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Jüdische Volksstimme · 1919-07-18 · Heft 19 (18.7.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 19 (18.7.1919)
Date
1919-07-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 19 ״Zürisch« »•iUfnMM״ Seit« 5. Len dem Lateinischen das Englische von der dritten Klasse an obligat gelehrt werden. Der Unterricht in den Freifachern (Französisch, Gesang event. > Musik) soll tunlichst auSgebaut werden. Eine besondere Be» rücksichtigung sofl die körperliche Ausbildung (Turnen, Sport, Wandern) finden. Der Unterrichtsausschuß hofft in allernächster Zeit mit der Entgegennahme der Anmeldungen beginnen zu können. Wie «an die polnischen Soldaten zu menschlichem l t ־־!Verhalten erzieht. * Das Jüdische Preßbär» in Stockholm meldet: Die ״Gazetta Poranna" vom 2. Juli veröffentlichte eine Mahnung in polnischer, französischer und englischer Sprache an die Soldaten der Haller Armee. In dieser Mahnung werden die Soldaten der Haller Armee gebe» ten, den Juden nicht mehr die Bärte abzuschüeiden (eine Untat, die zu einer fast allgemeinen Plage der Juden in Polen geworden ist). Im Aufrufe heißt es u. a.: «Jr^ Namen aller in f Warschau stationierten Kameraden erklären tyir, daß ^unsere polnischen Käme- Lüden, die aus Amerika und Frankreich stammen, den Juden gegenüber wirklich sehr tolerant gestimmt sind, waS kein Wunder ist, da sie an dem offen betriebenen Wucher, der Ausbeutung und dem ׳Schmutz, der bei einem Teil der polnischen Juden vorherrscht, nicht ge» wohnt find. Eine Abneigung gegen die Juden hegen auch die Kameraden fremder Nationalitäten. Mit den hierortigen Verhältnissen vertraute Polen bemühen sich unseren Kameraden die Grundsätze der traditionellen polnischen Toleranz einzuimpfen und selbst in solchen Fällen, die jeden Bürger Westeuropas und Amerikas unangenehm berühren müssen." Daß solche Ausfälle nichts anderes sind als eine unverhüllte Hetze gegen die Juden, die neue Greueltaten zur Folge habep müssen, liegt auf der Hand. den Ereignissen neuerdings mit großer Besorgnis entgegen. Verhaftete Mitglieder der Jüdische« RätionelrSte in Ostgalizien. Der Pressedienst der Delegation des Jüdischen NationalrateS für Ostgalizien meldet: Nach hier eingelangten Informationen beträgt die Zahl der verhaf» teten Mitglieder der Jüdischen Nationalräte in Ostga» lizien ungefähr zweihundertfünfzig. Ein großer Teil von ihnen hat auf der Reise in die Jnterniertenlager Lemberg und PrzemySl bereits passiert. Wo sie interniert werden ,ist zur Zeit noch unbekannt. . Jüdische Schadenersatzansprüche. Der Ausschuß der jüdischen Vertreter in Paris überreichte der Friedenskonferenz eine Denkschrift über Pogrome und Schadenersatz. Es wird darin die Aufnabme von Bestimmungen in die Friedensverträge mit Polen, Ukraine, Rumänien, Litauen, Rußland, Tschecho-Slowakien, Jugoslawien, Finnland, Griechenland, Bulgarien und den anderen Ländern Ost« und Mitteleuropas gefordert und verlangt, daß die Juden für Pogrome, die seit dem 1. August 1914 bis zur Unterzeichnung des Friedensvertrages stattfanden oder später noch Vorkommen sollten, von den betreffenden Regierungen zu entschädigen sind. wunden Herzen sterbenden Mutter. Sin feine-, novellistischeS Problem ist hier in das Theaterhaft-Grelle ge« 'rückt worden. PinSki wollte das harte LoS der Mutter -eigen, der ein tiefer Trieb zur Opferung innewohnt. Aber Ruchel erscheint in ihrem kaum begründeten Widerstande gegen die Heirat des Sohnes ohne Einsicht. Sie scheint nicht des Bibelwortes zu gedenken, daß der Mann Vater und Mutter, auch die Mutter, verläßt, um dem Weibe anzuhangen. Und die zähe Hartherzigkeit der Kinder wirkt desgleichen kaum begreifbar. DaS Publikum hielt sich an einzelne Szenen, die durch eine gewisse, von dem Vorbilde des französischen ThesenstükkeS yicht freie Technik packten. Bon den Mitwirkendsn fielen diesmal wieder Frau R. Siegler (Ruchel), Herr M. Siegler und besonders Frau L. Weintraub (Tonja) auf. ^brresponlienzen. Eine verfängliche Anfragtz im englischen Parlament. Das Jüdische Preßbüro in Stockholm berichtet: Der Deputierte OrmSbh Gore richtete im englischen Parlament eine Anfrage an die ,Regierung, ob sich in der Haller Armee oder anderen polnischen Truppen, die Exzesse gegen die Juden in den Gebieten, die der Kontrolle der polnischen Regierung fernliegen, begangen Haben, englische Offiziere befunden haben. Der Unterstaatssekretär HarmSwort erwiderte, daß er ohne vorherige Verständigung über die Anfrage keine bestimmte Antwort geben könne, aber er denke, daß engkische Offiziere bei den besagten Truppen sich nicht befunden haben. ’, , Die amerikanische UntersuchungSkommiffion. ' Das Jüdische Preßbüro in Stockholm meldet:'Der von der amerikanischen Regierung eingesetzten Kam- Mission zur Untersuchung der Judenverfolgungen und Pogrome in Polen gehören jüdische Mitglieder an, darunter Morgenthau,-der frühere amerikanische Gesandte *n Konstantinopel. , A * ׳ DaS Bürgerrecht in Pole«. Dem Jüdischen Preßbüro in Stockholm wird aus Paris telegraphiert: Der von den alliierten und assoziierten Mächten mit Polen abgeschlossene Vertrag e^- klärt die früheren russischen, deutschen, österreichischen und ungarischen Bürger, die gegenwärtig in Polen leden, zu polnischen Bürgern (mit dem Rechte, für ihre frühere Bürgerschaft zu optieren). (Durch diese Bestimmung erwerben viele Tausende von Juden, die sich in den letzten Jahrzehnten infolge des Aufschwunges der polnischen Industrie .und des polnischen Handels in Polen niedergelassen haben, das polnische Brgerrecht, das ihnen vom polnischen Chaubirsismus sicherlich verweigert worden' wäre. Wie die polnischen Politiker sich zu dieser Frage gestellt haben, zeigt die Tatsache, daß das Mandat des* jüdischen Abgeordneten Prilutzki, der 20 Jahre ununterbrochen in Polen gelebt hat, auf Grund seiner Geburt a.ußerhalb Polens annulliert worden äst.) Antijüdische Exzesse in Warlchau. Dem jüdischen Preßbüro in Stockholm wird tele- .graphiert: In der Solecstraße in Warschau kam es zu schweren Ausschreitungen gegen die Juden. 18 Juden wurden verwundet und der Jude namens Berek Grün- Llatt getötet. , Neue Judenhetzen in Ostgalizien. Dem Jüdischen Preßbüro in Stockholm wird aus Krakau gemeldet: Das »Lemberger Tageblatt" vom S. Juli meldet, daß eine heftige judenfeindliche Propaganda von polnischen Agitatoren in Ostgalizien betrie- Len wird; Die jüdische Bevölkerung sieht den kommen¬ AuS dem Wiener Gemeinderat. Anfrage über die Judenhehe in Wien. ° Dr. Plaschkes, Dr. Ehrlich und Dr. Pollak stellen eine Anfrage, in der es heißt, daß seit einiger Zeit in den-Straßen Wiens ein von Lüge und- Gemeinheit strotzendes Pamphlet mit dem Refrain: ״Der Vernich-- tungsfriede — Werk der Juden!" verteilt und angeklebt wird. Es müsse verlangt werden, daß der Bür germeister' endlich den Hetzern entgegenrufe, daß die Wiener Ruhe, Frieden und Ordnung, ehrliche Arbeit, Gemeinsinn und soziales Verständnis benötigen und daher durch Bübereien wie die bezeichnete der Ruf der Stadt geschändet werde. Der Bürgermeister antwortete: Der Interpellation liegen Klebzettel mit verschiedenen Inschriften und ein Flugzettel bei, in dem gesagt wird, daß der Vernichtungsfriede ein Werk der Juden ist. Ich glaube, daß eS nicht interessant ist, daH ich Ihnen diese Zettel zur Verlesung bringe. Es ist tief bedauerlich, daß in dieser schicksalsschweren Zeit eine gewisse Clique sich derartige verhetzende, die Bevölkerung aufregende Dinge erlaubt. ES mutz dieses Beginnen auf daS schärfste verurteilt und tief verabscheut werden. Gerade in der jetzigen Zeit, wo so viel Zündstoff angehäuft ist, ist es eine Gewissenlosigkeit, noch mehr Zündstoff anzuhäufen. Hoffentlich wird im Betretungsfalle gegen die Verbreiter solcher verhetzender Flugschriften mit geboteuer Strenge vprgegangen werden. Ich mochte aber noch bemerken, daß in Wien nicht der Boden für eine derartige Hetze gefunden werden kann, und ich bin vollkommen überzeugt davon, daß die Massen her Arbeiterschaft sich nicht zu Judenpogromen hinreißen lassen werden. Ich glaube, es genügt, wenn in Lffentlicher Gemeinderatssitzung der Versuch zur Aufhetzung auf das schärfste verurteilt wird. Freie jüdische Bühne. Wien. D. Pinski, der nach Amerika verschlagene russ. Jargondichter, dessen Drama ״Die Mutter" die neubegründete Freie jüdische Bühne kürzlich zur Aufführung brachte, ist unlängst anderen Ortes mit einem Arbeiterstück ״Eisik Scheftel" bedeutsam hervorgetreten. Hier wurde mit starkem Gefühl das Schicksal eines Erfinders gezeigt, der an der Enge der Familie, an Uebelwollen und Mißdeutung zugrunde geht: das Leiden des . in die- Enge gebannten geistigen Menschen fand erschütternden Ausdruck. ״Die Mutter" ist nicht von gleich ergreifend einfachem Gehalt. Es ist ein Schauspiel aus der Gesellschaft im Jargon, nicht mit den Ausblicken in das Ghetto. Eigentlich ist eS ein Problemstück, das ohne weiteres in die westeuropäische Kultur- und Gefühlsweise zutransponieren wäre. Nuchel Lewin, eine verwitwete Frau, hat.die Bewerbung eines Freiers ausgeschlagen, weil sie ihr. Leben den Kindern opfert,ei ner halbwüchsigen Tochter Sonja und dem Sohn Mischa, der selbst bereits den eigenen Herd begründen will. Die Mutter mißbilligt seine Wahl, scharfe Worte fallen, die Kinder verlassen das Haus, die Kinder gehen ihrer eigenen Bestimmung nach und lassen die alternde, vereinsamte Frau zurück. Nun vermählt sie sich doch, aber sie hat sich damit den Kindern völlig entfremdet. Der Schatten ihres verstorbenen ersten Gatten, dessen Andenken die Kinder durch die neue Ehe der Mutter geschändet Wähnen, wird von den Kindern wider die Mutter heraufbeschworen. Der Sohn vermeidet die Wiederbegsgnung mit ihr und' selbst' die Tochter erscheint nicht am Leidenslager der an einem, Brünn. Der Verein ״ESra" beabsichtigt bekanntlich eine Gesangsvereinigung inS Leben zu rufen, deren Aufgabe es sein soll, nebst der Pflege des allgern. ChorgesangeS auch dem jüd. Liede und dem lithurgischen Gesänge einen würdigen Platz einzuräumen. Stimmbegabte, fangesfreudige Personen wollen behufs Borbesprechung SamStag, den 19. d. M., nachmittags halb 8 Uhr, im Sitzungssaals der israel. Kultusgemeinde, TheresienglaciS 11, erscheinen. Sterbefall. Herr David Glücklich, Kaufmann in Brünn, ist im 46. Lebensjahre in Franzensbad gestarben. Ung.-Ostra. Am 8. d. M. traf hier eine Ferienko« lonie der Jüdischen Frauenorganisation Brünn ein, welche aus 30 Knaben besteht und unter Aufsicht von- Frau Braun und den Herren Gustav Weiß und Fritz Braun aus Brünn steht. Die Knaben würden vom Obmann des hiesigen Vereines ״Jvria", Herrn Gemeinderat Leopold Sonnenfeld, und einigen Damen am Bahnhofe erwartet und von dort in ihr Quartier geführt. Die Organisation der Unterkunft und Verpflegung steht unter der Leitung des Herrn Sekretär Kornfein. Jeden Nachmittag hgben je zwei hiesige Damen die Beaufsichtigung der Knaben übernommen. Hervorragend an "dem Zustandekommen der Aktion waren beteiligt der Jüdische Volksrat in Brünn und ein Komitee der jüdischen Frauenorganisation Brünn, an dessen Spitze die Präsidentin Frau Ernestine Rotier, die durch selbstlose Aufopferung, wesentlich zum Gelingen der Aktion beitrug. Mährisch-Ostrau. Am Samstag, den 28. Juni, wurde aus Anlaß des 25jähriger^ Jubiläums deS RabbinSrs und Predigers der Mähr.-Ostrauer KultuSgemeinde, Herrn Dr. Svira, im Haupttempel in Mähr.- Ostrau ein Festgottesdienst abgehalten. Die gesamte Kultusvertretung, Deputationen aller im Kultusbezirke bestehenden Tempelvereine, Delegierte der benschbarten Kultusgemeinden, Abordnungen sämtlicher jüdischen Vereine des Industriegebietes und viele Hunderte Gemeindemitglieder waren erschienen, um dem. ehrwürdigen - Jubilar ihre Verehrung zum Ausdrucke zu bringen. Der Chor brachte einige künstlerische Festgesänge zum Vortrage. Nach Schachris würdigte Herr Kultusvorsteher Dr. Hilf in einer geistvollen, warmempfundenen Ansprache die Verdienste Dr. Spiras um die Gemeinde, die in den letzten 25 Jahren eine der bedeutendsten des Staates geworden sei; nicht durch die Macht, sondern durch den Geist habe der Jubilar gewirkt und trotz der zahlreichen religiösen und poli». tischen Strömungen den Frieden in der Gemeinde zu erhalten gewußt. In der Festpredigt, die in Form und Inhalt ein rhetorisches Kunstwerk war, knüpfte Dr. Spira an Worte Davids an und schilderte in tiefempfundener Rede, wie er seinen Beruf auffatzte. seine Auffassung zur Geltung zu bringen suchte und im Bewußtsein, daß der Erfolg hinter dem Ziele zurück-, blieb, nicht ermüden wolle, auch weiterhin Gottes Lehre zu verkünden. Nach Schluß der erhebenden Feier überbrachten Abordnungen der Kultusgemeinde, der Vereine, de» Lehrkörpers und der ehemaligen Schüler im ׳Sitzungssaale der Kultusgemeinde dem Jubilar ihre Glückwünsche in kurzen Ansprachen, auf die Dr. Spira einzeln in geistreichen und stellenweise recht witzigen Worten erwiderte. Die Kultusgemeinde Mhr» Ostrau hat Dr. Spira durch eine Stiftung auf seinen Namen geehrt, der Beth-Hamidrasch-Berein hat den Jubilar zu seinem ersten Ehrenmitglieds ernannt. Luhatschowitz. Herr Med.-Dr. Siegfried Frankl hat seine Praxi» in Luhatschowitz wieder aufgenommen. Derselbe in der einzige jüdische Arzb, der die Praxis in Luhatschowitz auSübt. Troppau. Am Sonntag, den 18. Juli, um 3 Uhtz nachmittag», fand im israel. Tempel zu Troppau dis Trauung heS Fräulein Hertha Gingermcinn ״Hickl's jüdischer Volkskalender".

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