich auf, man tauschte reiche Geschenke und trat sich nahe. Die Königin gebar Salomo einen Sohn, dem sie den Namen ״Menelik" gab, das heißt: ״er ist ihm ähnlich". Bis zu feinem achtzehnten Jahre wuchs Menelik am Hofe Salomos heran; er wurde in der jüdischen Religion erzogen, und als er seine Volljährigkeit erlangte, feierlich im jerusalemitischen Tempel als König von Aethiopien gekrönt. Nach seinem Lande, in Begleitung von Asaria, dem Sohne des Hohenpriesters Zadok. zurückgekehrt, empfing er von seiner Mutter'die Verwaltung des Königreiches Aksum. Hier,bezog er feine Residenz in der Hauptstadt Und verwahrte in dem Tempel von Aksum die aus Jerusalem heimlich entführte zweite Tafel Moses, die bis heute noch sich dort befindet. Die Nachkommen üon Asaria wurden Hohepriester von Aksum. Gleichzeitig mit Menelik und Asaria kam nach Aethiopien eine ganze Kolonie von Israeliten und Gelehrten des Gesetzes Moses, die sofort Stellen als Richter in verschiedenen äthiopischen Provinzen erhielten. Historisch bestätigt es sich, daß diese Kolonie eine sehr alte war, die viel früher, vor der Vertreibung der Juden aus Jerusalem durch Titus, begründet wurde. Bald nach Ankunft der Juden in Aethiopien ging ein großer Teil der Abessinier, besonders die höhere Klasse, zur jüdlschen Religion über, die solche feste Wurzel faßte, daß nach Annahme des Christentums im vierten Jahrhundert bei den Abessiniern viele Sitten und Gebräuche zurückblieben, die sie den Vorschriften des Alten Testamentes entnahmen; so die Beschneidung, die Heilig- Haltung des Sabbats, die Wahl des Fleisches und anderes mehr. M. Hlckl, Verlaqs-B’fchhan',l1r!j Brünn. WM8 9.. — Wien Vitt , M1W fi. Bitcher-Einlauf. Desp-ech,moe11 Vorbehalten. Ostjübische Erzähler: I. L. Perez Schalom Alecherst. Schalom Asch, aus dem Jiddischen überseht von Alexander Eliasberg. Preis M. 3.60. Gustav Kiepen- Heuer Verlag, Weimar. Jawne und Jerusalem: Von Hugo Bergmann. Jüdischer Verlag,'Berlin. Die erste jüid. Republik. Bon Schalom Alechem. Preis M. 6.—, gebunden M. 8.—. Verlag Oesterheld und Co., Berlin. Die Erhaltung der geistigen Gesundheit von Dr. Th. Rumpf. Vertag A. Markus und E. Webers Verlag, Bonn. An die Juden in der Slowakei. Wir be-b'n'chtigen in der nächsten Zeit in der *Slowakei ei״e Geschäftsstelle mit selbstständiger Redaktioh 7u errijehte״ und bitten um freundliche Namhaftmachung von Adressen behufs Versendung von Probenummem. Mitarbeiter werden gesucht. Verlag der ״Jüdischen Volkssflmmo* .ftiimlffftoii. Das Wiener Palästinaamt. In den bewegten Novembertagen des vergangenen Jahres entschloß sich die zionistische Parteileitung für Des Parne'ß Predigtideal. Gemütlich, erbaulich, Behaglich, beschaulich, Rührsam, doch laulich, 1 Und freundlich — vertraulich; Für Jeden verdaulich. Sie sprachen, dem Judentum drohe Vernichtung: Zu groß s.׳i unter den Treuen die Lichtung. Im Gottesdienst hielt man gewaltige Sichtung, Und sagte Valet ritualer Verpflichtung. Menrit war geboren di. i ienrichtung. Ein lustig Gebäude von ethischer Schichtung; Drin winkt religiösem Gemüts Verzichtung.. Bei dem mystischen Zun unserer Zeit, dürfte die Wahrnebmung daß daS tiefsinnioste aller philofonbifch-r, Systeme!welches in der Etbik Svinozis enthalten ist! mit der üb-rstnnlich-n Doktrin der Kabbalr»h in intimer Berühruna stebt, für streng willenrchaftNdie יייייו für weite gebildete Kreise von großem Interesse sein. Ein biblischer Roman in der abessinischen Bolkssage. Zu den reizvollsten Kapiteln der Geschichte S alomos gehört die Erzählung vom Besuch der Königin oon Saba, von der noch heute die Könige von Abessinien ihren Ursprung herleiten. Im Lande ״des Löwen Deutschösterreich, ein Palästinaamt zu errichten, von der Erwägung ausgehend, daß Wien, gleichviel wie sich das Geschick dieser Stadt in Hinkunft entwickeln würde, für den zu erwartenden Strom der Auswanderung einen wichtigen Zentralpunkt darstellen würde. Für diese Bewegung mußte Vorsorge getroffen werden. Was vor allem not tat, war die gründliche Aufklärung über die Verhältnisse in Palästina, zumal daS Interesse füx unsere alte neue Heimat in immer weitere Kreise Eingang findet. Das Wiener Palästinaamt war deshalb bemüht, durch Abhaltung von DiskussionS-, abenden, Veranstaltung von Lichtbildervorträgen in Wien und der Pxovinz, Erteilung von mündlichen und schriftlichen Auskünften, Herausgabe von Broschüren, Mitteilungen usw. dieser Aufgabe gerecht zu werden.

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