Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 14 (12.6.1919)
- Date
- 1919-06-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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*tu s Nr. H der Vorsehung berufen sei, Pfadfinder und Wegweiser zur Verwirklichung der höchsten Ideale aller Zeiten zu sein. Im Namen deS Allmächtigen und seines hehren Wüstes richten wir an Euch Bitte und Mahnung: Da Ihr ave, jeder von Such, Euer Vaterland liebet und ihm Gottes Schutz und Fürsorge erfleht, tretet, bewehrt mit dem Worte der Ewigkeit, vor die Mächtigen der Erde und bittet, daß fie als Boten Gottes der armen Wett den Weg zur Erlösung offen halten, daß sie der neuen, werdenden Welt eine Gestattung der Liebe ge. ben, die einem wahren Bunde der Völker »die Wege erschließt. — Frankfurt a. M., 28. Mai ISIS. Freie Verrinigung für die Interessen des orthodoxen Juden. tumS in Deutschland. Rabbiner Dr. Breuer, Vorsitzen, der. Im ,.wiederbefreiten" Drehobycz. Die jüdische Bevölkerung in Drohobycz, die trotz ihrer Neutralität während der gangen ukrainischen Okkupation völlige Ruhe und Sicherheit ihres Lebens und Vermögens genossen hatte, bekam unmittelbar nach der «Wiederbefreiung" dieser Stadt durch die pol Nischen Truppen die «polnische Kultur" zu spüren: es brachen nämlich sofort antijüdische Exzesse aus, denen diele jüdische Geschäfte (Teicher, Pasternak, Bloch, Lrauber, Herschmann und andere) und Privattvohnungen zum Opfer fielen. Als Seitenstück hierzu ist auch daS schändliche Verhalten eines Teiles der Drohobhczer «Polen mosaischer Konfession" zu verzeichnen. Viele von ihnen manifestieren nunmehr wiederum ihr «Polentum". So ist beispielsweise der Ausschluß von etwa 400 jüdischen Schülern aus dem Gymnasium auf eine Denunziation des «jüdischen" Professors Blatt zurückzuführen. Erwähnt sei, daß diese Ausschließung gegen den Protest des pol- Nischen Gymnasialdirektors JaroSz erfolgte, der auch erklärte, einen derart ungerechten Beschluß mit seiner Unterschrift nicht decken, zu können. Aluder jüdischnationalen Mandatare. ~ Die jüdischnationalen Mitglieder der deutsch-öfterreichischen Nationalversammlung, des Wiener Ge» meinderateS, der Wiener Bezirksvertretungen sowie der KultuSgemeindereprasentanz haben sich zu einem Klub der jüdischnationalen Mandatare zusammengeschlossen. In der Sitzung vom 28. Mai wurde Abgeordneter Ingenieur Stricker zum Obmann. Gemeinderat Dr. Ehrlich und Bezirksrat Dr. AbeleS zu dessen Stellvertretern und BezirkSrat Dr. Weiner zum Schriftführer gewählt. Pogromprstest deS Bischofs Poulsen. Der dänische Bischof Poulsen veröffentlicht gemeinsam mit dem Propst Munck folgende Protestresolution gegen den Judenpogrom in Proffurow: «Die am 7. Mai in Nastved versammelten christlichen Freunde des jüdischen Volkes sprechen ihren tiefen Abscheu und Kummer aus über den bluttriefenden Judenhaß, der kürzlich wieder in dem fürchterlichen Pogrom in der kleinen ukrainischen Stadt Proffurow zum Ausbruch kam. Fünftausend Juden. Männer, Frauen, Kinder und Greise, wurden im Laufe weniger Lüge in qualvollster Weise von den in der Stadt in Garnison befindlichen Soldaten abgeschlachtet. Wir wünschen, daß die Regierung aller zivilisierten Länder sich endlich zusammenschließen, um dieser unmenschli» chen Barbarei ein Ende zu machen. Insbesondere machten tyir die Hoffnung aussprechen, daß die Machthaber der Welt, deren Vertreter jetzt in Paris versammelt find, nicht allein erwägen, sondern wirklich energische und entscheidende Schritte tun werden, damit dies daS letztemal war, tzgß der Wahnsinn deS Judenhasses einen solchen Schandfleck auf die Völker heftete, die sich mit dem Namen Christen schmücken." Für die Hebräische Universität. Der Bibliothekar deS amerikanischen Kongresses, Herbert Putnam, hat Herrn de HaaS in einem Brief versprochen, der Hebräischen Universität in Jerusalem einen vollständigen Katalog der amerikanischen Ratio nalbibliothek zu Verfügung zu stellen. Dieser Katalog besteht aus 8000 Karten über 1 Mission Bände und wird vollkommen a jour geführt. Die Universität soll auch jede Publikation der Kongreß-Bibliothek erhalten. Bisher hat nur daS Internationale Bibliographie-Büro in Brüssel den Katalog erhalten. Zusammenarbeit van MiSrachi und Agudath Jisroel. Zwischen Vertretern des MiSrachi und der Agudath JiSroel fand dieser Tage in Berlin, wie das Kopenhagener Zionist,,che Büro schreibt, eine Besprechung über die Möglichkeit gemeinsamer Arbeit statt. ES nahmen an ihr teil von seiten der AgudaS JiSroel Rabbiner Dr. Auerbach (Halberstadt), Rabbiner Dr. SSra Munk und Moritz A. LSb; von seiten deS Misrachi: Dr. Hermann Pick, Dr. Aron Barth, Direktor Willi David und Hermann Struck. Als Richtlinien einer möglichen Zusammenarbeit stellten sich folgende Punkte heraus: 1. Einrichtung eines thoratreuen Schulwesens, 2. Gründung thoratreuer Kolonien, 3. Eine der Bedeutung des thoratreuen Einwanderungs-Elementes entsprechende Vertretung der zionistischen und nichtzionistischen thoratreuen Juden in den Einwanderungsämtern, 4. Heilighaltung des Sabbath im öffentlichen Leben, 5. Berücksichtigung deS Schmitta - Gesetzes, 6. Gültikeit deS jüdischen Eherechtes, 7. Gültigkeit deS jüdischen Zivilrechtes. Punkt 4—7 in dem Maße, welches die dafür zuständigen rabbinifchen Stellen für nötig erachten. Bonfeiten des MiSrachi wurde noch als besonders dringend die Schaffung eines autoritativen rabbinifchen Rates vorgefchlagen, der alle die jetzt aktuellen Fragen vom religionsgesetzlichen Standpunkte aus zu bearbeiten hätte. Zur Gleichberechtigung der׳ Juden Polens. DaS tschechoslovakische Preßbüro meldet: Haag, den 29. Aus Paris wird mitgeteilt: Der Vertrag der alliierten Länder in Polen ist schon fertiggestllt. Er verbürgt die Rechte der ethnografischen und religiösen Minoritäten in Polen. Ebenso verbürgt er die Gleichberechtigung aller Juden die in Polen wohnen. .Gleiche Vereinbarungen.sollen den Vertretern der tschechosiovakischen Republik, JugoslavienS und Rumäniens borgelegt werden. Sie sind ein Teil des Programms, das den Juden Europas Gleichberechtigung sichern soll. Der Vertrag mit Polen erkennt den Juden ihre nationalen Rechte in vollem Umfange zu und verbietet jegliche Unterdrückung. Den Juden wird der Gebrauch ihrer eigenen Sprache zugesichert und die Abhaltung von Wahlen am SamStag wird darin verboten. Zu den Gemeindewahlen. In allen Gemeinden der tschechoslowakischen Republik rüstet man zu den Gemeinderatswahlen, bei denen zum ersten Male jüdische selbständige Kandidaten aufgestellt werden. In der Provinz werden Wählerversammlungen veranstaltet und eigene jüdische Kandidaten aufgestellt. In G ö d i n g sprach am 17. Mai der Sekretär deS Jüdischen LandeSvolkSrateS für Mähren Dr. Gustav Kohn über «die Juden und die Gemeinderatswahlen"; in der Versammlung wurde die Kandidatenliste mit dem Listenführer Prof. Fisch! (Poale Zion) angenom- Imen. In G a h a fand am 24. Mai eine jüdische Wähler- Versammlung statt, in welcher Dr. Gustav Kohn referierte, die jüdische Liste, die Dr. Sigm. Schindler anführt, wurde einstimmig angenommen. Am 27. Mai sprach Dr. G. Kohn in Neutitschein, doch wurde in dieser Gemeinde nur eine Zählkandidatur nominiert. Viel besser stand es in Bisenz, wo nach der Rede des Dr. Kohn Donnerstag, den 29. Mai, auch eine eigene Liste ausgestellt wurde. Sonntag, den 1. Mai sprach in B u t s ch o w i tz Dr. Gustav Kohn. Fast die ganze Butschowitzer Gemeinde war im Tempel anwesend, in dem die Versammlung abgehalten wurde. Seit vielleicht 15 Jahren hatte man in Butschowitz keine jüdischen Versammlungen gehabt, und nur wenige Juden konnten sich erinnern, daß vor grauen Jahren Gg. Max Hickl dort gesprochen hätte. ES wurde die Gründung eines «Zion"-Vereines beschlossen, an dessen Spitze der Kultusvorsteher Herr S t i a ß n y als Obmann, als dessen Stellvertreter Herr Dr. M. Kohn, Arzt in Butschowitz, gewählt wurden. Wir wünschen, daß die neueste jüdische Organisation in Mähren fleißig und aufrichtig von allen jüdischen und zionistischen Organisationen unterstützt werde. Auszug aus dem Leitartikel der ״Times" vom 10. Mai 1919. Wo also ist die Abhilfe? Die muß noch herauSgefunden werden. Wir bemerken im Kern des Vertrages eine im Hinblick auf die Gefahr innerer Verwirrungen in Polen, welche durch Punkt 10 des Vertrages nicht beseitigt ist, wertvolle Bestimmung, daß zum Schutz der durch Rasse oder Religion unterschiedenen Minoritäten in Polen besondere Verfügungen in einem später zwißenden Vertrage getroffen werden sollen .Der Vertrag soll ferner einige Garantien enthalten, entsprechend dem DefensivbündniS, welches geplant ist, um Frankreich vor einem Angriff Deutschlands zu schützen. Aber die wertvollsten Garantien für die auf Polen u. den tsche» choslovakischen Staat bezüglichen Bestimmungen des Vertrages finden sich in einem Punkte desselben, wel. cher zu einem wirksamen Friedensinstrument auSgear. beitet werden soll. Der in dem Friedensvertrag enthaltene Punkt verbirgt wohlweislich die Spitze seine»- Schwertes in Lorbeerkränzen. Die Ausfertiger waren vor allem ängstlich bestrebt, dem Argwohn zu entgehen^ als wollten sie die Autorität einer internationalen Oligarchie aufrichten oder etwas, was das Andenken an die alte Heilige Allianz wieder lebendig macht. Doch jemehr die Freiheit innerhalb der Liga emphatisch betont wird, umso wichtiger ist es, daß wir keine Zeit verlieren, die Liga zu einem Arbeitswerkzeug umzugestatten. Wir wünschen nicht, die territorialen Bestimmungen des Vertrages zu einer internationalen Ein» richtung zu machen, welche eine Veränderung bei wech» selnden Verhältnissen nicht zuläßt. Aus Kopenhagen wird uns telegraphiert: Die am 21. Mai in Newyork stattgefundenen Protestveranstaltungen gegen die Judenpogrome gestatteten sich zu der gewaltigsten Demonstration in der Geschichte der amerikanischen Judenheit. 300.000 jüdische Arbeiter ver» ließen schon mittags ihre Werkstätten, alle Läden und die Theater waren nachmittags geschloffen. Soldaten und die Veteranen der früheren amerikanischen Kriege zogen mit Trauerbändern um den Arm in langen Zügen die Straßen. Zu dem im MaLisonSquare-Garden veranstalteten Massenmeeting versuchten nach Schätzung des «Newyork World" und des «Newyork Herald" un» gefähr 200.000 Menschen Einlaß zu erhalten. 15.000 Delegierte jüdischer Organisationen waren dort anwesend. Es sprachen Nathan Strauß, Abraham El» k u S, der Präsidentschaftskandidat bei den letzten Wah» len Charles Hughes, Stephen W i s e, Jakob Schiff und Bürgermeister H h l a n, die ihrer schmerz, lichen Entrüstung und der Erwartung Ausdruck gaben, Amerika werde durch sein Einschreiten dem Maffakre» ein Ende machen. Hughes erklärte die Pogroms für einen Verrat an der Sache, für welche Amerika in den Kampf getreten sei. Bürgermeister Hhlan protestierte namens der Christenheit gegen die unmenschlichen Schlächtereien. Wilsons Schwiegersohn, Senator Cal» dor, Gouverneur Smith und viele andere hatten in Telegrammen ihre Empörung über die Pogrome kundge» geben. Die einstimmig angenommene Resolution, die die sofortige Intervention der amerikanischen Regierungzur Verhinderung weiterer Ausschreitungen sowie die sofortige Bestrafung der Schuldigen verlangt, wurde Präsident Wilson, den amerikanischen Friedensdelegierten und dem amerikanischen Kongreß übermittelt, ebenso eine weitere Resolution, in welcher Präsident Wilson und die Friedenskonferenz aufgefordert werden, Schritte zu unternehmen, um der jüdischen Bevölke» rung Polens, Rumäniens und der andern osteuropäi» schen Länder unbedingt wirksame Garantien für die volle bürgerliche, religiöse und politische Gleichberechtigung zu verschaffen sowie auch für die Gewährung der gleichen Minoritätsrechte, Wie sie den andern in diesem Ländern wohnenden nationalen Gruppen zugesichert werden. Alle großen Newyorker Zeitungen brachten aus» führliche Berichte über die Veranstaltung und gaben ihrer wärmsten Sympathie für den Protest Ausdruck, den sie gleichzeitig in ihren Leitartikeln auf daS energi» scheste unterstützen. Montag, den 26. Mai, wurde Louis Marshall von Präsidenten Wilson in Audienz׳ empfangen, bei der über die Pogrome und über die Forderungen der Juden verhandelt wurde. Wilson ver» sprach, alles zu tun, um die Juden Osteuropas, denen sein ganzes Mitgefühl gehöre, vor neuen Katastrophen zu bewahren. Den jüdischen Forderungen bringe er volle Sympathien entgegen. Am 24. Mai veranstaltete in Paris die Liga der Rechte ein Protestmeeting, an dem sich mehr als 2000 Teilnehmer einfanden. Eine scharfe Protestresolution wurde von dem Vorsitzenden des Meetings, dem bekannten Abgeordneten von Lyon, M o u l e t, eingebracht und einstimmig angenommen. ES sprachen Mar» shall, Herold, Motzkin,*Syrkin, Reich, Goldstein undviele andere. Korrespondenzen. Berlin. Von erfahrener Seite ist der Vorschlag gemacht worden, zwecks intensiver Ausgestaltung der Bibliothek jüdischer Vereine und Gesellschaften eine Organisation ihrer Bibliothekare zu schaffen. ES soll hier die Arbeit der Bibliothekare durch allgemeine Leit» sätze erleichtert und die Möglichkeit deS Austauschesschen den verbündeten Mächten und Polen abzuschlie-tvon Erfahrungen geschaffen werden. Wir nehmen «v