Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 23 (15.8.1919)
- Date
- 1919-08-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 ״Jüdische Dor.»!,ItM«e" Seite 5. Indische Literatur. Die Verlagsbuchhandlung Louis Lamm, Berlin bringt Neuauflagen aller Werke von Leopold Z u n z, dem Begründer der modernen jüdischen Wissenschaft. Da die Bücher von Leop. Zunz ausnakmslos vergriffen sind — teilweise seit vielen Jahren — so wird diese Mitteilung für Viele Interesse haben. M. Hickl, Verlags-Buchhandlung Brünn, SIMM! 9״ — Wien VIII., ImllflUJI II. Sven Hedin, ״Jerusalem". Große Ausgabe. 400 Seiten mit 222 Abbildungen und 2 Karten. (Leipzig, ׳ F. A. Brockhaus.) Gebunden M. 20.—. Sven Hedin, ״Jerusalem". Volksausgabe. 100 Seiten Text mit 20 Abbildungen und 1 Karte. (Leip- Zig, F. A. Brockhaus.) Geheftet M. 2.—. Hedin bereiste Palästina, nicht' lange bevor die Engländer gegen die heilige Stadt vorrückten, und in seiner anregenden und unterhaltenden Erzählungs- Jurist, die Millionen deutscher Leser längst etwas Heimailiches geworden ist, berichtet er in diesem Buche von fernen Erlebnissen in Palästina und Syrien bis zur türkischen,Westfront in der Nähe des Suczkanals und von den dortigen Zuständen. Ebenso reich an fruchtbaren Gesichtspunkten wie in seinem Werk ״Bagdad, Ba-- Lylon, Ninive", läßt Hedin auch hier als Hintergrund der lebendigen Gegenwart die Jahrtausnde alte Vergangenheit des gelobten Landes in gigantischen Baudenkmälcrn und Ruinen, in epochemachenden Ereignissen und Persönlichkeiten der Weltgeschichte wiedererstehen. Ganz naturgemäß gipfelt daher dieses Werk in einem Hymnus auf den, der als Friedensfürst, von Golgatha aus, durch die zwingende Gewalt seiner göttlichen Liebe die ganze Welt erobert hat. Jerusalem ist natürlich der Höhepunkt dieser Rciseschilderung. Wir wandern mit Hedin durch die cngen, holprigen Stufenstraßen der heiligen Stadt, las-'. Hansen Else: Richtet nicht! Ein Roman in Briefen. Ein ״Noli me tangere", Ruf an alle, die es angeht". Verlag I. Michael Müller, München. Nenhebrüisches Wörterbuch Dr. Josef Mieses. Ein Supplement, enthaltend Erzählungen und Berichtsgungen zu I. Löwy's vielbändigem neuhebräischen Wörterbuch. Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. S. Krauß, Wien. Preis pro Heft M. 4.60. M. Hickl's Verlag, Brünn-Wien. An die Juden in der Slowakei. Wir beabsichtigest in der nächsten Zeit in der Slowakei eine Geschäftsstelle mit selbständiger Nedaktion zu errichten und bitten um frdl. NaMhaftmachung von Adressen behufs Versendung von Probenummern. —- Mitarbeiter werden gesucht. Verlag der ״Jüdischen BolkSstimme". llimilMiau. Morgenthau in Polen. Das jüdische Volk und die zionistische Organisation schulden Herrn Henry Morgenthau für den Schutz, den er als amerikanischer Botschafter in Konstantinopel den jüdischen Liedlungen in Palästina gewährt hat, aufrichtigen Dank. Leider aber hat Herr Morgenthau seit seiner Rückkehr nach Amerika gezeigt, daß er mit jüdischen Verhältnissen nicht in genügendem Maße vertraut ist oder ihnen innerlich sehr fremd gegenübersteht. Wir haben deshalb nur sehr gemischte Gefühle empfunden, als er als Vorsitzender der amerikanischen Kommission nach Warschau ging. Wie berechtigt un _ _ sere Bedenken waren, geht aus der nachfolgenden Melsen den Zauber ihrer tibetartigen Landschaft auf uns! ^ung über eine Audienz hervor, die er polnischen Jourwirken und lauschen in ergriffener Andacht den Ernalisten in Warschau gewährt hat. innerungen, die der bibelkundige Führer im Garten Gethsemane, an den Stationen der ״Via' dolorosa" und in der Kirche des Heiligen Grabes in uns wachruft. Eigentümlich ״aktuell" mutet uns die Geschichte der Zerstörung Jerusalems an — jedem drängen sich da Vergleiche mit gegenwärtigen Zuständen auf! Ucber diesen Empfang veröffentlicht die polnisch,׳ Zeitung ״Przeglad Weczorm" vom 16. Juli folgende Details: ״Morgenthau gab zu, daß der Vertrag wegen des Schutzes der nationalen Minderheiten eine Beleidigüng für das polnische Volk sei. Hauptsächlich war der Paragraph gegen Rumänien gerichtet, aber um Ru- und was -er über die Heuschreckenplage zu berichten! wänien nicht zu kränken, beschloß man, diesen Traktat weiß, zeigt schlagend die Wahrheit der biblischen Er-! auf sämtliche neugegründeten Staaten zu beziehen. Es ,zählungen, die man geneigt war für orientalische,׳unterliege keinem Zweifel, daß bei der ersten Sitzung Uebertreibungen zu halten. j der Völkerlige die Frage der Annullierung dieses Pa- Der Reichtum de- Bucheist damit nicht «sch-psty r״^™ >>""^"ich Voten» mfatootien werden Du ist das uralte Dama-kus mit seiner Omaijaden.! M°r,,ench-m fugte -,nzu: Ich sage d,°- zwar maschee. Baalbeck mit seinen herrlichen Ruinen aus1 "״־£•״״י‘*״, aber nach e.nem Gespräch m,t dem Pra. stdenten Wrlson brn rch zu diesem Schluß gekommen. Der ״Kurier Warsczawski" berichtet folgendes über Morgenthaus Aeußerung: ״Der Paragraph sei griechisch-römischer Zeit, der See Genezareth mit Tiberias, Kapernaum und all den Orten,׳ deren Namen ׳ jedem Christen' und Juden geläufig sind, Nazareth und Bethlehem, Jericho und däs Tote Meer. Ein Besuch in den Judenkolonien bei Jaffa gibt Veranlas- . jung zu -iu-r anfschlußr-ich-n Erärtrrung über den!schurr und mrmand ung-str-st ZiomSmur. Kurz. H-din- .J°°uf°l-m" ist ״seinrs. i dann louur d,°s-r Paragraph ,a geändert wer. Wegs das geringste" unter den Kriegswerken Hedins.jE' ״ im Gegenteil: chirgt dach der Staff selbst Ewigk-it-wer. | D.e «elcherungeu Margenthaus. d,° der ״Prze. te. dieben nur im Heiligen Lande zn finden sind und ^l->d Weezarm pubstz.ert, Il'Ngeu s° unwahrscheml.ch. diesem Bucke -ine besanders grahc .Gemeinde schaffen! b0& Wahl nur als e,n höchst t-nd-nzws-r Kämmen. Vielleicht ein Fehler, aber wenn Polen im Laufe einiger Jahre beweisen werde, daß es alle Bürger gleich Verbrechen begehen werden. ־־־ גובולת hebräische Monatsschrift. Bücher-Einlauf. Besprechungen Vorbehalten. Jahrbuch für jüd. Geschichte und Literatur. Herausgegeben vom Verbände der Vereins für jüd. Geschichte und Literatur mit Beiträgen von S. Birnfeld, Beruh. Breslauer, Sam. Krauß, I. Landau, Rosalie Perles, Dr. M. Nosenmann, Ella Wolfs Frank. Deutscher Geschichtskalender. Der Friede von Versailles. Ost. Lieferung. M. 1.60. Verlag Felix Meiner, Leipzig. Der bolschewistische Staat. Die Gestaltung der rusfischen Sowjetrepublik durch die Kommunisten. Dargestellt *auf Grund der-Verfassung vom 10. Juli 1918 von Hans Berliner, mit einem Geleitwort von Julian Bochardt. Verlag der Lichtstrahlen Berlin, Lichterfelde. M. 1.80. Wilhelm Meister: Judas Schuldbuch eine deutsche Abrechnung. M. 5.—. Deutscher Volksverlag, München. Gapon: Das Schicksal einer russischen Revolntionärin. Bekenntnisse der Milda Thomse. M. 3.00. Herausgegcben von M. I. Schweriner. Verlag Gustav Ziemsen, Berlin. tar zu der zweiten Meldung, der des offiziösen ״Kurier Warsczawski", anzusehen sind. Aber auch diese letzte- °ren sind um so unverständlicher, als die Bestimmungen über den Minoritätenschutz gerade von den amerikanisch-jüdischen Kongreßdelegierten mit besonderem Nachdruck vertreten worden sind und sich durchaus im Geiste der Wilsonschen Politik bewegen. Herr Morgenthau hat in der Tat nur seine Privatmeinung zum' Ausdruck gebracht! Aus dem Prager Garnisonsarrest. Das ״Prager Tagblatt" veröffentlichte am 5. August folgende Mitteilung: Ein Prager Rechtsanwalt schreibt uns: Herr Samu Mayer, Redakteur der sozialdemokratischen Zeitung ״Volksstimme" in Preßburg, wurde auf die anonyme Anzeige eines mittlerweile eruierten Lockspitzels, die sich als gänzlich erfunden herausgestellt hat, am 2. Juui in Preßburg verhaftet und^dem hiesigen Garnisonsarrest in Verwahrungshaft eingeliefert. Auf dem Transport wurde er mißhandelt, beschimpft, geschlagen. Im Arrest gestattete man ihm nach seiner Ankunft nicht, seino Angehörigen zu verständigen und einen Anwalt zu. bestellen. Die Zensur hielt seine Briefe jedesmal 8—10 Tage zurück, so daß ich sein Schreiben vom 13. Juni, mit dem er mich mit seiner Vertretung betraute, erst am 21. Juni erhielt. Mayer wurde in der Haft mit rohen Worten zu groben Arbeiten angehalten. Die Kost war ungenießbar und man verweigerte ihm zunächst, sich auf eigene Kosten Zubesserungen zu schaffen. Mir als seinem Anwalt, gelang es erst nach sehr energischen Schritten vermittelst einer Jmrnediat-Beschwerdtz in den Obersten Mil.« Gerichtshof und die Generalanwaltschaft, die elementarften Rechte des Verteidigers, als Rücksprache mit dem Klienten und Mitteilung, wessen der Klient beschuldigt werde, zu erlangen. Die Handlungen, deren, er beschuldigt wurde, waren Hochverrat, Spionage und Verbrechen gegen die Kriegsmacht des Staates. Mein Klient, der.lungenleidend ist und früher Blut hustete, Wurde in einer dunklen Zelle gehalten, mußte sein Lager mit wegen schwerer Verbrechen Verurteilten teilen und als er sich zur Marodenvisite meldete, wurde ihm vom Arzte bedeutet, ״dem Klofacz sagte man in Temesvar, für Sie ist keine Marodenvisite, sondern der Strick" und nahm von den Beschwerden meines Klienten keine Notiz. Erst am 1. August gelang cs meinen fortgesetzten Bemühungen, die- Freilassung meines Klienten zu bewerkstelligen. Die Beratung der ״Poale-Zion". Das Schwedische Preßbureau in Stockholm meldet: Montag, den 21. Juli, hat in Stockholm eine Beratung des Allweltlichbn Jüdischen Sozialistischen Arbeiter- Verbandes ״Poale-Zion" begonnen. Von der Verbandslcitung sind anwesend: Chasanowitsch, Kaplansky. Locker und Rcwuhky (früher Minister für jüdische An? gelegenheiten in der Ukraina). An der Konferenz beteiligen sich Delegierte aus Deutschland (S. Rubaschow), aus Deutschösterreich (M. Kohn, Malko Schorr. Serpow und Nudel), aus Polen (Jahrblum, der auch die Pariser Gruppe vertritt) und aus der Tschechoslowakei (Rudolf Kohn). Die Delegierten Rafalkes (Warschau) und Edelmann (Lodz) sind unterwegs. Auf der Tagesordnung steht eine Reihe höchst aktueller Fragen wie: Die jüdische Kolonisation in Palästina, die Sicherung der jüdischen nationalen Rechte in den Ländern Ost- und Zentraleuropas, jüdischer . Weltkongreß, jüdischer Aröeiter-Wektkongreß, die Reorganisation der Internationale usw. Die Konferenz befaßt sich natürlich auch mit Organisationsangelegcn- ׳ heiten des Poale-Zion-Verbandes. Es wird beabsichtigt, die Konferenz im August (nach der internationalen sozialistischen Konferenz in Luzern) unter Beteiligung der erwarteten Delegierten aus Palästina, Amerika - und England) fortzusetzen. Greuel in den Polnischen Konzentrationslagern. Der Abgeordnete des polnischen Parlaments Färb- - stein berichtet haarsträubende Dinge über das Gefangenenlager in Strzalkow, welches er unlängst besucht hat. In diesem Lager sind einige Tausend unschuldiger Leute (Juden und Nichtjuden), die aus Galizien deportiert wurden, ohne zu wissen, weshalb sie verhaftet sind. Das Aussehen der Gefangenen ist schrecklich, sie sind halb nackt, bekleidet mit schmutziger Wäsche oder gayz ohne solche, barfuß^ ausgehungert. Im Spital sind 800 Schwerkranke, darunter 200 mit Flecktyphus, die fast keine Hilfe bekommen. Die Kranken liegen dicht nebeneinander, ohne Betten auf Strohsäcken. Die Gefangenen werden bei jeder Gelegenheit mit eisernen Nuten geschlagen. Manche sind ohne Grund erschossen worden. Der Kommandant des Lagers, Leutnant Malinowski, hat dem Deputierten gegenübec gar nicht versucht, diese Greuel abzuleugnen. Hr hält sie für zweckmäßig. Als der Deputierte vor der Abreise den Kommandanten ersuchte, die Gefangenen, die ihm gegenüber Aussagen gemacht haben, nicht zu bestrafen, erklärte der Kommandant zynisch, daß er solche Zusage nicht geben wird. Rekrutierungen in Oftgalizien. In Ostgalizien, hauptsächlich in dem von Ukrainern bewohnten Gebiet, wo die Juden bisher im polnisch-ukrainischen Kampfe sich neutral verhielten, haben die Polen angefangen Juden zwangsweise zum Militärdienst hcranzuziehen. Gegenwärtig werden die Jahrgänge 1894 und 1895 rekrutiert. Da diese Maßnähme eine Verletzung der jüdischen Neutralität bedeutet, hat die Delegation des ostgalizischen Jüdischen Nationalrates dagegen den schärfsten Protest erhoben. Die Vernichtung der jüdischen Kolonien. Die zahlreichen jüdischen landwirtschaftlichen Kolonien im Kreise Jekaterinoslaw, die dort seit 80 Iahren bestehen, sind jetzt in eine verzweifelte Situation geraten. Die Truppenabteilungen Denikins, die, vom Don kommend, diese Gegend ' erreichten, haben einige Kolonien vernichtet. Andere Abteilungen, welche sich zwischen den Armeen Gregoriews und Petliuras befinden, die ihrerseits keine Kontrolle über das Land besitzen, ziehen unter Plündern und Morden von Kolonie zu Kolonie. Die Zahl der Opfer IMLehr bedeutend. llerbreim die Jüdische Uolksstiniitic".