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Jüdische Volksstimme · 1919-04-14 · Heft 8 (14.4.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 8 (14.4.1919)
Date
1919-04-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Weite «. '1ft. 8. Aorresponckeazea. Wie«. (Maskir-Andachten am Pafiah-Feste.) Zur Vermeidung des großen Andranges in den Gemeinderempeln zur ״HaSkara" werden vom Borstande der isr. KultuSgemeinde Wien — wie alljährlich — auch am diesjährigen Passahfeste (Dienstag den 22. April) um dreiviertel S Uhr früh im Saale des Hotel ,Post", Wien, 1. Bez., Fleischmarkt 16 und im Saale des Hotel ״Kontinental", Wien, 2. Bez., Taborstraße 4, anläßlich der Maskir-Andachten feierliche Gottesdienste veranstaltet. Der Eintritt ist frei. Karten werden nicht ausgegeben. GSttnz. Am IS. März hielt unsere Gruppe eine Versammlung ab, der auch zahlreiche Gäste beiwohn» ten. Gen. Felix Brunner, Brünn, hielt die Programmrede. Sr führte aus, daß eS zwei Probleme seien, welche die Weltpolitik und das Weltgeschehen der letzten Jahre bestimmen, das soziale und das nationale und besprach den Unterschied zwischen sprachlicher Assimilation, bezw. zwangläufiger Assimilation an Weltkultur und Weltzivilisation einerseits und shstematischer Assimilationsbewegung andererseits. Ein» gehend befaßte sich der Redner mit der Begründung des Sozialismus und beleuchtete die Judenfrage »vom Standpunkte der materialistischen Geschichtsauffassung, ohne zu verkennen, daß abgesehen von den Wirtschaft!!, chen Grundlagen auch die ideellen Qualitäten des jüd. Volkebei Beurteilung und Lösung der Judenfrage in Betracht gezogen werden müssen. Dach Darlegung deS Verhältnisses der Partei zur Internationale und 8* den jüd. Parteien, weiters der lokalen und Weltaufgaben der Poale Zion schtzrß er seine mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Ausführungen. In der Debatte begrüßte Ing. Sternlicht die Bestrebungen der ״Poale Zion". Nach dem Schlußworte des Referenten wurden der Partei zahlreiche Neuanmeldungen abgegeben. Ristelbach. Infolge Uebersiedlung des feit drei Jahrzehnten in unserer Kultusgemeinde wirkenden Kultusvorstehers Herrn Ludwig AbeleS nach Wien mutzte zum tiefen Bedauern aller Kultusangehörigen von seiner Wiederwahl zum Kultusvorsteher Abstand genommen werden. In der ersten Sitzung der neugewählten Kultusgemeindevsrtretung nahm der Vorsitzende, Kultusvorsteher Dr. Franz Schmitz, Anlaß, der unvergänglichen Verdienste des abtretenden KultusvorsteherS um die Gründung, den Bestand, das Aufstreben und Blühen unserer Kultusgemeinde, in ehrenden Worten zu gedenken. Seiner zielbewutzten, opferfreudigen Tätigkeit ist die Errichtung unseres GotteshauseS, des Friedhofes und der sonstigen Wohlfahrtsanstalten zu verdanken. Seiner vieljährigen Wirksamkeit im Bezirksschulräte Mistelbach ist die Errichtung und Subventionierung der Religionsunterrichtsstationen zu verdanken, so daß für die Förderung und sittliche He- Lung der Jugend in mustergültiger und über ländliche Verhältnisse hinausgehend gesorgt werden kann. Zu seiner Lauernden Ehrung und zum Ansporn für die kommenden Generationen wird sein Bild, dessen Ausführung der akademische Maler Wilhelm Blatt in Wien, übertragen wurde, im Sitzungssaale der Kultusgemeinde Mistelbach angebracht werden. Sein Wirken und Walten wird in unserer Kultusgemeinde stets in Erinnerung bleiben. Bisenz. In den Vorstand der israel. Kultusgemeinde in Bisenz wurden gewählt: zum Kultusvorsteher Herr Max Müller, zum Vorsteherstellvertreter Herr Giegmund Dawid, zu Kultusräten die Herren Moritz Redlich und Moritz Klein, in den Ausschuß die Herren Leopold Sommer, Jakob Jellinek, Leopold Herbatschek, Samuel Glaser, Adolf Löwy. Kolin. Bei den Kuttuswahlen wurden Herr Otto Reich, Schuhfabrikant, zum Obmann, Herr Josef Weipner zum Obmannstellvertreter, Herr Albert Meist zum Kassier, Herr Heinrich Singer zum Tempelvorsteher, die Herren Dr. Josef Ornstein. Simon Robitschek, Dr. Robert Kaffka zu Vorstandsmitgliedern gewählt. Jimgburrzlau. Der langjährige beliebte Oberkantor der hiesigen Gemeinde Herr B. Singer ist nach längerer Krankheit gestorben. Das Leichenbegängnis fand Sonntag, den 16. März, unter großer Beteiligung der ganzen Gemeinde und der Stadt statt. VreSlau. (Die Frau in der jüdischen Gemeinde.) Vor kurzem veranstalteten die hiesigen jüd. Frauenvereine eine öffentliche Versammlung, um die Frauen über ihre Stellung in der jüdischen Gemeinde aufzuklären. Zu diesem Zwecke gab Professor Dr. Wohlauer einen Ueberblick über die Verfassung der jüdischen Gemeinde in Breslau, die dem jetzt noch gültigen Gesetze vom Jahre 1847 entspricht. DaS Wahlrecht steht danach jetzt nur männlichen unbescholtenen Personen zu, die fich selbständig «nähren und Steuern zahlen. Selbst, verständlich wird sich hittin eine Aenderung vollziehen. Die Trennung der Kirche vom Staate wird von selbst die Aenderung herbeiführen, die zum Gedeihen der Gemeinde umsomehr erforderlich ist, als die Arbeit der Frauen innerhalb der Gemeinde nicht mehr entbehrt werden kann. Die Forderungen der Frauen formulierte dann Frau Regina Danziger. Sie vollen in gleicher Weise, wie in Reich, Staat und Stadt, mitbestimrnend eintreten. In welcher Weife dies in den verschiedenen Kommissionen geschehen kann, wies die Rednerin im einzelnen nach. An die Vorträge schloß fich eine Ausspräche, an d« sich Redner aller Richtungen beteiligten. Alle sprachen ihre Zustimmung zu den berechtigten Forderungen der Frauen aus. Bon zuständige- Seite wurde die Zusicherung erteilt, daß die nächste Wahl der Repräsentantenversammlurig bereits nach de« demokratischen Grundsätzen der allgemeinen, gleichen, ge- Heimen und diretten Verhältniswahl unter Beteiligung beider Geschlechter stattfinden wird. Berlin. In der Reihe der von der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums veranstalteten Man«! tagSvorlefung hielt kürzlich Professor Dr. Gunkel (Gießen) einen mit großem Beifall aufgenommenen Bor* trag über das Thema: ״Die Sunamiterin". In sein abgetönten Ausführungen würdigte der Redner die Darstellungskunst im Alten Testament, wie sie uns auch in der vorliegenden Erzählung aus dem Zweiten Buch der Könige im hellsten Lichte entgegentritt. Nirgends aufdringliche Betrachtungen, immer nur Handlung, die manchmal ergänzt werden muß, indem man zwischen den Zeilen liest. Der Mann der namenlosen geistig bei weitem überragend. Wie knüpfen sich die Beziehungen zwischen ihr und dem Propheten Elischa, dem Helden der 'Erzählung, an? Darüber ist kein Wort verloren; geschildert wird nur die Gastfreundschaft der Sunamiterin, ihre Hausfrauentugenden sowie ihr vornehmes, zurückhaltendes Wesen, als ihr der GotteSmann zuerst durch seinen Diener, sodann persönlich ein Gastgeschenk anbietet, ferner die gläubige Aufnahme seiner Verheißung, daß in einem Jahre ihre bis dahin kinderlose Ehe mit einem Sohn gesegnet werden würde. Der zweite Teil behandelt das Motiv von der Wiedererweckung des Knaben. Hier wird wieder das Gottvertrauen der Mutter in lebendigen Farben geschildert. Der Mann, der das Lieben erweckt hat, kann eS auch von neuem entfachen. Ihre Reise zu der^l Prophetien, das stürmische Drängen der trostlosen Mutter und der glückliche AuSgang sind ebenso fein psychologisch entwickelt wie der seelisch so tief empfundene,'.in knappstem Stil gehaltene Schluß. Uunlsscüau. Modernes Hebräisch. Obzwar erfreulicherweise heute schon ' mehr als früher hebräisch gelernt wird, so ist doch das modern e Hebräisch, das 'sich in den l e tz t e n Jahrzehnten in Palästina lebendig gebildet hat, sehr wenig bekannt — auch den-Kennern. Wir wollen deswegen von Zeit zu Zeit eine. Liste neuer hebräischer Worte bringen, die Philologen unter unseren Lesern mögen sich dann darum bemühen, *zu erraten, aus welchen Wurzeln diese Worte gebildet wurden. m'unacb lotrecht — m'usan wagrecht — m'8upa schie mirpeseth Veranda — zaba Färber — Salsel eth Kamasach den Vorhang herunterlassen — aziz prachim Blumentopf — zikcba Schäfer — sargel Lineal — malben Gestell — megura Schiebfach. Eine Anregung. Bekanntlich gebraucht man im Deutschen die Fremdwörter im Genus der Sprache, aus der sie genommen sind. Das müßte auch für die dem Hebräischen entnommenen Wörtern gelten. Weil aber diese oft durch das Medium des Jiddischen ins Deutsche gelangt sind, so ist der Gebrauch ihres Genus schwankend. So sagt und schreibt man ״das und der Galuth", statt des richtigen »die Galuth", ebenso ״das" statt ״der Cheder", ״das" statt «die Schiboleth", ״das" statt ״der Beth Hamidrasch" und vieles dergleichen. Es wäre zu wünschen, daß dem einige Ausmerksämkeit zugewendet werde. Die Schriftsteller, die über jüdische Themen schreiben und so jene Wörter oft gebrauchen, müssen da vorangehen. Kongreß der Juden in -er Slowakei. Am 26. und 26. März 1919 fand in Phstian ein Kongreß der Juden der Slowakei statt, in welchem 48 Kultusgemeinden durch 103 Delegierte vertreten und mehrere Delegierte -ejüdischen Nationalrates für di« tlchechoslowakischen Länder in Prag anwesend waren». VS wurde ein Judenrat für die Slowakei gewählt, -er «nt« Ausschluß religiöser Fragen fich mit der Wahrung -er bedrohten politischen, sozialen und Wirtschaft* liehen Interessen der Juden in der Slowakei zu beschäftigen hat. Der Kongreß nahm eine Resolution an. in b« die Beschlüsse des Zehn«ratS in Paris wegen Palästina begrüßt werden. In weiteren Resolutionen wird der Ersatz aller Schäden verlangt, die den Juden der Slowakei zugefügt worden sind, ferner eine ent* sprechende Vertretung bei allen Behörden und SffentU* chen Korporationen, endlich die tatsächliche Gleichberech* tigung in religiöser, sozialer, politischer und Wirtschaft, licher Beziehung. Zum Präsidenten des Judenrate» wurde Herr Theodor Wister in Neustadt a. Waag gewählt. Mit der Errichtung eines Büros in Preßburg wurde der Sekretär des Prag« jüdischen Nationalrate» Waldsteck, betraut. Die Ukrainische Regierung und die jüdische« AuSschreitungSopfer in TarnoKßl. Dem Pressendienst der Delegation des Jüdischen Nationalrates für Ostgalizien wird aus StaniSlau gemeldet: Auf Intervention des Jüdischen Nationalraües für Ostgalizien in Sachen der Exzesse in Tarnopol (am 13. und 14. Februar I. I.) ging dem Präsidium des Jüdischeu Nationalrates folgendes Schreiben vom westukrainischen Staatssekretär des Innern zu: ״Das Staatssckretariat des Innern beehrt sich mit Bezugnahme auf die Eingabe vom 7. März l. I., Z. 365, mitzuteilen, daß es den staatlichen Bezirkskommiffariat in Tarnopol unter Einem beauftragt hat, die der jüdischen Bevölkerung in Tarnopol während de^. Exzesse am 13. und 14. Februar l. I. zugefügten Schemen kommiffionell unter Zuziehung von beeideten Sachverstand digen und Vertretern des Tarnopol« jüdischen Orts* naiionalrateS zu erheben und das Erhebungsresultat anher vorzulegen. Eine event. Entschädigung der betroffenen jüdischen Bevölkerung wird vom Ergebnisse der «wähnten Amtshandlung abhängig gemacht. Dr. M a k u ch, Staatssekretär des Innern." Ein jüdischer Schriftsteller- und Künstlerverein. Anfang Jänner hat sich in Wien eine ״Vereintgung Jüdischer Forscher, Schriftsteller und Künstler, Haruach (Der Geist)" gebildet. Auf national-jüdischem Boden stehend, verfolgt sie einen doppelten Zweck: Ihre Mitglieder in beruflich-wirtschaftlichen Fragen gegen die üblichen Benachteiligungen, die sich im jüdischen Buch- und Pressewesen wie allüberall zeigen, durch geeintes Vorgehen zu schützen und die geistigen Kräfte für die Ziele der jüdischen Bewegung sammeln zu Helfen. Das Erste soll erreicht werden durch die Tätigkeit einer Rechtsschutzabteilung, für die Syndici bestellt sind, das Zweite vorerst durch Schaffung eines Klub- Heimes, das gesellschaftlichem Verkehr und kulturellem Aufgaben dienstbar gemacht werden soll. Die Vereini* gung Haruach gedenkt ihre Werbearbeit zur Bildung ähnlicher Organisationen auf andere Großstädte jüdischen Lebens wie Prag, Krakau, Berlin usw. auszu* dehnen. Zum Präsidenten wurde Privat-Dozent Dr. Harry Torczyner gewählt: in die Leitung teilen sich dieser als Vertreter der Gelehrten, Schriftsteller Jakob Krausz und die Malerin Blanko Lipschütz. Die Adresse der Vereinigung Maruach lautet: Wien, 1. Bez.. Crmcordiaplatz 4, Cafe Industriellen. Ein hebräisches Gymnasium in Mariampsl. In Mariampol (Kreis Suwalki) wurde auf Imtiative der dortigen^jüdischen Gemeinde, der zionistischeu Lokalorganisation und der ״Zeire-Ziön" ein hebräisches Gymnasium mit vorläufig 6 Klassen eröffnet. Sämtliche Unterrichtsgegenstände, auch die allgemeinen Lehrfaches, werden in hebräischer Sprache gelehrt. ES sind folgende Sprachen vorgesehen: Lateinisch, Russisch, Deutsch, Französisch, Litauisch. Das Gymnasium, das unter Leitung von Dr. Max Mayer steht, zählt zurzeit 300 Schüler. In den unteren Stufen sind Parallel-;lassen eingerichtet. ES findet Koedukation statt. Jüdische Emmigration in Japan. In Yokohama und in Kobe haben sich während des Krieges jüdische Gemeinden gebildet. Diese sind zum Teil durch die durch den Krieg hervorgerufenen Handelsmöglichkeiten entstanden, und heben sich zufolge der unruhigen Zustände in Rußland und durch die vor den Bolschewik! besonders aus Sibirien geflüchteten Juden besonders in der letzten Zeit vergrößert. In Kobe, wo sich ein jüdisches Zentrum gebildet hat, besteht schon eine Synagoge. Bon dieser Gemeinde, die

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