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Jüdische Volksstimme · 1919-07-04 · Heft 17 (4.7.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 17 (4.7.1919)
Date
1919-07-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. iT »Mrrichr ' Sri« S Brünner Nachricht«. ^bio A^tnS^meindewehle». I» ruhiger, friedlicher, ja wir möchten sogar sagen -&! brüderlicher Weise find die Wahlen für den Borstand der Brünner Kulturgemeinde vor sich gegangen. Der Umsturz auf allen Gebieten hat es mit fich gebracht, daß sechs von fünfzehn der Gewählten fich of. fett und frei zur jüdischen Ration bekennen. Bon den restlichen 9 Mitgliedern deneuen Kahals sollen, wie die Fama zu berichten weiß, 8 Herren farblo» sein, während die restlichen 6 Herren parteilos sind. ,ParteiloS", ein wirklich idealer Ausdruck für Vertreter einer Anschauung oder Richtung, aber auch eine wirklich tadellos« Ergänzung zur Gruppe der Farblosen. Also, Mit einem Worte, der Brünner Bevölkerung ist ob der glücklich überstandenen Wahl herzlichst zu gra!ulieren. ♦ # Brunn zählt gegenwärtig 19—18.909 jüdische See- Len. Für dir Wahlen in den Kahal scheinen unsere lieden Juden kein allzu großes Interesse zu haben. Am Wahltage gingen, trotz Agitation der Interessierten, zirka 299 Wähler zur Urne und gaben ihrer Anschauung und Gesinnung mit dem Stimmzettel in der Hand Ausdruck. Gott sei Dank, werden unsere Mitbürger auSgerufen haben. Die neuen Repräsentanten sind ge- .Wählt, was aber die Hauptsache ist: ,.Schalem, Schoüm. Schalem. Im Zeichen des Friedens standen die Wahlen, im Zeichen deS Friedens werden Jüdischnatio- «ale, Partei- und Farblose arbeiten. ' «Arbeiten", ein Begriff, der bis nun den Kehillagewaltigen usw. fehlte. «Arbeiten." Was werden die neuen Herren leisten. Wiederum erzählt die Fama, baß bei den KompromiSverhandlungen der Beschluß gefaßt" wurde, einzig und allein die Statuten zu ändern, das Wahlrecht analog dem Wahlrechte für die öffentlichen BertretungSkörper auszugestalten. Werden die Herren den' Willen haben, dieser Devise treu zu bleiben? Wird die neue Repräsentanz daS allgemeine, Weiche, direkte und geheime Wahlrecht einführen? Wir Mffen es nicht, wie die KompromiSverhandlungen geführt wurden. Ob die 9 Herren die Erklärung abgege- 'Len, für״ die radikale Aenderstng des Wahlrechtes ein- .zutreten, ist uns auch nicht bekannt: ■ ׳ « « Präsidium. Die erste Sorge unseres Vor- ׳ständewird eS sein, einen Präsidenten zu wählen. Wer' wird der AuSerwählte sein; welcher Parteischattierung wird er angehören? Werden die 8 Gruppen auch bei der Wahl des Präsidiums ein KompromiS schließen? Hoffentlich wird der neue Präsident etwas wollen, und nicht mit dem Wörtchen «loS* behaftet sein. » # Sang- und klanglos verschwinden die Herren des alten Kahals. Der einstige Anhang der Herren findet iß Nicht einmal der Mühe wert einen «Hesped* abzuhalten. Aber eine Beruhigung haben die Abtretenden, für einen «Kaddisch* haben sie gesorgt. Vom alten Borstände wurden, drei Herren für würdig erkannt, in den ueuen Bund Aufnahme zu finden. Die P. T. Eltern werden auf den von der Talmud Thora, Adlergaffe 12, eingeführten fünfklaffigen Ferial- EurS für Knaben und Mädchen vom 6.—16. Lebensfahre aufmerksam gemacht und aufgefordert, die An- Meldungen vorzunehmen. Die Einschreibungen werden km Sekretariat, Adlergaffe 13, vorgenommen. Brünn. (Todesfall.) Am 2. d. M. ist der Brünner OberbezirkSarzt Dr. Ludwig Teltsch im 69. Lebensfahre gestorben. Der Verstorbene erfreute sich allseits als Mensch und Arzt besonderer Beliebtheit. Machsike HabaS. Sonntag, den 6. d. M., 8 Uhr nachmittags, findet im Sitzungssaals der israelitischen ׳Kultusgemeinde (Kolischtie 57) eine Besprechung über «ligiöfe Fragen statt. die Gewährung nationaler MiabtthritSrtchte׳ an die Jude« Bürgschaft böten für ein rribüngSlose» Zusammenleben mit den׳ Völkern. Der Redner betonte bs» sonders den Unterschied ln der GteMmgnahme der polnischen und ukrainischen Regierung gegenüber dm Judenmetzelei««. Während die Polen offiziell und inoffiziell zum Pogrom aufhrtzen, ist es in der Ukraine nur in vereinzelten Ortschaften Infolge der wenig konsolidierten Verhältnisse der Regierung nicht gelungen, die Pogromhetzrr rechtzeitig unschädlich zu machm. Dm Zweck dieser Versammlung sehe Redner darin, das Gewiffm der Wett aufzurütteln. Der Gesandte der ukrainischen Republik Ritter v. W assilko erklärte, baß die Ukrainer, wo eS ln ihrer Macht stand, immer aufrichtige Freundschaft und Gerechtigkeit den Juden gegenüber gezeigt haben. Die ukrainische Regierung gewährleistet ihrm Bürgern jübischer Rationalität uneingeschränkte Freiheit der Selbstbestimmung und alle nationalen MinderheitSrechte. Dr. Felix Mandel schilderte die blutigm Gzenen der Pogrome. Namen» der sozialdemokratischm Studenten sprach Mediziner Mehrer, der behaup. tete, da» jüdische Problem könne nur im sozialistischen Staate gelöst werden. Abgeordneter Ing. Stricker wandte fich in scharfm Worten gegen diesen Redner. Nachdem noch ein deutschfreiheitlicher Student gesprachen hatte, wurde ein an die Tntentemiffion zu überreichendes Memorandum zur Verlesung gebracht, ln dem an die Kulturnationen Europa» und AmerikaS appelliert wird, dem Morden und dm Plünderungen ein Ende zu bereiten. Nach der Versammlung formierten fich die Besucher zu einem langen Zuge, der die Ueberreicher de» Memorandums zur italienischm Mission begleitete. Vor dem Künstlerhause sprachen noch zwei Redner, worauf fich der Zug auflöste. Judenpogrome in Prsskurow und Siez. Aus ProSkurow eingetroffene Augenzeugen der Pogrome berichten, daß die ukrainischen Truppen vom 1. bis 9. März ungefähr 5900 Juden töteten und 2099 verwundeten. Weder Weiber noch Kinder wurden verschont. Die ukrainischen Truppen hätten nur mit Sä- Vel und Bajonetten gearbeitet. Petljura habe dann den Vorstand der jüdischen Bevölkerung gezwungen, eine Bestätigung zu unterschreibm, daß den Kämpfen um die Stadt bloß 69 Einwohner zum Opfer gefallen find. In Siez hätten 400 Kosaken die ganze jüdische Bevölkerung umgebracht. Ein drohender Krieg AsteuS gegen Europa. General Sir DouglaS Haig hielt in Edinburgh eine Rede, in der er ausführte, daß ein großer Weltkrieg, in dem ganz Asien sich gegen Europa stellen werde, in nächster Zukunft nicht zu vermeiden sei, wenn nicht ein besseres Verhältnis zwischen den Völkern herbeigeführt wird. Der General wies darauf hin, daß alle Mittel für die Herbeiführung eines gesicherten FriedenS fich in der Vergangenheit nicht bewährt haben, so daß neue Mittel gefunden werden müssen, um die Volker der Welt so zu erziehen, dah Kriege in Zukunft unmöglich werden. Dies kann nur geschehen, wenn die Beziehungen zwischen den Völkern der Wett auf dieselbe Weise geregelt werden, wie sie gegenwärtig zwischen den Teilen des britischen Weltreiches bestehen. Ein derartiger Weltkrieg würde so grausam werden, wie ihn die Welt noch nie gesehm habe. Eine hebräische Tageszeitung tu Jerusalem. DaS Kopenhagens Zionistische Bureau berichtet: Eine neue hebräische Tageszeitung, die den Namen «Haarez" trägt, erscheint jetzt in Jerusalem. HerauSgever ist Isaak Goldberg, Redakteur Dr. Turow. Dem RedaktionSkomitee gehörm außerdem die Herren Dr. Lurie, Markus Cahan, Perlmann und Boruchow an. send« Minister Achb George auf unb spruch ihnen in bitteren Worten seine Mißbilligung aus, es sek schmachvoll, daß Jude« gegen die nationalen Interessen ihre» eigenen Volke» aufirrten. H 1 " Rte ilftta! der Jndenftvz« In 9ttt«l«Us. Bukarest. Der ,Adeverul" beschäftigt fich in eine« von der Zensur stellenweise gestrichene» ArtM Mit der Frage de» Antisemitismus ln Rumänien und führt unter andere« auS: Eine der schwierigsten Fragen für den, wie wir alle hoffen, demokratischen neuen rumjinischen Staat wird die Lösung der Jüdensrage sein, wenn es den leitenden Staatsmänner» nicht jetzt schon gelingt, einen Ausweg zu finden, der sowohl un» al» auch die Juden zufriedenstellt. Durch die Annexion BeffarabienS, der Bukowina und Siebenbürgen» Ist der achtzehnte Dell der Bevölkerung Rumänien» jüdisch geworden. Es Ist nicht zu bezweifeln, daß die Juden dank ihrer besonderen Begabung -um Handel, ihrer Raffenintelligenz und ihrer finanziellen Lage auch im Handelsleben Rumäniens eine führende Stolle einnehmen werden. Man wird nicht leugnen können, daß, wenn die Regierung ihre bisherige Politik in der Judenfrage nicht ändert und (Zensurlücke) ihren alten antisemitischen Gefühlen auch weiterhin Folge leistet, die jüdische Bevölkerung für Rumänien keinen großen Nutzen bedeuten wird. Wir neuen Männer Rumäniens müssen den Standpunkt bewnen, daß die Judenfrage keine interne Angelegenheit de» Reiche» ist — die große Tragkraft dieser Frage nötigt un», anzuerkennen, daß ganz Europa ein Recht hat, uns bei der Behandlung diese» Problems zu überwachen. Wir dürfen deshalb nicht zögern, den Juden alle jene Rechte, zuzuerkennen, deren sie infolge einer lächerlichen Tradition bisher nicht teilhaftig waren. Wenn fich der rumänische Staat wirklich auf hemokratischer Grundlage, aufbauen will und nicht allen seinen Bewohnern ohne Unterschied de» Stammes und der Religion die gleichen Rechte garan« tiert, dann wird der rumänische Staat (längere Zensurlücke) von seiner Reife Zeugnis oblegen. Die polnische Schreckensherrschaft in Oft-ali-ie«. Dem Jüdischen Preßbüro in Stockholm wird auS absolut zuverlässiger Quell« telegraphiert: Die Ausschreitunge« der polnischen Truppen gegen die jüdische Bevölkerung OstgalizienS dauern an. Die jüdischen Nationalräte werden von den polnischen Behörden aufgelöst. Bei der gegenwärtig in Durchführung begriffe« nen Volkszählung werden die Juden gezwungen, sich als Polen zu erklären. Die jüdischen Beamten werden von ihren Posten entfernt, die jüdischen Schulen wurden gesperrt, und die Aufnahme von:Judenin die allgemeinen öffentlichen Lehranstalten beschränkt. Die Juden werden fortwährend zu schweren Arbeiten gezwungen, jüdische Frauen zur Arbeit in die Kasernen, selbst am Samstagen geschleppt. — Am 11, Juni weilte in Stanislaw eine Ententekommiffivn, zu welcher die Repräsentanten der Nationaljuden nicht zugelaffen wurden. Al» angebliche Vertreter der gesamten Judenschaft OstgalizienS wurden der Kommission Assimilanten vorgeführt, welche ein Memorandum im polnischen Sinne überreichten. Ungeachtet der bestehenden, von der Mischen Bevölkerung selbst vor kurzem gewählten Rationalräte versuchen die Polen die jüdischen Affimtlanten als Vertreter der Judenschaft auszugeben. Flüchtlinge au» Pole». Die Preßabteilung beim Zentralbüro der Aguda» Jisroel teilt mit: Gemäß dem Zentralbüro der Aguda» Jisroel, seitens der AgudaS Jisroel, Misrachi und zionistischen Vereinigung BreSlau, drahtlich gewordene Mitteilung, ist der nach Schlesien sich ergießende Flüchtlingsstrom aus Polen gewalitg, die Not unbeschreibbar. Schnellste Hilfe muß, um Katastrophe vorzubeugen, einsetzen. Die Warschauer jüdische Presse vor Gericht. Runäschmi. Protestversammlung gegen die Pogrom». Im großen Konzerthaussaale in Wien fand am '29. Juni eine, vom jüdischen HochschulauSschuffe einberufene Versammlung statt, die gegen die Pogrome in Polen protestierte. Der Präsident des HochfchulausschuffeS Hermann Lilienfeld eröffnete die Der- Sammlung und wies darauf hin, daß der massenhafte Gesuch eine eindrucksvolle Kundgebung an die gesamte Kulturmenschheit sei. Oderrabbiner Dr. ChajeS führte au», daß nur Lloyd George gegen die Assimilante«. Einer der amerikanischen Delegierten zum Pariser jüdischen Nationalkongreß, Herr de Haas, ist nach Amerika zurückgekehrt und hat über die jetzige Lage des Zionismus Bericht erstattet. Er bezeichnet sie als äußerst befriedigend und stellte fest, daß die englischen und amerikanischen Friedensdelegierten mit Einschluß Wilson tiefes Interesse an der jüdischen Frage nehmen. Allerdings gibt es noch einige Gegner deS Zionismus, die sich kürzlich bei einem Bankett zusammenfanden. Sie fordern, daß die englische Regierung ihre bekannte Erklärung zugunsten de» Zionismus zurückziehen solle. Schließlich stand der als Vast anwe- Gegen die Redcckteure der Warschauer jüdische« Zeitungen «Da» jüdische Volk", «Moment*, .Hajnt". «Lebensfragen* und «Dziennik Nowh* wurde wegen der in diesen Zeitungen über die PinSker Geschehnisse erschienenen Artikel ein Prozeß angestrengt. Jüdische BevSNeruugSstatistik. DaS in London erschienene Jüdische Jahrbuch öo» rechnet die jüdische Gesamtbevölkerung der Wett auf 11,625.863 Köpfe. Davon entfallen auf Ruffisch-Polen 5,0824)42 Seelen; im übrigen Rußland gab eS zur Zeit der Zarenherrschast keine Juden, denn sie hatten

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