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Jüdische Volksstimme · 1919-06-02 · Heft 13 (2.6.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 13 (2.6.1919)
Date
1919-06-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Die antijüdischen Exzesse aufs energischeste zu bekämpfen und die pogromschürende polnische Presse zur Einstellung ihrer Kampagne zu veranlassen; 2. den Pogrombeschädigten eine Entschädigung zu zahlen und 3. den Pogromflüchtlingen eine Unterstützung von 3 K täglich zuzuerkennen. Diese Forderungen wurden der Regierung in Warschau durch eine an den Generalbevollmächtigten für Galizien Dr. Galecki entsandte Abordnung übermittelt. Im Jahre 1906 eröffnet, ist die Jsr. Kinderheilstätte rasch in Blüte gekommen. Krank und siech ziehen die Kinder in die Kinderheilstätte ein; zu neuem Leben erblüht kehren sie in die Heimat zurück. Um nun in noch ausgiebigerem Maße als bisher dem sozialen Elend der Jugend steuern zu können, wurde beschlossen: «Nach Aufbringung der erforderlichen Mittel soll eine Heilstätte für kurbedürftige erwachsene Mädchen, insbesondere für solche die im Berufe stehen, angegliedert werden. Jnsolange ein geeignetes Heim nicht errichtet ist, können kurbedürftigen Mädchen Zuschüsse behufs Ecmöglichung eines Kuraufenthaltes in Bad Kissingen gewährt werden." Obwohl für die Errichtung dNs Hei« meS beziehungsweise für den GründungSfon-S bereits 70.000 Mark zur Verfügung stehen, ist die Errichtung , des Heims derzeit noch unmöglich. Dagegen können kurbedürftige Mädchen schon jetzt Zuschüsse erhalten. Auch dieser neue Bereinszweck wird ein Segen werden für kränkliche und schwächliche israelitische Mädchen, die die Zeit ihres Urlaubes dazu benützen können, ihre Gesundheit zu festigen, um alsdann neu gekräftigt an ihre Berufsarbeit zurückzukehren. Möge den Bestrebungen deS Vereines nie die Hilfe edler Menschen fehlen! Tob eines jüdische« Gelehrte«. Verband der Ostjuden in Deutschland. Berlin. Der «Bund ostjüdischer Vereine" hielt am 14. Mai seine erste Generalversammlung ab. Herr L i n erstattete einen ausführlichen Bericht über die bisherige Tätigkeit des provisorischen Arbeitsausschusses und wies besonders darauf hin, daß die gegenwärtigen Zeitverhältnisse und der Zustrom zahlreicher jüdischer Flüchtlinge auS den östlichen Pogromgebieten eine umfassende soziale Hilfsaktion dringlich erforderlich machen. In der darauf folgenden lebhaften Aussprache, an der sich u. a. die Herren: Reinhart, Sperber, Backmann, Garbatzki, Rechtsanwalt Feblowicz und Kraus beteiligten, wurde wiederholt hervorgehoben, daß der ostjüdische Bund in der verhältnismäßigen kurzen Dauer seiner Existenz eine sehr bedeutsame und erfolgreiche Arbeit auf dem Gebiete des Rechtsschutzes und in der sozialen Hilfe geleistet habe. Herr SingalowSki wies auf die Not- Wendigkeit hin, die kulturelle Tätigkeit mit in den Vordergrund der Wirksamkeit des ostjüdischen Bundes zu stellen. Zum Schluß erfolgte die Wahl eines definitiven Vorstandes, der sich folgendermaßen zusammensetzt: 1. Vorsitzender: Josef Lin; 2. Vorsitzender: M. Reinhart; Kassierer: Lewit; Kassenrevisor: Landau; Schriftführer: Rechtsanwalt Feblowicz; Beisitzer: Kraus, Syman, Backmann, Spiegel, Haltrecht, Pilpel, Grünblatt, Kahan, Garbatzki. Um auch den Anschluß von Eistzelmitgliedern zu ermöglichen und die Organisation auf die breiten ostjüdischen Massen zu stützen, ist der Name ״Bund ostjüdischer Vereine" in ״Verband der Ostjuden in Deutschland" umgewandelt worden, der ein eigenes Büro in Berlin C 64, Gormannstr. 29, eingerichtet hat. Der Rabbinerverband für Deutschland. führt in einem Rundschreiben an die Vorstände der Shnagogengemeinden Deutschlands aus: ״Die Neugcstaltung der politischen Verhältnisse in unserem Vaterlande wird aüch weitgreifende Veränderungen in der Organisation der jüdischen Gemeinden Hervorrufen. Welchen Einfluß die in dieser oder jener Form zu erwartende ״Trennung von Staat und Kirche" auf d.1 ׳Schicksal und die Lebenskraft unserer Gemeinden ausüben wird, ist mit Sicherheit noch nicht zu erkennen. Eins steht fest: Di» Heranziehung und Zusammenfassung aller verfügbaren Kräfte wird jetzt dringendstes Erfordernis. Vor allem wird der Rabbiner nach der Trennung vom Staat und Kirche als der Vertreter der Religion in das Lebenszentrum der entpolitisierten Neligionsgemeinden gestellt werden müssen. Von seinem Wirken wird,in vielen Fällen noch weit mehr als bisher geradezu der Bestand der Gemeinden abhängig sein. Daher muß er auch im dringendsten Interesse unserer heiligen Sache an allen Angelegenheiten des Gemeindelebend und zumal an der Leitung und Verwaltung derselben teilnehmen. Zur unerläßlichen Durchführung dieser Forderung muß dem Rabbiner die Stellung eingeräumt werden, die ihm ein solches Arbeiten ermöglicht. Dem Rabbiner muß im neuen Gemeindestatut Sitz und Stimme in Vorstand eingeräumt werden. Ein verehrlicher Gemeindevorstand wird darum gebeten, bei der bevorstehenden notwendigen Neuorganisation dieser sachlichen Forderung zu ihrem Rechte zu verhelfen und zunächst Sorge zu tragen, daß der zuständige Rabbiner (gegebenenfalls der dienstälteste oder zur Vertretung beider Richtungen die beiden dienstältesten) Mitglied der dortigen vorbereitenden Organisationskommission, werde. In verschiedenen Gemeinden sind diese Bestrebungen bereits in die Wege geleitet, zu einem Teil auch schon erfüllt worden." Kunäscdau. Dte Kulturgemeinden Galiziens und die Pogrome. Am 21. d. M. tagte in Krakau unter dem Vorfitze des Dr. Rafael Landau eine Konferenz der Vertreter der Kultusgemeinden in den von den letzten Pogromen betroffenen Orten. Es beteiligten sich an dieser Konferenz 16 Delegierte der Kultusgemeinden in Rzeszow, Mielec, Czudec, Frhsztak, Rozwadow, Rymanow, Grybow, Strzhzow, Niebyk, Brzozow und Krosno. Als den Zweck der Tagung bezeichnete der Vorsitzende die Erörterung der Frage einer raschen Rettungsaktion für die so hart betroffene jüdische *Bevölkerung Mittelgali» Judenfeindliche Strömungen in Spanien. Die Juden in Spanien, meistens Kriegsflüchtlinge aus Rußland, standen vor kurzem vor der Gefahr einer restlosen Ausweisung aus dem Lande, die innerhalb 24 Stunden vollzogen werden sollte. Die Ursache dieses drakonischen Erlasses war eine generelle Verleumdung der Juden seitens des ehemaligen rffischen Generalkonsuls in Spanien, der alle Juden des Bolschewismus beschuldigte. Die spanische Regierung hatte ohne weitere Untersuchung zum alten Mittel der Judenaustreibung gegriffen und ließ bereits ein Schiff bestellen, das die russischen Juden, besonders jene, die sich während des Krieges in Barcelona niederließen, nach Odessa bringen sollte. Im letzten Augenblick gelang es jedoch, diesen Ausweisungsbefehl rückgängig zu machen. Dank den Bemü- Hungen des englischen Botschafters Harding und des bekannten jüdischen Professors an der Madrider Universität, Dr. Jahuda, wurde eine Untersuchung eingeleitet, die die gänzliche Grundlosigkeit der gegen die Juden erhobenen Beschuldigung ergab. Infolge dieses Ergebnisses sowie der besonderen persönlichen Garantie des Prof. Jahuda, der sich für'eine loyale Haltung der rusfischen Juden in Spanien verbürgte, erhielten die letzteren die Erlaubnis, weiter im Lande zu verbleiben. Die Danziger Jubenschaft gegen die polnische Gewalt- Politik. Der Vorstand und die Vertreter der jüdischen Gemeinden DanzigS sowie der Ausschuß des Vorstandes der Westpreußischen Shnagogen-Gemeinden richteten folgende Entschließung an unsere Friedensabordnung: ״Mit allen anderen Deutschen erheben auch die deutschen Juden in Danzig und Westpreußen in letzter Stunde ihre Stimme, um gegen jede Abtrennung deutschen Gebietes von unserem Vaterlande nachdrücklich Verwahrung einzulegen. Unlöslich sind wir mit unserem deutschen Vaterlande verbunden, sind deutsch und wollen es bleiben. Entgegen der haltlosen Behauptung der Polen, daß Danziger Juden den Anschluß an Polen wünschen, wehren wir uns mit unserer ganzen Kraft dagegen, daß auch nur ein deutscher Jude unter die Gewaltherrschaft der Polen kommt. Bis in die letzte Zeit haben diese bewiesen, daß sie weder nationale noch religiöse Minderheiten dulden und achten. Bis in die letzte Zeit haben sie unter schmählicher Verleugung aller abgegebenen Zusicherungen und in einer jeder Menschlichkeit hohnsprechenden Weise gegen die Juden Pogrome veranstaltet, die den Abscheu der ganzen Kulturwelt erregen. Deshalb wehren sich die Juden der bedrohten Landesteile nicht nur gleich allen anderen Deutschen dagegen, ihr deutsches Volkstum aufzugeben, sondern müßten es als ein besonders grausames Geschick empfinden, polnischer Willkür und Unduldsamkeit ausgeliefert zu werden. Wir wenden uns mit unserem Notschrei an das Gewissen der Welt und rufen auch jetzt noch diejenigen an, in deren Händen die politische Gestaltung der Zukunft liegt, uns vor diese:a ׳ocl'.u׳ zu bewahren." Die Jsr. Kinderheilstätte i« Bad Kissingen, E. hat seit ihrem Bestehen mehr als 2200 Kindern Aufnähme gewährt. 1918 wurden 216 Kinder ausgenommen. Die französische Wissenschaft hat einen schweren Verlust durch den Tod des Dr. Hippolyte B e r n h e i m, Professor an der medizinischen Fakultät von Nancy, Offizier der Ehrenlegion, erlitten. Professor Bernheim war in der ganzen Welt durch seine Studien über den Hynotismus berühmt. Er war der Gründer der psychologischen Schule in Nancy und Begründer der Pshchiatrie in Frankreich. Lehrerkonferenz in Palästina. In Jaffa fand vor kurzem zum ersten Male seit der Einnahme von Galiläa eine Konferenz der palästvnensischen Lehrer statt. An ihr nahmen 400 Schulleiter und Lehrer teil. - _ Zionslied. Bon Abraham Geiger. %?. AuS dem Divan deS Jehuba Halevy. ״Mein Täubchen, warum seufzest du Und irrst ohne Rast und Ruh? Magst deine Feste froh begehn. Hat dich dein Gott ja ausersehn k" Bleibt mir denn Hoffnung und Kraft, Befreit zu werden aus der Haft? Wird meine Sehnsucht dann gestillt, "v Das Land zu sehn, das heißerfüllt? Der Freund ist fern, bedrückt die Brust; Wo gibt's für mich noch süße Lust? O, wäre doch beflügelt ich. Ich schwänge nicht zu Sternen mich; Zum Gottesberg flög' ich empor. Dort würzt ich meines Tempels Tor, Auf Staub und Trümmer, die mein Fuß Betritt, drückt' ich der Liebe Kuß. . , . ר ״Laß g'nügen dir! dir ist ein Schild Dein König, immer freundlich mild; Im finstren Land auch ebnet er Den Pfad, drum schreite froh einher. Des Festtags Freude gib dich hin, Getrost erheitre Herz und Sinn!" Nun, mich erquickt das hohe Wort; Von ihm, der meines Lebens Hort, ’ Er, der die Sehnsucht mir entbrannt Nach Sinai, dem heil'gen Land — ' ' Auch hier erleuchtet mich sein Licht, Ich trau' auf ihn, er läßt mich nicht. ’ ■ Korrespondenzen. Jungbunzlau. Oberkantor Benedikt Singer, der am 26. März d. I. unter großen Ehren hier bestattet wurde, wirkte 36 Jahre in unserer Gemeinde und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit. Sein schon gänzlich vergriffenes Gesangbuch für die jüdischen Schulen und liturgische Gesänge machten ihn auch in weiten Kreisen außerhalb unserer Gemeinde bekannt. Singer war

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