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Jüdische Volksstimme · 1919-05-23 · Heft 12 (23.5.1919) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 12 (23.5.1919)
Date
1919-05-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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SM 4. ־—.——..—..- — — י Leitung der endgültigen Statuten wurde ein ViergliedrigeS Redaktionskomitee und zur vorläufigen Führung di« BereinSagenden ein fünfgliedriges Aktionskomitee eingesetzt, welches die nächste Generalversammlung, bei welcher auch die definitive Leitung gewählt werden soll, binnen längstens 14 Tagen vorzubereiten und einzuberufen hat. — Da durch die Gründung diese» Vereines endlich den Juden Gelegenheit geboten wird, sich in einer rein jüdischen Korporation der Pflege de» ChargesangeS im allgemeinen, unter besonderer Berückfichtitzung de» jüdischen Liedes, zu widmen und diesen bisher in Wien vernachlässigten Zweig jüdischer Kultur zur Geltung und Ansehen zu bringen, ergeht an alle Juden und Jüdinnen, welche Interesse für die Sache haben, hiermit die Einladung, ihren Beitritt schriftlich beim provisorischen Aktionskomitee, Wien, 1. Bez., Börsenplatz 7, anzumelden. * * * Ein jüdisch-pädagogisches Archiv. Am 1. Mai 1019 wurde hier, 2. Bez., Obere Donaustratze 91 (Jüdisches Jugendheim) ein jüdisch-pädagogischeS Archiv eröffnet. Dasselbe hat eS sich zur Aufgabe gestellt, der Erforschung und Förderung des jüdischen Erziehungswesens dienen. Das Archiv ist als BerbreitUngsstelle für jüdisch-pädagogische Institute gedacht. Die Grundlagen des Archivbestandes bildet eine Sammlung von Materialien über ave auf das jüdische ErziehungSwesen bezüglichen Angelegenheiten, als da sind: Jüdische Erziehungsgeschichte, Wesen und Ziele der jübischen Erziehung, Methodik des jüdischen Unterrichtes usw, Die Bücherei des ArchiveS enthält u. a. den Beginn einer Lehrbüchersammlung in allen Sprachen, insb?- sondere für Hebräisch und Jüdisch, die für das Pädagogium zu Jerusalem bestimmt ist. Den Plan zur Begründung des Archives faßte Supplent Dc. Heinrich Glanz gelegentlich seiner Wirksanikeit an den hebräischen Schulen in Jerusalem. Dort zeigte sich bei der Neubegründung des jüdischen Pädagogiums anläßlich des Sprachenkampfes, daß für die jüdische Lehrerausbildung so gut wie alle Wissenschaftlichen pädagogischen Grundlagen fehlen. Die Wiener Verbretungsstelle ist also nebst ihrer engeren Aufgabe in Deutschösterreich und in Mitteleuropa insbesondere dafür bestimmt, einem zentralen pädagogischen Jnstitute in Palästina als Verbreitung zu dienen. Die Leitung des Jerusalemer Pädagogiums erwartet sich von dem Gelingen der Unternehmung wertvolle Mithilfe für ihr eigenes Institut. Schon in der Zeit der Verbreitung haben eine Reihe namhafter Fachgelehrter ihre Mitwirkung für Spezialgebiete zugesagt. Hierüber wird ein Memorandum der Institution demnächst referieren. Erwähnt sei inSbesonders, daß Herr Dozent Dr. Med. und Phil. Sigmund Kornfeld ein Laboratorium für experimentelle Psychologie und Pädagogik dem Archive angegliedert hat. DaS Zustandekommen hat u. a. die Wiener Zionistische Bereinigung" durch eine namhafte Subvention gefördert. Ueber die in allernächster Zeit durchgeführten Arbeiten werden wir regelmäßig Bericht erstatten. DaS Archiv ist Montag und Donnerstag von 2—6 Uhr nachmittags geöffnet. In dieser Zeit steht die Bücherei, die ältere und neue pädagogische und pshchologische Werke sowie Zeitschriften, insbesondere viele hebrätsche Lehrbücher, Grammatiken und Chrestomathien enthält, der Benützung offen. Mitgliederanmeldungen in den Lesestunden oder schriftlich. Die Zionide von Jehndah Halevy. Dieses Perlentränenlied ’ Ist die vielberühmte Klage, Die gesungen wird in allen Weltzerstreuten ,Zelten Jakobs An dem neunten Tage des Monats, Der geheißen Ab, dem Jahrestag Bon Jerusalems Zerstörung — »Zion! Hörst Du den Gruß nicht Deiner Lieben, Der schwergefeffelten, die Dir geblieben? Den Gruß von Ost und West, von Nord und Süd, Der nah und fern lautrauschend Dich umglüht? And Seelengrutz ist ja de- Sklaven Hoffen! Gntstürzt die Tränenflut ihm frei und offen, ' Wie Lau auf Hermon fällt, dann mag'- ihm scheinen, Aldürft' er heiß auf Deinen Bergen weinen ... Der׳ Eule gleich' ich, faßt mich an Dein Leid! Dam» wieder wiegt ein Trau« mich ein: gar weit. Da kehren die Gefang'nen heim; entbrannt Jaucht meine Seele, wie in Sängerhand Der Harfe Liedessturm! Ach, festgebannt An Zion ist mein Herz. Da strömt ihr Zähren! Wie einst vor Gott das Lob von Engelschören, Bon Heil'gen, die den Opfertod erlitten ... Hier thronte Gott in Majestät, inmitten Der hochgeweihten Stadt. Zum Himmelstor' Erschlossen, ragten Deine Tor' empor! Der Gottheit Strahl nur war Dein Lebensglanz, Verdunkelnd Sonn' .und Mond und Sternenkrang. Wie'S in mir lodernd aufflammt, auszuschütten Das trstnk'ne Herz in Deinen heil'gen Hütten, Wo Gottes Geist die Jünger hat geweiht! Fürwahr, ein Himmelsort! voll Herrlichkeit Dein Thron und himmlischer Glorie! nun wagen Verweg'ne Knecht' auf seinem Sitz zu ragen? O könnt ich rastlos wallen zu den Stätten, Wo Gott sich seinen Sehern und Propheten Hat offenbart! O HStt' ich Riesenschwingen! Zu Deinen teuren Trümmern wollt' ich dringen. Mit meines wunden Herzens Schwergewicht! Hinstürzen möcht' ich auf mein Angesicht, Auf Deinen heil'gen Boden ewig rein, Und fest umschlingen einen jeden Stein, Und küssen, endlos küssen Deinen Staub! Dann weiter, immer weiter! wo, des Todes Raub, Geliebte Ahnen ruh'n in Gräbern kalt. Ach Hebron! schauervölle Allgewalt Die mich erfaßt! wo Deiner Gräber Zier, Die teuersten des weiten Erdballs schier! Abarim, Berg der Berge, wo die Lichter, Die beiden strahlendsten — die Lehrer, Richter Ins Grab gesunken. O des Lebens Luft -Jst Deines Odems Hauch! Nicht Myrrhenduft, Gewürze nicht, wiegt Deinen Staub mir auf; Und jeder Tropfen Deiner Ströme Lauf Wär' reiner Balsam mir! O Seligkeiten: Wund auch und nackt auf Deinen Trümmern schreiten, Wo vormals prangten Deine Prachtpaläste, Wo Deiner heil'gen Kostbarkeiten größte. Die Bundeslade stand — so frech zerstört! Dort wo die Cherubim mit Flammenschwert Der Allerheiligste geschirmt —: den Schmuck, Den kostbarsten, im raschen Flug, Ich möchte froh ihn mir vom Haupte reißen Und schleudern in den Staub! — Des Zornes Schleußen Möcht' ich Erschließen, wilden Fluch d e n Z e i t e n Hinschmettern, die geschändet die Geweihten! Hinweg mit Speis' und Trank! Wer wird sie heischen. Der wilde Hunde Löwen sieht zerfleischen? Wie kann daS Licht beglücken selbst, das klare. Wenn Raben frech zerreißen Deine Aare! O Kelch der Pein! Du überströmst ja fast! Halt an! Gönn' einen Augenblick mir Rast! Schon fchlt der Seele Raum für all das Leid, Zu eng mein Herz für soviel BitterlichkeM O Zion! .Höchster Schönheit Kronenschimmer, Der Liebe Seligkeit bewahrst Du immer Im Herzen Deiner Treu'n. In Ewigkeit Bleibt ihre Huldigung Dir stets geweiht. Die Deinem Glück gejauchtzt mit Jubelschall, Und bitterschwer gejammert Deinem Fall, Die Deinem Sturze weinten heiße Tränen, In ferner Nacht — Dir gilt noch stets ihr Sehnen! Wenn sich ihr Knie, vor Gott in Demuth beugt. Nach Deinen Toren ist ihr Haupt geneigt. Zerstoben und zerstreut, auf Bergen, Thalen, Sie denken Dein in Wonnen und in Qualen! Verwebt mit Dir in heißem Seelenbangen, Dich möchten sie umfassen und umfangen! Und unter Deinen schatt'gen Palmen kühl Stets selig lagern, ist ihr höchstes Ziel! Schinear! PatroS! Dürfen sie sich messen Mit Deiner Größe? oder kühn vermessen. Des nicht'gen TrugS Gebilde, sich vergleichen Mit Deinem Glanz — dem Gotteslicht, dem reichen? - Wer wagt'S, in edlem Wettkampf sich zu nähern Gar Deinen Gotterkor'nen, Deinen Sehern? Wer Deinen heil'gen Sängern und Leviten? — ES rauscht dahin die Zeit mit Riesenschritten, ES wechseln, wandeln rasch des Truges Reiche, Dein himmlisch Reich nur bleibt das ewig gleiche. Und Deiner Seher Wort verrauschet nimmer! Als Residenz schmückt Dich der Gottheit Schimmer! Drum Heil, wer da in deinen Höfen ruht! Und zehnfach Heil, wer von der Hoffnung Glut Beseelt, vertrauend harret, bis daS Ziel, Daheilige erreicht. O Hochgefühl! Mit eig'nen Augen schauen Deine Pracht, Wenn neu erglänzt Dein Stern und neu erwacht And strahlenreicher Deine Morgenröte! Dann blüht da- Glück, dasehnsuchtsvoll erflehte. 12. All den Erwählten» jauchzend, lustbelebt. Wenn Zion sich im Jugendglanz erhebt!" * Jehuda Halevy, der große Dichter der Zionide, die wir hier in einer poetischen Uebersetzung gebracht haben, wurde um das Jahr 1986 in Castilien geboren. Er widmete sich anfänglich dem ältlichen Berufe, spä« ter aber, als er mit Abraham und Moses Jbn ESra, mit Juda und Salomon Jbn Giat und anderen jüdifchen Dichtern bekannt geworden war, wandte er sich ganz der Dichtkunst und Philosophie zu. Seine Gedichtsammlung ״DiwaN" (herausgegeben mit Biographie und deutscher Uebersetzung von A. Geiger, Breslau 1861; eine Auswahl des ״Diwan" in deutscher Uebersehungen von Geiger, S. Heller u. a. erschien in Berlin 1893) gehört zu dem Edelsten Und Formvollendesten, daS die Muse der spanischen"Juden geschaffen hat. Seine Naturschilderungen sind erhaben und farbenprächtig, seine Liebeslieder keusch und zart. Er preist den Wein und die Jugend, das Glück und die Geliebte, vor allem aber sein Volk JSraelund Zion, die Stätte seiner Sehnsucht. Seine synagogalen Poeme (Pijutim) sind in den Gebetbüchern aller jüdischen Riten zu finden. Als ReligionSphilosoph zeichnete er sich aus durch den in arabischer Sprache geschriebenen ״Al-Chazari", der von Jehudah Jbn Tibbon inS Hebräische, von D. Cassel (Leipzig 1869) und Hirschfeld (daselbst 1886) inß Deutsche übertragen wurde. Nach dem Jahre 1140 befriedigte er feine Sehnsucht, nach Palästina zu pilgern, und reiste über Aegypten und Arabien nach Damaskus, wie aus seinen Gedichten zu entnehmen ist. Hier geht uns seine Spur verloren. Der Sage nach wurde er, seine Zionide dichtend, vor den Toren Jerusalems von einem Araber getötet. '-^1 ־־־ נבולות hebrllsche Monatsschrift. Literatur. Beth Josef Zwi zum Traktat Beruchoth. Bon Dr. S. Kalebach, Rabbiner der israel. Gemeinde zu Lübeck. Verlag ״Hausfreund" in Berlin. Zu beziehen durch die Administration unseres Blattes. — Der gelehrte und überaus fleißige Verfasser s. A. weilt leider nicht mehr unter den Lebenden. Kurz vor Purim trug man ihn zu Grabe, ihn, der die Zierde des deutschen Rabbinerstandes und eine mächtige Säule der deutschen Orthodoxie. war. Seine Werke aber werden bleiben u. werden gesucht und fleißig benutzt werden dort, wo der Talmud noch «gelernt" und nicht ״studiert" wird. Wer den Talmud lernt, muß auch fleißig nachschlagen und namentlich die Stellen, Quellen und Paralellen berücksichtigen, auf die Raschi, Tossaphot und מסולת דזש״ם aufmerksam machten. Ein solch vorzügliches Nachschlagewerk ist die vorliegende fleißige und erschöpfende Arbeit des trotz seines hohen Alters viel zu früh verstorbenen Lübecker Rabbiners g. A. Es ist hier nicht der Ort, alle Vorteile und Vorzüge aufzuzählen, die dieses vorzügliche Naschschlagewerk dem bietet, der sich auf das unmeßliche und unerschöpfliche «Meer des Talmuds" begibt, um in seine tiefsten Liefen einzudringen. Namentlich jetzt wird man dieses Werk in vielen Gegenden und Gemeinden geradezu mit Freude begrüßen: infolge des unseligen Krieges wurden viele kostbare Werke vernichtet, viele sind, weil nicht mehr gedruckt, aus dem Buchhandel verschwunden und überhaupt nicht mehr zu haben. Ausgiebigen Ersatz dafür bietet das Beth Josef Zwi, daS jedem Freunde des Talmuds aufs wärmste empfohlen werden kann. Der Preis dieses dickleibigen Bandes ist uns nicht bekannt, er durfte aber in Anbetracht seiner Wichtigkeit — fast könnte man sagen Anentbehrlichkeit — nicht unerschwinglich sein, zumal der verewigte Verfasser diese mühevolle und äußerst fleißige und sorgfältige Arbeit nur .2מל^ vollbracht hat, d. h. nur aus Liebe zur Thora und von dem edlen Wunsche beseelt, die Liebe zum Talmudlrr» nen überall zu wecken und die Kenntnis des Talmuds zu verbreiten. Dr.-Felix Kanter. Zwtttau (Mayr.) Ein neue» Buch von Hermann Blumenthal. Bon Hermann Blumenthal «scheint soeben ein neue- ErzählungSbuch ״Polnische Judengeschichten" im Jüd. Buch, und Kunstverlag Max Hickl. Wir werden da- Buch demnächst in unserem Blatte besprechen. ״Pft und West." Illustrierte Monatsschrift für da» gesamte Judentum. Herau-gegeben und redigiert von Leo Winz. Verlag VerlimEharlottenburg, Knesebeck»

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