Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 10 (9.5.1919)
- Date
- 1919-05-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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י י " י י WUWWMM^MWMWWWW «eM 4 nicht erschossen worden seien, antwortete Bratianu lächrlnd: ״Wenn man alle Verräter erschießen würde, so hätte man die halbe Bevölkerung Rumäniens erschießen müssen." In bezug auf die jüdische Gleichberechtigung bewegten sich die Aeußerungen Bratianus in allgemeinen Phrasen. Eine kategorische Erklärung zugunsten der jüdischen Gleichberechtigung konnte Rotschild von Bratianu nicht erlangen, vielmehr gewann er den Eindruck, daß die rumänische Regierung die Judenfrage nicht lösen wolle, es sei denn, daß sie von der Friedenskonferenz wird dazu gezwungen werden. Palästinabüro für Galizien und Schlesien in Krakau. Wie aus Krakau gemeldet wird, wurden die Agenden der bisherigen Palästinakommiffion und des Rayonskomitees des ,.Hechaluz" fusioniert, die nunmehr als ..Palästinabüro für Galizien und Schlesien" arbeiten. Vorsitzender ist Dr. CH. Hilfstein, Büroleiter Dr. E. Rieger. Zu den vorläufigen Aufgaben dieses Büros gehören: 1. Durchführung der Registrierung aller Palästinaauswanderer. 2. Veranstaltung einer Hechaluzwoche in Westgalizien. Eine finanzielle Aktion für den ״Hechaluz" ist im Zugs.Bisher existieren Hechaluzgrup- Pen in zirka 20 Städten. Mehr als 300 Chaluzim arbeiten in Gärten und bei Gutsbesitzern. Eine , größere Werkstätte für Tischlerei ist im Entstehen. Eine Konferenz der galizischen Hechaluzgruppen ist für dtzn 6. Mai nach Krakau einberufen worden. Die ״Jndenfrage" in Siebenbürgen. Die ..Agence Noumaine" brachte kürzlich eine Meldüng, ״wonach auch das jüdische Problem in Siebenbürgen gelöst werden soll". — Hiezu ist zu bemerken, daß cs bis zu -er kürzlich erfolgten Besetzung Siebenbürgens durch die Rumänen in Siebenbürgen überhaupt keine Judenfrage gegeben hat. Die jüdische Bevölkerung in Siebenbürgen befand sich bisher im Besitze voller Gleichberechtigung, und eine jüdische Frage würde dort eben durch den Anschluß an Rumänien erst enkstehen. Nach der ganzen bisherigen Praxis der rumänischen Regierung kann es nicht zweifelhaft sein, daß eine «Lösung" dieser Frage nur in irgendwelchen gesetzlichen Maßnahmen zur Einschränkung der jüdischen Gleichberechtigung in Siebenbürgen bestehen würde. Reinigung der polnischen Armee. Wie der Krakauer ״Nowy Dgiennik" vonl 28. April meldet, hat der Vizeminister für militärische Angelegenheiten einen Erlaß herausgegeben, nach welchem alle?Offiziere und Militärbeamte, welche ihre Zugehörigkeit gur jüdischen Nationalität erklärt haben und nicht zu den mobilisierten Jahrgängen gehören, unverzüglich aus dem Dienste im polnischen Heere entlassen werden sollen. Lemberger Blutnächte. So betitelt sich ein ergreifendes Kunstblatt vom bekannten hier ansäßigen Maler W. Tauber, das einem interessanten Schriftchen: ,.Aus der Leidensgeschichte der Lemberger Juden" begleitet ist. Das Büchlein enthält wertvolle Dokumente aus dem Lemberger jüdischen Archiven und dessen Reinertrag ist für die Opfer der letzten Lemberger Pogrome bestimmt. Die Aktion ist von den Herren Hermann Wronker und Maler Wilhelm Tauber geleitet. Ausgrabungen im Orient. Professor Flinders Petrie weist in seinem jüngst erschienenen Büchlein ״Eastern Exploration, Past and Future" darauf hin, daß'England durch feine Eroberungen in Palästina und Mesopotamien in den Besitz der wichtigsten Quellen zur Geschichte der Menschheit gelangt ist. Sobald der Krieg vorüber sei, müsse man an das Studium und die Hebung der 10.000 Jahre alten Kulturdokumente gehen. Der Verfasser hat eine sehr geringe Meinung von dem Wert der bisher geleisteten Forschungsarbeiten. Er schlägt vor, diese Arbeiten in die Hände des jüdischen Staates in Palästina zu legen. Auch solle das neu zu erbauende Jerusalem außerhalb deS jetzigen Weichbildes der Stadt erbaut werden, damit man ungestört in Alt-Jerusalem wissenschaftliche ForschungSarbeit leisten könne. Der BMerbundentwurf und die Judenfrage. Einem Pariser Telegramm der jüdischen Tageszeitung ״Der Log" in Newyork zufolge, fetzte sich Wilson dafür ein, daß in dem Völkerbundentwurf auch Bestimmungen über die religiöse Gleichberechtigung aufgenommen werden, wodurch dis jüdische Gleichberechtigung in den verschiedenen Ländern durch den Völker- Lund gewährleistet werden sollte, aber die Wünsche Wilsons seien von großen internationalen Interessen durchkreuzt worden und Wilson habe vorderhand Abstand nehmen müssen, auf seinem Standpunkte zu be¬ ״Attische Sfftipim«(* harren. In den Kreisen der jüdischen Politiker in Paris sei man darüber enttäuscht. Man bringe den Mitzerfolg im Zusammenhang mit der Tatsache, daß die jüdischen Delegationen der verschiedenen Ländern zu spät nach Paris gekommen seien, man hoffe jedoch, daß eS noch gelingen werde, die Mehrheit der Konferenz umzustimmen und eine äußerst energische Arbeit in dieser Richtung sei notwendig. In Wilson werden die Juden nach wie vor ihre Stütze finden. Koreefponäenzen. Brünn. Von der Statthalterei wurde kundgemacht, daß die Wahl der Gemeindevertretung in Brünn auf Sonntag den 15. Juni 1919 anberaumt ist. Brünn wurde zwecks rascher Durchführung des Wahlaktes in 69 Wahlbezirke eingeteilt, einschließlich der zu Briinn neu angegliederten. An die Wahlurne sollen gegen 130.000 Wähler treten, davon mehr als die Hälfte Frauen. P-erau. (Verband der Rabbiner Mährens und Schlesiens.) Am 4. Mai fand in Prerau die Vollversammlnng des Verbandes statt, in welcher über wichtigaktuelle Standesangelegenheiten Beratungen gepfloz-u wurden. Vor allem wurde zu dem Entwürfe fiir ein Musterstatut für die israel. Kultusgemeinden in der tschecho-slovakische Republik Stellung genommen und auf die sofort zu ergreifenden Maßnahmen zur Mtlderung der materiellen Notlage der Rabbiner und der Kultusgemeinde-Angestellten hingewiesen. Nachdem dem dem Vize-Präsidenten Herrn Dr. Oppenheim für die umsichtige und hingebungsvolle Vcrbandsleitung während der ganzen Kriegszeit der tiefgefühlte Dank seitens der Voll-Vcrsammlung votiert wurde, erfolgte die Wahl des Ausschusses und erscheinen folgende Herren Rabbiner als gewählt: Dr. Goldschmied (Proßnitz) Präsident, Dr. Oppenheim (Olmütz) Vize-Präsident, Dr. Spira (Mähr.-Ostrau) Kassier, Dr. Schwenger (Lundenburg) 1. Schriftiführer, Dr. Rosenmann Mähr.- Schönberg) 2. Schriftführer, Dr. Friediger (Oderberg) Dr. Hillel (Leipnik), Dr. Levy (Brünn), Dr. Schweiger (Kremsier) als Beisitzer, Dr. Hoff (Bisenz), Dr. Zwick (Ung.-Hradisch) als Revisoren. Der Sitz des Verbandes ist nunmehr Proßnitz, wohin alle Zuschriften zu richten sind. Prerau. Herr Dr. Alfred Löw, Präsident der israel. Kultusgemeinde ist im 40. Lebensjahre gestorben. Teschen. Am 13. April l. I. fand hier ein stark besuchter Vortrag des Herrn Dr. Felix Winterslein aus Mähr.-Ostrau über das Thema ״Die Lage der Juden nach dem Umsturz" statt. Die glänzenden Ausführungen des Redners ernteten reichlichen Beifall und steht zu erwarten, daß die Worte des Herrn Dr. Winterstein viel zur Hebung der zionistischen Idee in Teschen beigetragen haben. Der Veranstalter des Vortrages, der ״Jüdische Bund Hatechija" spricht hiemit Herrn Dr. Winterstein seinen wärmsten Dank aus. Wien. Herr Dr. Jakob Hoffmann, Oberrabbiner zu Radautz (Bukowina), wurde mit Auszeichnung an der Wiener Universität zum Doktor der Philosophie promoviert. Wien. (Chewra Kadischa Fünfhaus). In der am 20. April stattgefundenen General-Versammlung wurden die Herren: Hermann Weinberger, Moritz Weiß, Josef Löwy und der Beirat Eduard Schwarz in den Vorstand und als Revisoren die Herren Siegfried Dörfler, Isidor Spitz und Aron Wolman mit Akklamation wiedergewählt. Bei der Konstituierung wurde Herr Hermann Weinberger als Präses wiedergewählt. Wien. (Vortragsabend Josef Grob.) Donnerstag, den 16. Mai 1919] findet im Festsaale des Hotel Post, 1., Flerschmarkt 16, der 2. Vortragsabend Josef Grov (Vorlesung aus eigenen Schriften) statt. Ihre Mi kling haben zugesagt: die Schriftsteller Sigmund Haber und Josef Bochsenbaum, Oberkantor Margulns. Vio. '.invirt»׳(׳> stud. Phil. Leo Eigenfeld und Andere. Am Klavier Heinrich Grob. Zum Schluß gelangt Grobs Einakter «Mein Nachbar" zur Aufführung. Beginn um 8 Uhr abends. Budapest. Der Israelitische Handwerks- und Ackerbauverein ist eine Schöpfung des ungarischen Judentums, deren Tätigkeit und nahezu hundertjähriges Programm trotz des veränderten Zeitgeistes keinerlei Aenderung bedarf. Der Verein erzieht intelligente, ehrlich denkende und gut ausgebildete Handwerker, Gärtner und Landwirte, und nie vorher hat diese Tätigkeit eine größere Aktualität besessen als in der heutigen schweren Epoche der wirtschaftlichen Regenerierung des Lan¬ Nr. 10. des. Anläßlich der am 6. d. M. abgehaltenen Sitzung des DirektionSausfchusseS gedachte Präsident Baron Dr. Adolf Kohner fchmerzerfüllt deS außergewöhnlich schweren Verlustes, der den Verein durch den Tod des Ausfchußmittzliedes Herrn I. Simon getroffen hat. Der plötzliche Tod des Lehrerverwalters der Gartenbauanstatt, Hernr Josef Jellinek, hat den Verein gleichfalls in tiefe Trauer versetzt. Ein Geraus schätzbarer, eifriger und berufener Vereinsbeamter ist in ihm heimgegangen, der in der Gärtnerausbildung Vortreffliches geleistet u. sich allgemeine Anerkennung erworben hat. Der Bericht des Direkwrs hebt die auf dem Gebiete der Berufswahl und des Lehrlingsschuhes erreichten Resultate hervor; auch ist ihm zu entnehmen, daß 20 Gewerbefachfchülern Stipendien im Gesamtbeträge von 2870 Kronen bewilligt Worden sind. Die moralischen und Produktionsergebnisse der Gartenbauanstalt entsprechen den Erwartungen. Der Ackerbauminister hat als Subvention eines Kurses für landwirtschaftliche Hausindustrie 1000 Kronen angewiesen. Der Verein hat unter unerhört schweren Lebensbedingungen für die Verpflegung, Bekleidung und Ausbildung von mehr als dreihundert armen» derlassenen Kindern, darunter Kriegswaisen, zu sorgen. — Den Einklang zwischen Ausgaben und Einnahmen zu erreichen, was mit der ungestörten Fortsetzung der segenSreichen Tätigkeit des Vereines gleichbedeutend ist, erheischt große Opfer. Alle Menschenfreunde mögen dies wohlwollend beherzigen. Berlin. Dr. Emil Levy, der Straßburg verlassen mußte, weil er sich weigerte, einen Begrüßungsgottesdienst für den Sieger abzugeben, ist hier als Gemeinderabbiner gewählt worden. Wegen seiner zionistischen und streng traditionellen Gesinnung begegnete seine Wahl starker Gegnerschaft. Berlin. Die Jüdische Blindenanstalt für Deustchland kann auf ein arbeits- und ergebnisreiches Geschäfts jahr zurückblicken. Die Zahl der Insassen ist im Berichtsjahr von 26 auf 31 gestiegen; 12 davon gehören der Schulabteilung, 10 den Beschäftigungsabteilungen an und 0 sind bereits über das erwerbstätige Alter hinaus. Um die 6 Neuaufgenommen^n unterzubringen, war die Anstaltsleitung genötigt, eine Wohnung zu mieten. — Unter den Neuaufgenommenen befindet sich ein taubstummer Blinder, mit dem nur in der Fingersprache verkehrt werden kann, welche der Direktor und mehrere Insassen der Anstalt beherrschen. Hierdurch ist es gelungen, ihm alle Arten von Blindenarbeiten sowie Lesen und Schreiben der Blindenschrift und auch - nenschreiben beizubringen; in der bereits in der Anstalt befindlichen taubblinden Dichterin Frl. Bergmann findet der Neuaufgenommene Anleitung und Stütze. Die Versorgung der jüdischen Kriegsblinden wird von der Jüdischen Blindenanstalt für Deutschland gemeinsam mit der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden geregelt. Für jeden jüdischen Kriegsblinden wird ein Pfleger bestellt, dessen Aufgabe es sein soll, neben der pflegerischen und fürsorglichen Behandlung des Blinden auch dessen Familie zu beobachten, zu betreuen und für genügende Versorgung einzutreten. Die Leitung der Blindenanstalt übernimmt es, aus ihrem Vorstande oder aus ihren Mitgliedern Pfleger zu gewinnen, während es die Aufgabe der Zentralwohlfahrtsstelle sein wird, alle für die Durchführung der Pflegschaft erforderlichen vorbereitenden Maßnahmen zu treffen, so insbesondere die gegenwärtigen Verhältnisse der bekanntgewordenen Kriegsblinden sorgfältig festzustellen. Mitteilungen über jüdische Kriegsblinde müssen seitens der Gemeinden und Privatpersonen möglichst bald an die ZentralwohlfahrtSstelle in Berlin erfolgen. Die Vermehrung der Insassen stellte vermehrte außerordentliche kostspielige Anforderungen an die Verpflegung. Die Ausgaben sind um mehr ״IS das Vierfache gestiegen. Der Anstatt sind im verflossenen Jahre von wohltätigen und vermögenden Glaubensgenossen erhebliche Mittel zugeflossen, um diesen gesteigerten Ansprüchen nachzukommen. An größeren Zuwendungen waren zu verzeichnen 25000 Mark, die Frau William Neumann, die Witwe des Begründers der Anstalt, spendete, 100000 Mark von Herrn Bogelsdorf und 8000 Mark von Geheimrat Ledermann. Die Mitgliederbeiträge beliefen sich auf 21800 Mark. Unter den Ausgaben stehen die VerpflegungSkosten mit 21466 Mark an erster Stelle. Die seit neun Jahren bestehende An» stalt steht auch weiter unter Leitung des bewährten Dir. FriedbergerS, der als Erfinder einer hebräischen Blindenpunktschrift auch in nichtjüdischen Fachkreisen berech» tigtes Ansehen genießt. Kowno. AuS Anlaß des hier mit großer Betrübnis aufgenommenen Hinscheidens des Lübecker Raws, Rabbi Salomo Carlebach s. A., fanden zwei öffentliche HeSpedim zu seinem Ehren statt. Auch Rußland hat in diese« Tagen einen ungeheueren Verlust zu beklagen, den plötzlichen Tod des Gaon Reb Jtzel Poniewescher s. A.; und so vereinigte sich die Trauer um beide in ergreifen«