Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 22 (8.8.1919)
- Date
- 1919-08-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ץ 3״»if4t SfiMiManM* r Seite 4. Nf. 22. fet Galuthprogramm sich scharf unterscheiden von allen pseudojüdischen Programmen. Schule — Kultusgemeinde — Palästina müssen die Grundpfeiler unserer Galuthpolitik sein. Zum 9. Ab. Von dem letzten Berg nieder zum heiligen Dom. Da sah ich, o Zion! gebeugt dich von Rom, Deine Sonne versank, und die stürzende Glut Erlosch, als mein Blick drauf, mein letzter, geruht. » Ich suchte den Tempel, ich suchte mein Haus, Und vergaß auf Minuten den knechtischen Graus, Doch sah ich die Glut nur, die Mauern verzehrt, Und die Fessel des Arms, die mir Rache verwehrt. Wie oft stand auf selbigem Hügel ich nicht. Wenn die Sonn' ihn bestrahlte mit scheidendem Licht, Da stand ich und sah dann, wie langsam versprüht Am Berge der Strahl, der den Tempel umglüht. Der Hügelnun^war es, wo wieder ich stand. Doch sah ich daS Licht nicht, das dämmernd entschwand; O! hätte dör Blitz nur statt seiner gezückt, Und der Donner das Haupt des Eroberers erdrückt. Doch sei nicht von Götzen der Heiden bewohnt Der Tempel, wo früher der Ew'ge gethront. Mag irre dein Volk und verachtet auch sein, Anbetung, o Vater! sei einzig nur dein. Lord Byron. ' 1816. Literatur und Wissenschaft. Bücherbesprechrrrrge«. ״Polnische Judengeschichten" betitelt sich ein neues ErzählckngSbuch von Hermann Blumenthal. Verlag M Hickl, Wien—Brünn. - Blumenthal hat der jüdischen »Literatur den ersten literarischen Entwicklungsroman eines . Ostjuden geschenkt Dann schrieb er einige nichtjüdische Bücher, die ihn in weiteren Kreisen bekannt machten. Als rausgeber der Sammelbücher ״Das Ghettobuch" und ״Das Volk des Ghetto" hat er sich um die Ghettoerzählung verdient gemacht. Sein neues Buch ״Polnische Judengeschichten" zeigt ihn uns als genauen Kenner des ostjüdischen Lebens. Wer den polnischen Juden kennen lernen will, der lese dieseS Buch, in dem uns der Dichter die mannigfachsten Lebensphasen des Ostjuden vor Augen führt, daS Kind in seiner heit, der Jüngling und Mann über schwere Bücher hockend, in Mystig eingesponnen. — Denkst du noch an daS Judenstädtchen in seiner Verschollenheit —! Dem Einen eine Erinnerung, dem Anderen eine Offenbarung — allen aber ein Freund und!Führer wird dieses Buch werden. Die Religion in ihrem Werden und Wesen. Von Berthoy) v. Kern. ISIS. gr. 8. Preis 24 Mark. Verlag August Hirschwald, Berlin NW. 7. — Grundlage des ganzen Werkes ist die einheitliche Auffassung der religiösen Gesamtentwicklung der Menschheit in ihrem weitverzweigten und vielgestaltigen Verlauf, ihren inneren Zusammenhängen, ihren charakteristischen Phasen und ihrer verwickelten Gesetzlichkeit. Erst das untrennbare Ganze dieser Entwicklung läßt das. Wesen ber Religion, ihre Leistungen und ihre Aufgaben vorurteilsfrei erkennen und beleuchten. Irr entwickelungSgeschichtlichen, psychologischen und systematischen Untersuchungen wird so der Begrifß der Religion ermittelt als einheitliche Ordnung des gesamten inneren und äußeren Lebens nach Maßgabe eines idealen Wert» und Wertsystems, tzaS erkenntnisgemaß dem Leben zugründe gelegt wird. Unter geschichtlich erläuterter und begründeter Ablehnung deS Begriffes eines religiösen Glaubens ergeben sich als rechtSmäßiger Eigeninhalt der Religion die religiösen Ideen (Weltidee, Ent- Wicklungsidee, Idee der Willensfreiheit und der Ethik.). Ihr Zusammenschluß zum untrennbaren Ganzen macht das Wesen der Religion als selbständigen Kulturgebildes aus und bedingt die geschlossene religiöse Personlichkeit. Kennzeichnend "für den Standpunkt der Verfassers ist der Schlußsatz deS Werkes: «Ein Leben ohne Religion ist ein bloßes Würfelspiel des Schicksals, ein Kampf gegen die Religion ein Kampf gegen den nen 31.60. — Der hervorragende Schriftsteller und Publizist liefert in diesem stattlichen, über 400 Seiten starken Bande einen wichtigen Beitrag zur Zeitgeschichte, der bei allen, die sich für daS werdende polnische Reich interessieren, die schärfste Beachtung finden wird. ״WaS wir schaudernd miterlebt haben, wollen wir auch nach seinem Ursprung und seinem Ablaufe verstehen. Hiezu bietet Gelber als eminent Sachkun» diger die Möglichkeit. Mit Recht betont Gelber in der Vorrede, daß eine sich stets gleich gebliebene Sympathie für Polen und sein Lebensrecht ihm die Feder geführt habe; umso eindrucksvoller wirkt gelegentlicht der jüngsten unerfreulichen Erscheinungen sein ernst mahnendes Wort. ES ist die unschätzbare Eigenschaft Gelbers, daß er mit ebenso sicherem Blick für daS Reizvolle der Landschaft, wie für die Seele der Architektur und über» Haupt aller Krnst begabt ist, und daß sich ihm, an welcher Kulturstätte immer er weile, das Gesehene zu einem organischen Bilde des in vielhundertjähriger Ent- Wicklung Gewordenen rundet. Hiezu gesellt sich ein erschöpfendes Verständnis der lebendig wirksamen Kräfte der Nationen, ihrer volkswirtschaftlichen Einrichtungen und zur Nützung bereiten Schätze. Man wird in statistischen und nationalökonomischen Werken über Polen trotz dem Plus an Ziffern nicht so viel anschauliche Belehrung finden, als in den einschlägigen Kapiteln des Gelber'schen Buches über die Kohle pon Dombrowa, die Forste am Bug, daS Holzgeschäft in Galizien und die Quellen von Boryslaw; oder als in den Ausführungen über die geologischen Wunder des Kielcer Gebietes mit seinen Marmor-, Eisen-, Galmey, und anderen Lagern, sowieseinen Schwefclvorkommen. Bietet doch dieses letztere Kapitel für sich allein eine Sensation, deren Wirkung speziell auf die Italienische Oeffentlichkeit nicht ausbleiben wird. Was die Darstellung bcttrifft, so genügt eS, an die Schilderungen zu erinnern, durch die kurz vor dem Kriege Gelbers Bilder von der ״Grichischen Erde"' so rasch und in der gesamten Kulturwelt bekannt und berühmt geworden ist. Kapitel wie ״Hoher in Zakopane" und ״DaS Ghetto in Lublin", oder Geschichten wie die vom kleinen Maler Andruszko, sowie vom Hause PotockiS und SaphiaS, und von der Allee der Fürstin Jsabella Fortunata, behalten ihren magischen Reiz weit hinaus über die Stunde, da der Verfasser sie zu Papier gebracht hat. ״AuS dieser und jener Welt." Jüdische Geschichten von I. L. Percz. R. Löwit Verlag, Wien und Berlin. Preis geb. M. 10.— brach. M.7.— Im Verlage R. Löwit der daS deutsche Publikum schon mit einer Reihe von Werken dieses großen jüdischen Erzählers bekanntgemacht hat, ist ein neuer Novellenband von Perez erschienen, eine Sammlung von Geschichten, Skizzen und Bildern aus der Welt des Ostens, die dem europäischen Verständnis noch nicht lange erschlossen ist. Der Zwiespalt ostjüdischen Lebens, die innige Verknüpfung von gottheiligender Pracht und armseligen Tagwerksdafein, die Inkongruenz von Enge und Unendlichkeit, ist hier von einem Meister erschaut und in köstlichen Einzelfiguren lebendig geworden. -Siegfried Schmitz hat die deutsche Uebertragung mit künstlerischem Verständnis besorgt. Die Ausstattung des Buches schließt sich jener der ״Chassdiischen Geschichten" an. Inhalt und Form haben hier zu einem vollkommen Produkt bester Buchkunst vereinigt, s Massenfiedlung und Geldbeschaffung. Dr. R. Koch, Der Zionismus vor seinem Triumpfe »sw. ts«rir1fL•■•!! **•»מזינייי — גבולות Büchereinlauf Neuerscheinungen. Besprechungen Vorbehalten. Alba F.t Auswanderung nach Argentinien. Be» trachtungen über die Möglichkeiten in Südamerika eine neue Heimat uüter besseren Lebensbedingungen zu finden. Verlag: H. Althoff, Berlin. M. 3.60. Nipold Ottfried: Die Gestaltung des Völkerrechtes nach dem Weltkrieg. 286 S. gr: 80 Form. Frc. 10, geb. Frc. 12. Verlag: Art.׳ Institut Orell Füßli, Zürich. Stein Lola: DaS Gewissen Amerikaner. M. 4.50, geb. 6.50. Verlag Friedrich Pustet, RegenSburg. Brase, Dr., Siegfr. DaS Mntterbild. Roinan. Alvin Risze Verlagsgesellschaft, Dresden N. 8.' Freimark HanS: Ein livländischeS Herz. Kaihari» na!. von Rußland. Geschichtlicher Roman M. 6.50. Verlag Richard Bong, Berlin. Weber, Dr., Simon: DaS alte Testament der göttlichen Offenbarung in Auswahl erbauender Texte. AnSgewählt, nach Allioli aus der Vulgala -mit Berücksichtigung deS hebr. Textes und griechischen Wortlautes. Herdersche Verlagsbuchhandlung, Freiburg im Breisgau. Karl Marx: (Umsturz und Aufbau.) Zur Judenfrage. Verlag: Ernst Rowohlt, Berlin. M. 1.—. Dinier Artur: Die Sünde wider -aS Blut. Ein Zeitroman. Verlag MattheS u. Dost, Leipzig. Roth, Dr., Paul:, Die politische Entwicklung in Kongreßpolen während der deutschen Okkuvaiion. Unter Mitarbeit von Wilh. Stein. M. 10.—. Verlag K. F. Köhler, Leipzig. ' ״ Möller K.: Die gewaltige Mackit der Gedankens.. Verlag Max Spor, Leipzig. Zur Notlage der jüdischen Kuttusbeamten. ES ist durchaus nicht unehrenhaft, einen begangenen Fehler einzugestehen, ein begangenes Unrecht wie« der gut zu machen. Und deshalb nehme ich keinen Anstand, öffentlich zu erklären, daß ich dem sogenannten jüdischen Gemeindebund in Mähr.-Ostrau, dessen Existenz jedem Kultussteuerträger in Mähren mit Ausnähme der nicht Kultussteuer zahlenden KultuSbeamten wohl bekannt sein dürfte, in meinem letzten Artikel bitter Unrecht getan habe. Denn zwischen meinem letzten unddiesem Artikel hat sich etwas ereignet, waS geeignet ist, den jüdischen Gemeindebund mit einer Art Glorienschein für ewige Zeiten zu umgehen, ihn geradezu"unsterblich zu machen. Der Gemeindebund hat sich nämlich zu einer heroischen Tat aufgerafft; er hat Musterstatuten für die zu gründenden ״Volksgemeinden" (an Stelle der bisherigen Kultusgemeinden verfaßt und gedruckt und diese Musterstatuten allen KultuS- — Pardon — allen zukünftigen Volksgemeinden eingesendet. Nun wissen die jüdischen Steuerträger we» nigstenS wofür sie die zwei Kronen Extrasteuer dem jüdischen Gemeindebund entrichten. Der Bund arbeitet, er arbeitet schnell und gründlich. Diese Eile hat aber etwas Verdächtiges an sich. Be» trachten wir uns diese im streng demokratischen Geiste abgefaßten -Statuten für die im streng demokratischen Geiste zu schaffenden VolkSgemeinden etwas näher. Da heißt eS gleich am Anfang. Aktives und passives Wahl- (recht haben alle Männer, Frauen, Mädchen usw. DaS Hickl'S Verlag, Brünn, Adlergasse ist streng demokratisch und dagegen wäre nichts einzutuenden. Dann aber heißt es weiter. Vom passiven Wahlrechte sind ausgeschlossen die Beamten und .Bediensteten der Gemeinde, also-die Rabbiner, Kantoren, Religionslehrer usw. Warum und weshalb, wird nicht gesagt und auch nicht erklärt. Nun, könnte man eigentlich fragen: ist daS demokratisch, entspricht eS dem Geisie der neuen Zeit und der freien Rupublick, der wir M. Hickl, Verlags-Buchhandlung Bronn, IfilFIIUI 9״ — Wltn VIII., Mp8 II. Zeitschriftenrundschau. Gchlemtel, jüd. Blätter für Humor und Kunst. Heft 1 -und 2. Bezugspreis vierteljährlich M. 4.—. Zu beziehen durch M Nr. 9. Esr«, Monatsschrift deS jüd. Akademikers. Heft 1. Aus dem Inhalte: Der notwendige Weg. Eugen Höflich, Paris, Arabien, Jecusalenr. ,Dr. O. R of e n f e l d, Das Problem neuer jüd. Kunst. B r od Max, Naivität im Judentum. Ehren st ein Alb., Dezentbergang. — Heft 2.: Hugo Bergmann, Anspräche. Eugen Höflich, Bolschewismus, Judentumi angehören. Aber wir fragen ganz anders: Ist ern -8י•*״*״ solcher Vorgang jüd di sch, ist er geeignet diejenigen, die für die Gemeinde und daher für daS Gesamtjuden. und die Zukunft. Oskar Karbach, Ler asiatische Kurs. Elijabu Rappaport, Jeschualegenden usw. Einzelhefte zu K 3.20 sind durch M. Hickl'S Verlag, Brünn, Adlergasse 9, zu beziehen. Bar Kochba, Blätter für die Heranwachsende jüd. Klötzel. Heft 2. Aus Kampf gegen vre mengion »*יי״ ״ף Jugend. Herausgegeben von E. Z. Klötzel. Heft 2. Aus Menschlichen Geist, ein Kampf gegen überalterten und ejn»flftc: yeo Tolstoi, Der König der Narren,!licht mehr lebensfähigen Inhalt aber nur ern Kampf, au9 einem jüd. Jmzendgarten. — Die beiden für daunvergängliche Heiligtum unseres Ge,steSle- _ WeS PapenbreiteS Abenteuer. — Lhrqbens." Entwickelung, nicht Umsturz bleibt so auch für __ Jugendleben. — Illustrationen. « Die Steliflion der Zulunst da« ״.»fort«»»« *״'»״* | S(wk. $eft 3. Inhalt: Julia- Berger. Prinzip. 1917 Bon Ostjüd. Arbeiter im Kriege. Dr. N. Honig, NottodTMto. (®«fefl tum Moritz Perl«,. Wien. «r°. st-nd,arbeiten in Palästina. Dr #. Simonsohn. tum und seine Zukunft zu arbeiten und^zu sorgen haben, mit Liebe und Begeisterung für ihren Beruf, ihr Amt, ihr Wirken und — auch für ihre Gemeinde zu erfüllen? Können sich denn die Statutenmacher vom ülten unseligen österreichischen Geiste gar nicht lossagen, wissen sie denn nicht, daß sie in einem neuert Statut und in einer neuen Zeit leben, in einer Zeit, in der für die veraltete und verlotterte KultuSvorfteher-Wirtschast und -Alleinherrschaft kein Raum mehr ist? Haben denn die Herrschaften noch immer nicht eingesehen, wie herrlich weit da» österreichische System e» gebracht ״Hick'ls jüdischer Volkskalender".