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Jüdische Volksstimme · 1919-06-27 · Heft 16 (27.6.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 16 (27.6.1919)
Date
1919-06-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 ^Mische Nr. 16 bung befindlichen jüdischen Flüchtlinge aus Galizien Ueber die durch die Verhältnisse gebotenen Adap- und die nationale Sache schädigen. TS gäbe keine Jv. «mitzuweisen. Diese Ausweisung unterblieb jedoch, und tierungen und Veränderungen, sowie über die Erwei- -war, wie die tschechische Presse jetzt meldet, zufolge terung der VereinStätigkeit entspinnt sich eine lebhafte ausdrücklichen Befehls aus Paris, der auf Veranlassung Debatte, an der die Herren G. Braun, Lederer, Wink- Amerikas ergangen ist. ler, W. Pappenheim, Jos. Stern, N. Herzka, A. Ro- Die Org-nisati-n der Ostjuden in Deutschland. senfeld, I. Steinfeld sich beteiligten. »«II,. Anläßlich des PoISstina-Deleglerlenlages . ®ie »---geschlagenen StotuUnänb״u־8״n werden fand ,!« un.« ,-hl-eich« Beteiligung °°nnu-w°-«.!S°"°hm.gd D-°Z°hl d--B°-I,-nd-m,igl--. gen Delegierten «ine B-rntung üb« di« Org°nis°ti°u i S auf 14 «hoht und «sch-ln-n d,e H-n-n d« Ostjuden in Deutschland statt. He« I. Lin. derz"u«ust iluftul,d. PH. Back. Jgnaz Back. Ad. Berns-,d. «orfitzende de» Berbande» der Ostjuden in Deutsch.i?l6ett Breuer, Jstdor 8romm«, Wilhelm «rihl«, Sa. l-nd. schilderte die bisherigr-tigk-i. des B-rband.d, >!°7°" M-ritz Pappen, da den Zusammenschluß der in Deutschland lebenden! *i1"״®״׳״ Stroh' AI-r-nd-r Dan״g«r und Mas-, Ostjuden zur Wahrung ihrer sozialen, kulturellen und politischen Interessen erstrebt. Der Redner betonte, daß der Verband der Ostjuden keinerlei separatistisches! oder parteiischen Ziele verfolge, sondern als geschloffene Organisation gemeinsam mit den Körperschaften der deutschen Judenheit arbeiten wolle. Der Zusammenschluß der Ostjuden sei gegenwärtig mehr denn je ein dringendes Zeiterfordernis, um den Ereignissen der wechselvollen Zeitverhältnisse begegnen zu können. Herr I. Reich, der Vorsitzende des Gesamtausschusses der Ostjuden in München, beleuchtete die besondere Lage der Ostjuden in Deutschland, die nur im Judentum und in jüdischer Gemeinschaft einen festen Rückhalt finden könne, und ihre Kräfte auf der Basis der Selbst- Hilfe vereinen müsse. In ähnlichem Sinne sprach sich auch Herr Dr. Waschütz aus Österreich und mehrere andere Redner aus. Darauf wurde folgende Resolution angenommen: »Die am 29. Mai 1919 im Rheingold zu Berlin stattgehabte ostjüdische Versammlung beschließt, die Tätigkeit des »Verbandes der Ostjuden in Deutschland" auf ganz Deutschland zu erstrecken. . Die auswärtigen Teilnehmer der Versammlung übernehmen die Aufgabe, an ihren Wohnorten als VertrauenSmänner des Verbandes zu fungieren und sich nach Kräften für Schaffung von Zweigorganisationen zu bemühen." An die Ostjuden in Deutschland ergeht hiermit der dringende Appell, sich dem Verbände anzuschließen und für feine Ziele und Bestrebungen tatkräftigst zu wirken. Die Adresse lautet: Verband der Ostjuden in Deutschland, Berlin C 64, Gormannstr. 29. — SCBert»: und Geldsendungen stzad an den Vorsitzenden, Herrn I. Lin, unter der genannten Adresse zu richten. Was ist das Glück? WaS ist das Glück? Ein goldener Traum — Ob's Trugbild ist, du ahnst eS kaum; ES flimmert . . . funkelt . . . freust dich, lachst Und greifen willst — sogleich erwachst. WaS ist daS Glück? Ein Maientag — ES duftet blütevoll im Hag, Da kommt ein Sturm, er tobt und bricht, Die Blume welkt, eS stirbt das Licht. WaS ist daS Glück? Goldschmetterling — Dahinter jagen Kindlein flink; Schon ist'S erreicht... die Hand es hält, Der Schwingen Gold in Staub zerfällt . . . E. König. Wiener Nachrichten. Thorah Ez Ehajim Beth Hamidrasch -er AdaS Jisroel. Am 8. d. M. fand die Generalversammlung des Vereines im Lokale desselben statt. Obmann Herr Philipp Back, der Gesamtvorstand und über 100 Mitglieder nahmen an derselben teil. Der Obmann eröffnet die Versammlung und begrüßt die Erschienenen, speziell den Vertreter der Kultusgemeinde Herrn Oberoffizial Alfred Meißner, und wirft einen Rückblick auf die verflossenen schweren Jahre. Einen Lichtpunkt in dieser schweren Zeit bildet die Tätigkeit unseres Vereines, dessen Heim Hunderten von Brüdern Asyl gab zur Pflege unseres teuersten Gutes, des ThorastudiumS. Unsere Lehrsäle waren vom frühen Morgen bis zum späten Abend erfüllt von lehr, und lernbegierigen Talmudkundigen, denen auch aus dem Kreise unserer Mitglieder reichliche materielle Unterstützung zuteil wurde. ' Die regelmäßigen Dortrage der Herren Rabbiner! Schreiber neugewählt. Zu Revisoren werden die Herren Bernhard Hofbauer, Jakob Fuchs wieder-, Herr Josef Bondi neugewählt. Antisemitische Ansichtskarten. Don antisemitischer Seite werden in Wien AnsichtSLarten verbreitet, die auf der Rückseite haßerfüllte Karikaturen, auf der Vorderseite folgenden Text zeigen: MoseS prophezeite vor 8600 Jahren: »Und du (Israel nach dem Fleische) wirst zum Entsetzen werden, zum Sprichwort und zur Spottrede unter allen Bölkern, wohin Gott dich vertreiben wird." Ferner: »Denn ich weiß, daß ihr nach meinem Tode vergeblich handeln und von dem Wege abweichen werdet, den ich euch gebotenhabe; und da wird euch das Unglück treffen am Ende der Tage (durch die Pogroms), weil ihr getan, was böse in den Augen des Herrn, und ihn erzürnet habet durch die Werke eurer Hände." (Siehe 6. Buch,' MoseS, Kapitel 28, Vers 37 und Kapitel 81, VerS 29.) Judenmassakers müssen also sein, damit sie, die Propheten- und Gottesmörder am eigenen Leibe fühlen, datz die mosaischen Prophezeiungen wahr sind. Die Karten, welche anonym mittels der Post versendet werden, sind deutschböhmischer Herkunft und alles weist auf eine deutschnationale Mache hin. Verband für jüdische Jugendfürsorge. Sonntag vormittags fand im Lokale der Wiener' Handelskammer die konstituierende Hauptversammlung des Verbandes für jüdische Jugendfürsorge in Deutschösterreich statt.?-■•׳ Der Versammlung wohnten auch Delegierte der orthodoxen Vereine »Jessod-Hathora", »Jeschurum" und «Jugendgruppe des Vereines zur Wahrung der Intereffen des orthodoxen Judentums" bei. Im Laufe der Beratungen erklärte ein orthodoxer Delegierter, Vorstandsmitglied der obgenannten Vereine, daß die Frage eines Zusammenwirkens aller jübischer Kreise in Angelegenheit der Jugendfürsorge bereits seit längerer Zeit vielfach erwogen wird. In Deutschland sind diesbezüglich auch mehrfache Versuche unternommen worden, ohne aber zu einem positiven Resultat geführt zu haben. Nichtsdestoweniger wollen die Wiener orthodoxen Vereine die Zusammenarbeit nicht a priori ablehnen, erklären jedoch, daß für die glaubenstreuen Juden die Thora und ihre Vorschriften den Regulator jeder öffentlichen Tätigkeit bilden. Sie können deswegen nur dann mittun, insolange die geplante Aktion diesem Gesichtspunkte nicht wiversprechen werde. Der Vorsitzende Dr. I. Samuely erklärte, daß selbstverständlich nichts unternommen werden wird, was die Religion verletzen könnte. (Vederemo!) Wien. (Trauung.) Donnerstag, den 12. Juni, fand in Wien die Trauung des Fräuleins Malvine Schreiber, Tochter des Herrn Salomon Schreiber, Enkel des Chaffam-Sofer sichraunau liwrocho, mit Herrn Amram Gestättner aus Raab, Zögling der Preßburger Jeschiwo, statt. Diese Verbindung zweier hochangesehener jübischer Kamilien wird in den meisten Kreisen sympathisch begrüßt. dentumS-, sondern eine JudenheitSfrage, deren Lösung in der Pflege größerer und engerer Gemeinschaftlich, keit mit den üblichen nationalen Mitteln zu suchen fei- Sozialismus, Vegetarismus und andere ethische Be. strebungen, die man neuerdings mit dem Judentum zu verquicken sucht, seien nur fremde Werte, denen man jüdische Mäntelchen umhängt. Die Juden hätten die Religion, die sich in der Pflege nationaler Gemein, fchaftskultur äußere, verloren, behielten aber noch daS religiöse Gefühl, daS dem Judentum fremde Werte und Inhalte andichte. — Von den Diskussionsrednern wu«. de dem Referenten u. a. entgegengehalten, daß man die Juden doch nicht mit dem gleichen Matzstabe wie andere Völker messen könne und daß das Gefühl der AuSerlesenheit bei den Juden eines der stärksten Merkmale ihrer Gemeinschaftlichkeit und die Ursache ihrer Son- Verstellung in der ganzen Welt sei; daß die Juden zwar die Ethik nicht selbst geschaffen und vielfach Vorbilder von der uralten ägyptischen u. a. Kulturen für die jüdische Gesetzgebung benutzten, daß aber die ethische Kultur durch das jüdische Volk eine weitere und höhere Entwicklung erfahren habe und in der Zukunft, besonders beim Wiederaufbau des jüdischen Palästina, noch erfahren werde; daß es zu allen Zeiten starke ethische Persönlichkeiten unter den Juden gegeben habe, von denen man durchaus nicht sagen könne, sie hätten freryde Werte in jüdische Mäntelchen gehüllt, sondern umgekehrte reine jüdische Werte unter fremder Maske gezeigt. In seinem Schlußwort rechtfertigte sich der Referent, daß er keineswegs die spezifischen׳ Werte des Judentums leugnen wollte, daß er aber seinen Vortrag unter dem Eindruck des gegenwärtig׳ in den jüdischen Kreisen des Wesens und des Inhaltsdes Judentums gehalten habe, daß ein großer Teil der jüdischen Jugend durch die Lehren vom geistigen Ju» dentum verwirrt, sich massenhaft in das sozialistische Fahrwasser begebe, und dem nationalen Judentum ver-׳ loren gehen. Ausruf! Die Landgemeinden, die keinen Funktionär haben, werden in ihrem Interesse ersucht, ihre Adressen be-- kanntgeben zu wollen. Rabbiner Dr. Ezechiel Landau, Strakonitz, Böhmen^ Brünner Nachrichten. Kultuswahlen in Brünn. Herz! Achad Ham. Ueber dieses Thema referierte Dr. Krojanker in der Zionistischen Ortsgruppe München. Der Vortrag galt im wesentlichen einer scharfen Kritik des kulturellen, geistigen und ethischen Zionismus, wie er in den Lehren von Achad Haam, Martin Buber u. a. zum Ausdruck kommt, gegenüber dem rein nationalistischen Zionis- Fürst, Rabbiner Assessor Baumgarten, Fleischmann,' muS, dessen typischer Vertreter Dr. Herzl ist. Ausgehend die Schiurim, für Kaufleute, waren sehr besucht. Auch von dem Standpunkt, daß das Wesen der Nation nicht die Finanzen des Vereinebewegten sich in aufsteigen., im Inhalt, sondern in der Form bestehe, daß jedes der Linie. Volk sich in gewisser Hinsicht als auserwählt betrachte, Die von uns subventionierten Lehranstalten, Je. bezeichnet der Referent den Glauben an den besonsod Hatorah und Religionsschule, sind in einen sepa. deren Geist oder an eine spezifische Ethik des Judenraten Verein umgestaltet worden und sind deren Re- - tumS als Dogmen und gefährliche Götzen, die nur Ber. suttate geradezu glänzend. . Wirrung in den Köpfen der jüdischen Jugend anstiften Nach mehr als 7 Jahren haben sich die derzeitigen׳ Machthaber entschlossen, für den 29. d. M. die Neu-- Wahlen für den Kultusvorstand auszuschreiben. Die׳ seinerzeitigen Kehillawahlmacher haben unter dem Namen,״Parteilose" mit den Jüdischnationalen eine Art- ״Kompromis" geschlossen und den Jüdischnationalere von den 16 zu besetzenden Mandaten 6 eingeräumt.. Das KompromiS ist die Ursache dessen, daß die Wahlen so ziemlich ruhig verlaufen werden. Von einer Versammlungstätigkeit war nichts zu vernehmen. Es schien den Herren der beiden Richtungen doch nicht für ganx. in Ordnung, Wahlen zu machen, ohne mit den Wählern in Fühlung zu treten und so entschloß man sich, Mittwoch, den 25. d. M. im Künstlerhaus eine Wählerversammlung abzuhalten. Namens der geeinigten Wahlkomitees eröffnete Herr Ing. Max Singer die Wähler- Versammlung und begründete namens der Jüdischnationalen das abgeschlossene Kompromis damit, daß׳ man in dieser aufgeregten Zeit einen Wahlkampf unter' den Juden unbedingt ausweichen wollte. Der׳ Hauptreferent des Abendes war das bisherige Mitglied des Kultusvorstandes Herr Dr. PH. Schreier. Dr. Schreier hob hervor, daß es eine Hauptpflicht der Juden sei, sich um ihre eigenen Angelegenheiten zu bekümmern. Dem bisherigen unnatürlichen Zustande, daß der Vorstand mit der Bevölkerung in gar keinem Kontakt gestanden habe, müsse unbedingt ein Ende bereitet werden. Der Referent entrollte den Zuhörern ein Bild über die Zustände und Verhältnisse in unserer Gemeinde in den letzten 60 Jahren. Er hob die Verdienste der bisherigen Repräsentanten Gomperz, Mandl, Epler hervor, gedachte insbesondere der -ersprießlichen Arbeit des derzeitigen Präsidenten Herrn Gustav Tandler. In lobenden Worten gedachte Herr Dr. Schreier der Tätigkeit des Vorstandes auf charitätivem Gebiete. (Wenn Herr Tandler Mjrklich so ersprießliche Arbeit geleistet, wozu dann den Standpunkt vertreten, Herr Tandler dürfe nicht mehr gewählt werden? Anmerkung des Setzerlehrlinges.) Der Re--

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