Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 10 (9.5.1919)
- Date
- 1919-05-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ÜNP WWWM *«H» 2. ^Attische B«lkssttm«r^ n%. 10. Zeilen in den Feuilleton zur Vergrößerung des HonorarS hineinzuschmuggeln. Der jüdischen »temperamentvollen" Jugend ist es nie eingefallen oder vielmehr: har es einzufallen aufgehört, sich den fremden »Sitten und Gebräuchen anzupaffen, auch wenn die »anderen" cs wollen. DaS überläßt sie schon dem Herrn Ahaswer aus dem Montags-Journal. Sich über weitere Geistesblüten dieses Herrn, wie ..-Sowie die Wiener Juden nichts dafür können, wenn die galizischen daherkommen und ihre minderskrupulöse Moral auf Straßen und in Kaffee- Häusern verzapfen, aufzuhalten, wäre zu trivial. Gott beschütze uns vor unseren Beschützern Der zweite Pfeil des Zionismus scheint, wie Herzl prophezeit hatte, seine Wirkung getan zu haben: er hat Mauschel getroffen. Nun windet er sich und findet keinen Ausweg, f ft» u59!״ * * * In der »Ostdeutschen Rundschau" befällt »A. R." das Mitleid mit den Deutschen und — den Russen. Wie dieser Deutsche auf einmal sein Herz für die Russen entdeckt hat. Er bemitleidet sie, weil sie gleich den Deutschen, von den Juden zu leiden hätten; er bemitleidet sie mit seinem ganzen gemanischen Mitleid und seiner germanischen Liebe. Ob er das auch im Jahre 1914,16, 16,17 getan hat? Ob er damals auch rührende Jntervievs mit den ״einfachen Leuten" mitgeteilt hat, die die Deutschen nicht haßen, weil sie alle auf einer Erde leben? Damals überlegte sichs dieser menschenfreundliche Kulturjünger, der wie einer der sieben Weisen Griechenlands das Wesen von Russen und Deutschen aufdeckt .Damals beklagte er sie minder, die Russen. — Heute gilt es doch, sie vor den Juden in Schutz zu nehmen. Da ist diesem Deutschen selbst dies Opfer nicht zu groß: ihnen bemitleidende Worte zu widmen. Ich glaube am bemitleidenwertesten ist wohl der ״Ostdeutsche Rundschau"-A. R. Zur jüdischen Schulfrage. In letzter Zeit tauchen in der deutschen Provinzpresse Meldungen auf, die besagen, daß die tschechoslov. Regierung beabsichtigt, die jüdische Schulfrage in der Weise zu lösen, daß sie nationaljüdische Schulen mit tschechischer Unterrichtssprache errichten will, zu deren Besuch alle jüdischen Kinder gezwungen werden sollen. Die angeblich sichere Quelle dieser Meldung will sogar wissen, was gelegentlich des Empfanges der Abordnung des Prager Jüdischen Nationalrates beim Unterrichts- Minister Habermann bezüglich dieser Schulreform vereinbart worden sei. Der Zweck der Meldung ist inehr als durchsichtig. Er will bei den deutschsprechenden Juden den Anschein erwecken, daß die jüdischnationale Schulpolitik den der Prager Regierung angedichteten Tschechisierungsplänen deutscher Gebiete Vorspann leisten will, um diesen Juden den Besuch der jüdischen Schule unmöglich zu machen. Die Urheber dieser Meldüngen bezwecken also damit nichts anderes als daß der bisherige Zustand, daß. nämlich die jüdischen Kinder für gUliT '■־־'.BmBBBHBBBB» >' ..!.■י!.. JJL.1■ .»>W Rabbi Schmule legt wiederum die Lupe beiseite und ist schon im Begriffe, die Deckel der goldenen Uhr zu schließen, wird aber von einer unsichtbaren Hand davon zurückgehalten. Er schaut das Werk nochmals sinnend an 1trb schreit vlötzlich auf: «Wahrhaftia, das .'st keine jüdische Kehilloh! — Ist doch die Fcd rkiste ver Bewegungsapparat, die Triebkraft drS ganzen Werkes; sie ist hier die Spenderin alles Lebens. Und dieses Rad gerade, welches die gespannte Feder in sich birgt, scheint gar stille zu stehen. Alle anderen Räder läßt es sich rascher bewegen als es selbst. Dem Zylinder bezw. dem Anker gewährt es seine Wichtigtuerei, so daß der Unkundige glauben konnte, dieser sei der Lenker und Leiter, der Vorsteher und Kraftspen» der der ganzen Bewegung, während er in Wirklichkeit den raschen Fortschritt der Organisation nur hemmt. Unser «Vorsteher", das Triebrad, wirkt nur im Stillen, bewegt sich ganz sanft und sachte, wirkt viel und hat nichts an die große Glocke,zu hängen. Gr ist tolerant, läßt die ״Marktschreier" Ehre und Ruhm ernten; sie glänzen, während er selbst sich ganz von der Oeffentlichkeit zurückzieht, sich verbirgt und so im Stillen ganz un» sichtbar für da- Wohl und Heil der Oeffentlichkeit, der Allgemeinheit, wirkt. Soll nun dieser einen jüdischen Parnes darstellen? Wo in aller Welt gibt es eine nach dem Musterbilde diese» Kunstwerke» organisierte Mi. sche Kehilloh? -״ die deutsche Schulpolitik mißbraucht werden, erhalten bleibt. Dem gegenüber konstatieren wir, daß die behaupteten Vereinbarungen beim Unterrichtsminister Habermann nicht getroffen wurden und daß keine Rede davon war, daS jüdische Schulwerk in diesem den Absichi ten des Jüdischen Nationalrates direkt zuwiderlaufenden Richtung zu verwirklichen. Vielmehr wurde dem Unterrichtsminister Habermann ein die Forderungen des Nationalrates in dieser Hinsicht betreffendes MemoranduM überreicht, aus dessen Inhalt wir Nächstehendes bekanntgeben: »Es ist besonders wichtig, daß es jedem Angehörigen des jüdischen Glaubens freistehen muß, ob er seine Kinder in die nationaljüdische oder in die tschechische, slovenische oder deutsche Schule schicken will. Nationaljüdische Schulen sollen überall dort errichtet werden, wo sich eine hinreichende Anzahl schulpflichtiger Kinder fi: v diese Schulen meldet. Die Unterrichtssprache dieser Schulen, die nach dem Schweizer System eingerichtet sein werden, wird jene sein, für die sich der Elternrat entscheidet." Der Hauptzweck der jüdischen Schule soll sein, das jüdische Kind für das praktische Leben so zu erziehen, daß es dem Judentum nicht entfernt wird, vielmehr durch eine besondere Kenntnis seiner historischen Stellung, seiner Spräche und seiner Leistungen auf kultu» rellem Gebiet Liebe und Anhänglichkeit für seine Eigenart gewinnt, und daß dadurch auch sein Verständnis für die fremde Eigenart auf diesem Boden geweckt wird, sodaß cs das Verhältnis der Juden zu ihren Mitbürgern von Jugend auf zu einem würdigeren und besseren gestaltet, was schon dadurch erleichtert wird, daß das jüdische Kind nicht mehr nationales Kampfobjckt sein kann. Selbstverständlich kann das auch nur durch den entsprechend vorgebildeten jüdischen Lehrer geschehen. . Wie aus diesen Feststellungen klar hervorgeht, hat niemand die Absicht, die jüdische Schule in dem Sinne zu mißbrauchen, den ihr die Verbreiter der tendenziösen Lügennachrichten zusprechen möchten. Es wäre traurig, um die deutsche Schule bestellt, wenn sie nur durch den Besuch jüdischer Kinder existieren könnte. Deshalb kann die Errichtung einer jüdischen Schule nie eine Bekämpfung des deutschen Schulwerkes bedeuten, sondern nur eine Erfüllung eines wesentlichen und brennenden Wunsches der nationaljüdischen Bürger dieses Staates. Noch trauriger wäre es daher, wenn jüdische Eltern sich durch diese falsche Nachricht abhalten ließen, das einzig Richtige in diesem Falle zu tun, das ist, ihre Kinder in die jüdische Schule zu schicken. Lemberg die Stadt der Juden- Pogrome und des Rassenhasses. Das Jüdische Preßbüro in Stockholm berichtet: Im ״Svenska Dagbladet" schildert ein speziell nach Lemberg entsendeter Mitarbeiter in einer Reihe von Briefen das Leben in dieser Stadt. In einem ״Lemberg, die Stadt der Pogrome und des Rassenhasses" über- Aber das sollte noch nicht die letzte Meinung unseres Philosophen sein. Nabbin Schmule legt die Uhr beiseite und glaubtsein Werk schon vollendet zu haben. Plötzlich aber bemerkt er, daß sie — stille steht. ״Tot also, wiederum tot ist mein ״Nürnberger"!, ruft er entsetzt aus. ״Habe ich umsonst den ganzen Tag bis spät in die Nacht hinein im Schweiße meines Angefichtes mich gequält, um diese schöne Uhr der ״Auferstehung" teilhaftig werden zu lassen?" Rasch öffnet er das Werk, nimmt es unter die Lupe und siehe — ein Härchen seines Schnurrbartes, welches sich zwischen das Getriebe eines Rades und seines Nachbars hineingepretzt, hat die Uhr zum Stillstehen gebracht. — ״Hum", lachte nun Rabbi Schmule vor sich hin, «das ist wahrhaftig eine typische, echt jüdische Kehilloh! Ein Haar, eine Kleinigkeit bewirkt, daß die ganze Bewegung ins Stocken gerät!- Schmule möchte noch weiter sinnen, aber er wird von seiner Chaje Beile aufgefordert, sich zur Ruhe zu begeben. Der alte Meister steht auf und gestützt auf den Arm seiner Gattin schleicht er in das Nebenzimmer, während er spricht: »Ja, Bettileben", so nennt unser «Philosoph" seine Lebensgefährtin bei ihrem Kosenamen, «ein Haar meine» Schnurrbarte» hat mir sonnenklar gezeigt, daß da» Werk einer Uhr da» treue Abbild einer Mischen Kehilloh ist- -!" r fchriebenen Briefes gibt er Bilder aus dem jüdischen Viertel. Wir lesen in diesem im Februar abgefrchten und am 23. März veröffentlichten Briefe: »Niemand wird bestreiten können, daß daS, waS sich in diesen roten 48 Stunden (22.und 23. November 1918) zugetragen hat, kaum von irgend eiwas anderem an Unmenschlichkeit übertroffen wird. Und wenn man das Ghettoviertel besucht, so reden die nackten vom Brandrauch geschwärzten Mauern ihre deutliche Sprache. Da wimmelt es wie gewöhnlich von Menschen. Die alten Juden sitzen vor ihren niedergebrannten Häusern und verkaufen Gerümpel, das sie unter den Ruinen aufgelesen haben; in einigen Läden finden sich noch vielleicht Waren vor, aber das sind oft Waren, die man bei einem Nachbar geliehen hat, dem es durch Bestechung gelungen ist, wenigstens etwas von seinem Lager zu retten. Bleiche Frauen gehen zwischen den Ruinen hin und her und bieten Kleinigkeiten, wie Backwerk und dergl. zum Verkauf an. Ueberall wimmelt es von Soldaten. Unter ihnen bemerkt man Knaben von höchstens 14 Jahren mit Gewehren. Einer von ihnen geht gegen einen alten Juden vor — dieser muß seine Legitimation vorweisen... Man sieht uns an. Man ist neugierig und will sich mit uns unterhalten und wir gehen von Haus zu Haus. Wir gehen zu einem Pelzhändler hinein. Er ringt die Hände, als wir seine leere Werkstätte besehen, wo die leeren Stühle der Arbeiter und Arbeiterinnen noch deren Anzahl markieren. Der Jude geht von Ort zu Ort und öffnet die Schränke, weist auf die Haken unter der Decke, wo früher teuere Felle hingen: Alles ist fort. Da oben hängen nur einige Lumpen und in einer Ecke liegen einige Felle, die wertlos sind und deshalb nicht mitgenommen wurden. . . Er ringt die Hände, weist auf daS leere Lokal: — Ich hatte ein Lager für Millionen. Nun habe ich nichts. Ich habe Schulden, Schulden, mein Herr, denn man nahm auch das, was andere bei mir deponiert hatten . . . Schulden . . . Er starrt vor sich hin. — Was soll ich nun anfangen? Wir kommen auf die Straße hinaus. Ein Huthändler zeigt drei Hüte, die Ueberreste seines Lagers. Einer der jugendlichen Soldaten nähert sich einer Jüdin, die sich zu uns gesellt hat. Wir sehen ihn neugierig an. Er steht, dreht sich um und geht fort. — Einer unserer Verteidiger! sagt sie höhnisch. ,Einige Stunden später fitze ich unter Juden in einem alten Hause, wo sich das jüdische Komitee befindet, das die Folgen der fürchterlichen 48 Stunden untersucht, welche Hunderte von Familien ihres Vermögens, ihrer Habe und ihres Heims beraubt haben. Sie sitzen über die langen Listen gebeugt — in einem Zimmer nebenan hhrt man, wie sie Fragen an die Juden stellen, die draußen aus dem Ghetto kommen. Draußen im Vorzimmer warten einige, die darum bitten, sofort Einlaß zu erhalten. Ein Mann spricht mit unterdrückten Tränen . . . — Es sind neue Soldaten angekommen, wahrscheinlich aus Warschau, sagt er. Sie drangen heute nachts bei uns ein, nahmen alles Geld, das wir hatten und verschwanden. Wir glaubten nun, daß wir Ruhe haben würden. Aber gleich daraus kamen andere, die unsere Lebensmittel und eine Menge anderer Gegenstände Mitnahmen . .‘. Es wird fortwährend da draußen im Ghetto geplündert. Wenn die Dunkelheit sich über die Stadt breitet, die nur sparsam beleuchtet ist, wird es pechschwarz im Ghetto. Denn da brennnt kein Licht. Aber wenn der Tag voller Schrecken aller Art war, — Bombardierung, Fliegerangriffe, Gewalttaten von Seite der jugendlichsten der polnischen Soldaten —, so ist das nichts gegen die Nacht. Denn in jedem Haus sitzen die Juden zusammengekauert, der Dinge wartend, die da kommen sollen. Graut der Morgen, ohne daß eine sogenannte Visitation stattgefunden hat, seufzt man erleuchtert auf, um am nächsten Abend von demselben Grauen vor der bevorstehenden Nacht erfaßt zu werden . . . *1 «Die Judenpogrome in Lemberg" von Josef Bendov. K 15.60. M. Hickls Verlag, Brünn. Jehuda Halevi. Sehnsucht. In Osten weilt mein Herz, ich selbst Sa Westen» Rand Wie soll mich freu'n, woran ich sonst Wohl Lust emp» fand? Wie mein Gelübde lösen, wenn in EdomS Hast Zion — ich selbst in de» ArabarerS Joch gebannt? Wie gilt» Hispanien» Gut mir Nicht», wie mir so hoch. Den Staub zu schauen der Stätte, wo der Tempel standl .Lickls Jüdischer B-Nskalevder" «