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Jüdische Volksstimme · 1919-07-25 · Heft 20 (25.7.1919) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 20 (25.7.1919)
Date
1919-07-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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־;» " 'זי}'*י׳־*י’\'£"??"יי" "זר? V-iüssV'׳״' Seite 4. »8«Mt» «»irnHewM* Nt. 20. Kumlfcfiatt. Die Wahlen für die jüdische Konstituante in Jerusalem. London. Nach einer Meldung aus Jerusalem find die Wahlen für die jüdische gesetzgebende Bersammlung bis Oktober aufgeschoben worden. — Der Provisorische Rationalrat von Palästina hat in seiner 8. Versammlung, die vom 11. bis 13. Siwan tagte, u. a. folgende Beschlüsse betreffs der jüdischen Stadtwahlen von Jerusalem gefaßt: Der vereinigte Rat hat, nachdem er beide gegnerische Parteien wegen der Wahlen des jerusalemischen Stadtrates einvernommen hat, beschlossen ,nachdem die Wahlen schon vorgenommen und der Rat schon gewählt worden ist, sei es im Interesse der Vereinigung Jerusalemer Gemeinde, daß der Rat bestehen blöibe bis zum Zusam- 'mentritt der konstituierenden Versammlung, die die Statuten über die Ordnung der Gemeinden und die Wahl ihrer, Rate schaffen wird. Dann wird sie auch über die Abschaffung der Wahlen des Rates von Jerusalem beschließen. Da ein Teil der Jerusalemer Bevölkerung aus prinzipiellen Gründen keinen Anteil an den Wahlen genommen hat, beschließt der Nationalrat daß der Stadtrat Mitglieder kooptieren soll aus jenen Elementen, die an den Wahlen keinen Anteil genommen haben. Eine spezielle gemischte Kommission, worin beide Parteien in gleicher Zahl vertreten sind, soll die Zahl der Mitglieder bestimmen. Bei gleicher ' Stimmenzahl will der provisorische Rat noch ein Mitglied wählen, das dann, imstande sein wird einen MehrheitSbeschluß herveizuführen. Eine gräßliche Schandtat polnischer Soldaten. DaS Jüdische Preßbürq in Stockholm meldet: JnDemblin wurden sechs jüdische Mädchen im Alter von 12, 16, 18 und 24 Jahren von polnischen Soldaten vergewaltigt und dann in die Weichsel geworfen; sie sind alle ertrunken. Die Leichen von drei Mädchen sind bisher nicht gefunden. 250 Mitglieder jüdischer RationalrSte OstgalizienS ' interniert. DaS Jüdische Preßbüro in Stockholm meldet: Die polnischen Militärbehörden, die in Ostgalizien die jüdische nationale Bewegung aufs grausamste verfolgen, haben bisher 250 Mitglieder der jüdischen Nationalräte verhaftet. Ein großer Teil von ihnen hat auf dem Wege zum Internierungslager Lemberg und PrzemhSl bereits passiert. Der Ort der Internierung ist noch nicht bekannt. Clemeneeau Über den Friedensvertrag mit Polen. Dem Jüdischen Preßbüro in Stockholm wird äuS Paris telegraphiert: Der Präsident der FriedenSkonferenz Clemeneeau richtete an den polnischen Minister» Präsidenten Paderewsky einen den Minoritätsvertrag begleitenden' Brief, der unter anderem folgende Stelle enthält: »Die von den Alliierten erhaltenen Informationen über die Entwicklung der jüdischen Frage in Polen zeigt, daß die Beziehungen zwischen den Polen und den Juden große Animosität angenommen haben, die einen speziellen Schuh für die Juden notwendig macht, aber bie bezüglichen Bestimmungen sind auf das Minimum dessen beschränkt, das unter den Umständen notwendig ist." - . Eine amerikanisch-englische UntersuchungSkommission. Dem Jüdischen Preßbüro in Stockholm wird aus London telegraphiert: Der Kommandant Menworthh richtete im Unterhause an die Regierung die Anfrage, ab sie ohne spezielle Kommission zur Untersuchung der Pogrome nach Polen zu entsenden gedenke, da die bis- Her erhaltenen Berichte nicht zuverlässig seien. In seiner Erwiderung teilte der UnterstaatSsekrelär des Auswärtigen Amtes. HarmSworth mit, daß die englische Regierung Amerika ersucht habe, ihr zu ge. statten englische Vertreter der amerikanischen Kommis, sion beizugeben. HarmSworth teilte ferner mit, daß ein voller Bericht über die Pogrome von den englischen Vertretern in Polen noch nicht erhalten worden sei. Die englische Negierung ist bloß im Besitze einer Anzahl provisorischer telegraphischer Berichte und denkt, daß es ratsam ist, mit ihrer Publikation bis zum Empfange eines ausführlichen Berichtes zu warten. Eine Untersuchungskommission der Lisa für Menschen, rechte. * Die französische Liga für die Verteidigung der Menschen» und Bürgerrechte entsendet« eine spezielle Kommission zur Untersuchung der Judenverfolgungen nach Polen. Wahrscheinlich wird der sozialistische Ab. geordnete Mounet, der sich vielfach als Verteidiger der Juden hervorgetan hat, dieser Kommission angehören. Sine gesprengte Versammlung des «ntisemitenbnndeS. Im 2» Bezirk fand am 14. Juli abends in der Jaroschauer Bierhalle eine vom Antisemitenbund einberufene Versammlung zur Gründung einer Ortsgruppe Leopoldstadt statt, zu der auch Kommunisten in großer Anzahl erschienen waren. Es kam zu stürmischen Szenen, die auszuarten drohten, so daß die Bersammlung vorzeitig aufgelöst werden mußte. Schriftleiter Sedlak als erster' Redner legte die Ziele des Antisemitenbundes dar, der als Schutzbund gegen das üb.ermäßige Bordrängen der Juden in Deutschösterreich, die auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, in der Regierung, in Aemtern, in Schulen und überall eindringen, geschaffen wurde. Die Deutschen stehen por der׳ Gefahr, sagte Redner, von den Juden vollends geknechtet zu werden und unter ihre Botmäßigkeit zu kommen. Dagegen sich zu wehren, ist nicht nur Recht, sondern auch nationale Pflicht der Deutschen. Unser Bund ist kein politischer, unh eS sei zu hoffen, ,daß der Tag kommen werde, wo das deutsche Proletariat das SchrekkenSjoch erkennen wird, unter das die jüdischen Führer eS gebracht haben. (Stürmische Gegenrufe bei den Kommunisten; Beifall bei den Antisemiten.) Wir haben nichts dagegen, wenn sich die Juden zusammenschließen, um sich zu schützen, aber auch wir haben das Recht, unS zu wehren. Den Juden gebührt hier nur ein Gastrecht. Es ist zu hoffen, daß die heutige Versammlung der Ausgangspunkt einer großen antisemitischen Bewegung im 2. Bezirk werden wird. (Beifall bei den Antisemiten; Gegenrufe bei den Kommunisten.) Der folgende Redner, Schriftsteller Orel, meint, daß die Juden die Gründer der Banken und der Börsen, die Erfinder der Aktien und her Wechsel — kurz, der ganzen Geldwirtschaft seien, bei der man mühelos zu Reichtum gelangen könne. Es entsteht hierauf ein furchtbarer Lärm seitens der Kommunisten. Der kommunistische Arbeiterrat Kullmann fordert die anwesenden Genossen auf, sich ruhig zu verhalten, da dem Redner geantwortet werde. Redner fährt fort, die Kommunisten und die Bolschewiki seien nichts anderes als eine Abart der Juden, die das christlich-germanische Volk vollends Niederschlagen wollen. (Neuerlicher Lärm und Widerspruch bei den Kommunisten.) ES gibt nur eines: entweder die Juden hören auf, Juden zu sein, oder sie wandern in ihr eigenes Land nach Palästina, wo sie ihre nationalen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse so einrichten können, wie sie wollen. Redner ruft noch den Kommunisten zu: »Müssen Sie denn in Deutschösterreich bleiben? Wandern Sie aus!" ES entsteht nun ein großer, ohrenbetäubender Lärm. Der Redner wird am weiteren Sprechen verhindert. Der Kommunist Kullmann bemüht sich, seine Anhänger zu beruhigen, doch gelingt ihm dies nicht. Der Vorsitzende löste hierauf die Versammlung auf. ES bildete sich eine Ordnerkette; die Antisemiten zögen ab, während die Kommunisten unter großem Lärm und Singen als letzte den Saal verließen. Draußen war ein starkes Polizeiaufgebot versammelt, doch hatte eS keinen Grund zum Einschreiten. Jübisch.-Palästin. Reife- und Transportgesellschaft Die Wallfahrt zum Grabe des Theodor Herzl.. (Anläßlich -er 16. Jahrzeit.) Wien, 20. Juli ISIS. Wer nach Jahren Heute wieder zur Grabstätte des großen Toten nach den Höhen des Döblinger FriedhofeS pilgerte, dem offenbarte sich in ergreifender, nachgerade überwältigender Weise, wie das Andenken des vor fünfzehn Jahren dahingeschiedenen Führers immer weitere Kreise erfaßt, ja mit heiliger Ehrfurcht erfüllt. Eine neue Generation von Herzlverehrern ist seither erstanden und eS mögen an 20.000 Personen gewesen sein, die sich heute unter Führung des zionistischen LandeSkomiteeS an dem Gange zum Grabe Herzls von der Hochschule für Bodenkultur ab, beteiligt haben. Die imposante Größe des Zuges, der durch blau-weiße Armbinden kenntlich gemachte Ordner takt- und umsichtsvoll überrascht wurde, inSbesondere die wohldisziplinierte, würdige Haltung der Aufmarschierenden, unter denen die verschiedensten Orgrnisationen: Hochschüler, Bürger, Turnu. Sportvereine, Blau-Weiß, Schomrim, Handelsangestellte, Arbeiter, Chaluzim, Studenten, Frauenu. Mädchenvereine zu bemerken waren, erregte-die bewundernde Aufmerksamkeit der sonstigen deS Weges dahinziehenden nichtjüdischen Passanten und SonntagSauSflügler. Ein sinnigeS Emblem führten die Thaluzim mit: nebst einer blau-weißen Fahne einen stattlichen Kranz von Kornähren, welch letzterer das Grab Herzls zu schmücken bestimmt war. Von den Führern der zionistischen Partei war ein Jeder erschienen, dem Zuge folgend. Sogar der erkrankte ehemalige Abg. Stand fand sich mittelst Wagens, von seinem Arzte begleitet, ein, um an der Ehrung für Herzl persönlich teilzunehmen. Die Anwesenheit Stands löste vielfache BegrüßungSovationen aus, die einzigen lauten Zeichen der sonst durch vornehme feierliche Stille, gekennzeichneten PietätSkundgebung, die alle bisherigen an Großartigkeit überragte und auf jeden Teilnehmer tiefen Eindruck übte. — Am Grabe Herzls häufen sich nun schon die Zeichen seiner Verehrer in Form von niederlegten׳ Steinchen und Visitkarten, merkwürdigerweise auch von angeschriebenen Namen und Widmungen in allen Sprachen — die Wahrzeichen der Ruhestätte berühmter Männer. י A. L. Der Bettler. Abraham Reisen: Kommt ein armer Mann herein. Silberweiß die Locken; Schüchtern klopft er an und bleibt An der SHoelle hocken. Längst find in dem trüben Aug' Trotz und Stolz erloschen. Stumm streckt er die Hände auS, Fleht um einen Groschen. m. b. H. Zur Ergänzung der von den Palästinaämtern der zionistischen Weltorganisation zu leistenden Arbeit, wurde eben eine Jüdisch.-palästin. Reise- und Trans- Portgesellschaft gegründet, die eS sich zur Aufgabe stellt, deü organisierten Spedition-- und Reisedienst für die jüdischen Auswanderer und deren Güter, von allen Ländern nach Palästina zu versehen. DaS Unternehmen, das als G. m. b. H. über Initiative des Gg. I. Brings (Graz) ins Leben gerufen wurde, hat vorder- Hand seinen Sitz in Wien aufgeschlagen, plant jedoch bereits für die nächste Zeit die Errichtung von Organisationsstellen in den Hauptorten der Emigration, wie Lodz, Warschau, Kiew, Krakau und Lemberg, in den Umschlagstellen Triest, Odessa und Fiume und׳ in den Ausschiffungshäfen Haifa und Jaffa (Palästina). Hiedurch soll die klaglose Beförderung von Personen und Gütern vom Ausgangspunkt der Wanderung, bis zum Bestimmungsort jn Palästina von einem im zio-׳ nistischeü Geiste geleiteten und von der zionistischen Organisation kontrollierten Unternehmen gewährleistet werden. Der Organisationsdienst der neuen Gesellschaft, die sich auch die Förderung deS Touristenverkehrs nach Palästina zur Aufgabe stellt, soll späterhin vorbehaltlich der Zustimmung der zionistischen Zentrale in London um die ganze Welt ausgedehnt werden. Für die ersten Organisationsarbeiten ist ein Kavital von Kronen 1,000.000 vorgesehen. Ein Teil dieses Betrages wurde bereits in den ersten Tagen nach der Subskriptionseröffnung gezeichnet. Auskünfte jeder Art un\ Subskriptionsanmeldungen Jüdisch-Palättin. Reise» und Transportgesellschaft m. b. H., derzeitiger Hauptsitz Wien, 3. Bez-, Praterstr. 9/1. Ist ein Mensch! Die Krön' der JEBelfc Ist der Schöpfung Zierde —' Und zerrt selber in den Kot Seine Menschenwürde. Muß kein Käferlein im Wald Hungern, darben, frieren — Nur der Mensch, die Krön', die Krön' Betteln an den Türen. (Nach dem Jüdischen von H. Zuckermann.) Die Organisation der Ostjuden. DaS Ostjudentum, das den weitaus größten Teil deS jüdischen Volkes ausmacht, durchlebt jetzt eine furchtbare Katastrophe. Das große Buch unserer $ei» denSgeschichte ist zwar reich an blutbedeckten Blättern, grausamer Verfolgungen und Zerstörungen, — allein einen solchen Ruin jedoch wie den jetzigen, haben unsere Vorfahren seit vielen Generationen nicht gesehen. Die schreckliche Krienk^it bat die gesamte jüdische Siedlung in den Ostgebieten verwüstet. Große blühende Gemeinden sind zerstört, hunderttausende jüdische Existenzen vernichtet worden. Jüdisches Blut floß in Strömen auf allen Schlachtfeldern — und wird auch׳ jetzt noch vergossen durch die Hände von Völkern, die die Geburt ihrer nationalen Freiheit mit entsetzlichen Pogromen,und Judenschlächtereien feiern! Und die' grausigen blutigen Pogromwellen reißen die zerschlagenen ostjüdischen Massen von ihren Ruien heraus und schleudern sie über die Grenze — hierher nach dem benachbarten Deutschland. Und so sehen wir sie hier täglich unsere Neuangekommenen unglücklichen Brüder ״Hi-kl's Jüdischer Bolkskalender".

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