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Jüdische Volksstimme · 1919-07-04 · Heft 17 (4.7.1919) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 17 (4.7.1919)
Date
1919-07-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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*3mm *mim*• «r. 17. \ U' mm t. ken, «barmungS- und schonungslose» Herausjagen tu forderlich. Mit Verschweigen, mit ««kuschen, diese« berühmten k. f. Ssterreichifchem System, kommt «an soweit wie Oesterreich eben gekommen ist. Gesunden kan« da» westliche Judentum einzig und «Sein durch die natwnale Erziehung. Irgend ein andere» Mittel ist mir unbekannt. Der jüdischnationale Kindergarten, die jüdische Volks» und Mittelschule find die grundlegenden Voraussetzungen. Kenntnis der jüdischen Geschichte, vollkommene Beherrschung der hebräischen Sprache^ Turn», Sport« und Wandervereine (Blau-weiß, Mak« kabi, Hakoal, Schomrim) bilden die einzige Heilmetho« de. Tiefer Eindringen in den Geist Most», Jesaja», Herz!» und NordauS. Nur auf diesem Wege, einzig und allein durch diese» ErziehungSsystem wird uns« Volk gesunden. Der seit 6 Jahren bestehende ״Blau-weiß" in dem zionistische Studenten, selbst noch Kind« ,erziehen*, hat die Wanderer dahin gebracht, fich mit ihren hebräischen Vornamen zu titulieren, mit stolz« Brust blau-weiß geschmückt zu marschieren und hebräisch zu konverfieren, trotz de» Verbotes de» israel. Religi» onSlehrer». י ' ‘Hf Die jüdischnationale Jugend.sitzt auf der Aud« beim Seminare, studiert Hebräisch, Geschichte, disku« tiert üb« Mose» und JesajaS und geht schließlich für Stricker und PlaschkeS agitieren. Au» dies« Jugend gehen keine Getauften und Nichtgetauften hervor. Woder Noch, noch Auchjuden. ,Theodor Herzl und Rax Nordau haben dem Judentum mehr Anhänger erwor» den, als ein Dutzend d« besten Exhorten" schrieb einst Rabbiner Frkedrnann aus Horazdowiee. DaS ganz« israelitische ErziehungSsystem hat ein schmähliches Fiasko genommen, es ist katastrophal zusammengebro« chen. ES hat die Liebe zum ,angestammten Glaubenmit gleichem Erfolge unS eingeprägt, wie die k. k. Bei Hörden die Liebe zum ,angestammten Herrscherhause". Das national-zionistische ErziehungSsystem sendet Lichtstrahlen aus, unter deren wärmenden Tinwirkun« gen der jüdische Organismus auf» neue leben, blühe«, gesunden und gedeihen wird. Religionslehrer A. Echwertfinger. Jüdischer Brief. Wir entnehmen diesen Beitrag dem ,Literarische« Echo": Lie jidische Literatur hat während de» Kriege» drei Große verloren: Mendele Mocher Sforim, Schalem Alechem, Perez. Mit ihnen sank die eigentlich klassische, die begründende Epoche der jidischen Literdtur ins Grab. Von den ,Jungen", die nunmehr die Repräsen-'׳ tanten deS Schrifttums geworden sind, ist nur Schalom Asch außerhalb des engen HeimatkreiseS als Novellist und Dramatiker bekannt geworden. Neben ihm ist vor allem I. M. Weißenberg zu nennen, ein Erzähl« von! ungemein plastischer Kraft. Weißenvttg war Raseur» gehilfe; vor 15 Jahren wurde er durch realistische Er» zählungen aus der polnischen Kleinstadt und aus de« Sturmperiode der ruffischen Freiheitsbewegung be» rühmt. In den ,Sammelbüchern", die er herausgibt, debütieren die jungen literarischen Kräfte. Wie Weißen» cherisch« Leichtsinn, daß sie solch gemeinen Deserteuren noch weit« Freundschaft bezeugen. Durch eine restlose Ächtung diese» Bodensatz«» unsere» 'VSlkerblute», vür« de diese -ersetzend« Erscheinung un» unsere» Bott», körp« gebannt werden. Zugegeben, daß diese vom Artikelschreiber geforderte Boykottierung durchführbar wäre, zugegeben, daß wir in Wien die reale Möglich, kett haben, jeden jüdischen Renegaten öffentlich an den Pranger zu stellen und ihn vor sämtlich in Wien woh» «enden VottSgenoffen zu entlarven: muß ich dennoch diese» Mittel al» vollkommen unzulänglich hinstellen. Die jüdisch«; Wochenblätter vtt-eichnen allwöchentlich diese Verrät« unseres Botte». Wie viele Juden aber nehmen von dies« Mitteilung Notiz? Ja selbst der genau Leser hat im nächsten Augenblick alle Namen "vergessen. Im Geschäft und Kaffee, im Korso und Klub wird man nach dem GlaubenSbekenntniffe nicht ge» fragt. Der vom Schreiber gewünschte Boykott ist ge» wiß nur allzusehr verdient, er ist ab« undurchführbar und wird selbst, wenn et möglich wäre, diese Seuche nicht heilen... Wenn wir daran schreiten wollen, diese schädlichen, schändlichen Erscheinungen au» unserem Bottskörper zu entfernen, so müffen wir zuerst die Motive dieser Krankheit feststellen. Wenn ein Arzt heilen will, so ist die Diagnose die erste Bedingung. DaS westliche Juden» ium ist krank, innerlich Haltlos, sein Hirn von AffimilationSfieber geschüttelt. Die Taufe ist der Tod. Da» ganze Leben eine» Westjuden zielt letzten En» de» auf den Abfall hin. Den Kindern ist da» Juden» tum eine ungeheuer qualvovlle Last, sie abzuschütteln ihr einziges Verlangen. Jüdische Namen und Bräuche find für sie ein gemeiner Spott, ein Stehblatt de» Witzes auf der Straße. Halbwüchsige Burschen und Mädchen finden ihren ganzen Ehrgeiz befriedigt, wenn sie glauben nicht jüdisch auSzuschauen. Die Zugehörig« feit zu unserem Volke verheimlichen zu können ist ihr einziger, wenn auch in fast allen Fallen unerfüllbarer Wunsch. In den Schulen atmen unsere Kinder einen fremden Geist, der auf unser Bott zersetzend, entnationalifi«end wirkt. Dort wird unseren Kindern das einst sa stolze jüdische Rückgrat gebrochen, ihr Geist zur Anpassung dreffiert. Schon im zartesten Atter werden uns«e BollSpflanzen dahingebracht, da» Ich zu ver« stecken, unt« maskiertem Wesen in fremde Kreise einzuschleichen und in der gesellschaftlich-nationalen Lüge ihr Heil zu suchen. Großgeworden, gehen sie dann eineu Schritt weiter und suchen in der konfeffionellen Lüge ihren weiteren Schutz. Die öffentlichen UnterrichtSanstalten vom Kindergarten bi» zur Oktava sind für unser Volk ein viel größeres Unglück als die Kreuzzüge und die polnischen Pogrome. Die halb od« ganz entwurzelten Ettern, für die das Judentum in einrm staubigen Gebetbuch besteht, das zu Jom-Kippur aus dem untersten Fache hervorgehott wird, überlassen die Erziehung Ihrer Kind« — soweit es sich um das Jüdische handelt — dem öffentlichen Religionsunterrichte. An der ErziehungS- und Unterrichtsmethode des israel. Religionslehrers ist nichts weniger als Jüdisches. An dem gesamten Religionsunterrichte ist nur eines jü- Lisch — das Deutsch, das dabei gesprochen wird. Dieser Unterricht ist für die Assimilation geradezu eingestellt. DaS Judentum ist bei ihm auf da» monotheistische Be- Die harte Stimme de» Trägers hatte den Rabbi üufgerüttelt und aus den stillen Höhen göttlicher Har« nwnie herabgezerrt. Langsam und schwer reckte er sich empor, wie au» schwerem Traume, und ging in seinen großen Stiefeln mit schlürfenden Schritten zum Wasserbecken, sich zu waschen. Roch im Gehen spann er seine Rede fort, doch leise nur glimmte harin das heilige Feuer. Aber der Jünger lauschte gespannt seinen Worten und dunkle Glut lohte aus seinem Auge und seliger Traum. Indes fuhr Reb Jekel mit trauriger Stimme fort: «Mir ward leider die Gnade nicht, die letzte Stufe zu erklimmen. Ich habe die Pforte der heiligen Melodie nicht gefunden. Und der Rabbi lächelte und sagte: Sieh nur, die Kasteiungen und die Gebete, die dahin führen können, kenne ich! Ich will fie dich lehren! Wohl noch heute..." '*•'ידיי»'־« Dem Jünger quollen schier die Augen aus den Höhlen. Mit weit geöffnetem Munde lauschte er jenen Worten, als wollte er sie verschlingen. Doch der Rabbi wurde still. Gr wusch sich, trocknete die Hände, sagte das vorgeschriebene Gebet. Dann kebrte er zum Tisch zurück und sprach mit bebenden Lippen den Segensspruch — üb« ein Stückchen Brot, da» « dann mit Salz bestreute und in seinen zahnlosen Mund schob. Mit seinen zitternden, dürren Händen erhob er die Schüssel, und d« auffteigende warme Dampf um* wallte sein knochige» Gesicht. Dann stellte er die Schüs* fei zurück, nahm den Löffel in die rechte Hand und kenntni» reduzittt. Da» jüdische ivott schrumpft zu» Bekennertume zusammen. Da» Hebräisch« ist nicht Sprachunterricht, sondern «okabettehre al» Mittel zum Verständnis der Bibel, wie da» Griechische al» Mittel zum Verständnis de» Ham«. D« Geschichtsunterricht ist Dogmensammlung und Synagogalgeschichte, rein archäologisch, da» Judentum al» Museumskuriofitäi behandelnd. Da» spezifisch Jüdische, Historische ist au», geschieden, da» Nationale verwässert, das Alljüdische ״w^rsönsicht. Wenn unsere Jugend die Schule verläßt, so nimmt fie ein schlechte» Hebräische» und mangelhafte GeschichtSkenntniffe mit. Da» Judentum besteht für fie im Kubttraum der noachidischen Arche und in den ägyptischen Plagen. Da» Judentum Mose» und der Propheten, da» Patho» der Allgerechtigkeit und Alliebe, die tranScenal-methaphysifche Einheit GotteS, die große soziale Id« d« Bibel liegen außerhalb ihres Bewußtseins. Von der viertaufendjährigen, mit Tränen und Blut getränkten Geschichte ihres VotteS, wissen fie viel weniger als von der albanischen Literatur. DaS ganze Judentum ist für fie etwa» Gewesene», eine palästinänfische Mumie. Die Zeremonien und Ritualien rufen schon beim Genanntw«den Heiterkeit und Verachtung hervor. Mit einer mühselig eingebüsfetten Hastorah, mit einer silbernen Taschenuhr und einigen Großmutterküssen wird der 13jährige Junge ein glaubensloser ״treugläubig« Israelit". Da gelobt « ״zum Ruhme Gottes und zur Ehre des israelitischen Namens und Glaubens" heranzuwachsen. Dieses vom Kinde gar nicht verstandene, ihm aufgezwungene Gelöbnis zeigt uns so recht deutlich die CharakterfäulniS und Verlogenheit des westlichen Judentums. Einige Jahre nachher treffen Wir unseren braven Firmling im Variete und Cabaret, bet Eisenbach und beim SonntagSkorso. Am Hochzeitstage stammelt er höchst schwerfällig das ״Hare at" und ist schließlich ״treugläubig" bei Kaddisch und MaSkir. Die öffentliche Schule mit ihrer un- und antijüdischen Tendenz, der unpädagogische, unzulängliche, auf der frechen Lüge de» konfessionellen Judentums aufgebaute Religionsunterricht, der fich an ihn würdig anschließende Jugendgottesdienst, die Konfirmation usw. alle sind Bausteine zum Grabe des Judentums. Die Taufe ist nur die letzte Konsequenz dieser destruktiven Erscheinungen. - - י- — Gewiß ist der Meineid des Täuflings — wie eben jeder andere — eine Charakterlosigkeit; ist aber dieser Abgefallene moralisch niedriger als alle unzähligen Auch- und Nochjuden? Ist er wirklich minderwertiger als die zahlreichen Nichtgetauften? Nein!!! Er ist uns viel sympathischer al» die ״Israeliten". Er ist viel ehrenhafter als alle jene die um Kariere zu machen beim ״isr. Glauben" geblieben sind. Der jüdischen Gemeinschaft haben die Täuflinge nur wenig — ich möchte bald sagen — nicht geschadet. Sie haben jedes Band -entzweigeschnitten. Sie sind gegangen. Die Nichtgetauften, die Kaddisch und MaSkir-Jsraeliten, die! Eisenbach- und Corsohebraerinnen blieben leider bei uns, infizieren weiter unser Bott und kompromittieren schon durch ihre Zugehörigkeit unsere Gemeinschaft.... Um diese vottSzerstörenden Erscheinungen erfolg» reich zu bekämpfen, ist vor allem rücksichtsloses Aufdekwärmte die linke an der Schüssel, indessen er mit den zahnlosen Kiefern den Rest deS Brotes kaute. Nun drückte er die warm gewordene Hand an daS Gesicht, zog die Stirn in krause Falten, spitzte die Lippen und begann in die dampfende Speise hineinzublasen. Der Schüler war jeder Bewegung seines Meisters gefolgt. Aber als des Rabbi dünne Lippen dem ersten Löffel Grütze entgegenbebten, packte ein eigen Gefühl des Jüngers Herz, und er vergrub sein Gesicht in bei» de Hände. Wenige Minuten später kam wieder ein Junge ins Zimmer und brachte wieder eine Schüssel Grütze mit Brot: «Reb Josef schickt dem Schüler das Essen." Der Jünger blickt nicht einmal auf. Aber der Rabbi erhob sich und ging auf den Schüler zu und sah ihm in die Augen — stolz und voller Liebe und er berührte seine Schulter. — Man hat dir zu essen gebracht! Da hob der Schüler langsam seinen Kopf. Sein Antlitz aber war noch blaff« geworden und Tränen glitzerten in den flammenden Augen. -Ich weiß es, Rabbi! sagte er, doch ich mag heut nicht essen! — Nun, schon der vierte Festtag, fragte der Rqb. bi, und nur für dich? ES klang wie ein Borwurf. -ES ist ein neu« Fasttag, erwiderte der Jüngling. ES ist ein Fasten der Buße. —WaS sprichst du? Du -״* und ein Fasten der Buße? -Ja, Rabbi . . . Mn Fasten der Buße. Da du vorhin dein Mahl begannest, Hab ich gesündigt in Gedanken und daS Gebot verletzt: ״Du sollst dich nicht gelüsten lassen!" . » * * In selbiger Nacht, ganz spät, weckte der Jünger seinen Lehrer. Sie schliefen beide in der Klaus auf harten Bän» ken, einander gegenüber. — Rabbi, Rabbi, rief der Schüler mit tonloser Stimme. Der Rabbi sprang «schreckt empor und fragte: — Was ist? -Ich war jetzt hoch oben in den Sphären dev Himmel. — Wieso? fragte der Rabbi, noch schlaftrunken. -In mir hörte ich ein Singen! Da setzte sich der Rabbi auf und sah ihn fragend an. — Aber der Schüler sprach und seine Stimme klang schwach und leise: Ich weiß eS selbst nicht« Rabbi. Ich konnte nicht schlafen, und da zog es mich hinein in da» Geheimnis eurer Rede . . . Ich hätte so gern die Me» lodie gehört. Und in meinem Schmerze, -aß ich den Sang noch nicht kannte, begann ich zu weinen. Laut weinte es in mir. Jedes Glied weinte ln mir vor Gott dem Schöpser. Dann betete ich den Spruch der Läuterung, den Ihr mir anv«traut hattet und seltsam! Nicht meine Lippen sprachen die Worte. Sie sprachen sich allein; und dann wurde es licht um mich. Ich schloß die Au- *

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