Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 7 (4.4.1919)
- Date
- 1919-04-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Lord Methuen teilte der Versammlung mit, daß er von Sir Walter Lang .(dem inzwischen abgetretenen) englischen Minister für ,Kolonien) ein Telegramm erhalten habe, die Frage der Auswanderung der Pkaltheser nach Palästina und Mefopotamien im Auge zu behalten. ״Ich habe dem Mini- ,ster Mitteilen können", so führte er aus, ״daß ich in dieser Richtung schon. Schritte unternommen habe, )durch ein sonderbares Zusammentreffen, sprach mir .Colonel Gabriel, der finanzielle Ratgeber des Gouverneurs von Palästina, kürzlich darüber und ich hatte bereitS. früher mit, Vater Lamf, einem Karmeliter aus Haifa, über dasselbe Thema gesprochen. Vater Lamf meinte, es sei vorteilhaft, eine Kolonie von Malthesern in Palästina zu gründen; die klimatischen Bedingungen sind in Palästina dieselben wie in Malta, die Sprache arabisch und das System des Ackerbaues ist ebenfalls dasselbe wie in Malta. Somit würden die Maltheser es in Haifa gut haben. Er selbst würde in der Lage sein, für sie Boden und Häuser zu erwerben. Wir waren darüber einig, die »Sache vorläufig im klei- . nen Maßstabe zu betreiben und falls sie gelinge, sie später in größerem Maßstabe sortzusetzen. Colonel Gabriel teilte mir mit, daß er den Bau eines Wellenbrechers in Haifa beabsichtige, der über 2 Millionen Pfund kosten soll und Haifa zum besten Hafen dieser Küste machen würde. Ich machte ihn darauf aufmerksam, daß wir in einigenMonaten weitere 7—8000 Arheiter, die aus dem Heere oder, aus den Arbeiterkorpsen freikämen, zur Verfügung haben würden. Somit Würden wir volle 16.000 Arbeitslose haben. Zusammen mit den Familien - find dies 100.000 Menschen. Ich kann nicht genug auf die Notwendigkeit der Emigration von Malta Hinweisen. Die gesamte Bevölkerung Maltas beträgt gegenwärtig 226.000 Seelen. Wenn wir den Aufstieg der Bevölkerung mitrechnen, so werden wir in 10 Jahren eine Massensiedlung hier haben, die uns vor großen Gefahren stellt. Ich hoffe, daß es dem matthesischen Volk klar gemacht werden wird, damit der Plan, den ich vorlege, verwirklicht werden kann. Ich meine nicht nur Ansiedlungen in Haifa, sondern auch in anderen Städten Palästinas, wie Jerusalem, wo genug Boden zu finden ist." Dazu schreibt der «Manchester Guardian" einen heftigen Artikel unter dem Titel: ״Ist Palästina für die Juden Wr nidjt?", worin er diesem absurden Plan entgcgentritt und vom neuen Minister für Kolonien, Lord Millner, der sich als warmer Zionist bekannt gegeben hat, Zurückziehung dieses Projektes verlangt. ״Palestino" schreibt dazu: ״Glücklicherweise gibt es noch eine Friedenskonferenz, die über das Los Palästinas zu beschließen hat. Kolonialamt und Lord Methuen verfügen über Palästina, als ob es eine britische Kronkolonie wäre, ein leeres Land, ohne Vergangenheit, ohne rechtmäßige Ansprucherheber, wohin das Koloniale Amt alle möglichen Elemente aus allen Windrichtungen hinschicken kann." Französischer Antizionismus. Im französischen Blatte »La Lanterne" schreibt Herr De Monzie, gewesener Unterstaatssekretär der Marine unter dem Titel: «Les Nations de l'antichambre" über die Zulassung zur Friedenskonferenz der Völker des nahen Orients, Aegypter, Syrier, Libaneser, Armenier und . . . Juden. Es ist charakteristisch, daß gerade De Monzie diese Frage stellt und für die Juden eintritt, nachdem er noch kürzlich, als Präsident des Comite Franco -Syrien, ein Manifest erlassen hat, worin verlangt wird, daß es ״fremden Gesellschaften" und ״Eingetpanderten" (natürlich Juden) verboten werde, Boden in Palästina zu kaufen. De Monzie schreibt u. a.: ״Der Zionismus muß auch vom Gesichts- Punkt der internationalen Sicherheit Letrachket werden. Die amerikanische und englische Regierung, sind vielleicht auch die französische, sind der Meinung, daß für die Juden, die überall und ständig zur Last geworden sind. Palästina als Zufluchtsort dienen mutz. Die Jüden bleiben überall ein revolutionäres Element und sind in manchen Ländern eine Gefahr, indem sie die normale Entwicklung dieser Länder fortwährend hemmen. Wir kommen deshalb zum Beschlüsse, daß es besser ist, ihnen in ihrer Nationalen Emanzipation zu Helfen. Ich verdenke Präsident Wilson und Lord Reading nicht davon, solche Hintergedanken zu hegen, aber es ist nicht unmöglich, daß Bälfour meine Bedenken auch teilt." Auch Gustav Herve, der für den Zionismus eiast in warmen Worten eingetreten ist, kämpft heute für ein ״Shrie integrale" und schreibt in seiner ״Victojre", daß es ganz richtig ist, daß man die Juden nicht zur Friedenskonferenz cingeladen habe, da die Juden sich doch assimilieren und in den verschiedenen Nationen aufgehen, und übrigens die Juden doch keine Nation bilden! In der Nummer vom 15. Jänner der ״Societe des Annales LitteraireS" finden wir einer Senators Herriot über die syrische Frage.' Herriot tritt für ein ״Syrie integrale" ein und spricht seine -Vec- -nn-dcrung darüber aus, daß Mächte tyw Amerika und England, den Zionismus, der doch bekanntlich ein deutscheS Instrument, und ein deutsches Propagandamittel ist. fördern. Die einzigen Freunde des Zionismus in Frankreich sind die radikalen Sozialisten (Longuet), die das imperialistische Streben Frankreichs im nahen Orient bekämpfen, die ״Ligue des droits de l'hammo" und das Komitee «Les amis du Sionismc", das. unter Leitung des Prof. M. Vernes steht. ' . In diesem Milieu, das der»! Zionismus feindlich׳ gegenübersteht, und wo kein Verständnis für das in*5• scho Problem und seine Lösung zu finden ist. wird bie politischeArbeit von Nah um Sokolow in wertvoller Weise geleitet. Das jüdische Volk ist ihm für.seine׳! Arbeit zu großem Dank verpflichtet. Rumänien und die Juden. Aus Stockholm meldet die ״Wiener Morgenzeitung": In einer Besprechung, welche Baron Edmund Rothschild mit dem rumänischen Ministerpräsidenten Bratianu hatte und in welcher auch über die endliche Emanzipation der rumänischen Juden gesprochen wurde, verflieg sich Bratianu zu der Behauptung, daß unter den in der rumänischen Armee dienenden Juden ״viele Verräter" gewesen seien. Auf die Frage, warum man diese Verräter nicht erschossen habe, erwiderte Bratianu, daß man in׳ diesem Falle halb Rumänien hätte erschießen müssen. Seine weiteren Äußerungen über die Gleichberechtigung der Juden in Rumänien waren allgemeine Phrasen, die dem Kern der Sache auswichen und eine kategorische Erklärung über diese Frage sorgfaltig vermieden, so daß Baron Rothschild den Eindruck gewann, daß die Judenfrage in Rumänien nur unter dem Zwange der Friedenskonferenz zu eintzr giinstigen Lösung gelangen kann." Diese Meldung zeigt noch einmal, was keiner bezweifelt hat, der die Judenpolitik Rumäniens kennt, daß alle rumänischen Beteuerungen von der jüdischen Gleichberechtigung in diesem Lande nur leere, von der Witterung der Zeit diktierte, he.'Älerrlche Phrasen waren und sind. Wenn die Entente sich nicht bemühen wird, dieser perfiden Nncerdrückungslust Halt zu gebieten, so werden wir es erleben, daß der jüdischen Tragödie in Rumänien ein neuer Akt hinzugefügt wird, denn Rumänien ist durch seine Okkupation Herr von großen jüdischen Massensiedlungen geworden, von Siedlungen, in denen ein intensives jüdisches Leben pulsiert. dessen weitere Entfaltung den von der künftigen politischen Gestaltung abhängt. * * * Die Lage der Julsen in Ostgalizirn. Der ״Morgenpost" erzählt ein Leser, der aus Zloczow kommt, folgendes: Donnerstag, den 7. März, abends, sollten ukrainische, dort stationierte Soldaten an die polnisch-ukrainische Front abgehen. Die marschmäßig adjustierten Soldaten begannen zu meutern und verweigerten den Offizieren den Gehorsam. So die Offiziere den Soldaten mit Bestrafung drohten, warf sich die Soldateska auf die jüdischen Geschäfte und raubte sie aus. Die Plünderung dauerte die ganze Nacht hindurch an. 70 jüdische Geschäfte wurden bis auf das letzte Stückchen ausgeräumt. Die ukrainischen Behörden ergriffen sogleich die schärfsten Mittel zur Unterdrückung der Ausschreitungen und setzten eine Kommission zur Aufnahme ,-er Schäden ein und versprachen deren Wiedergutmachung. Der Dahnverkehr istin ganz Ostgalizien für den Zivilverkehr fast ganz, eingestellt. Bon einer Stadt gelangt man in die andere-nur per Fuhre.-In StäniSlau ließ der ukrainische Pationalrat den jüdischen wissen, daß sie für den Schaden in Tarnopol und änderen Städten, tbü Schäden vorgckommen sind, cmfkomme. Der Natiottalrat läßt auch bie , jüdischen Zeitungen bitten, die Vorkommnisse nicht zu verschweigen, aber auch nicht zu übertreiben. ,'' Der jüdische Natiomlrat beim Präsidenten Masaryk in Prag. - Der jüdische Nationalrat in Präg hatte'eine Audienz beim,.׳ Präsidenten der tschechös!ovakischen Republik T. G. Masaryk. Der Präsident erklärte, er stehe in bezug auf die Frage der Demokratisierung der Prager Kultusgemeinde, des Vertretungsrechtes der jüdischen Nation ln der Nationalversammlung.auf demsel» ben Standpunkt wie die Zionisten. Die' Audienz dauerte fast eine Stunde. Der Nationalrat machte konkrete Vorschlüge, und beschwerte sich über die Situation in der Slovakei, den Boykott gegen alleS Jüdische, die Presse- Hetze, die unmenschliche Behandlung der Flüchtlinge, Ilebergriffe gegen jüdische Staatsangehörige, Panikstimmung unter den Juden -in Prag, Befürchtungen wegen des nahen PassahfesteS. Der Präsident versprach dies alles zu prüfen und - gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß in der Politik, des jüdischen Nationalrates die beste Gewähr für die Zukunft liege. ״Jesod Hathora" Schulverein der ״Adas Jisroel". Am ״Purim Koton" fand im Turnsaale der Talmud-Thoraschule das Schülerfest der ״Jesod Hathora" .statt. Dank der hervorragenden Mitwirkung.eines zu diesem Zweck gebildeten Festkomitees/ der Beteiligung illustrer Gäste und der Anwesenheit der Eltern der Schüler und Schülerinnen, nahm dasselbe einen frierlichen und würdigen Verlauf. Im Namen des Vorstandes begrüßte das Vorstandsmitglied Herr Dr. Reininger * mit herzlichen Worten die erschienenen Gäste u. a.: Die Herren Rabbiner Fürst, Flesch, ׳Schenk, Pollak, Herrn Ortsschulrat Prof. Antscherl, die ׳Herren Oberlehrer Kohn und Richter, Vertreter der Vereine ״Talmüd-Thora", ״Marpe Lanefesch", ״Montefiere", ״Jefchurum", ״Tifereth--Bachurim", «Tomcch Ewjaumin", ״Krankenbesuch", ״Machsike Laumde Thotn" usw. Seine Ehrwürden Herr Rabbiner' Fürst hielt'eine begeisternde Ansprache an die anwesenden Schüler und Schülerinnen der «Jesod Hathora", eiferte sie zum fleißigen Lernen der Thora an, dankte den Lehrern der Anstalt für ihr hingebungsvolles Wirken, welches die Anstalt zu der von ihm erstrebten Blüte brachte. Besonderen Dank zollte er der Tätigkeit des Vereinsobmanncs Herrn Wilhelm Kritzler, der gemeinsam mit dem Gesamtvorstand unter den schwierigsten Verhältnissen nicht ermüdet für den Fortbestand der Schule Großes und Dauerndes zu schaffen. Hierauf trugen Schüler der 3. und 4. Klasse (ganztägiger Kurs) Markus Harlig, Bäcker und Schächter mit bewunderungswerter Fertigkeit Halacha und Agadah vor. Jacques Mohr, Schüler der 4. Klaffe und Edith Leitner, Elise Kritzler,' Schülerinnen der Fortbildungsklasse, brachten herrliche Gedichte zum Bortrag. Nunmehr wurde ungefähr 350 Kindern eine Festjause verabfolgt. Auf alle Anwesenden wirkte der Anblick der an weiß gedeckten Tischen Plazierten Kindern, erhebend. Die Freude der Kinder läßt sich nicht beschreiben, ebenso we;nig die Freude und der Eifer mit welchem die Damen des Festkomitees die Kinder bewirteten. Nach der Festjause hielt der älteste Lehrer der Anstalt Herr Oesterreicher einen Vortrag über Jugenderziehung, welcher allgemeinen Beifall fand. Hernach hieß Herr Oberlehrer Kohn die Gäste im Namen der Talmud-Thoraschule, in deren Räumen das Fest veranstaltet wurde, herzlich willkommen und dankte für die Einladung vieler seiner Schüler zu dem Feste. Nunmehr sprach der Leiter der Unterrichtsanstalten des Jessod Hathora Schulvereines der Adas Jisroel Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Neuwirth, dem es in der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit gelungen ist, daS Ansehen und den Ruf der Religionsanstalt weiter zu heben. Er dankte namens der Schüler und Schülerinnen dem Festkomitee, daß wie einst beim Bau der StistS-