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Jüdische Volksstimme · 1919-06-02 · Heft 13 (2.6.1919) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 13 (2.6.1919)
Date
1919-06-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. *a*m **fHtfmmt” Nr. 13. In der letzten Sitzung des RzeSzower Gemeinde rateS brachte der Bizebürgermeister Dr. Hochfeld die letzten Vorfälle zur Sprache und wies auf die passive Haltung des Militärs, insbesondere des Obersten Za wadh hin, der den Räubereien ruhig zugesehen hatte. Der Antrag des Dr. Hochfeld, der Gemeinderat möge über diese Vorfälle sowie über die Haltung der RzeS gower Garnison sein tiefes Bedauern aussprechen, wurde nur in seiner ersten Hälfte zum Beschluß erhoben. Dr. Wachtel geißelte das Verhalten der städtischen Polizei während des ProgromS und richtete an den Bürgermeister Krogulski die Anfrage, inwiefern die Gerüchte, die ihm, dem Bürgermeister, die ganze Schuld an dem Pogrom zuschreiben, den Tatsachen entsprechen. Der Bürgermeister bezeichnete natürlich diese Gerüchte als böswillige Ausstreuungen ..." Die Notlage der Rabbiner und Kultusgemeinde-Angestellten. Der Verband der Rabbiner Mährens und Schlesrens nahm am 4. d. M. seine durch den Krieg unterbrochene Tätigkeit wieder auf. In der in Prerau abgehaltenen Vollversammlung wurden Fragen religiöser, nationaler und pädagogischer Natur zur Diskussion gestellt. Aber auch die Sorge um das tägliche Brot, ein bisher ungekannter Gast bei unseren Beratungen, hat sich diesmal zu Worte gemeldet. Die durch die allgemeine Teuerung hervorgerufene schwierige Lage aller Festbesoldeten wurde bei unserem Stande noch dadurch schwieriger, daß manche Kultusvertretungen es unterlassen haben, die Bezüge ihrer Beamten mit den Preisen der Lebensmittel auch nur halbwegs in Einklang zu brin-- gen. Es hat uns schmerzlich berührt, aus dem Munde verdienstvoller, in ihrem Berufe ergrauter Kollegen Worte zu hören, so herb und hart, wie sie nur von Mannern gebraucht werden, die das bittere Gefühl haben, ungerecht und unwürdig behandelt worden zu sein. Ein großer Teil der Rabbiner unseres Verbandes leidet Not. Diese wird nicht kleiner dadurch, daß auch die übrigen Beamten unserer Kultusgemeinden in derselben, mitunter noch weit schlimmeren Lage sich befin den. Geteiltes Leid ist in diesem Falle erhöhtes Leid. Es soll hier dankbar anerkannt werden, daß zahlreiche Gemeindevertretungen angesichts der schwierigen Lage der Hüter und Träger des jüdischen Kultus, der jüdischen Ueberlieferung und des jüdischen Volkstums den Grundsatz nicht verleugnet haben, daß sie rachamonim b'nei rachamomim sind. Nicht nur größere Gemeinden, sondern auch zahlreiche Mittel- und Kleingemeinden haben ihren Rabbinern und Beamten Zulagen bewilligt, bei deren Bemessung nicht kalter Verstand, sondern ein warmfühlendes Herz den Rechenstift geführt hat. Es zeigte sich auch diesmal, daß dort, wo die Schechinah sich offenbart, auch das Kleine Großes zu umfassen und zu vollbringen vermag. Vor diesem Hintergründe hebt sich umso finsterer das Verhalten anderer Gemeinden ab, die ihre Pflicht! gegen ihre Angestellten nicht erfüllt haben. Wer da weiß, wie schwer es uns, den Männern idealer Lebensberufe fällt, mit derartigen Fragen vor die Oeffentlichkeit zu treten ,der wird es ermessen, welche Mühe es uns gekostet hat. uns diesem Entschluß, diese Flucht in die Oeffentlichkeit abzuringen. Wenn man aber hört, daß man Rabbiner 300 und 600 K jährliche Teuerungszulagen gibt — die anderen Beamten folgen in gemessenem Abstande — dann muß der Idealismus verstummen und die Pficht gebietet uns, unser Leid zu Markte zu tragen. Wenn wir dabei vor Scham erröten, mögen es jene verantworten, die dieses ״Blutvergießen" verschuldet haben, jene Führer ״die nichts wissen von dem Leide der Weisenjünger". Trotz alldem sind wir Idealisten und glauben, daß es nur dieser einfachen Mahnung, dieses Notschreies vor der Oeffentlichkeit bedarf, um jene Gemeindevertre- Lungen, die bisher ihre Pflicht nicht erfüllt haben, daran zu gemahnen, daß sie ihren Rabbinern und Beamten das geben, waS ihnen zukommt. Wir brauchen keine Namen nennen. Der Vorstand, der wissen will, ob unser Ruf an ihn gerichtet ist, kann sich die Antwort im Budget seiner Gemeinde holen. Sollten Zahlen nicht deutlich sprechen, dann frage er bei jenen nach, als deren Sach- Walter wir sprechen. Wir betteln nicht, wir fordern, daß jene Gemeinden, die eS noch nicht getan haben, ihren Beamten Teuerungszulagen gewähren, die nicht den Charakter eines mit Widerwillen gereichten Almosens tragen, die vielmehr so angemessen sind, daß sie eS ihren Beamten ermöglichen, ein standesgemäßes Leben zu führen und ihre Berufspflichten freudigen Herzens und mit sorgenfreiem Geiste zu erfüllen. Für den Verband der Rabbiner Mährens u. Schlesiens: Dr. L. Goldschmied, Proßnitz, drzt. Obmann, Dr. D. Oppenheim, Olmütz, drzt. Obmann-Stellvertr., Dr. H. Schwengel, Lundenburg, drzt. Schriftführer. Aus der Misracht-Bewegung. Die Leitung des in London begriindeten interalliierten Misrachibüros liegt in den Händen von Rabbiner Dr. Schönfeld, des Vizepräsidenten des englischen MiSrachi. Die anderen Mitglieder des Büros sind: Chacham Baschi von Jaffa, Rabbi Meisel, Rabbi Hurwicz für Palästina, Rabbi Meier Berlin, Newyork (Sekretär des internationalen Misrachi), Rabbi.Cohen Fishman und Rabbi Lewenthal für Amerika, Oberrabbiner Doktor Hertz und Redakteur Gedalja Bublick (E.A.C.) für England. In Erez JiSroel finden in Kürze die Parlaments- Wahlen statt, bei denen der Misrachi hofft, recht viele Sitze zu erlangen. Das Londoner Büro der Zionistischen Organisation hat beschlossen, eine Summe von 100.000 zu OrganisationSzwecken zu sammeln und sie für die Palästina- Kommission zu verwenden. Der Misrachi hat als Dclcgierte in ein zu diesem Zweck besonders S. Rudel über Organisationsfragen und ein eingehendeS Referat über die Palästina-Tätigkeit und die Aufgaben der Poale-Zion auf dem Gebiete der palästinensischen Einwanderung und Kolonisation von Dr. Nagler. Nachdem die Wiener Versammlung sich so auf einen kommunistischen Standpunkt gestellt hat, legte der Vorsitzende Dr. S o k a l fein Amt nieder und schied aus dem Zentralkomitee aus. Seinem Beispiele folgten auch andere seiner Gesinnungsgenossen. Jüdisch-nationale Versammlung in Graz Komitee die folgenden Herren gewählt: Sir Stuart Samuel, Rabbi Doffey, Manchester, Oberrabbiner Doktor Hertz und Rabbiner Dr. Schönfeld. Wahrscheinlich wird Sir Samuel — Mitglied des Misrachi —, früheres Parlamentsmitglied für Whitechapel und jetzt Präsident des British Board of Deputies, das Präsidium übernehmen. Die ..Grazer Morgenpost" berichtet: Am SamStag fand im Rittersaals eine vom jüdischen Nationalverband einberufene Versammlung statt. AIS Redner war wieder ein Wiener erschienen, diesmal der jüdische Nationalrat Stricker, der, wie er öfters in seinen Ausführungen hervorhob, nicht allein als Gewählter der Leopoldstadt, sondern als Vertreter der jüdischen Nation sprach. Seine Ausführungen waren wiederholt von der scharf betonten Erwägung erfüllt, daß die Juden eine viel stärkere Vertretung im Nationalrate haben müßten, wenn ihnen, die ein Fünftel der Bevölkerung auSmageschaffenes Gerechtigkeit widerfahren wäre. So aber müssen Aus der ״Poale Zion". Der Zerfall des österreichisch-ungarischen Staates mußte naturgemäß auch die organisatorische Neugestaltung der Parteien zur Folge haben, die ihre Tätigkeit über das ganze ehemalige Reich ausdehnten. Schon im Dezember 1918 vereinigten sich die Poale-Zion Westgaliziens mit ihrer -Bruderpartei in Polen. Die tschechoslovakischen Poale-Zion konstituierten sich zu einer selbständigen Partei, deren Leitung ihren Sitz in Prag hat, und die Poale-Zion in der Bukowina schlossen sich der Partei in der Ukraine an. Die Poale-Zion Wiens, die so auf eigene Kräfte angeweisen blieben, gründeten auf ihrer Versammlung vom 20. v. M. eine neue selbständige Poale-Zion-Partei für Deutsch-Oesterreich. Die Trennung von den Arbeitermassen in Westgalizien und in der Bukowina machte sich bald bemerkbar. Während die Poale-Zion dort einen selbständigen Wahlkampf führten, oder mit den zionistischen Kandidaten ein Bündnis schlossen, nahm das deutsche Organ der Wiener Partei, ״Freie Tribüne", daS an der Stelle des nach Lemberg verlegten alten poale-zionistischen jüdi sie sich mit einem Vertreter begnügen, dank des AntisemitiSmuS, der im Kriege wieder mehr zum Leben erwacht sei und dessen Bekämpfung sich daS Judentum zur nächsten Hauptaufgabe stellen müsse, solange er sich nur auf die bedrückten, armen Juden erstrecke. Begreiflich und sogar berechtigt finde er die antisemitische Bewegung nur insoweit, als sie sich gegen die Monopolisierung der Presse, gegen die Beherrschung des Theaters, der Literatur, wie überhaupt gegen die jüdische Monopolisierung und Verkapitalisierung richte. ES ist begreiflich, daß sich daS deutsche Volk nicht von einem Moritz Benedikt daS Deutschum vorschreiben lasse, von der ״N. Fr. Presse", die dem deutschen Volke seit jeher mebr geschadet als genützt hat. Es ist leider so in Oesterreich, daß, wenn sich ein Jude taufen lasse, er Herr von ganz Oesterreich werden kann; dreißig Jahre hindurch hat eS sich z. B. von einem Sieghardt rekte Singer, dem Sohn des jüdischen TempeldienerS von Troppau, leiten lassen. Während man den kleinen Juden niedertrete, verbeugen sich die Antisemiten vor dem großen Juden, machen mit seinen Banken Geschäfte. DaS ist ein AntisemitismuS, der sich vor dem jüdischen Trinkgeld beuge und demütige, sich aber anslebe in Ungerechtigkeit gegen den armen Juden, und ein solcher Antisemitismus müsse bekämpft werden. Gerade daS deutsche Volk, daS so viel Unrecht erfährt, müsse eS sich überlegen, anderen Unrecht zu tun. Die zweite Forderung, welche die nationale Judcnschaft aufstellt, ist die, daß sie sich nur von ihren wirklichen Vertretern vertreten lasse, von solchen, die im innigen Zusammenhänge mit ihr stehen. Wie kommt z. B. die Judenschait dazu, für die Millionen eines Rothschild büßen zu müssen? Es ist eine Verschlaschen Organes ״Der jüdische Arbeiter" getreten ist, ‘ genSeit vom deutschen Volke, die Juden wegen des Rot- Stellung gegen den jüdischen Kandidaten für die Kandi-! schild-Vermögens verantwortlich zu machen. Haben uns datSnliste der deutschen Sozialdemokratie, ohne eine ei-: seine Millionen, sprach Redner, schon was genützt? gene Liste aufzustellen oder wenigstens von den deut- War er der Repräsentant des jüdischen Volkes? Ebenso schen Kandidaten eine Erklärung in der Judenfrage zu wenig wie Knranda und Ofner es waren, sie haben verlangen. An der Beratung nahmen 48 Delegierte teil,; nicht unsere Interessen vertreten. Wie kamen wir dazu, (;*ft S1»v41h1dAA OOtdMdt* M *» . c C...A4«1dfi flDrtrife tV fast durchwegs Wiener. Die Beratung wurde vom Vor sitzenden des Wiener Komitees und Vize-Vorsitzenden des Jüdischen Nationalrates, Dr. Sokal, eröffnet. Nach den Begrüßungen des Verbandsbüro, der Berliner, Prager, Budapester und anderer Poale-Zion-Parteien verlaß Scharr den Bericht deS Lokalkomitees. Eine heftige Diskussion, die im Mittelpunkt der erregten Debatte stand, erweckte der zweite Punkt über die sozialistische Taktik. Referent Alexander Serpow vertrat einen Kommunistischen Standpunkt und verlangte auch für die deutschnationalen Ideen emeS Moritz Benedikt oder für die EberechtSresorm ^es Ofner verantwortlich gemacht zu werden? Gestern nannte man die. Juden noch Großkavitalisten. heutbezeichnet man sie als Umstürzler. Man sagt, die Bolschewiki, die Kommunisten usw. seien Juden oder werden von Juden geführt. Haben diese ihre jüdischen Führer von uns einen Auftrag dazu? Ebensowenig als sie ihn vom deutschen oder vom russischen Volke haben. Mir nationale Juden lehnen entschieden den Bolschewismus oder wie er immer heidie Uebertragung deS Räteprinzips und die Ablehnung ßcn mag, ab, wir sind gegen jede Diktatur, mag sie nun jeglicher Mitarbeit mit den bürgerlichen Elementen, auf die jüdische Politik. Auf einem ganz entgegengesehten Standpunkt stellte sich der Korreferent Dr. S ok a l. Er lehnte für den gegenwärtigen Augenblick die Forderung der Diktatirr des Proletariats ab und trat entschieden für die Fortsetzung der Tätigkeit der Poale- Zion in den Gemeindeverwaltungen und in den Navon unten oder oben kommen. Zum Schlüsse verwies Aba. Stricker auf die bevorstehende Erfüllung des Traumes, in Palästina eine eiaene, nationale Heimstätte zu besitzen, auf den Aufschwung der jüdischnationalen Bewegung, die nun auch von der Entente anerkannt wer» de; wir wollen, so rief der Redner zum Schlüsse, ״reknen Tisch machen zwischen uns und den anderen Bölkern". Lebhafter Beifall folgte den Scblubworten deS tionalrat ein. Nach einer leidenschaftlichen Debatte wur .. de die von Herrn Serpow vorgeschlagene Resolution Redners, worauf die Versammlung geschlossen wurde angenommen. Die Partei erklärte, sie stehe auf dem Boden der dritten kommunistischen Internationale und beschloß, sämtliche Parteivertreter auS allen allgemeinen, jüdischen, öffentlichen Institutionen abzurufen, und jede Koalition mit den jüdischen bürgerlichen Klassen zu verurteilen. Daraufhin folgte ein Vortrag von 35ן^ןףן hebrllsoha Monatssohrlfi ״Verbreitet die Jüdische Bolsstimme!"

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