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Jüdische Volksstimme · 1919-08-01 · Heft 21 (1.8.1919) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 21 (1.8.1919)
Date
1919-08-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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כי tut 2. Verschieden für Juden und Christen war bisher das Ehehindernis der Verwandtschaft. Im Gegensätze zu den Christen durste bet Juden bi-her eine Verehrlichung des Onkels mit der Richte und von Geschwisterlindern unter einander stattfinden, was nach dem neuen Gesetze nicht mehr erfolgen darf. Dispens kann von der Statthalterei aus wichtigen Gründen erteilt werden. Bezüglich der Schwägerschaft besteht das EhehinderniS nur mehr gegenüber den Verwandten des verstorbenen Ehegatten in direkter Linie (bezüglich der Schwiegermutter oder Stieftochter des überlebenden Ehegatten), ferner gegenüber voll- oder halbbürtigen Geschwistern (bezüglich der Schwägerin). Die vom mosaischen Gesetze angeordnete Leviratsehe ist sohin auch im neuen Gesetze verworfen worden. Die Bestimmungen über die dem jüdischen Kirchenrechte unbekannte Scheidung der Ehe von Tisch nud Bett, welche bisher für Juden und Christen gleiche waren, bleiben auch weiterhin in Kraft. Auch bei den Juden ist hier die ursprüngliche Bestimmung des bürgerlichen Gesetzbuches, datz die 3 Versöhnungsversuche vor dem Rabbiner stattzufinden haben, durch daS Gesetz vom 31. Dezember 1868, demzufolge die VersöhnungSversuche auch vor Gericht stattfinden können, obsolet geworden, da Letzteres schon bisher faktisch und nunmehr auch gesetzlich zur Regel wurde. Obligatorisch waren bisher die Versöhnungsversuche vor dem Rabbiner bei der durch den Scheidebrief zu erfolgenden Trennung der Ehe dem Bande nach. Nunmehr sind auch diese Bestimmungen aufgehoben, und gelten auch für die Juden die allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen, welche jetzt auch die Trennung von Ehen der Katholiken zulafsen, sowohl bei einverständlicher Trennung, welche bei Juden bisher ohne besondere gründe erfolgen konnte, auf Grund der ״wechselseitigen freien Einwilligung", als auch bei nicht Unverständlicher Trennung. Letztere konnte bisher bei Juden nur über Antrag des Ehegatten erfolgen, wenn die Gattin eines Ehebruches überwiesen wurde. Nunmehr' gelten dieSbezüglich mehrere spezielle Trennungsgründe, welche im Gesetze namentlich angeführt sind. Es find dies im grotzen Ganzen jene Trennungsgründe, welche bisher bezüglich der Akatholiken (Evangelischen) in Geltung waren. Neu ist insbesondere der Trennungsgrund des Eintrittes einer so tiefen Zerrüttung der Ehe, datz man von den Ehegatten billigerweise nicht verlangen kann, datz sie in der ehelichen Gemeinschaft verbleiben. Bezüglich Ehetrennung gibt eS keine Alternative zwischen kirchlicher und gerichtlicher Prozedur, obwohl sich erstere gerade vom religiösen Standpunkte empfohlen hätte, um die rituelle Giltigkeit der Ehetrennung' bezüglich der kirchlich eingegangenen Ehen nicht in Frage zu stellen. Als wichtige Neuerung erscheint auch die Um- Wandlung der Ehescheidung in die Ehetrennung, wodurch den geschiedenen Gatten die Wiederverehelichung ermöglicht wird, was freilich mehr für Katholiken in Betracht kommt. Wenn auch daS Gesetz in moderner Richtung einen Fortschritt bedeuten mag, so ist eS doch vom Standpunkte des Judentums insoferne als Berlustpost zu buchen, als bei den immer laxeren religiösen AuffastämmSmSSäSmS₪S₪SSm₪SmSmmSSmSmmSSSm₪SmmääSS₪1 Er lockte ihn nämlich unter Zusicherung voller Straflösigkeit an seinen Hof und schickte ihn alsdann in Fesseln nach Rom. » * » An Bord. Bon S. Brau n. Wild brauset das Meer. Der Sturm heult laut und peitscht das Schiff durch dis Wogen. Und droben am dunkeln Firmament jagen schwere, schwarze Wolfett dahin, hinweg über den bleichen Mond, über die matt glänzenden Sterne... Am Schiffsrande lehnt ein Weib. Wild flattern die schwarzen Haare im Winde. Das Weib starrt hinaus in die finstere Nacht. Es starrt und träumt. Und siehe! ein Greis in silberweitzem Haar, mit wallendem Gewände naht sich der Einsamen und berührt sie sanft. Und nun wandern beide zusammen. Aufwärts geht ihr Weg, leicht und leise. Und wie sie den Blick rückwärts lenkt, da sieht sie sich hoch erhoben über die schwarze Erde da drunten. Plötzlich umgibt sie ein lichter Schein. Und über ihr tut eS sich leise auf, sie blickt in einen grotzen, hellerleuchteten Saal. Bald füllt sich der Saal mit vielen duftigen Gestatten. Knaben und Mädchen in weißen Kleidchen jüdische Lottsstimme" \ jungen die kirchlichen Funktionen aiH eherechtlichem Gebiete immer mehr durch die bürgerlichen werden zurückgedrängt werden, wobei allerdings auch die Kostenfrage mit in die Wagsthale fällt. Im Zusammenhänge mit der erheblichen Verminderung des Religionsunterrichtes, mit der Auflösung d^r politischen Judengemeinden und mit der allem Anscheine nach bevorstehenden Entkleidung der Kultusgrmeinden ihres Charakters als Zwangsorganisationcn verliert das Judentum immer mehr die staatliche Stütze im öffentlichen LebeN. Es ist höchste Zeit, daß wir eine festorganisterte nationale Basis einnehmen, um auf diese Weise auch das religiöse Moment noch in letzter Stunde vor dem drohenden Verfalle zu retten! Der hohe Rabbi Löw*׳) (Maharal von Prag.) Von Rabb. Dr. I. G ü n z i g (Loschih). R. Jehuda Liwa bei» Bezalel, gewöhnlich ״der hohe Rabbi Löw" oder ״der Baal-Schem von Prag" genannt, wurde geboren im Jahre 1512 in Worms, (nach anderen im Jahre 1515 in Posen), kam schon in jungen Jahren, da-seine Familie bald von Worms auswanderte, mit ihr nach Posen und starb am 18. Elul (22. August) des Jahres 1609 in Prag. Er war von Jugend auf vollständig im Talmud heimisch, wandte sich aber daneben auch der Kabbala mit ganzer Seele zu, und suchte, wie viele seiner Zeitgenossen, in der Beschäftigung mit derselben den Seelenfrieden, welchen die früheren Geschlechter, durch das unabläffige Bemühen, den klaffenden Widerspruch zwischen dem naiven Glauben der Altvordern und den Ergebnisien der damals modernen Philosophie auszugleichen, vergebens zu erringen getrachtet hatten. Wegen seines umfangreichen Wissens und wegen seiner sittlichen Persönlichkeit genoß er großes Ansehen bei Juden und Christen und wurde einstmals auch von Kaiser Rudolf!!., der sich bekanntlich viel mit astrologischen und alchimistischen Studien befaßt hat, zu besonderer Audienz eingeladen (am 16. Februar 1592), wahrscheinlich um von ihm Aufschluß über mancherlei mystische und kabbalistische Fragen zu erlangen. Der Gegenstand ihrer Unterredung ist bis heute ein Geheimnis geblieben?) Ebenso verkehrte er viel mit dem bekannten Astrologen Tycho de-Brahe, mit dem er ein inniges und intimes Verhältnis unterhielt. Um seine Gestalt hat sich schon in frühester Zeit ein bunter Sagenkreis gebreitet und die Golem-Sage gehört zu ihm als besonders eigentümlich. Man erzählt nämlich von ihm: Er habe sich einst auS Thon eine Menschenfigur (Golem, Homunkulus) geformt, der er mittels eines mit Gottes-Namen beschriebenen Zettels Leben, einhauchte. Dieser Golem, wie man die Figur nannte, habe seinem Herrn während der Wochentage in allerlei häuslichen Geschäften als Knecht gedient, aber am Sabbat mußte ihm der Schem (das unaussprechbare Tetragrammaton) aus dem Munde entfernt werden, weil, sonst die Zaubergewalt des heiligen Namens am heiligen Tage zu stark geworden wäre und *),AuS meiner demnächst zu erscheinenden Schrift ״Die Wundermänner". M. HicklS Verlag» Brünn. schweben ihr entgegen. Und aus der Schar tritt ein Mädchen zu ihr hin, umschlingt sie mit seinen Aermchen und küßt sie auf ihre bleichen Wangen. Und wie sie es länger betrachtet, da erkennt sie das Kind — eS ist ihr eigenes, das ihr die wilden Horden dort im Osten getötet haben. Mit jähem Freudenschrei umarmt ihr Töchterchen und kützt und herzt eS mit wilder' Leidenschaft... Und da tritt auch der Greis zu ihr und spricht: ״Kennst Du mich nicht?" Da! wie sie ihm in daS ehrwürdige, hellumlockte Antlitz schaut, ist'S ihr, als hätte sie ihn schon oft gesehen, als . . . ״Vater!" schreit sie, und ״Mein Kind!" bricht er hervor. — Beide liegen sich in den Armen! ... Bon wunderbar klingender Musik begleitet, beginntdie jubelnde Kinderschar einen sanften Reigen zu tanzen um die drei — — — _______ Da erwacht das Weib. ES war nur ein Traum -- ein schöner Traum . .. Still liegt das Meer. In weiter Ferne steigt der Sonnenball herauf und webt ein rotgoldeneS Netz um den Horizont. Leise gleitet das Schiff dahin. ״Wohin?" so fragt das Weib und schüttelt das Haupt. Ja! wohin? — 21 der Golem übermenschliche Kräfte — auch zur Aus- Übung deS Bösen — erlangt hätte. Als der Rabbi nun an 'einem Freitagabend die Entfernung des Zauber- Pergaments aus dem Munde seines Geschöpfes vergessen hatte, begann der Golem mit ungeheuer wachsender Kraft allerlei Unfug zu verüben, an Len Häusern, auch wohl an der Synagoge zu reißen und in den Gassen daherzuwben. Voll Angst holte man Rabbi Löw aus der ehrwürdigen Altneusynagoge, wo er sich an dem glücklicherweise noch nicht beendigten EingangSgebet des Sabbat beteiligte. Die Gemeinde wiederholte nun, um den Beginn des für den Golem so gefährlich wirksamen Sabbats noch hinzuziehen, den bereits rezitierten Sabbatpsalm zum zweiten Male, Löw aber stürzte auf die Straße, warf sich auf den Golem und ritz ihm die Zauberformel aus dem Munde. Daraufhin brach dieser sogleich als Lehmklotz zusammen und zerstel in Trümmer, die noch viele Jahrhunderte später der Sage nach auf dem Boden der Altneusynagoge zu schen wa- ׳ren, der Rabbi wagte aber nicht mehr, aus Scheu vor ähnlichen Vorfällen, sich einen zweiten Golem zu verfertigen.») R. Löw verfaßte mchrere Schriften und hat über- Haupt eine sehr fruchtbare ljterarische Tätigkeit entfaltet. In feinem Werke *תפאית ישיאי einer Art von Theodicee der biblischen Gesetzgebung,, trat er energisch gegen die pilpulistische Richtung auf; seine Richtung war mehr eine agadische. In verschiedenen Wetcken und Predigten, von denen namentlich eines גתיבלת $ולם beachtenswert ist, vertritt er diese Richtung, ״auf die Erkenntnis des Volkes einzuwirken und die niedergedrückten Gemüter wieder aufzurichten." In einem anderen Werke (erschienen 1580 in Prag), verteidigt er den Talmud gegen christliche Angriffe und die Agada gegen Asarja de Roffi, den Verfasser deS מאורעינים»liefen hat der hohe Rabbi Löw bekanntlich als Erzketzer in den Bann getan, weil er in seinem genannten Werke, namentlich in dem dritten Teil deSselben, vermöge seines Wahrheitsgefühls eS gewagt hatte, an manchey Aussprüchen des Talmuds Kritik zu üben, vielen agadischen Erzählungen jeden geschickt!^ chen Wert abzusprechen und sie höchstens nur als Poetische oder moralische Ausschmückungen gelten zu lassen, insbesondere aber, weil er sich nicht scheute, die kühne Behauptung aufzustellen, daß die ZählungSweise nach Jahren der Weltschöpfung innerhalb der Juden» heit nicht richtig sei, weil sie auf falscher Chronologie im Talmud beruhe. Diesen Werken reiht sich ein Kommentar •8 גורי אריךU Raschi im Pentatench (ein solcher erschien auch zu einigen Traktaten des Talmuds), her sich noch heute großer Beliebtheit erfreut, würdig an die Seite; dieser wurde zuerst im Jahre 1578 in Prag und dann 1862 in Lemberg gedruckt. Autzerdem wären noch zu nennen: ,׳י.בורות ר philosophische und agadische Abhandlungen über den Auszug aus Aeghpten (Nowidwor 1588); נצח ישראל (Prag 1699) von der. Gefangenschaft und der Zeit des Messias; אור חרש (Prag 1600), Kommentar zum Buche Esther und דרך החיים (Kkakau 1589), Kommentar zu den Sprüchen der Väter. R. Löw war zuerst mährischer Landesrabbiner in Nikolsburg (von 1653 bis 1573), wo er zur Hebung und Belebung des, Gemeindelebens und des Talmudstudiums in Mähren sich die größten Verdienste für alle Zeiten erworben hat. Im Jahre 1573 kam er nach Prag, wo er bis zum Jahre 1584 als Leiter der von ihm begründeten und von Mordechai Meise! erhaltenen Talmud-Schule segensreich wirkte. Wo er die folgenden I Vier Jahre, von 1586 bis 1588 zugebrächt hat, wissen wir nicht bestimmt, doch dürfte er während dieser Zeit in Posen als Rabbiner fungiert haben?) Bon 1588 bis 1592 finden wir ihn wieder in Prag. Im Jahre 1592 wurde er wieder als Rabbiner nach Posen berufen, (man hat diese Berufung mit seiner damals Äufsehen erregenden Audienz bei Kaiser Rudolf in Zusammen- Hang gebracht), welche Stelle er im Jjar desselben Iahres angetreten zu haben scheint. Dort wirkte er an der Seite des R. Elieser Aschkenasi«) bis zum Jahre! 1597. Auch in Posen wurde sein Leben und Wirken vielfach glorifiziert, und eine ganze Reihe von Sagen knüpft sich an die Zeit seines dortigen Wirkens. Eine dieser Sagen lautet: ״ES war in der Rüstzeit, da die herannahenden Vußetage ihre heiligen Schauer bereits vor sich herwarfen. Ein feierlicher, weihevoller Ernst senkte sich auf die Gemüter herab, und man begann schon, sich, für die heilige Zeit vorzubereiten. Noch in später Nachtstunde satz der hohe Rab-. bi Löw über die ehrwürdigen Folianten gebeugt, studierend und sinnend. 'Nachdenklich blickte er auf. War das nicht Täuschung? Bon den Fenstern der gegenüberliegenden alten Betschule fiel es wie Lichtschein in sein Utrbreitct die ״Mkcbr

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