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Jüdische Volksstimme · 1919-06-02 · Heft 13 (2.6.1919) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 13 (2.6.1919)
Date
1919-06-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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«att 2 ״Jüdische L»Lk»stt««e- Nr. IS Sr saugt seine Kraft vom Volke, vom jüdischen Volke. Man entziehe ihm dieses Element, und er verdorrt und vertrocknet. Das Volk wiederum findet Obdach unter diesem Baume, der es seit Jahrtausenden schützend und schirmend mit feinem mächtigen Gezweige umgibt. JüdifcheS Buch und jüdisches Volk, sie müssen zusammenhal» ten. Sie machen beide das jüdische Leben aus. Das ist die ״Lehre des Lebens״, die uns das SchewuauS-Fest vortragt. Mögen wir sie beherzigen. Bertrauensmännertagung des mähr.-schles. Distriktskomitees in Olmütz am 25. Mai 1919. Endlich kamen die organisierten Zionisten MährenS und Schlesiens nach langen Jahren zu einer Beratung zusammen. Lange genug hat es gedauert, bevor diese Tagung einberufen wurde und noch jetzt war es kein Distriktstag. Der Obmann des Distriktskomitees hat es mit technischen und sonstigen Schwierigkeiten begründet, daß bis nun kein Distriktstag stattgefunden hat. Es ist auch glaubwürdig begründet worden. Nun zur Beratung selbst. Zuerst der einmal unauSbleibliche Bericht der Distriktsleitung. Das mutz hervorgehoben werden, datz viel geleistet wurde. Es wurden neue Organisationen gegründet, alte zur Arbeit mit angeleitet; besonders mutz hervorgehoben werden, daß von mähr.-schles. D. K. sehr ersprießliche zion. organisatorische Arbeit in der Slovakei geleistet hat. Der Palästinagedanke wird mit Erfolg in Kreise hineingetragen, die bis jetzt vollkommen fern standen. Sehr viele Lichtbildervorträye und Palästinareferate wurden in der Provinz gehalten und Interesse für unsere kommende, überaus schwierige Palästina-Arbeit geweckt und wach gehalten. Leider konnte auch das D. K., ebenso wie alle anderen zionistischen Organisationen über Emigration gar keine Informationen erteilen, da es selbst noch ganz uninformiert ist. Herr Kafka, als N. F. Kommissär für die tschechoslovakische Republik entwarf in großen Zügen ein Programm für die künftige N. F. Tätigkeit in unserem Staate. Hier kam es zum ersten Male zu einer Kontroverse. Ein Delegierte stellte an das D. K. die Anfkage, welche Sammlung wichtiger wäre, ob die für den Nationalrat in Prag oder für den N. F. Der Obmann des D. K. gab keine strikte Antwort und geradezu diplomatisch drückte sich der Herr Dr. Herrmann aus. Es wurde nicht formell abgestimmt, ich habe aber den Eindruck, daß die Zionisten zur Besinnung kommen und Palästina wieder den ersten Rang vor der Flickarbeit der Innenpolitik einzuräumen beginnen. Dann kam die unselige Debatte über die Landes- Politik. Alten Gg. brauche ich nicht zu sagen, welchen Schaden diese Frage überhaupt in unseren Reihen angerichtet hat und leider auch noch anrichtet. Aus diesem Widerstreit heraus haben auch einige Zeit vor der Tagung die Herren Staatsbahnrat Fried, Frey und Dr. Altbach ihren Austritt aus dem D. K. angemeldet, da sie keine Verantwortung für die jetzige Politik der Zionisten tragen wollen. Wir wissen, um was es sich handelt. Es gibt noch immer bei uns so ״radikale" Zionisten, die sich durch Politik nicht depravieren lassen und mit Leuten, die aus unreinen Motiven dem ZioniSmus feindlich gegenüberstehen, nichts zu tun haben wollen; diesen ist Palästina das einzige und ganze Programm. Diese «Unverbesserlichen Radaumacher" wissen genau, daß ein Kompromiß kompromittiert und wollen reine Leute bleiben. Sie haben in jahrelanger Arbeit erfahren, daß durch die sogenannte Innenpolitik noch nichts erreicht wurde und haben die richtige Konsequenz gezogen, datz erst ein jüdisches Palästina errichtet sein muß, bevor man in einem aussichtslosen Kampfe hier für azioniftische Zwecke die Kräfte verbraucht. ES gibt auch noch eine andere Gruppe, die behauptet, daß jüdische Politik nur von Zionisten gemacht werden darf; denn nur die Zionisten haben bisher das Judentum vertreten und nur von solchen Vertretern kann man eine unverdrossene und uneigennützige jüdische Bertretung erwarten. Nicht wie Herr Dr. Herrmann gesagt hat, daß jeder Zionist in die national-jüdische Vereinigung gehöre, ist das Richtige, sondern jeder guter Jude gehört in eine zionistische Organisation, von wo auS bis jetzt jüdische Politik betrieben wurde. Wien hat die richtige Deduktion daraus gezogen und hat nationaljüdische und zionistische Arbeit vereinigt und wir werden eS auch machen müssen, wenn unsere Gg. in den national-jüdischen Bereinigungen ihren Zionismus nicht abschwächen wollen. Das D. K. hat hier eine entgegengesetzte Ansicht vertreten, nämlich die organisatorische Trennung der zionistischen Arbeit und der Jnnenpolitik (MSHr.-Ostrau—Brünn). Theoretisch sieht das ganze gut aus, aber ist es denn möglich, diese Arbeit und vor allem die Mitarbeiter zu trennen, es sind ja dieselben Leute, die für das Rationaljudentum ihre Kräfte hergeben und für den Zionismus. Da hat sich der Herr Dr. Herrmann einen Bluff geleistet. Erwähnt muß noch werden das vorzügliche Schulreferat des Herrn Oberlehrer Fuchs aus Mähr.-Ostrau, der auf die Gefahr hinwies, welche durch das bloße Reden und das Nichtstun für die jüdische Schule entstanden ist und aufforderte, daß die Zionisten dafür Sorge tragen sollten, daß die Schulfrage im nationalen Sinne gelöst werde. Das wäre allerdings die vornehmste nationale Arbeit der Jüdisch-Nationalen. BesondrS erfreulich ist, daß der Obmann des D. K., Herr Dr. Rufeisen, erklärte, daß das D. K. auf dem besten Wege ist, mit unserer besten Jugend, den Blau- Weißen, zum Einverständnis zu kommen. Hoffen wir, datz der nächste D. T. rein zionistisch sein wird. Zur Abwehr. Zu meinem lebhaften Bedauern bin ich als Obmann des Verbandes der Rabbiner Mährens und Schlesiens genötigt, meinem Vorsatze, für den Verband zu arbeiten, nicht für ihn zu streiten, untreu zu werden und uns gegen die Art, wie ein Herr, der sich als ״Emes" zeichnet, unsere Tätigkeit glossiert, zu wehren. IN Nr. 11 dieses Blattes hat der genannte Glossator davon gesprochen, daß wir großzügige Pläne zur Besserung der Lage der Rabbiner hätten, die an die Ethrogim nach Sukkoth erinnern. Einem Rabbiner — und ich nehme an, daß EmeS einer ist — sollten Ethrogim auch nach Sukkoth als «dabar schebikeduschah" heilig sein, umsomehr, als wir noch nicht in der glücklichen Lage sind uns bereits jenseits der kritischen Zeit zu wissen, die eine durch die allgemeine Teuerung bewirkte Verschlechterung der Lebenslage der Rabbiner und Gemeindebeamten mit sich gebracht hat. Gerade der Umstand, daß manche Vorstände— um mich des schönen Bildes von ״Emes" zu bedienen — über den Ethrog der Teuerungszulagen noch nicht einmal schehechejonu gesagt haben, veranlaßte uns einen Aufruf an die säumigen Vorstände zu richten, in welchem wir strenge unterschieden haben zwischen Gemeinden, die ihre Pflicht erfüllten und solchen, die es unterlassen haben. Von ״großzügigen Plänen" konnte in einer Versammlung unter Männern keine Rede sein. Wer unter der Schutzmarke der ״Wahrheit" für die Wahrheit kämpft muß wissen, daß unserem Verbände keine Mittel zu Gebote stehen, um großzügige Pläne zu verwirklichen. Wir haben also einen Aufruf an die Gemeinden gerichtet und auch den Fall erwogen, daß dieser nicht den gewünschten Erfolg haben sollte.׳ Es liegt aber einstweilen keine Veranlassung vor, die Mittel, die wir in diesem Falle anwenden wollen, schon jetzt zu veröffentlichen. Ob die Tagung des Verbandes zu spät stattgefunden hat, kann ״Emes" ebensowenig beurteilen, wie das, ob in dem ״mehr als fünfjährigen beharrlichen Stillschweigen" nicht doch Schritte unternommen wurden, über welche am Verbandstage berichtet wurde. Eine diesbezügliche Rechenschaft waren wir nur unserem Verbände gegenüber schuldig. Dieser hat ünseren Bericht zur Kenntnis genommen und dem Obmann-Stellvertreter Dr. Oppenheim den Dank ausgesprochen. Herr ״Emes" wird uns gestatten, daß wir in der Wertung unserer Arbeit uns mehr an das Urteil unserer Kollegen als an das seine halten. Als nicht ״aus Deutschland importierter Rabbiner" hätte ich es nicht nötig, mich gegen den Vorwurf der Inkollegialität zu wehren, aber mein angeborenes Reinlichkeitsgefühl sagt mir, daß es kein Zeichen, besonderer Kollegialität ist, wenn ״Emes" unter der Maske der Anonymität Kollegen apostrophiert, denen gegen derlei Angriffen keinerlei Abwehrmittel zu Gebote steht. Ein weiteres Gravamen, findet ״Emes" darin, datz kein wiffenschafliches Thema angekündigt war. Er sollte wissen ״es laasoth laadonaj hepherü thorathecha" und die Deutung kennen, welche diesem Psalmworte R. Natan gegeben hat. Es gibt Zeiten in denen'den Fragen des praktischen Lebens das Wort gebürt. Wir waren bei unserer Tagung mit Fragen der Erziehung, mit der Beratung des Statutenentwurses und mit Standesangelegenheiten so voll in Anspruch genommen, daß uns für Vorträge keine Zeit übrig blieb. Das Niveau, auf welchem unsere Beratungen sich bewegten, dürfte selbst einen so strengen Kritiker, wie ״Emes" einer ist, überzeugt haben, daß eS sich nicht um die Versammlung von Tempeldienern gehandelt hat, obschon eS unser aller Stotz ist, Diener unsere» Tempels zu sein. Und nicht weil ״Eme»" mich apostrophiert, sondern weil ich die NKHtmrangeben möchte, in Weiche« ich das mir übertragene Amt eines Präsidenten des VerbandeS führen will, sage ich, datz ich ״selbstlos und uneigennützig und tatkräftig zur Hebung des RabbinerstandeS beitragen" will. Von seinen Mitgliedern aber verlange ich, daß sie nicht unter falschen Namen giftige Pfeile gegen unseren Verband senden, sondern abwarten, ob wir unser Programm verwirklichen oder nicht. Bei den einzelnen Programmpunkten wird es mir aber als Grundsatz sein, ״lo bilachti bigdoloth wo niphlaoth mlmeni", auf deutsch: daß ein großes Wollen an einem kleinen Können nicht Schiffbruch leide. Proßnitz, 26. Mai 191V. Rabbiner Dr. L. Goldschmied, Präsident des Verbandes der Rabiner Mährens und Schlesiens. Wiener Nachrichten. Der Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums in Wien hat eine Jugendgruppe ins Leben gerufen, deren Leitung unter anderem für die Erweiterung des jüdischen Wissens, zur praktischen Betätigung thoratreuer Grundsätze unter den Mitgliedern der Vereinigung durch Ab- Haltung von regelmäßigen Vorträgen Sorge tragen will. Man muß anerkennen, daß mit Geschick gute Kräfte für diesen Zweck gewonnen wurden. DiesmalS möge über einen Kursus berichtet werden, der vielversprechend für die Zukunft sein könnte, weil der Bortragende nicht nur durch seine Persönlichkeit, sondern auch durch die neuartige Methode des Vortrages segensreiche Wirkung erzielen dürfte. Der durch die politischen Verhältnisse in Wien weilende Oberrabbiner der Radautzer Kultusgemeinde, Herr Dr. Jakob Hoffmann, hält vor den jungen Leuten an Samstag Vormittagen einen Bibel- und Raschivortrag, der wirklich als einzigartig gelten kann. ES wird sowohl auf mit der Materie Vertrauten als auch auf den weniger Erfahrenen Rücksicht genommenes wird jeder Kategorie von Hörern Anregung gegeben. Den jungen Leuten werden vorerst die ersten Sätze der Sidra übersetzt, die entsprechenden Raschistellen vorgetragen und daran Erläuterungen geknüpft. Mit einer bewundernswerten Oekonomie gibt aber Herr Dr. Hoffmann aus seinem Wiffensschatze den Leuten nur soviel, als eben mit den vorgetragenen Bibelstellenin Zusammenhang gebracht werden kann und der Aufnahmsfähigkeit der Mehrheit der Zuhörer entspricht. Anderseits beschränkt er sich nicht auf die Zitierung von Midraschim und Agadastellen, sondern zieht er auch Fragen der Nationalökonomie, der Philosophie usw. in den Bereich seiner Betrachtungen, gibt den jungen Leuten hiedurch eine gefestigte, jüdische Weltanschaffung und schützt sie gegen die Gefahren der Großstadt und des Verkehres mit religiös anders gesinnte Kreisen. Dr. Hoffmann fördert somit eine der Hauptaufgaben dieser Gruppe obgenannter Vereinigung. Und diese Betätigung erweist sich sehr notwendig. Denn eS muß offen gesagt werden, in diesem Belange ist vieles unterlassen worden. Es wäre ein Gewinn für die Sache der Gesetzestreue in Wien, insbesondere für die Propaganda unter der Jugend, wenn man Herrn Rabb. Dr. Hoffmann ersuchen könnte, für die Dauer in Wien zu verbleiben und sich diesem heiligen Zwecke zur Verfügung zu stellen. Allerdings müßten größere Räumlichkeiten als der Lesesaal des Vereines bereitgestellt werden, da er schon beiweitem die Zahl derer nicht faßt, die ohne jede Aufmunterung diese Kurse anhören. Bielleicht findet sich ein Mann, wie Goldschmidt in Frankfurt a. M>, der einen Vortragssaal für solche Zwecke, erbauen läßt. Wien. (Die dunkelsten Nachrichten des jüdischen Elends in unserer Stadt) enthüllte einen Vortrag der Frau Anitta Müller, der bekannten Vorkämpferin der jüdischenFlüchtlingsfürsorge. Frau Müller hat das jüdische Elend Wiens in seinen Schlupfwinkeln aufgesucht; die Organe des von ihr geleiteten Amtes haben Erhebungen gepflogen, Material gesammelt, besonders krasse Fälle phtographisch festgehalten. Die traurige Ernte dieser'Bemühungen hat nun ein Lichtbildervortrag vor die Oeffentlichkeit gebracht; die Wirkung war erschreckend und erschütternd. Die Aufnahmen zeigten zunächst daS furchtbare Wohnungselend, das verheerend auf Gesundheit und Moral einwirkt. Man bekam schauderhaft enge schmutzige Löcher zu sehen mit feuchten, zerfallenen ״Hickls Jüdischer Volkskalender"

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