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Jüdische Volksstimme · 1919-05-09 · Heft 10 (9.5.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 10 (9.5.1919)
Date
1919-05-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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*v.-׳■ --. ■ n.1m^u1«״naur.■ י^יי.. ., ■ ' ־■■״^*^^— Seife 6. ^Mttsche B»Mßf««e- 9h. 10. frage man ihn, wenn er aber nicht untadelhaft ist, dann frage man ihn nicht. Die Engel haben keinen Kampf zu bestehen gegen Trägheit u. Lästigkeit, gegen Verführung und Leidenschaft, gegen Begierden und Widersetzlichkeit; zu ihnen braucht Gott nur einmal etwas zu sagen und sie führen es aus. soll es auch der Priester und Erzieher, so sollen die Eltern und Frommen sein, ein einmaliger Befehl soll genügen, daß fie eifrig und flink die Mizwo vollziehen, der Jezer Hora soll keine Macht mehr über fie besitzen — dann wird man ihnen folgen und Belehrung aus ihrm Munde.annehmen. Wenn nun dem so ist, so erhebt sich die Frage, wes-! halb lautet unser VerS: »sage zu den Priestern unv du sollst sagen", wozu das zweite »du sollst sagen"? es find doch Priester, mit denen Moscheh sprechen soll, und die Antwort lautet: »Du sollst es weitersagen an Leute, die es in der Selbstbeherrschung und in der Frömmigkeit noch nicht soweit gebracht haben, als du. Denen wirst du es zweimal, dreimal, ja noch viele Male sagen müssen, bevor sie alles tun, vornehmlich den Kindern wirst du ein Gebot häufig wiederholen, oftmals einschärfen müssen, ehe sie daran gewöhnt sein werden: »lehashir gedaulim al haketanim" »die Großen sollen ihrer Verantwortung für die Kleinen bewußt werden." Aufforderung! Die gesetzestreuen Juden in der Tschecho-slovakei werden aufgefordert ihre Adressen, sowie die Adressen , ihrer Bekannten dem yrganisationS-Comite des Bereines ״Machsike Hadaß", Brünn, Adlergasse, ehestens bekannt zu geben. Der BereinSvorstand. mxxxidcmmm Vermischtes. J(f‘' Woher stammt der Ausdruck ״Ghetto"? In einer italienischen Revue wird diese Frage erörtert, und der betreffende Artikelschreiber kommt zu folgendem Resultat: Im Mittelalter durften bekanntlich in Venedig keine Juden wohnen. Im Jahre 1616 hat nun die Republik dieses Verbot rückgängig gemacht und den Juden gestattet, sich auf den zwei kleinen Inseln, die zur Republik gehörten, ansäßig zu machen und in den dort befindlichen Gießereien Arbeit anzunehmen. Diese Gießereien wurden ״ghettore" genannt, und darauf ist cs auch zurückzuführen, daß später die Bezeichnung ״Ghetto" für ein von Juden bewohntes Viertel allgemein gebräuchlich wurde. Die ülteste Judenansiedlung im heutigen Egypten. Der Gelehrte Kurator des alexandrinischen griechischon Museums hielt einen interessanten Vortrag im Verlaufe dessen er auch eine Inschrift besprach, die für die Juden von besonderem Interesse ist. Bekanntlich gehen die Meinungen über die ersten Judenansiedlungen im heutigen Egypten stark auseinander. Manche nehmen an, daß die Juden erst seit der Gründung Alexandriens in Egypten leben, während andere der Ansicht sind, daß sie schon zur Zeit Ptolomäus 6., in Egypten waren. — Ausgrabungeni in Kafo-el-Dawar, einer unweit von Alexandrien gelegenen Stadt, haben nun eine griechische Inschrift zutage gefördert, die folgenden Wortlaut hat: ״Zu Ehren des Königs Ptolomäus, der Königin Berenice und ihrer Kinder weihten die Juden diese Shnagoge". Knigin Berenice war die Frau des Ptolomäus 3. Demnach haben diejenigen Unrecht, die die Anschauung vertreten, daß die Juden erst unter Ptolomäus 6., sich in Egypten niedergelassen hätten. Wilhelm Liebknecht über die Jude«. Der verstorbene Vorkämpfer der sozialdemokratischen Partei in Deutschland äußerte sich einm. über das jüdische Volk in folgenden Worten: «Die Geschichte der Juden nach der Zerstörung des jüdischen Staates und der Zerstreuung des JudenvolkeS über die Erde war für mich schon in frühester Jugend ein Rätsel gewesen und ein Wunder. Mit wahrhaftem Grausen hörte ich als Kind von den gräßlichen Judenverfolgungen des Mittelalters, von der entsetzlichen Roheit und Barbarei, die die Christen wegen unmöglicher, nur dem blödesten Stumpfsinne und blindesten Vorurteil glaubhafter Verbrechen an Juden betätigt haben. Wenn ich nun sah, wie Männer, in denen mein junges Herz die edelsten und tapfersten Vorkämpfer der Freiheit verehrte — ein Börne» ein Johann Facobh Juden waren, so übertrug sich unwillkürlich die Verehrung für diese Männer auf ihre Raffe. War hierin etwas von Schwärmerei, so mußte doch auch die reifere Kritik späterer Jahre sich vor der Tatsache verneigen, daß für das Wohl und die Freiheit der Menschen, für Kunst, Literatur, Wissenschaft von den Juden im Verhältnis ihrer Zahl mehr geleistet worden ist als von irgendeinem anderen Volke." Ein Grabdenkmal für Leo Frankl. Es wird wohl nur wenigen bekannt sein, daß Frankreich außer Cremieux noch einen jüdischen Minister hatte. Allerdings war auch seine Ministcrschait nicht von so langer Dauer als jene Cremieux, denn schon nach zwei Monaten war seine Ministerherrlichkeit zu Ende, und bald darauf auch sein Name vergessen. Er war nämlich Minister der CommunardS, deren große Schreckensherrschaft sich bekanntlich bloß vom 18. März bis Ende Mai 1871 halten konnte. Dieser jüdische Minister des Commune-Aufstandes hieß Leo Frankl und war aus Altofen in Ungarn gebürtig, wo seine Familie zu einer der angesehensten der jüdischen Gemeinde zählte. Frankl, welcher von Beruf Schriftsetzer war, wander- It kn jugendlichem Alter nach Paris aus, wo er in einer großen Buchdruckerei lohnenden Erwerb fand. ES bot sich ihm in Paris auch bald Gelegenheit, sich an der damaligen lebhaften politischen Bewegung zu beteiligen, und da er ein vorzüglicher und schlagfertiger Volksred nc . war, brachte er es bald zu hohem- Ansehen. Als zu Beginn des denkwürdigen Jahres 1871 der Commune-Aufstand ausbrach, hatte sich Frankl, trotzdem er Ausländer war, infolge seiner besonderen Energie und seiner großen Fähigkeiten bereits eine leitende Stellung im Pariser politischen Leben zu erringen gewußt. Er wurde von der Regierung der Aufständischen zum Minister ernannt, und der Umstand, daß die Commune erst nach mehr als zweimonatlichen erbitterten Kämpfen das Feld räumte, ist nicht in allerletzter Reihe der Energie und Ausdauer Frankls zuzuschreiben. Als Frankl sah, daß ein weiterer Widerstand unmöglich ist, enitfloh er nebst vielen anderen leitenden Persönlichkeiten der Commune ins Ausland, wo er sich, teils als Schriftsetzer, teils als Corrector bei verschiedenen Zeitungen schlecht und recht fortbrachtc. Auch in Wien hielt er sich einige Jahre hindurch auf. Von der leidigen Politik wollte er seit der Zeit, wo er sich aus Paris flüchtete, überhaupt nichrs mehr wissen, und auch sonst führte er ein sehr zurückgezogenes Leben. Doch Frankl litt cs nirgends lange. Nach jahrelangen Wanderungen kam er, ein kranker, gebrochener Mann, vor mehreren Jahren wieder nach Paris wo er bald darauf in einem Krankenhause starb. Wohl nur wenige in Paris dürften es gewußt haben, welche Nolle der alte, schwache Mann mit dem fremdklingendcn Namen in der Geschichte Frankreichs einst gespielt hat. Denn ן sang- und klanglos wurde er, dem die Massen einst ßujubelten, zu Grabe getragen, und kein Stein ob seiner Ruhestätte kündet es dem Friedhofbesucher, welch bedeutenden Mann das Grab birgt. Presseschau. Die ״Deutsche allgemeine Zeitung" gibt eine Unterredung mit Hermann Struck wieder, in der cs zum Schluß heißt: Auf die Frage, was in einzelnen unter den naiio-- nalen Rechten der Juden in den einzelnen Ländern zu verstehen sei, erwiderte Herr Struck, daß es sich in den Ländern jüdischer Maffensiedlung um eine nationale Autonomie handeln müsse, wie sie nationale Minoritäten als Anwendung des Grundsatzes der Selbstbestim. mung auf Basis der auf dem deutsch-österreichischen Staatskanzler Renner aufgestellten Leitsätze beanspruchen. Dieses Prinzip würde für Länder wie Litauen und die Ukraine (in denen eS zum Teil schon verwirklich» ist), Ollstgalizien und Großrußland, entsprechend den Ford:׳״ ngen der dortigen Judenschaft durchzuführen sein. Für andere Länder, wie Polen, Tschecho-Slovakien und Jugo׳slavien würde voraussichtlich die kulturelle Autonomie in Betracht kommen, die unter allgemeiner Staatsaufsicht u. a. die Freiheit für das Erziehungsweten, eigene Volksschulen, Mittelschulen, Fachschulen usw. vorsieht, die entweder durch direkte Unterstützung der Staatsregierung unterhalten werden oder denen ein entsprechender Abzug bei Zahlung der allgemeinen Staatssteuern der Juden von diesen zugewendet werden dürfte. Ferner gehörten hierzu Garantien für die Freiheit in der Heilighaltung deS Sabbats und der Feiertage und für die Ausübung der Arbeit an allen anderen Togen. In den Ländern dünnerer jüdischer Siedlung, als.׳ in Deutschland, Westeuropa usw. ist die kulturelle Autonomie (Freiheit der Erziehung in jüdischen Schulen und die Ermöglichung deS religiösen Lebens) bereitgewährleistet. Die gesamten Forderungen der Juden der verschiederen Kreise können, so schloß Herr Struck, von dem nwternen Deutschland durchaus unterstützt werden. Die Jndenheit aller Länder wird mit dankender Sympathie davon Kenntnis nehmen, wenn Deutschland seinen moralischen Einfluß dafür einsetzt, das Programm der nationalen Wiedergeburt des jüdischen Volk?- im Rahmen des Vo'kerbundes seiner Verwirklichung entgegmzaführen. Da» jüdische Herz. B»n Leopold Kompert. ,? Durch tausende von Jahren tönet Bon Mund zu Mund ein kleines Wort — Vrekannt, geschmähet und verhöhnet. Doch ist es unsres Volkes Hort! In Schmach, in Banden und Verderben, Bedroht von seiner Dränger Erz — Eines lebte, zuckte, könnt nicht sterben, ES war das treue jüdische Herz! Bald scheu und zaghaft wie die Taube, Bald wie die Löwin kühn und stark Bei ihrer Jungen frechem Raube, , Gebrechlich, doch voll Riesenmark — Ein dünnes Rohr, gebeugt im Winde, Ein Baum, der aufragt himmelwärts — So unvergleichlich fest und linde Bist du, tot treues jüdisch Herz! Mein Volk! wer lehret dich, zu weinen, Wenn Unheil trifft des Bruders Dach, Wer um ein Banner dich zu einen. Bei deiner Armen Ungemach? Wer lehrt dich trösten. Kranke Pflegen, Mitfühlen andrer herben Schmerz — Mit voller Hand, wer spendet Segen, Jsts nicht dein treues jüdisch Herz? Wer lehrt dich, überall entfalten Die Banner ohne Scheu und Hehl? Das Wort voll heiliger Gewalten, Das mächtige: ״Schmäh Jisroel", Wer lehrt es deine Kinder lallen '1 Das Wort, das mächtiger als Erz? Das beste, lieblichste von allen — Der Mutter frommes, jüdisch Herz! Dies Herz, es hat den Bau gegründet. Des Gotteshauses Herrlichkeit, Die Flamme hat es uns entzündet. Die Hände hat es uns geweiht. Die Säulen, die den Prachtbau tragen, Die iihn geschmückt in Stein und Erz, Sie mögen es den Enkeln sagen: Das tut das fromme, jüdische Her! Dies Herz, ist es nicht unser Erbe, Der Schätze kostbarster Besitz? Seh jeder dann, da es nicht sterbe. Daß es verkümmere nicht der Witz! Laßt es uns sein ein mahnend Zeichen In Drang und Qual, in Lust und Schmerz! Die Hände uns zum Bunde reichen — Es lebe das alte, jüdische Herz! Lustige Ecke. Schlagfertig. Im Ostseebad Arendsee, das viel von jüdischen Berliner Familien besucht wird, hatte ein antisemitischer ״Witzbold" an einem Baum der Alleee, die nach dem Badeorte BrunShaupten führt, einen Zettel befestigt, auf dem man lesen konnte: ״Gefährlich —, wenn die Mücken necken. ׳ Verderblich —, sticht der Sonne Glut. Jedoch das Schrecklichste der Schrecken Ist hier am schönen Strand — der Jud. Am nächsten Tage wurde die Antwort an einem Baume׳ nebenan viel belacht: Zur Antwort: »Ob schwarz, ob blond, mir schnuppe ist, Wenn nur anständig Jud und Christ. Mir stört nicht einmal meine Ruh Ein dichtender Idiot, wie Du. Der Sonne Pracht ist schad für Dich, Du hast bereits einen Sonnenstich." Löbele (Zwischen zwei jungen Modeherren sitzend, die ihn unaufhörlich foppen): Meine Herren, Sie fcheinen mich zum Besten haben zu wollen; ich mutz Ihnen daher eine Idee von meinem Charakter beibringen. Ichbin nicht ganz ein Pinsel, aber auch kein Teck, doch zwischen beiden.

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