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Jüdische Volksstimme · 1919-08-01 · Heft 21 (1.8.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 21 (1.8.1919)
Date
1919-08-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 21 ״Jüdische Seite 5. Diese Entscheidung hat für alle traditionell gefinnten Juden Deutschlands bindende Kraft und legt daher den Standpunkt der Konservation in den jüdischen Gemeinden zu dieser Frage fest. Man ist heute auch im jüdischen Gemeindeleben für das uneingeschränkte Wablrccht der Frauen, weil dies dem Geist der Zeit entspricht, — uns soll aber nicht dieser, sondern der Geist des Judentums maßgebend sein. Wir glauben, man sollte gerade in unseren Tagen den Respekt vor dem Geiste der Zeit verlernt haben und dort, wo das Judentum mit diesem differiert, den Geist des Judentums verstehen zu lernen suchen. Um einige Worte über die Frau im Judentum zu sagen: Unser Judentum macht einen Unterschied zwischen der Frau als Weib und der Frau als Frau, d. h. in ihrer Beziehung zum öffentlichen Leben. Die Frau als Weib ist dem Mann voll ebenbürtig. Es gibt in den Beziehungen der Geschlechter zu einander keine zweierlei Moral, eine leichtere für den Mann und eine strengere für die Frau, wie noch in der heutigen Kulturwelt, an der sich leider auch ein großer Teil der Judenheit orientiert. Dem öffentlichen Leben gegenüber verlangt jedoch das Judentum eine gewisse Zutückhaltung der Frau, da das Schwergewicht ihres Wirkens in der Familie liegen soll. Die Judenauswanderung nach Palästina. Amsterdam» 24. Juli. Wie das Preßbüro Radio aus Ncwyork meldet, teilte die zionistische Organisation von Amerika mit, daß 11/a bis 2 Millionen Juden von allen Teilen der Welt^ nach Palästina gehen werden. Man erwartet, daß eine Million aus Rußland kommen werde. Sabbatruhe im Staate Newyork. In der ersten gesetzgebenden Körperschaft des Stc^rteS Newyork wurde ein Gesetzprojekt betreffend das Recht der Juden, Samstag geschloffen zu halten und dafür Sonntag zu arbeiten, fast einstimmig angenommen« Es ist Hoffnung vorhanden, daß während der nächsten Seffion dieses Projekt auch durch den Senat des Staates Newyork angenommen werden wird. So wird endlich das Recht der zwei Millionen Juden anerkannt werden, die Sabbatruhe einzuhalten. Dieses Gesetz wird auch die anderen Staaten, in denen sich eine zahlreiche jüdische Bevölkerung befindet, beeinflussen, sodaß man sicher annehmen kann, daß falls dieses Projekt in Newyork Gesetz wird, auch die anderen Staaten Nachfolgen werden. Die jüdischen Delegationen in Paris für Palästina. ‘ Kopenhagen. Auf Vorschlag Motzkins nahm das Komitee der jüdischen Delegationen auf seiner am 10. Juli stattgefundenen letzten Plenarsitzung einstimmig den Beschluß an, der Friedenskonferenz namens des Komitees ein Spezialmemorandum betreffend die Palästinavorderungen des jüdischen Volkes vorzulegen. Die Versammlung beschloß mit Enthusiasmus, daß der Inhalt des Memorandums mit den Vorschlägen der .zionistischen^ Organisationen zusammenfallen muß. Der gegenwärtige Vorsitzende, Herr Louis Marshall, der nach Amerika abreist, nahm der) Vorschlag mit größter Sympathie auf und ermächtigte das Komitee, bas Memorandum in seinem Namen zu zeichnen. Auch ein Sympathiestreik. Am 26. Juni hat die gesamte Judenheit des Londoner Ostens nicht gearbeitet und — gefastet. Des Morgens in der Frühe wurde in sämtlichen Synagogen Slichos gebetet und geweint. Um 2 Uhr bildete sich ein Demonstrationszug, um der Welt zu zeigen, wie eng die Juden des Londoner Ostends mit der gepeinigten Judenheit Polens sich verbunden fühlt. VoranSoldaten, dann Schulkinder, dann die jüdischen Arbeiterverbindungen, dann der endlose Zug von mindestens 80.000 Menschen. Ueberdies fanden Massenversammlungen statt. Die ganze Veranstaltung war für das Volk der Religion charakteristisch und seiner würdig. DaS jüdische Krankenhaus zu Memel. Als in den Jahren 1868—69 in Rußland der Hunger wütete, organisierte Rabb. Dr. Rülf s. A. ein Hilfs- Werk. Bei diesem Hilfswerk blieben 1733 Thlr. und 6 Sbgr. übrig und wurden der Grundstock für das jüdische Krankenhaus in Memel, das eine Heilstätte für jdische Kranke, aus dem benachbarten Rußland geworden ist. Die geographische Lage des Ortes machte diesen von alterSher zum naturgemäßen Handelszentrum und vordersten Punkt des westlichen Europas für weite Strecken eines von einer armen jüdischen Bevölkerung dicht besetzten russisch-litauischen Landstriches. Es war daher eine erlösende Wohltat, vorzugsweise aus Beiträgen deutscher Glaubensbrüder, ein jüdisches Krankenhaus hier zu errichten, das im Wesentlichen durch Spenden der hier Handel treibenden ruffisch-jüdischen Kaufleute unterhalten wurde. Das Haus aber, das zu diesem Zwecke als alt angeschafft worden, erwies sich nach 25jährigem Bestehen als klein und mangelhaft, dem hohen Maße des Heilwerkes bei Weitem nicht entsprechend. Da wurde 1896—96 ein neues, weit größeres Heim geschaffen. Wiederum hatte die deutsche Judenheit zahlreiche Beiträge zu dem Baufond gesteuert. DaS große Grundstück mit Garten hatte aber der Vorsitzende der Synagogengemeinde Kommerzienrat Leopold Alexander aus eigenen Mitteln angekauft. Am 22. November 1896 wurde das neue, mit den modernsten Einrichtungen und den besten Heilmitteln reichlich ausgestattete Gebäude seiner Bestimmung übergeben. Dieses humanitäre Werk an der Grenzscheide Deutschlands wirkte seither segensreich für unsere armen kranken Brüder aus dem benachbarten Rußland, bis infolge des Russeneinfalles März 1916 das Haus geschlossen werden mußte. Durch die KriegSereignissc mannigfacher Art, die andauernde Grenzsperre und die androhende Bolschewistengefahr, sind alle Versuche des Kuratoriums, den Betrieb des Hauses aufzunehmen, fchlgeschlagen und vorkommende, verarmte jüdische Kranke mußten zu. Lasten der Kasse des jüdischen Krankenhauses in den städtischen und Kreisheilanstalten untergebracht werden. In diesen Tagen erst ist es gelungen, die bewährte Anstalt wieder zu eröffnen. Am 29. Juni l. I. fand die Wiedereröffnung statt. Die amerikanische Mission zur Untersuchung der Pogrome. . ״Newyork Herold" zufolge setzt sich die gemischte Kommission, die sich im Aufträge der amerikanischen Regierung nach Polen begibt, um die Pogrome gegen die. Juden und die Frage des jüdisch-polnischen Verhältnisses zu untersuchen, aus Heinrich Morgenthau, Brigadegeneral Edgar Jadwin und Univ.-Prof. Johnson zusammen. Diese Kommission wird sich auch mit der Frage des wirtschaftlichen Boykottes gegen die Juden befassen. Frankreichs und Englands Rivalität im Orient. ״Manchester Guardian" berichtet: Pichon hat es abgelehnt, der französischen Kammer etwas über die französische Mission und überhaupt die französischen Ziele in Palästina zu sagen, weil der Vertrag mit der Türkei noch in Verhandlung steht. Die Tatsachen, um die es sich handelt, sind, soviel wir wissend folgende: Pichon hat mit unserem Lande eine Differenz rücksichtlich der Nordgrenze von Palästina und mit den Arabern in Bezug auf Damaskus, Alepo und Alexandrette. Unter Berufung auf das Shkes-Picot-Abkommen von 1916 haben׳ die Franzosen eine Verwaltung in Nordgaliläa eingerichtet und eine derartige Grenze würde Palästina verstümmeln, es der Herrschaft über seine natürlichen und unentbehrlichen Wasserkräfte berauben und im Norden eine offene Tür schaffen, welche ernsthafte militärische Lasten für seine Verteidigung zur Folge haben müßte. Die Franzosen wissen so gut als irgend jemand, daß ein Verlangen dieser Art nicht gerechtfertigt werden kann und wahrscheinlich stellen sie es auch nicht um seiner selbst willen, sondern um auf die englische Regierung in bezug auf Damaskus, Alepo und Alexandrette einen Druck auSzuüben. Auf diese Städte erhebt Großbritannien keinen Anspruch, aber es ist Sache der Franzosen, die notwendigen Abmachungen mit dem Emil Faisul zu treffen. Darin hatten sie bisher keinen Erfolg. Die Art deS Vorgehens entspricht diplomatischen Traditionen, aber sie ist ebenso kurzsichtig wie ungerecht. Ein jüdisches Palästina ist an dem Streit zwischen Frankreich und den Arabern nicht beteiligt, warum also soll es darunter leiden? Es« ist ganz gewiß, daß das französische Begehren, Palästina zu verstümmeln, am Ende wird fallen gelassen werden müssen, aber indem die französische Regierung eS stellt und darin verharrt, setzt es sich der Gefahr eines Konfliktes mit den teuersten Wünschen des jüdischen Volkes in der ganzen Welt aus. Jedenfalls ist zu Hoffen, daß die Alliiertey raschestenS diesen Streit und den über die ganze Behandlung der türkischen Frage regeln werden, so daß der Osten wisse, waS er zu erwarten hat und die befreiten und zu neuem Leben gebrachten Nationen sich daran machen können, ihre Heimstätten wieder aufzubauen. Bon den Jeschiboth. Auf Anfrage der MiSrachi-LandeSorganisation in der Schweiz ist vom Zentralbureau der MiSrachi-Organisation in Erez Israel folgende Antwort eingetroffen: Vom ״Waad-Hazirim" (Delegierten-Komitee) werden die Jeschiboth und Talmud-Thoraschulen vom alten Typus beträchtlich unterstützt, solange die erwähnten Lehrstätten vom AuSlande keine Gelder erhalten. Als für die Lehrstätten Geld vom AuSlande eintraf, hat der ״Waad-Hazirim" einen Monat lang die AuSschüttung der Unterstützungen eingestellt, da ihre eigenen Mittel in letzter Zeit sehr beschränkt waren. Die betreffenden Lehrstätten werden gegenwärtig vom ״Waad-Hazirim" soweit es die Mittel erlauben, unterhalten. ES ist wohl begreiflich, daß die Jeschiboth bestrebt sind, vom AuSlande Gelder hereinzubekommfn» was auch wünschenswert ist. Ein zweiter Rabbiner für München. In seiner Sitzung vom 9. Juli hat der VerwaltungSauSfchuß -er Kultusgemeinde München Herrn Dr. Eugen Gärtner als Rabbinatssubstituten gewählt. Herr Dr. Gärtner ist 1886 in Schweinfurt geboren, hat das Gymnasium in Nürnberg absolviert und feine Studien an der Universität Berlin und der Lehranstalt für ׳die Wissenschaft des Judentums absolviert. Dr. Gärtner wurde im Jahre 1910 an der Universität mit einer Arbeit über ״DaS Buch der Weisheit״״ zum Dr. Phil, promoviert. Sein Rabbinerexamen hat Dr. Gärtner 1916 abgelegt. Er war als ReligionSlehrer an den jüdischen Gemeinden Berlin und Dresden, dort zuletzt auch als Vertreter des Rabbiners tätig, während des Krieges längere Zeit auch als Feldrabbiner. — Herrn Dr. Gärtner, dem ein guter Ruf vorausgeht, erwarten in München wichtige Aufgaben, vor allem auf dem Gebiete des Unterrichts und der Jugendbildung. Mitteilungen der Presseabteilung beim Zentralbüro der AgudaS. JiSroel. Dem ״Amsterdamer Handelsblad" wird unterm 21. Juli aus Jerusalem telegraphiert: Die internationale Kommission für die Mandate in der Türkei empfing verschiedene Delegationen aus der Bevölkerung PalästinaS. Für die orthodoxen Juden von Jerusalem erschienen u. A. Rabbiner Diskin, Rabbiner Chaim Sonnenfeld, Dr. Wallach, . I. I. de Haan, Leiser Slutzkin und Rabbiner Jungreis. Die Delegation interpellierte wegen der Einwanderung in Palästina und verlangte, daß die Friedenskonferenz nicht über Palä« stina beschließen solle, ohne die orthodoxen Organisationen AgudaS Jisroel" zu hören. Generalversammlung beS!deutschösterreichischen Kantorenvereines. Am 16. Juli fand im Sitzungssaals der isr. Kultusgemeinde die Fortsetzung der am 8. Juli unterbrochenen 37. Generalversammlung dedeutschösterrei' scheu Kantorenvereines statt. Anwesend waren die Herren: Bassel, Bakan, Eibenschüh, Falk (Mödling), Fuchs, Feuer, Friedländer, Funke, Grob, Harendorf, Hirsch, Jlmer, Jellinek (Ober- Hollabrunn), Kaufmann, Katz, Kostrow, Khuner, Le- Win, Löwit, Löwy, MatyaS, 'Morgenstern, ׳MargulieS, Maherowitsch, MenkeS, Neumann, Regner, Rosenberg, Rosenfeld, Roth, Schleifer, Schneeweiß, Schön, Stift, Tonkonogi. Infolge Abwesenheit des schriftlich entschuldigten Ehrenpräsidenten 1 Oberkantor^ Bauer eröffnet Löwit die Generalversammlung und begrüßt die Erschienenen und besonders die Gäste aufs herzlichste. In die TageSordnung, aüf welcher Neuwahl des Vorstandes, Anträge und Interpellationen stehen, eingehend, teilt der Vorsitzende mit, daß, auch Kollege Jurherger, der langjährige VereinSkaffier, erklärt habe, eine Wiederwahl nicht mehr anzunehmen. Die Generalversammlung nimmt diesen Entschluß JurbergerS mit Bedauern zur Kenntnis und beschließt einstimmig Herrn Jurberger für sein langjähriges ersprießliches Wirken als Kassier des Kantorenvereines -en unauslöschlichen Dank protokollarisch zu votieren. Hierauf wird zur Wahl geschritten, die folgendes Resultat ergab: Präsient Don Fuchs, 1. Vizepräsident Isidor Löwit, 2. Vizepräsident Josef Schlesinger, Kassier Josef Morgenstern, Schriftführer Hermann Mayerowitsch; Ausschußmitglieder: Josef Giblichmann, Josef Grob, M. B. Kaufmann, M. MatyaS, Ed. Regner, Jakob Schleifer, Armin Stift. Simon Weiß: Kontrolore: Moritz Harendorf und Heinrich Khuner. Nachdem die Gewählten erklärt haben die Wahl anzunehmen, übernimmt Präsident Fuchs den Vorsitz, dankt mit wenigen Worten für das ihm geschenkte Vertrauen und bittet die Kollegen, ihn in seinen Bestrebungen das Ansehen des Kantoren- Vereines und mit ihm des Kantorenstandes zu heben, zu unterstützen. Sodann wird ein Antrag Löwit, mittels Zirkuläre von allen Kantoren und Gemeinden Deutschösterreichs die Anerkennung des Kantorenvereines als die berufenste Instanz in Standesangelegenheiten zu fordern, einstimmig zum Beschluß erhoben, womit die Generalversammlung ihren Abschluß fand. Jugendtag der gefeheStreuen jüd. Jugendvereine der Schweiz. Am 20. Juli 1919 fand in Zürich der von der Agudas-JiSroel-Jugend einberufene Jugendtag der gesetzestreuen jüdischen Jugendvereine der Schwei- ״Hick'ls Mischer BoMalender".

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