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Jüdische Volksstimme · 1919-05-02 · Heft 9 (2.5.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 9 (2.5.1919)
Date
1919-05-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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bt. 9. v»lk»ßk««e- 6tttt 3 60t sich Reichtum ohne Arbeit sieht, wird es doch eigentümNch zu mute. . .Ohne Arbeit?" versetzte der jüdische Lehrer. Das ist kaum möglich. Es fragt sich nur, was Sie unter Arbeit verstehen. WennSie dabei das Tragen oder Ziehen schwerer Lasten meinen, dann hat wohl der Esel den Vorzug vor allen Menschen." .Ich verstehe unter Arbeit", erläuterte der Lehrer, .die körperliche Anstrengung, kurz jene Tätigkeit, wo der Mensch im Schweihe seines Angesichtes das Brot verdient. DaS haben aber nur wenige Juden auszuweisen." Darauf erwiderte der jüdische Lehrer: .Ist das Handwerk, dem nahezu ein vierter Teil der Juden obliegt, keine Arbeit? Das Wirken im Handel ist keine Arbeit? Nicht nur mit dem Schweiße, sondern auch mit dem Blute förmlich erkauft man da den Erfolg! Haben aber Nichtjuden nicht mehr Reichtum ohne Arbeit angehäuft? — Doch wenn Sie von anderen.Menschen die Arbeit in der Weise fordern, warum leisten Sie und andere Lehrer und Gelehrte nicht ebenso?" »Weil wir einen anderen Beruf haben", entgegnete der Lehrer. «Wir gehören der Jntelligenzklaffe an. Unsere Leistung besteht eben in der Arbeit des GeisteS." »Und das Gleiche ist auch bei den meisten Juden. ES ist ein Volk, das insgesamt zur Jntelligenzklaffe gehört. Das beweist nicht nur die stattliche Anzahl der Geistesgrößen, die in der Welt aus dem jüdischen Volre hervorgegangen sind, sondern auch die hohe Kulturstufe, auf der das jüdische Volk sich befindet. Ziehen Sie den ärmsten, unansehnlichsten Juden ins Gespräch; er wird ihnen wissenschaftlich mehr antworten, als manch anderer Gelehrte. Denn dieser übt sich in der Gelehrsamkeit von Berufswegen, also gezwungen, während der Jude aus Wissensdrang stets dem Studium obliegt. «DaS hindert aber doch nicht den Antisemitismus", bemerkte der Lehrer sichtlich mit Schadenfreude. «Im Gegenteil. Et wächst und verbreitet sich von Tag zu Tag." »Aber nicht deshalb, weil er Berechtigung hat", bemit Juden in Verbindung treten! Ist dies aber trotz, dem noch der Fall, so geschieht es deshalb, weil der Jude zuvorkommender ist, indem er mäßigere Prtzise bercchnet, beffere Waren verabfolgt und solche gar mitunter auch auf Borg anvertraut. Wo der Nichtjude mit dem jüdischen Handwerker in Verbindung steht, ist fast das Gleiche der Fall. Und nicht anders ist eS auch beim Geldverleiher! Wir sehen also den eigenen Vorteil als treibendes Element, das die antisemitische Schranken überschreitet. Oder geschieht es in der Politik etwa aus Liebe zu den Juden, wenn sich mit ihnen andere Parteien verbinden? Eigennutz ist es hier ebenso, wie bei jenen, die gegen Juden Hetzen. Und dann! Wer übt jüdischen Einfluß? Der Handwerker? Der Vermittler oder der arme Greisler? Keiner von ihnen — nur der JHeidjc oder der Gelehrte! Diese erreicht aber der Antiscmitismus nicht. Der Reiche und der Gelehrte, sic sind international. Solche Leute genießen überall Ansehen; dieser Gelegenheit ihr menschenfreundliches Herz in allgemeinen und ihr judenfreundliches im besonderen. Sie spart nicht mit vielsagendem Winken und wohl« gemeinten Ratschlägen. Großartige Wahrheiten werden entdeckt und neukonstruierte Weisheitsapparate von Voraussetzungen und Folgerungen ins Werk gesetzt. Vor allem werden zu Argumenten dienende Namen aufgetrumpft und als großkalibrige Geschütze ins Treffen geführt. Für die deutschtümelnden Antisemiten ist es ein wahres Freffen, auf das sie sich wie hungrige Geier stürzen. Doch es gibt keine «ungemischte Freude". Wie sehr sie sich auch freuen, daß die tonangebendsten Führer des Kommunismus Juden find, so übertäubt diese Freude die Furcht, daß ihnen dieser Bolschewismus recht bald zu Leibe rücken werde. Uns nationalen Juden geigt der Umstand, daß alle diesen neuen Menschheitsbeglücker fast durchwegs Juden sind, in nur noch grelleren Farben die Welttra- Es ist nur zu natürlich, daß ein so langer, heftiger, immerwährend sich gleichbleibender, später mit Entsagungslüge und Jdeeverfälschung übertünchter Druck, tonte der Pfarrer. ״Wo es sich um die Ueberlegenheit, däten zu welchem Zwecke er eigentlich kämpft; er wird Tür und Tor stehen Ihnen zu jeder Zeit überall offen öi* ^seres Volksschicksals. Aus vielerlei Gesichtspunk und sie werden von allen Gesellschaftsklassen, manchmal Een offenbart sich uns das Unnormale unserer Lage auch widerwillig, geachtet und geehrt. Auch die antiseunö baS Traurige der tausendjährigen Galuthdaseins mitischen Hetzer werben um ihre Gunst. Denn der ..^ ־׳* r ־־־״'־״ Reiche besitzt ihre Schuldpapiere, bei ihm sind viele Arbeiter und Angestellte beschäftigt, und er fördert in der Regel nichtjüdische Institutionen. Möt seinen po-! einmal sich emporgerungen, einen umso heftigeren, ralitischen Gegnern trifft er bald im Kasino, bald im,?alen Konträrdruck hervorbrichgen mußte. Es kam, Theater, im Klub oder auch im Verwaltungsrat zu-!^^ kommen mußte: aus der Unterdrückung eines sammen. Sowohl geschäftlich wie auch gesellschaftlich! Volkes, dessen einzelne Glieder sich mit den Unterdrücksteht er mit den Antisemiten in steter Fühlung. Und *en einer Klasse verbanden, um, wie sie vermeinen, wie viele solcher Antisemiten gibt es, die ihr Volk so-! cinc gerechtere Weltordnung aufzurichten. Stimmen lange «retten", bis sie selbst endlich eine Dienststelle bei toic Jüdisch-Nationalen mit diesen abgesprengten Teieinem reichen Juden annehmen! Da sehen Sie also den Icn unseres Volkes nicht überein und lehnen kategorisch Widerspruch. Während solche falsche Propheten andedie Verantwortung für ihr Tun und Treiben ab, so ren den Antisemitismus predigen, suchen sie dabei ihren' können wir doch nicht umhin, journalistisch-geschwätzig eigenen Vorteil. So wird das Volk irregeführt und: und mit ״Neuem Wiener Tagblatt"-Achselzucken. diese hintergangen." «Aber die Regenten kämpfen doch auch nicht per» sönlich gegen einander, bemerkte der Lehrer verlegen. Sie schicken ihre Heeresmassen ins Treffen." «Das ist aber auch in der Politik", versetzte der jüdische Lehrer. «Und fragt man einmal solchen Sol nicht unwichtige Tatsache nicht hinzunehmen. Wir bedanken uns aber auf alle Fälle für die Jeremiaden der «Juden"presse und geben ihnen den Rat sich das tieferschütternde Mitgefühl zu sparen. Die nngarische Revolution und die Juden. handelt, sei es auf dem geistigen oder wirtschaftlichen, eg ebensowenig beantworten, wie der Parteigänger des Gebiete, da entpuppt er sich als Ergebnis des gemeinen' Antisemitismus, wenn man ihn nach der Ursache sei- Konkurrenzneides. Er ist gleichsam das Mißbehagen des ^r politischen Gesinnung fragt. Ein Schulbeispiel für Schuldners gegen seinen Gläubiger, des Schwachen ge-, bie Irreführung des Volkes zu egoistischen Zwecken segen den Mächtigen oder auch des Verstockten gegen den^h^ Sie in der Hochburg der antisemitischen Hetze, in Klugen. Denn, sehen Sie, meine Herren! Selbst in den Men. Jeder hat dort seinen Teil. Einer ist Bürgerfreisinnigsten Kreisen, in der liberalsten Gesellschaft ist; meiste-, andere sind Stadt- und Gemeinderäte, Schulder jüdische Mitbürger solange geduldet, als er unter |tä{c׳ Nationalräte usw. Diesen schleppen sich noch ihre den anderen steht. Regt sich aber sein Gerst und er.tritt Helfershelfer nach. Und dies Alles auf Kosten des Volkes in den Vordergrund, erwacht gleich bei den Anderen : obcr ^aBcn ^on biefc reichen Exzellenzen, Großgrund-, der Antisemitismus. Und der Jude wird von seinen > j^er, Industrielle auf ihre Bezüge zu Gunsten ihrer und aber Tausende von Juden als erste in den eigenen Freunden bald mit scheelen Augen angesehen." - Konnationalen verzichtet? WaS hat aber das irrege-' Abgrund hinuntergeriffen werden, daß daS überall den »DaS ist zwar sehr richtig!" pflichtete der jüdische > ^hxte und verhetzte Volk? — Hunger, Mangel und Mittelstand bildende jüdische Element das erste Opfer Lehrer bei. «Es zeigt aber auch von einer mittelalterlij Not! Ob dies auch seine wohlgenährten Führer hachen Gesinnung und von einem ungerechten Vorurteil Bcn . . .?! Da sehen Sie wieder: die Masse zieht und gegen die Juden. Wo sich der Mensch persönlicher Fähigkeit erfreut, die ihn zu einer Ausnahme stempelt. die Wenigen haben dabei, ihren Vorteil." Der Umstand, daß unter den Urhebern der rcvolutionären Bewegungen zahlreiche Juden zu finden sind, verleitet gar manche dazu, die Revolution überhaupt als etwas Jüdisches, dem jüdischen Wesen und Lebensintereffe Gemäßes zu betrachten. Man übersieht dabei leicht, daß neben den auf den hochgehenden Wogen des Aufruhrs emporgehobenen einzelnen Führern Taujedes Umsturzes wird. Wenn es je ein augenfälliges Beispiel dafür gab, so bildet es' die ungarische Umwäl» zung. Es ist unleugbar: die Führer des ungarischen soll er da seine Geistesregung unterdrücken, weil sein schwindende Minderheit", bemerkte der Lehrer. «Die Juden sind aber doch in der Welt eine ver- Bolschewismus sind zum überwiegenden Teil Juden. Name in den Standesbüchern mosaischer Konfession eingetragen ist? Soll der Baum kein Laub treiben, keine Früchte zeitigen, weil in seinem Schatten daS GraS verkümmert? Wo die Fähigkeit aus nichtigen Gründen mutwillig verleugnet wird, mutz an ihrer Stelle naturgemäß die Unfähigkeit zur Geltung kammen. Und das ist das Unglück für die Welt . . ." «Sollen nun die ehrlichen Menschen ihre antisemitische Ueberzeugung unterdrücken, weil sie den Juden schädlich ist?" reagierte der Lehrer auf die Ausführungen seines jüdischen Berufsgenossen. Darauf erwiderte dieser: »Wenn wir die Sache näher untersuchen, so wurzelt der Antisemitismus keineSwegS in einer Ueberzeugung, sondern lediglich in der Verhetzung. Denn er wird zumeist in der Politik verbreitet. Da gibt eS nämlich Leute von gescheiterten Existenzen und da sie keinen Halt haben, greifen sie auch zu verwerflichen Mitteln. Solches ist auch der AntisemitiSmuS, zumal er sowohl gegen die Religion, wie auch gegen jede Moral verstößt. Gewöhnlich dient er nur Wenigen als Notbehelf entweder zur Erlangung von Vorteilen oder zur Abwendung von Nachteilen. Die ihn predigen, üben selbst ihn fast gar nicht, ob sie gleich darauf bedacht sind, ihre giftige Saat unter den untersten Volksschichten auszustreuen. Bei einer Prüfung der mannigfaltigen Schlagworte, ergibt sich erst ihre Unstichhältigkeit, ihr Widerspruch. Das Ziel des Antisemitismus, sagen seine Prediger, sei die Befreiung des Volkes vom jüdschen Einflüsse. Worin er aber besteht, das sagt Niemand. Ist er etwa im Handel, im Gewerbe, im Geldverleihen? — Heutzutage gibt es unzahlige Konsumorganisationen, nichtjüdische Kaufleute, Handwerker, Geldverleiher, ferner nationale und Wirtschaftliche Genossenschaften, die eS nahezu unmöglich machen, daß ihre Mitglieder, Kunden und Klienten noch .Damit wollen Sie richtig sagen", fiel ihm der jü- Nahuzu ein Dutzend Juden sind in der neuen ungarischen Räteregierung vertreten. Juden sind die ״Volksdische Lehrer ins War», «daß der Antisemitismus für beauftragten" Sigmund Cunfi (ehemals Cohn), Dr. die Welt ein Schandfleck ist. Und ich betone dabei, daß Landler, Dr. Hamburger, Dr. Wargo, Tibor Samueli, er der Menschheit auch ein Armutszeugnis ausstellt. * Dr. Pogan, (dessen Vater auf Schwarz hört und bei der Auf der Erdoberfläche leben 1800 Millionen Menschen^- Pester Neologischen Chewra Kadischa beamtet ist), Wildarunter kaum mehr als 12 Millionen Juden, unter Helm Böhm und viele andere. Auch die von der Gefängallen Völkern verstreut. Wenn die verschwindende An-! nispritsche auf den Regierungssitz erhobenen Kommuzahl 12 bei 1800 auch nur eine Ahnung, ich will nicht nistenführer Bela Kun und Bela Wargo sind Juden. sagen iene Aufmerksamkeit oder gar politische Meinung, erwecken kann, so müssen diese Wenigen entweder als Uebermenschen angesehen werden, die unter allen Umständen eher Bewunderung verdienen, oder aberdenn wenn für den Menschen die Zahl seiner Freunde auch ausschlaggebend ist, so gibt andererseits die Schar seiner Feinde den Maßstab für seine Bedeutung.-״ Zum Schluffe sagte noch der Pfarrer: «Die Juden haben vieles Bewundernswerte an sich, wozu auch ihr Erwerbssinn und Scharfblick gehören. Das Wichtigste jedoch scheint mir ihr Anpassungsvermögen. Sie lassen sich in allerlei Formen wie daS Wasser gießen, und wie dieses, finden sie aus jeder Bedrängnis ihren Ausweg. Der Antisemitismus kann sich ausdehnen oder auch beschränken. Der Jude wird immer das Bindeglied im ausgebreiteten Netz der menschlichen Gesellschaft bleiben. Er ist und bleibt der verkörperte Wille im OrganiSmuS der Menschheit." Juden und der Bolschewismus. ES rauscht im Blätterwalde. Schmock hat ein neues Laumelgebiet für seine SophiSmenweherei: die Juden und der Bolschewismus. — Fürwahr, ein dankbares Thema, da hüben und rüben die Zeitungsspalten gefüllt werden können. Die »Judenpresse" entdeckt bei Sie sind es freilich nicht mehr, wahrscheinlich noch we- Niger als ihre russischen Geistesbrüder Trotzki, Radek und Sinowiew, die immerhin aus einem jüdischen Milieu hervorgegangen sind, und daher dem Judentum viel näher stehen als die bis auf die Knochen magharisierten ungarischen Auchjuden. In dieser Personenliste erschöpft sich aber auch der Anteil der ungarischen Judenheit an der revolutionären Umwälzung vollauf. Größer und furchtbarer als dieser Anteil der Wenigen ist die Mitleidenschaft der Gesamtheit. Die Juden vor allem hatten schon die Geburtswehen der Revolution zu verspüren. Die Massen- Plünderungen der ersten Revolutionsnacht galten vorzugsweise den jüdischen Juweliergeschäften; Millionen- Verluste waren zu verzeichnen. Die starke Hand der Revolutionsregierung hat freilich diesen Ausschreitungen bald ein Ziel gesetzt. Ordnung und Sicherheit lassen augenblicklich nicht zu wünschen übrig. Dies war indessen nur ein leises Vorspiel. Nunmehr kommt die Hauptsache: Sozialisierung der Häuser, Fadiken, Geschäfte und Banken. Der nächste Programmpunkt der RevolutionSmanner gilt der «Prolrtarifierung" de» Bürgertums, der Zwangsarbeit und möglicherweise auch der Zwangsaushebung und Einstellung in die »Roten Garden". Die SozialifierungSmahnahmen treffen unmittelbar den Lebensnerv der gesamten jüdischen Wirt-

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