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Jüdische Volksstimme · 1919-07-18 · Heft 19 (18.7.1919) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 19 (18.7.1919)
Date
1919-07-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Cetfc > »tHjhww" Grundlage für die richtige Aussprache des Sfardischen sein soll, die auch in der Gelehrtenwelt, so wie in der ältesten Bibelübersetzungen, in der Vulgata und in der Hexapla des OrigineS, in welcher der hebräische Text in griechischen Schriftzeichen gegeben ist, ebenfalls übernommen wurde, als DeweiLmaterial wählen, auS welche« zu ersehen ist, wie falsch die Aussprache der Reusfardisten ist. Urtext Transcription d. L X* Aussprache uns. Neusfardisten אזה Gadsa Asa עמדה Oommorra Amora רעמה Regma Raama רחבות Rooböth Rechowöth רחב R05b Rochow אמתי Amathi Amitai אמרי Amri Imri . אמר*ל Amarfal Amrakel אנוע Enös Enosch אנחרת Anachereth Anacharat Ebenso ist die Aussprache' der Neusfardisten auch nicht mit der Transcription der modernen Gelehrten und Sprachwissenschaft in Einklang zu bringen: / ׳! Hebräischer Text Wissenschaft!. Transcription Aussprache der Neusfardisten אכן äken achen אב ab aw כף kap kaf scbftpat schafat מצא miSi m^za מגביה םתח1 majbiah pitho magbiha pitch למ^זחך limschohakä Iimschaschacho Ich habe deshalb ans der LXX Uebersetzung nur «Eigennamen gewählt, weil dieselben i.n allen Sprachen unverändert bleiben müssen. Ebenso hat Dr. Bernfeld 4n seiner Einleitung zur Bibelübersetzung nächgewiesen, Hast die griechischen Uebersetzer nur dann, wenn ׳sie den biblischen Eigennamen eine grichische Form .geben wollten, ihnen die§ bei grichischen nominis gebräuchliche Endsilben anhängten, (Jeremias, Jesaias, MoseS) sonst aber haben sie die hebr. und armamäischen Laute stets richtig und unverändert wiedergege- Ben. ׳ 1 Und nun Ihr unkonfequenten Neusfardisten, wozu 'habt Ihr Euch für einige portugiesische Bocale, sonst Mdet für die aschkenasischen Vocale und Konsonanten ׳entschieden?! Ist es nicht empfehlenswerter ein tadel- 'loses Aschkenasisch, als ein zusammengeflicktes, unvoll-!ständiges und falsches Sfardisch zu sprechen? / Die Antwort gebet Euch selbst! In einem Aufsatz »Wie sollen wir das Hebräische ln Palästina aussprechen?" von Azaria Jbn Vidal im »Israelit" Nr. 10, vom I. 1910 weist derselbe daraufhin, daß in Palästina vom praktischen Standpunkt notwendig erscheint eine einheitliche Aussprache des Hebräischen in den Schulen einzuführen, weil es unmöglich wäre für die verschiedenen dortherrschenden j ' D ‘ ■־fc separate Schulen zu errichten. Für die Juden außerhalb Palästinas besteht hierin also keine Not- Wendigkeit. Er sagt wörtlich: ״Irgendwo anders ist.die Frage «Wie sollen wir das Hebräis^e aussprechen?" nicht aktuell, ist sie keine Frage." Wir sehen also, daß die sfardische Aussprache, obwohl sie ursprünglich di? einzige Aussprache des Hebräifchen war und die Grammatik auf dieser ausgebaut ist, gegenwärtig denn doch nicht praktisch erscheint, für die Diaspora eingeführt zu werden, weil Gewohnheit, Tradition, Schule und Synagoge, Dichter und Komponisten und das gesamte nach Millionen zählende Judentum der Diaspora, sowie ein großer, vielleicht der größte Teil der palästinensischen Juden gegen diese Einführung sprechen und weil sie das Erlernen des Hebräischen hierzulande nur erschwert und hemmt und weil es höchst zweifelhaft erscheint''ob eine einheitliche Aussprache zu erzielen möglich stin wird, zumal die **) Vergleiche: Ewald, biegfr. —> Stade. Kautsch —י Geseniu», König.; ***) Vergleiche: Beer »Hebräische UebungSbuch^ Verlag Göschen. alte, echte sfardische Aussprache in Vergessenheit geraten ist und an deren Stelle mehrere Idiome entstanden sind. Also zurück zur aschkenastschen Aussprache! OSkar Rabinowtcz-KwaSnik. — habrSlitht Muatssthilft. itundfAaii. A. Weiter, ein Opfer der Pogrome. Wieder hat dajüdische Volk einen seiner Besten als Opfer der Pogrome zu bedauern: den nur unter dem Pseudonym bekannten Dramaturgen und Schriftsteller A. Weiter. Nachdem er schon in jungen Jahren an verschiedenen periodischen Zeitschriften in Rußland mitgearbeitet hatte, widmete er sich später gunz der jiddischen Literatur. Seine ersten Erzählungen und Aufsätze in Jiddisch veröffentlichte er 1906 in der ״Volkszeitung", im selben Jahre gab die VerlagSanstalt ״Die Welt" seine populär abgefaßte Geschichte ״Das Jahr 1848 in Frankreich? heraus. Zwei Jahre später ließ er in Wilna zusammen mit S. Gorelik und S. Nigher die ״Literarischen Monatshefte" erscheinen, die durch ihre neuartige Richtung eine gewisse Wiederbelebung der jiddischen Literatur brachten. Später wurde Weiter Mitarbeiter am ״Fraind" und befaßte sich in einer ganzen Reihe von Feuilletons mit der jüdisch-kulturssllen und sozialen Frage. — Er ist dann besonders noch mit Dramen hervorgetreten, von denen hie der Kürze halber nur ״L'aube" (Die Morgenröte), symbolisches Drama: ״In Faier"^ Drama in 3 Alton; ״Der Stumer", Drama in 4 Akten, genannt seien.'Im allgemeinen find seine Dramen mit Erlebnissen aus der Sphäre der neu-jüdischen Intelligenz verknüpft. — In PinSk hat der wilde Mob dem vielversprechenden Schaffen Weiters ein Ziel gesetzt. DaS Flüchtlingselend in Äubapest. Der 18. Juttt war auch für die noch in Budapest sich befindlichen jüdischen Flüchtlinge. ein Trauertag. Um 3 Uhr morgens wurden plötzlich 300 Galizianer aus den Betten herausgeholt und ohne Unterschied des Alters ins SchubhauS abgeführt. Unter den Verhafteten befand sich auch der Neu-Sandecer Wunder-Rabbi Rubin mit Familie. Die Intervention der orthodoxen Landeskanzlei wie auch der Neologen-Gemeinde halte wenig Erfolg. Die Behandlung im Schubhaus war eine außergewöhnlich schlechte. Di? meisten wurden 'gezwungen, so wie sie׳ standen, und gingen, die Stadt zu verlassen und durften nicht einmal Essen mitnehmen. Unter den Abgeschobenen gab es auch viele organisierte Arbeiter, deren Kinder sogar in der roten Armee dienen. Man wies auch Leute aus, die in Budapest geboren und erzogen waren, wenn sie nur nach Galizien zuständig waren. — Die. Schuld für diese Verfolgungen fällt auf den Volkskommissär Agoston, einen bekannten Antisemiten, dem eS gelungen ist, diese Juden-Vertreibung im geheimen zu arrangieren. Mitschuldig ist auch der polnische Konsul, der damit' einverstanden war und die ungarischen Behörden sogar aufgehetzt hat. Mit; schwerer Mühe gelang es, wenigstens einen Teil der Gefangenen, darunter auch den Sandecer Rabbi zu befreien. Jedenfalls hat man—Allen den Rest ihres Bargeldes abgenommen und ihnen dafür weiße Noten eingehändigt, die in Galizien vollkommen wertlos sind. Man konnte es auch nicht durchsetzen, daß man die Flüchtlinge nicht ausgerechnet am SamStag abschieben soll. > Geldsammlungen in Amerika. Die Konferenz der Rabbiner Amerikas und KanadaS hat einstimmig beschlossen, daS Programm des MiSrachi anzunehmen und verpflichtete alle Mitglieder des Rabbiner-Verbandes, ihren ganzen Einfluß für die Unterstützung der vom MiSrachi jetzt eingeleiteten Sammlung eines Fonds von einer halben Million Dollar, einzusetzen. Die Poale-Zion setzen ihre Aktion zur. Sammlung eines Fonds Voneiner viertel Million Dollar für die Arbeiter-Kolonisation in Palästina mit großem Erfolge fort. Aus allen Städten laufen Berichte ein über größere Geldsummen, die für diesen FreiheitSfondS eingehen. Sabbatruhe im Staate Newyork. In der ersten gesetzgeberischen Körperschaft des Staates Newyork wurde ein Gesetzprojekt betreffend das Recht der Juden Samstag geschloffen zu halten und dafür Sonntag zu arbeiten, fast einstimmig angenommen. ES ist Hoffnung vorhanden, daß während der nächsten Session dieses Projekt auch durch den Senat deS Staates Rewyork angenommen werden wird. So wird endlich daS Recht der zwei Millionen Juden anerkannt werden, die Sabbathruhe einzuhalten. Dieses Gesetz wird auch die anderen Staaten, in denen sich eine zahlreiche jüdische Bevölkerung befindet, beeinflußen, sodaß man sicher annehmen'kann, daß falls dieseS Projekt in Newyork Gesetz wird, auch dte anderen Staaten Nachfolgen werden. Jüdische Lehrer an bayerischen Volksschulen. j In dem Entwurf deS Lehrergesetzes, der gegenwärtig dem LandtagSausfchuß zur Beratung vorliegt, War vorgesehen, daß jüdische Lehrer an öffentlichen Simultanschulen angestellt werden können. Ueber diese Bestimmungen sind nunmehr im Ausschuß lebhafte De» batten entstanden, wobei die Anstellung jüdischer Lehrer seitens her Vertreter der Bayerischen Volkspartei und des Bauernbundes heftig bekämpft wurde als im Mderspruch stehend mit dem ״christlichen Charakter der Volksschulen". Trotzdem von dem Ministerpräsidenten und den Vertretern der demokratischen und sozialde, mökratischen Partei diese Einwände zurückgewiesen wurden, fand die Gegnerschaft gegen den Vorschlag de«. Regierung im Ausschuß eine Mehrheit, sodaß, wenn eS bei diesem Beschluß bleibt, auch in Zukunft jüdische Lehrer von den allgemeinen Volksschulen in Bayern grundsätzlich ausgeschlossen bleiben. Wir haben demnach auch im Freistaat Bayern, wie im alten Königreich, keine Simultanschule im wahren Sinne des WorteS, sondern ausschließlich christliche Schulen ,in denen zwar auch, wie der Ministerpräsident bemerkte, atheistische Lehrer, aber keine jüdische Lehrer angestellt werden dürfen. Inwiefern dies mit den Grnudprinzipien der vorläufigen und der gegenwärtig in Beratung befindlichen endgültigen Verfassung des Freistaates Bahern zu vereinbaren ist, darüber sollten die politischen Führer doch Rechenschaft ablegen. Für unS ergibt sich daraus vor allem eine Forderung: Wir müssen mit aller Kraft dafür eintreten, daß die bestehenden jüdischen Schulen erhalten bleiben, und daß da, wo sich die Möglichkeit dazu bietet, neue jüdische Schulen begründet werden. ES ist dies eine Forderung, die wir im Interesse unserer Selbstachtung und im Interesse der Erhaltung deS jüdischen Lehrerstandes immer - wieder erheben müssen. . ' Die AgubaS JiStöek in SkaNbittüViett. י In den Skandinavischen Ländern nimmt die Agu< das Jisroel Bewegung stetig weiteren Unifckng an. Zur Zentralisierung dieser Bewegung ist nunMehr in Kopenhagen Malmoegade 3 daS Skandinavisk Bureau for Agudas Jisroel eröffnet worden. Dasselbe steht unter Leitung deS Herrn Julius Holländer, Kopenhagen, dem ein tüchtiger Sekretär zur Seite steht. Die SchLchtfrage in der Schweiz. Der Zentralvorstand der ״Deutsch-schweizerischen Tierschutzvereine" verlangte neuerdings vom Justizdepartement die Aufhebung des Beschlusses vom 83. März 1918, auf dem die Ausnahme vom Schächtverbot in Luzern und Lausanne beruhen. Nachdem das Departement schon am 1. Mai 1918 ein gleiches Begehren abgewiesen hatte und der genannte Verein keinn neuen Gründe vorbrachte, nahm es auch diesmal dieselbe Haltung ein. Es ist der Auffassung, daß jener Beschluß erst dann aufgehoben werden soll, wenn die Vor» aussetzungen weggefallen sein werden, die ihn derartlaßt haben, sobald es den Juden in der Schweiz möglich sein wird, Schächtfleisch wieder in genügendem Umfang auS dem Ausland zu beziehen. Ein Gesuch von jüdischer Seite, die Ausnahmsbestimmung auch auf Baselstadt auSzüdehnen, wurde abgelehnt. Bittere Ironie. Der ״Goniec Krakowski" forderte in einem Artikel die orthodoxen Juden in Polen auf, eine Delegation nach Paris zu entsenden, um dort der Tätigkeit der jüdischen Nationülräte entgegenzuwirken. Auf diese ׳ Aufforderung antworteten — wie «Moment" meldet —> die Orthodoxen in Kozienice mit einem Briefe an den. «Goniec", worin sie erklären, daß sie gern eine Delegation nach Paris schicken würden. Da sie aber in Ermangelung von Luftfahrzeugen dje Eisenbahn benützen müßten, würden sie ohne Bärte nach Paris kommen, was der Sache eher schaden als nützen könnte. Jüdische Mittelschule in Wien. DaS jüdische Realgymnasium für Knaben und Mädchen in Wien wird aller Voraussicht nach im September eröffnet werden können. ES ist geplant, mit der Unterstufe, (vier Klassen) zu beginnen. Der Lehrplan , enthält für alle Klaffen ein?n. entsprechenden obligaten Unterricht im Hebräischen; als zweite Sprache soll ne- ״Hick'ls Mscher Bolkskalender". t

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