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Jüdische Volksstimme · 1919-05-09 · Heft 10 (9.5.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 10 (9.5.1919)
Date
1919-05-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 10 ״IS»ijche VoiköstMme" Sette o der Weise. Zunächst veranstaltete die Jeschiwoh Slobotka am Dienstag, den 25. März, eine Trauerfeier. Beide Jeschiwohleiter und drei der Bachorim gaben ihrem Schmerze über den Tod beider Männer Ausdruck. Da der Lübecker Raw die Jeschiwoh von ihrem Ruin während des Krieges zuerst wieder hat aufbauen lassen und in den letzten Monaten alle Mittel der Existenz für sie aufgebracht hat, so, sagte der erste Redner, könne sie genannt werden ein Haus, das dieser Salomo gebaut hat. Wenn Reb Jhel, so sagte ein anderer, sich hat rühmen dürfen, daß wenn die Thora aus Israel vergessen wurde, er sie durch seinen Scharfsinn hätte wiederherstellen können, so hat Salomon Cariebach s. A., dafür gesorgt, daß sie nicht vergessen werden könne, indem er den Wiederaufbau der littauischen Jeschiwoh in seine Hand genommen. Nach den Hespedim satzten sich alle Anwesenden wie Awclim auf den Boden und dann wurden für beide Gebete verrichtet. Auch in der Kownoer Hauptsynagoge, dem neuen Beth-Hamidrasch, versammelte sich eine große Trauergemcinde, um den War« ten des Redners, Reb Chajim Most, zu lauschen, der in großen Zügen das Lebensbild Reb Jtzels s. A., entwarf und dann auch der Trauer um Rabbiner Carlebach s. A., dessen Tod einen Verlust für Gesamtisracl bedeutet, beredteu Ausdruck verlieh. Wiener Nachrichten. Wahlerfolg der Indisch-Nationalen. Bei der am Sonntag, den 5. d., stattgefundenen Wähl in den Wiener Gemciuderat wurden die Herren Jakob Ehrlich, Dr. Plaschkes und Dr. Bruno Pollak ge- Wählt. — Im ganzen wurden etwa 13.000 Stiminen für die jüdisch-nationalen Kandidaten abgegeben. Mit der Aufstellung von Kandidaten für den Landtag hatten die Jüdischnationalen keinen Erfolg. » Wien. (Verband der Angestellten der isr. Kultusgcgemeinde.) Resolution. «Die am 28. April 1019 im Sitzungssaale der isr. Kultusgcmeinde abgehaltene außerordentliche General-Versammlung des ״Verbandes der Angestellten der isr. Kultusgemeinde Wien" erblickt in der ausdrücklichen Ausschließung der Angestellten vom passiven Wahlrecht für den Kultusvorstand eine Entwürdigung des Angestelltcnstandes und einen krassen Widerspruch mit dem demokratischen Geiste, von welchem die zu schafende Wahlordnung im Sinne eines Vorstandsbeschluffes getragen sein soll. Gegen dieses Vorgehen erhebt die Angestelltenschaft einmütigen Protest. Die General-Versammlung macht sich insbesondere die entschiedene Verwahrung zc eigen, die der Verbands- Obmann anläßlich einer Besprechung der Verbandsleitung mit dem Präsidium gegen dien in öffentlicher Plenarsihung gehaltene, die Ausschließung der Angestellten vom passiven Wahlrechte begründete Rede bereits eingelegt hat. In dieser Rede, deren Ausführung die Majorität des Vorstandes durch ihre Abstimmung sich angeschlossen hat, wurden die Angestellten mit den Pfründnern und anderen, vom passiven Wahlrechte gesetzlich ausgeschlossenen Kategorien auf ein^ Stufe gestellt. Die General-Versammlung, die einmütig erklärt, zur Erlangung des aktiven und passiven Wahlrechtes für alle Angestellten der Kultusgemeinde alle zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln aufzubieten, fordert die Neassumierung des Beschlusses über den § 8 der in Beratung stehenden Wahlordnung im Sinne einer Ge- Währung des aktiven und passiven Wahlrechtes an alle Angestellten der. Kultusgemeinde, wobei schon jetzt jede der hier versammelten Sektionen verbindlich erklärt, ein etwa nur einzelnen Angestellten-Kategorien zu gewährendes passives Wahlrecht von denselben von vornherein abzulehnen." — Diese einmütige Entschließung ist dem Präsidium, sämtlichen Mitgliedern des Kultus- Vorstandes und der jüdischen Presse auf schriftlichem Wege bekannt zu geben. Brünner Nachrichten. ״Makkabi Brünn". Fußball-Sektion. Im März d. I., wurde beim I. T.-B. ..Makkabi-, Brünn, als 1. Sektion der Sport-Sektion, die Fußball- Sektion ins Leben gerufen, welche heute bereits gegen 50 Mitglieder umfaßt. Sie wird außer dem Fußballgleichzeritig auch den Leichtachlethischen Sport (Laufen, Springen, Stabhochsprung), pflegen und damit einen Großteil zum Ausbau unseres Turn« und Sportvereines «Makkabi" und zur Heranbildung einer kräftigen jüd. Jugend mit beitragen. Vorläufig wurden zwei Mannschäften aufgestellt, denen bald zwei weitere folgen dürften. — ״Makkabi" 1a) gegen Reserve 0 : 1. Nach kurzem Training traten am 27. d., unsere zwei Mannschaften zu dem ersten Wettspiel gegen einander auf den Plan. Die Aufstellung war folgende: 1a) Mannschaft: Tor Aufrichtig. Backs Zwicker, Jellinek, Hilfcs Wlach, Zaitschek, Ati (Frankl) Stürmer Weiß, Drucker, Wilhelm, Fried, Wlach. Reserve: Tor Bauer, Backs Redlich, Reis, Halses Baru, Scheibo (Schick), Goldstein. Stürmer Blum, Braun, Glaser, Stiaßny, Schall. Die erste Mannschaft, 'wen nm: l) einzeln aus sehr guten Spielern zusamengeseht, mußte wegen Mangel an Combination schlecht abschneiden, wenn sie auch an Technik und Schußsicherheit der Reserve ziemlich überlegen war. So kam cs, daß ein gut geschossener. Corner Schalls von Scheibo unhaltbar in die linke Ecke des Tores gesandt wurde. Die Verteidigung der Reserve spielte außerordeutlich gut, in deren Mannschaft sich Baru und Schall durch Gewandtheit und Combination auszeichneten. Zu erwähnen wären noch, die Leistungen von Scheibo als Center und Reis. In der 1a) Mannschaft verteidigten Zaitschek, Jellinek und Ati gut, während von Weiß sicher gccenterte Bälle kein Verständnis fanden. Ein von Glasec in der zweiten Äpielhälfte zngcpaßter Ball konnte von Schall gut ins Tor geschossen werden, wurde jedoch vom Schiedsrichter als Aut entschieden. — An beiden Mannschaften war noch das Fehlen des Trainings und die ungenügende Schußsicherheit erkennbar. ״Makkabi" 1a) gegen Brünner Sportklub 1a) 0 :0 (Halbzeit 0 : 1) Am 1. Mai feierte die Fußball-Mannschaft des Brünner ״Makkabi" ihr erstes größeres Debüt im Kampfe gegen den Brünner Sportklub. Da unsere Mannschaft sich aus Leuten zusamensetzt, welche über 4 Jahre nicht trainiert hatten und bei den Trainings in den letzten Wochen mit großen technischen Schwierigkeiten (Platz, Dreß, Treter), zu kämpfen hatten, muß der Sport, wie er insbesondere in der ersten Stunde geboten wurde, als ein sehr guter bezeichnet werden und wir können hoffen bei einiger Uebung unsere Fußball- Sektion auf dieselbe Höhe zu bringen, die wir bei unseren Turnverein zu sehen gewöhnt sind. Das Resultat läßt sicherlich nicht auf das richtige Stärkeverhältnis schließen und ist nur darauf zurückzuführen, daß die untrainierte ״Makkabi "-Mannschaft das scharfe Tempo der geübten Gegner, die in ihren Reihen die spielstärksten Leute einer vergangenen Glanzperiode (D. F.-C.) hatten, in der letzten halben Stunde nicht aushaltcn konnten. Nachstehender Spielverlauf: Gleich nach Abstoß bricht der Brünner Sport-Klub durch, unsere Verteidigung tvährt gut ab, wie überhaupt sie es ist, die in der ersten Halbzeit das Spiel zu einem offenen gestaltet. Dieses wogt hin und her und.״Makkabi"-Stürmer verstehen es durch schöne Combinatiouen die feindliche Verteidigung zu bedrängen, wobei jedoch das Schußvermögcn faßt gänzlich fehlt. Mitten in einer Bedrängung unseres Tores ein Handes in Strafraum. Der 11-Metere-Stoß wird unhaltbar in ein Goal verwandelt. (20. Minute). Unsere Wannschaft trachtet mit aller Energie auszugleichen, leider vergeblich (Halbheit 0 :1). Nach der Pause hat es den Anschein als ob unsere Mannschaft stärker loäre, versteht sie es ja über eine viertel Stunde das Spiel fast ganz auf die Spielhälfte des B. Sp. Cl. zu verlegen. Da ereilt aber unsere Mannschaft das Mißgeschick nacheinander 3 Mann wegen Kampsunfähigkeit zu verlieren. Es kommt zu einer Umstellung in der zusammengeschmolzenen Mannschaft, in der auch die aufopfernden Leistungen Zaitschets, Barus, Scheibos und besonders des Tormannes Aufrichtig der Ueberlegenheit des scharf vorgehenden Gegners nicht Herr werden können. ״Makkabi" wird in den letzten 25 Minuten in permanente Verteidigung gedrängt und 5mal rollt der Ball unaufhaltsam ins Tor. Einmal noch hat es den Anschein als ob unsere Mannschaft ihr Ehren-Goal erzielen würde. Aus der Belagerung bricht Baru glänzend durch überspielt die gegnerische Berteidi« gung gibt an Dukes ab, der auch den Tormann überspielt und den Ball knapp vor dem leeren Tor ins Out schießt. Von der Gegenseite zeigten Stürmer und Ver« teidigung ein erstklassiges Zusammenspiel, indem insbesondere das Jnnentrio der Stürmer und der rechte Back Hervorragendes leisteten. Spielzeit Smal 45 Mio Schiedsrichter Gläser vom B. Sp.-Cl. gut. Vorher die gegenseitigen Reserven 4 : 0. Die ״Makkabi"«Reserve, die am vergangenen Sonntage ein schö« nes Spiel gegen 1a) gezeigt hat, hat sich auch diesmal recht wacker gehalten. DaS Spiel, das im allgemeinen recht offen gehalten war, litt unter der Zerfahrenheit der Stürmerreihe, in der nur Schall einige gute Lei« stungen zeigte. Bauer im Tor und Scheibo sind besonders zu erwähnen. Die mehreren Hundert Sportfreunde, die als Zuschauer diesen Spielen mit Spannung folgten, hatten Gelegenheit Zeugen eines erstklassigen Sportes zu sein und dankt der Brünner Sport-Club seinen Erfolg nur der körperlichen Ueberlegenheit und größeren Ausdauer feiner Mannschaft. Zur Parscha — אמוד »Gott sprach zu Moscheh: sprich zu den Priestern, den Söhnen Abrahams und sage ihnen: an Personen unter ihrem Volke dürfen sie sich nicht verunreinigen." Schon unseren Weisen fällt dieser doppelte Ausdruck auf, und sie erklären die Verdoppelung des Befehles damit, daß sie aus ihr folgern: ״lehaskir gedaulim al haketanim": Moscheh soll zu den Erwachsenen sagen, daß sie das von ihm Gesagte weiter sagen, d. h. daß die Erwachsenen die Kinder belehren und zur Erfüllung der Thoragebote anhalten. Daraus wird die Verpflichtung der Eltern, ihre Kinder religiös zu erziehen und von verbotenen Dingen fernzuhalten, und ihre Verant- Wortung für das Tun ihrer Pflegebefohlenen abgeleitct. Aber nicht nur um Eltern und Kinder, sondern überhaupt um Erwachsene und Minderjährige, um Lehrer und Schüler, um Rabbiner und Gemeindegenossen handelt es sich. Ueberall, wo religiöse Einwirkung möglich ist, muß sie versucht und ausgeübt werden. Welches ist die beste Weise? Das eigene Vorbild und das persönliche Beispiel des Erziehers und Mahners! Es genügt nicht, daß der Lehrer und Rabbiner die Thora und die heilige Schrift, Talmud und Midrasch beherrscht, er muß vielmehr in seinem Lebenswandel untadelig und vollkommen dastehen. Denn die Augen des Volkes sind auf ihn gerichtet, und wenn es an seiner Person nur die allergeringste Unebenheit wahrnimmt, so kommt diese ihm wie ein hoher Berg vor;״ wenn cS nur einen kleinen Flecken von der Größe eines Stecknadelkopfes auf seinem Gewände entdeckt, so dünkt ihm das ganze Kleid als von Schmutz starrend. Darum sagen unsere Weisen (Sahb. 114) ״ein Thoraaelehrter, auf dessen Gewand ein Flecken sich befindet — auf seinem Charakter —, ist todesschuldig". Er hat sich gewiffermaßen der Entweihung des göttlichen Namens schuldig gemacht, einer Sünde, welche weder durch Jom Kippur noch durch Teschuwoh gesühnt werden kann. Und wie leicht kann man in diese Sünde verfallen. Unser großer Talmudlehrer Raw sagte: ״wenn z. B. ich eine Ware aus einem Laden holen würde, ohne sic sofort bar zu bezahlen, hätte ich schon veranlaßt, daß man schlimm über alles, was mit der Thora und Gott zusammenhängt, denkt und spricht". Darum sollen ohne Unterschied des Standes, alle Leute, die beispielgebend sein wollen oder die fromm und gesehestreu sind, sich der größten Sorgfalt in ihrem Lebenswandel befleißigen. Insbesondere die Frommen, denn auf sie sind in ganz hervorragendem Maße die Augen aller, selbst der ganz Unfrommen gerichtet. Ebenso streng müssen Eltern im Interesse ihrer Kinder auf jede Handlung, jedes Wort, ja jede Miene achten. Wenn wir die Mizwos erfüllen, so handelt es sich nicht allein um deren Ausführung schlechthin, sondern auch um die Art und Weise, wie wir es tun, damit nicht irgend ein Mangel an ihr die ganzen Mizwoh zerstöre. Z. B. man hat einen Talis umgehüllt, aber er ist zerrissen oder schmutzig: man betet jeden Tag dreimal, aber hastig und ohne Andacht; man gibt den Armen, aber öffentlich und ohne Zartgefühl; man geht zur Synagoge, aber kommt zu spät; man hat eine Sukkoh, aber sie ist nachlässig gebaut und ausgerüstet; man hat Tephilin und Mesusaus, aber sie sind alt und posul gcworden; man speist Hungrige, aber nicht am eigenen Tische, sondern hat sie in der Wirtschaft angedungen usw. Man führt die Mizwaus aus, aber nicht recht und frühzeitig, sondern schiebt sie auf. Z. B. wenn mqn vom Geschäft heimkommt, setzt man sich zuerst zu Tisch, zur Zeitung oder zum Schlafen, dann erst zu Maariv oder Minchoh; anstatt erst Beten und Lernen und dann die eigene Bequemlichkeit. ״Schön und gut" muß man die Gebote erfüllen, sagen unsere Weisen, und darauf wenden sie den BerS des Hoheliedes ״schön bist du» meine Liebste" an: ״schön bei den Mizwaus, schön bei der Ausübung von LiebeStaten, schön bei der Erfüllung der Tatgebote, schön bei der Einhaltung der Verbote". ״Denn die Lippen des Priesters sollen bewahren und Belehrung erfrage man von seinem Munde, denn frage man ihn, wenn er aber nicht untadelhaft ist, frage ein Engel des Ewigen, des Herrn der Herrscharen ist er." (Maleachi % 7.) Zu diesem Verse bemerkt der Tal« mud: wenn der Priester wie ein Engel Gottes ist, dann

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