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Jüdische Volksstimme · 1919-05-16 · Heft 11 (16.5.1919) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 11 (16.5.1919)
Date
1919-05-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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OM 2. tr M ח WS»IW» «vKmnnr *». 11. Religionen. Mit Recht hat die slovakische Judenheit in ihrer Tagung am 27. März l. I. »die wirkliche Gleich- Lerechtigung in religiöser, sozialer, politischer und wirtschaftlicher Beziehung' gefordert. Der internationale Arbeiterrat unterbreitete der Friedenskonferenz die Forderung, ״daß es jedem Arbeiter, der den Sonntag nicht mitfeiere, freistehe, an einem beliebigen Wo- Ehentag zu ruhen". Also die Kirche hat ihren Sonntag, besten religiöse Uebungen sie mit allen Mitteln verteidigt, der Arbeiter seinen Wochenruhetag. Nur dem Juden, diesem klastischen Zeugen des SabbateS, soll dieser unmöglich gemacht werden? DaS kann im republikanifchem Zeitalter für die Dauer nicht bestehen. Der Staat, der den Juden als Steuerträger sehr gut kennt, er wird ihn auch dort kennen, wo es sich darum handelt, ihn wie jeden Bürger nach seiner Facon seelig werden zu lassen And ihn mit allen Mitteln hinzu zu unterstützen. — Allerdings kommen für unseren Gegenstand zunächst Ortsgemeinde, Handelsgremium und Marktfiranten in Betracht. Tatsächlich berührt diese Frage auch deren Intereffe: ohne den Propheten spielen zu wollen, kann Vestäuptet werden, daß in Anbetracht des ZusammenbrucheS des zentralistischen und Zunahme des autonomen RegierungSshstemS der kleinen Staaten, der alte Warenabsatz wieder aufleben, die großen Börsenschlüsse aufhören und die Wochenmärkte, diese Börsenhalle für die Produkte des Landmannes, wieder zur Blüte gelange« dürften. Da wird doch hoffentlich dem Kaufmann in einem demokratischen Staat nicht ein mittel- 'alterlicher Schlagbaum, eine Grenzschranke von anno dazumal im Wege stehen dürfen. Der Einwand aber, daß der Sabbatwochenmarkt der Bevölkerung als Einkaufstag für den Sonntag unentbehrlich sei, kann doch nicht ernstgenommen werden, im Hinblick auf Nachbarstädke, wo der Montag- oder Donnerstagwochenmarkt klaglos dieselbe Dienste leistet. Daß auch unsere nationalgesinnte Juden, bei allem praktischen Sinne, für die Aufrechterhaltung einer solch idealen Institution Interesse haben, darf Wohl vorausgesetzt werden. Denn, gottkob, huldigen sie ja nicht alle dem Grundsatz: Religion ist Nebensache. Ebenso darf das naturgemäße Interesse der verehrlichen Rabbinerverbände für den Gegenstand als sicher angenommen werden. Also auch die Frage nach dem Interesse aller maßgebenden Faktoren: der Vebörde, Orts- und jüdischen Gemeinde, sowie deS Rabbinerstandes an der Abschaffung besagten NebelstandeS darf in bejahendem Sinne beantwortet werden. im Rahmen der Staatsgrundgesetze zulässigen Mitteln-Vertreter der bisher nicht n«tton<tt gewesen« Md« — 2. Einschreiten der kompetenten Körperschaft an die1 daran teilnahm. Behörde behufs Verlegung des SabbatwochenmarkteS I Dr. Hugo Bergmann wurde zu» Schriftführer der auf einen Wochentag, sowie ferner behufs Verfügung, daß das betreffende Gemeidereferat sich rechtzeitig vor der Festsetzung der Jahrmärkte bei einem jüdischen Kuttusbeamten informiere, damit der Jahrmarkt nicht zum Schaden der jüdischen Marktfiranten auf einen jüdischen Feiertag falle. — 3. Das gegenseitige Einvernehmen der maßgebenden jüdischen Verbände resp. Nationalräte zu erfolgversprechendem Kollektivvorgehen in dieser Sache. ' Besagte Vorschläge mögen, sollen sie Anklang finden, wohl ergänzungSbedürftig sein, vielleicht droht ihnen gar das Geschick, wie manches Ideale im Sand zu verlaufen. Aber kein Idealismus bleibt erfolglos. Wenn er sein eigenes Ziel nicht erreicht, so besteht sein Segen zumindest darin, dem Materialismus ein Gegengewicht zu bieten, in unserem Fall, bei etwaigen lokalen Veränderungen — heutzutage alltägliche Dinge — die Anberaumung eines Wochenmarktes auf den Sabbat von wornherein, nicht mehr von der leichten Seite zu nehmen. ES soll wenigstens die Indolenz keinen billigen Vorwand mit unserer Gleichgültigkeit haben. Wenn die Leiden nicht behoben werden, ausbreiten sollen sie sich nicht durch die Verabsäumung unserer Pflicht. Bleibt nur noch die Erörterung, auf welche Weise dem Uebel zu steuern wäre. Und hierauf beruhen folgende Vorschläge: 1. § 3 des Musterstatuts unserer Gemeinden besagt: ״insbesondere sorgt die Kultusgemeinde für den Bestand und Erhaltung der nötigen gottesdienstlichen Anstalten, für die regelmäßige Abhaltung des Gottesdienstes mindestens an jedem Sabbat und israelitischen Festtag..." Sollen nun diese gottesdienstlichen Anstalten nicht im Laufe der Zeit an chronischer Entkräftung zugrunde gehen, so möge in den Entwurf des Statuts zu zitierter Stelle noch f o lgender Wortlaut ausgenommen werden: ״sowie für die Beseitigung etwaiger lokaler Zustände, die dem besagten Gottesdienst hinderlich,sind, mit allen ■יי»«י*—י״יייי—יייי«^יי^»@ nung auftauchen, die ihn zusammenfahren ließ. Der tausendäugige Engel Malech Dojmh stand vor ihm. ״ ׳Folge mir", rief der Engel und auch seine Stimme schallte wie Donner. Schemaje erhob sich und folgte dem Engel. . In kurzer Zeit durchschritten sie weite Landstriche. Während des ganzen Weges sagte sich Schemaje seinen Namen vor, den er sich gut einprägen wollte, denn er wußte, daß man bald Rechenschaft von ihm verlangen werde. Da betraten sie die Vorhalle zur Ewigkeit. Der Tausendäugige stellte sich vor Schemaje hin und rief: ״Ma schmejchu?" (Wie ist dein Name?). Da geschah es, daß Schemaje plötzlich sein Gedächtnis verlor und zu stottern begann. Er zählte viele Namen auf, die ihm/einfielen, doch den seinigen wußte er nicht zu nennen. Bet jedem falschen Namen erhob der Engel eine Feuerrute und schlug auf Schemaje ein, daß ein brennender Schmerz seine Glieder durchzuckte. DaS ging so eine ganze Weile, ohne daß sich Schetnaje, so sehr er auch sein Hirn zermarterte, auf seinen Wahren Namen besinnen konnte. Endlich ließ der Lausendäugige von ihm ab und stellte eine neue Frage: ״ ׳Ma melachtejchu?" (DaS war deine Beschäftigung?). ״Ein Geldverleiher war ich", erwiderte Schemaje. . ״Ein Wucherer warst du, der den Armen gegen- Bericht über die Plenarsitzung des Jüdischen Nationalrates in Prag am 3. Mai 1919. Der Vorsitzende Dr. Singer begrüßt zunächst die Anwesenden und erteilt hierauf dem Delegierten des Prager Jüdischen Nationalrates auf der Züricher und Pariser Konferenz, Herrn Norbert Adler, das Wort zu seinem Bericht. Herr Adler berichtet, datz bereits vor seiner Ankunft in der Schweiz der andere Delegierte des Prager Nationalrates, Dr. Hugo Bergmann, in Zürich, Basel und Bern eine sehr erfolgreiche Tätigkeit entwickelt hat. Dr. Bergmann ist mit den maßgebenden zionistischen Faktoren in der Schweiz in enge Fühlung getreten. Nach Ankunft des zweiten Delegierten (Adler) wurden, soweit es die Vorkonferenzen zuließen, Interventionen unternommen, um die Schweizer Presse nach Möglichkeit zu informieren. Als die Prager Delegierten nach Paris kamen, war das ״Comite pour les droits des Juifs" unter Führung des Richters Mack und Mr. Louis Marshalls bereitS konstituiert. Anwesend waren Vertreter der Jüdischen Nationalräte von Palästina, Amerika, Polen, der Ukraine, Ostgalizien, Rußland, der Tschechostovakei und Rumänien, der Zionistischen Organisationen, des Jüdischen Gemeindebundes von Italien und des unabhängigen Ordens Bnei Brith. Die rumänische Delegation unterschied sich von allen übrigen dadurch, daß auch ein wichtigsten Kommission, der Memorandum-Kommtston, gewählt, welche die Aufgabe hatte, das der Fri^enS» konferenz zu überreichende Memorandum auv-narbei« ten. SS wurden hierauf die direkten Verhandlung« mit den in Frage kommenden Pdlitikern der Entente mit aller Energie ausgenommen. Die amerikanische Judenheit ist infolge ihrer großen Zahl (drei Million«), kn« folge ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und der auSgeprägten jüdischen Bewußtheit ein ganz bedeutender Machtfaktor in der amerikanisch« Politik geworden und die amerikanischen Mitglieder des ״Comite pour leS droits des JuifS" fanden infolgedessen bei den offkzieklen Friedensdelegierten daS größte Entgegenkommen. Die Delegation des amerikanisch-jüdischen Kongresses hatte schon vor Einleitung der Verhandlungen über die Sicherung der jüdischen Minderheitsrechte in Europa Unterredungen mit Wilson, Robert Lansing und Colenel House, die sie eingehend informierte. DaS Memorandum wurde in ständiger Fühlungnähme mit den offiziellen amerikanisch« Expert« fertiggeftevt. ES wurde keine Forderung ausgestellt, die sich nicht für alle nationalen Minderheiten als recht und billig verteidigen ließe. Selbstverständlich wurde Uber hauptsächlich auf die Dinge Gewicht gelegt, die für die Juden von besonderer Wichtigkeit sind. Der erste Punkt befaßt sich mit der Sicherung der Staatsbürgerschaft für die Juden der Länder Osteuropas. Diese Sicherung ist vor allen für die Juden Rumäniens notwendig, da die rumänische Regierung mit einer unerreicht« Vir. tuosität die den Juden nach schweren Kämpf« auf dem Papier zugestand«« Rechte die facti wirkungslos zu machen weiß. Weiter umfaßt daS Memorandum die Sicherung der gleich« Behandlung aller Bürger eines Staates obne Unterschied der Rasse, Nationalität und Religion, Sicherung -er freien kulturellen Entwicklung. Autonomie der Schule und der sozial« Institutionen, die Forderung nach einer nationalen Wablkurie für nationale Minoritäten sowie die Freiheit der Minoritätensvrache. die Möalichkeit, einen andern Tag als Sonntag als Ruhetag zu feiern, die Freiheit einer jeden nationalen Gruvve, alle anaefnhrten MinoritätSrcchte zu er« reich« und schließlich das Beschwerderecht an d« Bölkerbnnd für alle nationalen Minoritäten, der« Rechte durch einen Staat verkürzt werden sollten. Im Sinne dieser Forderung wird verlangt, daß die Juden in allen Staat« des neu gruppierten Europaals nationale Minorität anerkannt werden. Als der berichterstattende Delegiert? Baris verließ, waren die Verbandlnnaen mit der amerikanisch« Reaierung über dieses Memorandum noch im Gange und e? war die beste Aussicht auf Erfolg. Nach Abschluß der Verhandlungen mit der amerikanischen Regierung wären Verhandlungen mit der englischen Regierung geplant, wobei die Vermittlung der zionistischen Organisationen, die sehr wertvolle Verbindungen hat, in Aussicht g«ommen wurde und dann über keine Gnade kannte", schrie der Engel. ״Du nahmst zwanzig und dreißig von Hundert und bei unerfahrenen Leuten versuchtest du die Prozente zweimal einzustecken, indem du sie einmal beim AuSzahl« des Geldes abzogst am Verfallstag noch einmal verlangtest. Du hast Keinen verschont, Keinen bemitleidet. . . DaS war deine Beschäftigung." Ein schwerer Seufzer entrang sich den Lippen SchemajeS, denn er erkannte, daß er zur ewigen VerdammniS verurteilt sei. Eine Weile überließ ihn der Engel den zermürbenden GewissenSqualen und stellte dann seine dritte Frage: ״״Usaktu beeminal?" (Hast du redlich gehandelt?). Auf diese Frage wagte Schemaje nicht zu äntworten und sagte nur: ״Ich habe stets den Namen deS Heilig« gepriesen und nie ein Gebet ausgelassen." ״DaS g«ügt nicht, um deine Sünden gutzumadj«", rief der Engel aus. ״Du hast wider die Gebote des Ewigen gehandelt, du hast den Armen deine Tür verschlossen und dich mit Sünde beladen." ״Ich will büß«", stöhnte Schemaje. Schemaje erwachte in Schweiß gebadet. Schaum stand auf seinem Munde und eS dauerte eine Weile bis er seine Glieder bewegen konnte, d«n er fühlte sich wie gerädert. ׳ ׳ Da erzitterte der Boden und tiefe Finsternis HMte alles ein. ״Welch schrecklicher Traum", stöhnte er, kroch mühsam aus dem Bette und machte Licht. Er streifte die Hemdärmel in die Höhe, um sich die brennenden Arme zu kühlen und da erstarrte er, denn seine Arme war« voll Striemen und die Zeichen von Rutenschläg« waren an ihnen deutlich erkennbar. Da wurde es Schemaje klar, daß er nicht bloS geträumt hatte. Seine Seele war wahrhaftig vor dem Richterstuhl des Allmächtigen gestanden. Doch er hatte Gnade gefunden. Noch einmal war ed ihm vergönnt auf diese Welt zurückzukehren, um Buße zu tun und ein n«eS Leben zu beginnen. Seit dieser Nacht war Schemaje wie ausgewechselt. Er verlieh sein Geld nicht mehr auf Zinsen und führte einen Haushalt, wie es sich für sein« Stand gehörte. Viele verschämte Arme lebten von ihm, und sein Haus, daß früher öde und verlassen gewesen war, wurde zur Zufluchtstätte aller Bedürftigen der Stadt. Er starb hochbetagt, von der ganz« Stadt betrauert und gewiß ward ihm jetzt in jene? Welt ein anderer Empfang zuteil. ״Seht, Schemaje Rubin hat datz Zeich«, daß ihm Gott gegeben, zu deuten verstand« und rettete seine Seele vor der Verdammnis", schloß der Podolier seine Erzählung und seine Zuhörer war« mit ihm einetz Sinnetz. ״Hickls Jüdischer B»llskale«der".

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