Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 14 (12.6.1919)
- Date
- 1919-06-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Crifc 4. fMfetfA* MMI 9ln 14. Mt aller Wett beweisen wollen, daß die jüdische Auto, nomie ein Unsinn und eine Unmöglichkeit sei, ohne aber bedenken zu wollen, datz daß von ihnen als »inferior* bezeichnete Ukrainervolk eS gezeigt hat, wie gemein« nützig die Einführung einer jüdischen Autonomie wir« ken kann. Das vom Imperialismus vergiftete polnische Volkstum hat scheinbar vergessen, wie eS noch vor kurzem selbst die Unterdrückungen seiner Peiniger fühlen mußte und schon schwingt eS selbst die Knute des Unterdrückers. Weh' Dir, wenn der Sklave ein mächtiger Herr geworden ist!! Jwri. Brünner Nachrichte«. Jüdische Wähler und Wählerinnen! Bleibet standhaft, wählet geschlossen die national-jüdische Liste, die mit Dr.. Artur Fehdmann, Advokat, Brünn, Traubengasse beginnt. — Lasset Euch daher nicht von Eue« rem Bekenntnisse zum jüdischen Volke durch Berdächtigungen und Drohungen abhalten! Ünterstützet nicht Parteien, die mit Antisemiten koppeln! Beweiset durch Euere Stimmenabgabe, daß Juden nur eine Politik der nationalen Versöhnung vertreten wollen. Rational-jüdische Kandidatenliste: 1. Dr. Artur Feldmann, Advokat, Brünn, Traubengasse 13. 2. Ing. Max Singer, Brünn, Reißiggasse 3. 8. Dr. Theodor Haas, Advokat, Brünn, Reißiggasse 4. 4. Bertha Schnabel, Private, Brünn, Wiesergaffe 3. 6. Ing. Ernst Troll er, Fabrikant, Brünn, Hutterteich 2. 0. Dr. Hugo Meißner, Advovkat, Brünn, Reißiggafle 2. 7. Simon C z u c z k a, Ziegeleibesitzer, Brünn, OffermannSgasse 19. 8. Wilhelm Sonderling, Kaufmann, Brünn, Masarhkstraße 11—16. 6. Dr. Philipp Schreier, Zahnarzt, Brünn, KirchengLsse 2. 10. Alois Hochwald, Kaufmann, Brünn, Stefansgaffe 4. 11. Ernestine Rotter, AdvokatenSgattin, Brünn, Parkstraße 20. 12. Dr. Karl Sonnenfeld, Advokat, Brünn, Johannesgaffe 26. Jüdische Wähler und Wählerinnen wählet unbedingt die national-jüdische Liste! — Samstag, den 14. Mai, 8 Uhr abends, findet im großen Saale der Schwechater Bierhalle eine öffentliche Wählerversammlung statt. Referenten Dr. Hugo Herrmann (Mähr.-Ostrau), Dr. Artur Feldmann, Dr. Theodor Haas, Dr. Gustav Kohn. Zu den Brünner Gemeindewahlen. Die jüdisch-sozialistische Arbeiterpartei ״Poale Zion" hat sich entschlossen, auf eigene Kraft bauend, in den Wahlkampf zu treten. Die Partei tut dies aus der Erwägung heraus, daß auch wir jüdischen Sozialdemokraten in dem großen Ringen der beiden Grup- Pen, Kapitalismus und Proletarier mitkämpfen müssen. Die große Maffe der Juden wird nicht, wie man immer hört, Fabrikanten und Großkaufleute, sondern das große Heer der jüdischen Arbeiter, Angestellten und Kleingewerbetreibenden leidet furchtbar unter den drückenden wirtschaftlichen Zuständen und diese gehören alle in die Reihen des Proletariats. Es ist die große Aufgabe der Poale Zion diese Massen der unbewußten jüdischen Proletarier Volks- und klaffende- Mußt zu machen und sie zu führen in dem großen Kampfe des internationalen Proletariats gegen den Weltkapitalismus. Der größte Teil des jüdischen Volkes hat seine Zugehörigkeit bereits erkannt und täglich strömen neue Männer und Frauen in unsere Organisationen. Wir können daher dem Wahltag ruhig ins Auge sehen und mit Zuversicht erwarten, daß jüdischsozialistische Vertreter in die Gemeindestube Groß- Brünns einziehen werden. Es wird sich diesmal zeigen, daß die Juden in ihrer Gesamtheit nicht ״Kapitalisten" sind, wie man immer zu sagen pflegt, sondern daß sie Proletarier sind, die ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen und sich durch jüdisch-sozialdemokratische Mandatare vertreten laffen wollen. Heute wenden wir uns an alle diejenigen, die schwanken und nicht wiffen, welcher Partei sie sich anschließen sollen. Wir rufen diesen zu: Wenn Ihr den Fortschritt wollt und die Reaktion verabscheut, wenn ihr wirtschaftlich abhängig seid und den Kapitalismus bekämpfen wollt, wenn ihr die Zukunft deS JudentumS sicherstellen wollt und erwartet, daß jüdische Bertreter im Staate der Zukunft mitsprechen sollen, dann wählet am 15. Juni »die jüdisch-sozialdemokratische Liste -er ״Poale Zion". 1. Listenführer Dr. Felix Loria, 8. Dr. Eugen Zettel, 3. Jossa Weitzenstein, 4. Ing. Fritz Kohn. Wähler-Versammlung der ״Poale Zion". - Am Montag, den 2. Juni fand im großen Saale der Schwechater Bierhalle eine Wählerversammlung jüd. füz. Arbeiterpartei Poale Zion statt. Die großartig besuchte Versammlung zeugte davon, daß das Interesse, der bisher nur ganz einseitig orientierten Judenschaft, sich jetzt mehr und mehr den gewaltigen Forderungen am nationalen und sozialen Gebiete zuwendet. — Die drei Hauptredner Gen. Julius Schul« l e r, Dr. E. Z e i s l und Dr. Loria ernteten mit ihren Ausführungen stürmischen Beifall. Herr Schüller wies auf die besondere Struktur des jüdischen Volkes hin, das in seiner großen Mehr- Veit aus proletarischen oder proletarisierten Existenzen bestehend, dem Boykott und der Verfolgung der andern Völker, auf wirtschaftlichem Gebiete auSgefetzt ist und dessen Schutz nur von eigenen jüdischen Vertre- Lern, in erster Linie sozialistischen, wird gewährleistet werden können. Herr Dr. Zeifl sprach über das kommunale Programm und wies׳ auf die Notwendigkeit hin, datz im Brünner Gemeinderate, wo aller Voraussicht nach eine sozialistische Mehrheit sein wird, auch jüdische Sozialdemokraten sitzen, die bei der kommenden Sozialisierung mitsprechen und darauf achten müssen, damit nicht an den Juden, in einseitiger Weise die Sozialisierung ausprobiert werde. Der Kampf gegen die eigenen kapitalistischen Unterdrücker, müsse nach wie vor geführt werden, damit innerhalb des Judentums eine wirtschaftliche Gesundung vor sich gehe und deffen nationale Zukunft gesichert werde. Herr Dr. Loria wies in seiner oft von großem Beifall unterbrochenen Rede unter anderem darauf hin, datz wir Juden, die wir selbst eine Minorität sindimmer und überall für die gerechten Interessen aller Unterdrückten eintreten werden, daß wir — ohne uns als Schützer deS Deutschtums zu geberden, — sondern bloß aus unserem Gerechtigkeitssinn heraus — immer dafür eintreten werden, daß in Brünn bloß aus chauvinistischen Trieben heraus eine Kultur unterdrückt werde, an der auch wir Juden so großen Anteil haben. Auch die jüdische Frau, welche bisher eines der bedauernswertesten Opfer der alten Wirtschaftsordnung war, muß in ihren Anschauungen eine Wandlung vornehmen und darf sich nicht von der bessern Lage we- Niger jüd. Frauen verleiten lassen, sich anders zu entscheiden, als ihr ureigenstenS Interessen gebieten, nämlich am Wahltag ihre Stimme den jüd. Sozialdemokraten zu geben. Der jüd. Kaufmann und Angestellte, deren Lage heute gewiß keine angenehme ist, die überall dem Boykott und der Mißgunst ausgesetzt sind, werden in den Kandidaten der jüd. soz. Arbeiterpartei warme Schützer ihrer Interessen finden. Auch sie werden nur die« sen ihre Stimme geben. Die sich hierauf anschließende Wechselrede lieferte den unumstößlichen Beweis dafür, daß sich auch bisher ganz fernhaltende Kreise, dem Jdeengang der Poale Zion nähern, die ihr Ziel, nicht nur darin sieht, die nationalen Forderungen zu verwirklichen, sondern in hohem Matze, den besonders dringenden wirtschaftlichen Gegenwartsfragen, ihr Augenmerk zuwendet. Aufruf! Jüdische KiiHer aufS Land! Der Krieg mit seinen wirtschaftlichen Krisen, mit seiner ökonomischen Not hat eine bedauerliche Entkräftung und Unternährung der Heranwachsenden Jugend hervorgerufen! Um Gesundheitszustand jüdischer Kinder zu bessern, um sie vor Tuberkulose zu bewahren, besteht die Absicht, erholungsbedürftigen Knaben und Mädchen den Aufenthalt am Lande während der Ferialzeit zu ermöglichen. Wir appellieren an jüd. Gutsbesitzer u. Gutspächter, an alle jüdischen Kultusgemeinden, uns bei der Unterbringung der Kinder tunlichst behilflich zu sein, und einer Anzahl von Kindern, teils unentgeltlich, teils gegen Bezahlung, Unterkunft zu gewähren. Wir wenden uns auch gn alle Wohltäter um Zu- Wendung von Spenden für diesen Humanitären Zweck und hoffen, uns nicht vergeblich an das bekannte jüdische Herz gewendet zu haben. Allfällige Spenden werden im Büro der Jüdischen VolkSbank, Krapfengasse 19, entgegengenomm ,' Die in Betracht kommenden Kinder im Alter von 6 bi- 14 Jahren mögen ehetunlichst im Büro der J ü« bischen Frauenorganisation Kolischke 67 (Therestenglacis 11) angemeldet werden. Der Ferienaufenthalt ist bis zu einem Mindest« einkommen der Eltern von K 6000.— kostenlos, im übrigen variiert der Kostenbeitrag mit Berücksichtigung der jeweiligen BermögenSverhältnisse zwischen 60 bis 200 Kronen. Wir hoffen zuversichtlich auf eine reichliche Zu- Wendung von Spenden, für die wir im Namen aller erholungsbedürftiger Kinder den Dank im vorhinein aussprechen. Jüdisches Komitee der Aktion für jüdische Kinder aufs Land. Wiener Nachrichten. MaSkirandachten. War schon seit Jahren in Wien, die Notwendigkeit fühlbar, für die Abhaltung der Seeleng'edächtnisfeiern auch nebst den bestehenden Synagogen Andachtsstätten zu errichten — ein Bedürfnis, dem die Kultusgemein« da immer geziemend Rechnung trug, so steigerte sich dieser gottesdienstliche Bedarf begreiflicherweise seit dem Brande des größten Leopoldstädter Gotteshauses in noch höherem Maße. Wohl war die Gemeinde be« strebt, durch die Adaptierung der KonzerthauSsäle aus« Hilfsweise Ersatz zu bieten, aber der weite Weg dahin für die Bevölkerung des zweiten BeziickeS — ein groher Teil unterläßt noch daS Fahren an Festtagen — ließ eS ratsamer erscheinen, die Andachten innerhalb deS Bezirkes womöglich zu verrichten. Und so kam eS, daß der zur Abhaltung des GottesdiensteS gemietete und günstig gelegene Saal deS Hotels ״Continental" in der Taborstraße daS Ziel vieler Hunderter von Andächtigen wurde, die den Ort der Andacht höchst befriedigt und erbaut verlassen haben. Um den würdigen Verlauf dieses von! umsichtsvollen Gemeindebeamten bewachten Gottesdienstes machte sich Herr Aushilfskantor Leo Funke und ganz besonderder von seiner langjährigen pädagogischen Wirksamkeit vorteilhaft bekannte Herr Religionsprofessor Dr. Heinrich Pollak (ein Mährer, aus Holleschau) verdient, der Mit seinen schönen Predigten am Pessach und Schowuoth auf daS andächtig lauschende Publikum tiefen Eindruck übte. Der geistliche Redner beschränkte sich nicht bloß auf das Gebiet der HaSkarah, sondern schickte an der Hand des heil. Schrifttums und Mid» rasch entsprechende Festbetrachtungen voraus, wobei die hohe Kultur und Ethik des Judentums in geistvoller und populärer Form zur Darstellung gelangte. Sein Mahnruf zur Treue an unserer heiligen Thora und jener an die jüdischen Frauen, die Erziehung ihrer Kinder mit demselben traditionellen Geiste zu beseelen wird in den Herzen mancher Andächtigen ein verständnisinnigeS Echo finden. A. L. Organisation der jüdischen StaatSbedienfteten Deutschösterreichs. Am 6. d. M. fand eine Vollversammlung statt, bei welcher der Präsident über die Gründung der Organisation, insbesondere welche Umstände dieselbe notwendig machten, sowie über die in der letzten Zeit abgehaltenen Sitzungen der Enquete zur Gründung einer Staatsangestelltenkammer Bericht erstattete. Nach Besprechung anderer aktueller Fragen, wie der vom Staatsamte für Verkehrswesen verlautbarten Dienst- Vorschrift über die Errichtung von Vertretungskörpern deS Personals der deutschösterreichischen Staatsbahnen und nach einem kurzen Berichte des Schriftführers über den Stand der Mitglieder und der Kassa der Organisation wurde die Versammlung geschlossen. Jesod Hathora, Schulverein der Adas Jisroel, Wien. Sonntag, den 26. Mai, fand die Jahresprüsung der Schüler und Schülerinnen dieser Anstalt in An- Wesenheit der ehrwürdigen Herren Rabbiner Fürst, Baumgarten und Schenk, des Herrn Religionsschulinspektors Oehler, des Herrn Ortsschulrates Prof. Antscherl, der BereinSleitung und zahlreicher Gäste statt. Die Schüler und Schülerinnen wurden klaffenweise geprüft und haben hiebei ein beredtes Zeugnis für die Leistungen der Anstalt abgelegt. Die Knaben zeigten ihr Wiffen von den Anfangsgründen des Jüdischen bis zur Raschi, Gemoroh, Tose, sot und den übrigen Meforschim. Die Mädchen im Beten, Uebersetzung der wichtigsten Gebete, biblischer Geschichte. Jüdisch schreiben und Techinolesen.