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Jüdische Volksstimme · 1919-04-04 · Heft 7 (4.4.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 7 (4.4.1919)
Date
1919-04-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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t»fc »U großer Begeisterung ein so schönes Fest für die Fugend bereitet hat und den Herren HO Lehrkörherfür di« Unterstützung, die sie ihm bei feinem der. antwvrtung-vollen Amte leisten. Die anwesenden Gäste bat er, ihr Interesse der Schule dauernd -u erhalten, denn nur dann werden fie die hohe Bedeutuwg der Anstatt für die Juden Wiens genügend hoch einschätzen können. An die Ettern der Kinder richtete er die Mahnung, das Ihrige beizu tragen das Hau» und Schule zusammen wirken, um «in gutes Fortkommen beim Unterrichte zu erzielen. Insbesondere aber muffen fie verhüten. Laß nicht jede kleirjfte Ausrede groß genug fei» um da» Kind vom Unterricht fern zu halten. Durch einen Hinweis auf ein schöne« Midraschwort fordert er die Jugend. Schüler und Schülerinnen auf, stet» zielbewußte Juden und JSdinnetz zu fein, weil ja die Zugend die Hoffnung und Zukunft eines jede« Volkes sei. Schließlich geigten 9 Schüler und Schülerinnen der 1. bis 4. Klaffe im Alter vop 6—9 Jahren ihr Können durch das Vortragen verschiedener jüdischer Gedichte und vebejübersetzungen uny war eL rin Wahrer Genuß, diese Kleinsten der Kleine« anzuhdren. Daß Schlußwort hatte das Vorstandsmitglied Herr Leopold Lederer. Er dankte Allen die-um Gelingen deS schhnen Festes beigetxstgen. ES find dies die Herren: Adler Gandor, Brody Ignaz, Büchser No-Han, Deutsch Del«, Ing. Kritzler Ludwig, Schiff Heinrich, Unger Lea. — Die Damen: Frau TertcSi Deutsch, Cilli Schreider. Irl. Maria Breuer, Grete Felsenburg, Lizzi FelsenburgLsrma Figdor, Selma FuchS, Lola Hosbauer, Milli Rabinowicz, Lpla Schiff, Malvine Schiff, Irma Stern, Janka Stery, Hilde Strohs Besonders betonte dieser Redner die Wichtigkeit der Mädchen-Fortbildujigsklaffen, die berufen find, dem jüdischenMädchen jenes Wissen zu vermitteln, welches die Grundlage eines wirklich jüdische« Hauses bildet. Unter Hinpeis auf die bevorstehenden Wahlen ersuchte Redner alle Anwesenden einstimmig für die Jeffod Hathoxa zu stimmen. Nach Abfingung des Schir-Hamaloth und nach Verrichtung des Tischgebete« schloß das wirklich erha- Lene Fest mit dem Maariw-Gebet. ES ist zu »oünscheN, daß sich die Wiener Juden mit regem Interesse der Anstalt zuwenden. Korrespondenz«». Prag. Im Festfaal der Lhewra Kadischa veranstattete die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Prag am 2. März eine Trauerfeier zu Ehren ihrer im Kriegegefallenen Mitglieder. Die zahlreichen Freunde des Vereines und der Dahingegangenen hatten sich eingefunden und so die letzte Ehrung zu einer feierlichen Kundgebung gestaltet. In formvollendeter, gedankentieser Rede führte Herr Dr. Ludwig Lieben aus, wie schwer die Verluste des jüdischen Volkes in dem Weltdrama waren und daß die ganze Tragik des JudenvolkeS sich wieder in ihrer ganzen Große gezeigt hat. Hakol kol Jakob, wehajadaim jedei esvw. Trotzdem blieb die innere Ueberzeugung Jakobs sich gleich, nur seine Hände wurden zur Blutarbeit mißbraucht. Zerstreut und versprengt unter den Nationen kämpfte Jude wi» der Juden, ohne ein positives Ziel vor Augen, nur um den Borwurf der Feigheit von seiner Nation abzuwehren. Nur sein Verantwortlichkeitsgefühl hielt den Juden aufrecht, er wußte, für jeden Juden ist die ganze Nation verantwortlich. Der Kampf war nicht sein Kampf, der Sieg nicht sein Sieg, nur das Blutopfer forderte man auch von ihm. Darum ist das jü!n sche Volk frei von der Schuld an dem Blutvergießen. Niemals wieder wird es möglich sein, die jüdische Nation Wider ihren Willen zum Kampf zu zwingen, denn in der Einigung, in dem entstehenden Judenstaate wird Israel die Erlösung finden. Zwölf Mitglicder des Vereines sind Kriegsopfer: JUDr. Moritz Haus, Prof. Phil. Dr. Erwin Kalmar, MUDr. Franz Vogel, techn. Willy Brandeis, techn. Rudolf Drechsler, techn. Ernst Epstein. JUC. Moritz Grzhb, techn. Leo Lederer, jur. Hugo Reichner, jur. Karl Steiner, ing. cand. JuliuS Stuckhart, jur. Leo Weißberger. Dr. Lieben würdigte in seiner Rede die Verdienste jedes einzelnen um den Verein, besondere Erwähnung tat er der Verdienste Willy DrandeiS, Moritz Grzhb, Erwin KolmarS und Julius Stückharts. Prof. Kalmar war der Obmann der neugegründeten Halle, JUC. Grzhb der Obmann des KriegSjaheSr 1614. Hierauf jang Herr Oberkantor Guttmann mit zu Herzen gehender Innigkeit das hebraische El mole Rachamim. Herr JUT. Ernst Lebenhart.*׳,teö in meisterhafter Weise und feiner Nuaneierung drei Stellen aus dem Midrasch (Echa Rabat!) und die Totenschau des Propheten Ezechiel vor. Die Herrliche ungekünstelte Uebersetzung Herrn Lebenharts entsprach vollkommen der schlichten, aber eindrucksvollen Sprache des Originals. Die ttestraurigen gut ausgewähtten Erzählungen übten auf da» Publikum eine nachhaltige Wirkung aus. Von . den Anwesenden vurden tausend Kronen zur Ehrung der gefallenen Halle- Mitglieder für den »Jüdischen Nationalfond" gefpendet. - In Herrn Moritz Grzhb hat auch die Redaktion der »Jüdischen Volksstimme" einen ihrer besten Mitarbeite» verloren. Unfern Lesern find wohl noch seine geistreichen Berichte erinnerlich. Wir haben seinerzeit beim Tode Herrn Grzyb« seine Verdienste um das jü. bische Volk in ausführlicher Weise gewürdigt Pro-nitz. Am 14. März fand in Prvßnitz eine Versammlung der Allw. jüd.-soz. Arbeiterpartei »Poale Zion" statt, in der Genoffe Dr. F. Loria aus Brünn referierte. In einstündiger Rede beleuchtete Gen. Dr. Loria alle schwebenden jüdischen Fragen und entwickelte das Programm und die Ziele der jüdischen zionistifchen Sozialdemokratie. In der Debatte sprachen die Führer der bürgerl. zionistischen Gruppen, auf deren Ausführungen Gen. Dr. Loria erwiederte. In einem Schlußworte ermahnte Gen. Dr. Loria alle Versammelten den Geist der jüdischen Solidarität, der das Judentum der ganze» Wett verbindet, stets hoch zu halten und forderte alle die ihre Zugehörigkeit zum Proletariat erkannt haben in die Reihen der Poale Zion zu treten, um im Rahmen der Internationale gegen den Kapitalismus und für Erreichung unseres Landes in Palästina zu kämpfen. Reicher lebhafter Beifall folgte den Ausführungen des Redners. Wie«. (Trauung.) Dienstag, den 11. März, fand in Hamburg itn Logenheim, Hartungstrahe, die Trauung des Herrn Oskar Neurath mit Fräulein Necha Goldschmidt statt. Wr.,Neuft«bt. Vergangenen Sonntag fand in der hiesigen Synagoge die Trauung des als Schriftsteller kannten Rechtsanwaltes Dr. Hugo Wolf. Sohnes des gewesenen langjährigen Kultusprasidenten, ChefarzteS Dr. Wilhelm Wolf, mit der Medicinae Candida- >tin Fräulein Grete Schönberger, Tochter des Gutsbesitzers Herrn Isidor Schönberger, statt. Dem Trauungsakt vollzog Herr RabbinatSverweser Markus Alexander Landau, der in einer erhebenden, begeisterten Ansprache dem Glücke Ausdruck gab, seine beiden ehemaligen Schüler, die.beide aus echten jüdischen Haufern stammen, trauen und segnen zu können. Karlsruhe. Stadt? und Konferenzrabbiner Doktor Appel ist seiner vor sechs Wochen verstorbenen Gattrn gefolgt. Zur Bestattungsfeier waren neben dem Vertretern der Gemeinde, der Rabbiner und der zahlreichen jüdischen Vereine auch Vertreter des KultusministeriumS, der städtischen Behörden und Schulen erschienen. x Berlin. Im Alter von 76 Jahren starb in Berlin der Senior der Berliner Gemeinderabbiner Dr. Josef Stier. Stier, geboren in Ungarn, erhielt seine rabbinischeAusbildung am Jüdisch-theologischen Seminar in Breslau und wirkte mehr als 25 Jahre in Berlin. Ungvar. Hier starb vor kurzem der altehrwürdige Rabbiner Salomon Brody, der Vater des Prager Oberrabbiners Dr. Chaim Brody, im Alter von 69 Jahren. Poale Zion, Landesparteitag für Mähren. Am 22. März tagte in Brünn der Parteitag der jüd. sozial. Arbeiterpartei ״Poale Zion", an dem Delegierte der Partei aus Ostrau, Olmütz, Jglau, Göding, Lundenburg, BoSkowitz, Proßnitz usw. teilnahmen. ES wurde eine Exekutive der Partei für Mähren, die ihren Sitz in Brünn hat, bestimmt und zu deren Obmann Gen. Dr. Felix Loria gewählt. Der Exekutive gehören weiters noch folgende Genossen an: Keßler, Brunner, Gewürz, Grün, Friedmann (Brünn), Stiaßny (Proßnih). Brüll (BoSkowitz), Huber (Olmütz), Schneider (Göding), Drechsler (Jglau) und Rosenfeld (Lundenbürg). Es wurde beschlossen, einen ordentlichen Parteitag für den Monat Mai einzuberufen und der Exekutive aufzutragen, denselben vorzubereiten.' Es wurden die wichtigsten Organisationsfragen und das Vorgehen der Parteidelegierten bei dem jüdischen Bolkstage in Brünn, besprochen. Kuncsschau. Dir bolschewikischen Juden in Ungarn. Wie in Rußland, so sind auch in Ungarn die meisten .der bolschewikischen Führer Juden. In der neuen ungarischen Sowjetregierung fitzen ungefähr ein Dutzend Juden. Der Bolksbeauftragte Dr.> Sigmund Kunfi (einst'hieß er Kohn), Dr. Landler, Dr/ Hmndur-er, Dr. Warga, Tubar Samueli, Dr. (fein Vater heißt Schwarz und ist -ei der Su-Lpefter neolvGifchen Lhewra Kadischa angestellt), Wilhelm Böhm ufiv. usw. Such die Führer der Kommunisten Del« Kuhn und Dela Wago. die vom Kerker aus zu Volkökommissären ernannt wurden, find Juden. Die Rumäne» affemiE dir Jud« 81 «*tfttttgm. 3«! Namen des jüdischen Volkein Skebonbürgen suchte ein Kurier die Redaktion de- -Zsido Stzemke" auf. Der -kurier dat i« Damen das jüdischen Volkes in Siebenbürgen gegen die neuest« völkerrahOvtdtt-p Handlung um Hilfe. Die Rumänen affm-keren nämttch ««gegen jedweder international« Recht und Vereinbarung in den besetzten Gebieten Siebenbürgen-, mit Ausnahme der Magyaw« werde« alle tm Wehrpflichtgen Atter stehende Männer eingezogen. So wurden ln Retteg. Das. Zilah. Zöibo ,und Besteree die de» jüd-ischen Volke angehörenden Männer.affentiext und tour» den dazu gezwungen gegen ihre Gefühle und Ue-erzeugung in den Dienst der RumSmn zu treten. Die EinrückendenHie nur mit Strafengewalt hiezu verhakten werden, werden auf Grund der Paragraphen des rumänischen Militärstrgfgesetzesbuches gezwungen, eine Erklärung zu unterschreiben, daß ihr Eintritt ins rumänische Heer freiwillig erfolgte. Das fiebenbürgische jüdisch« Volk bittet vekKosffett um die Hilfe der Judenschaft! dar unbesetzt« Gebiete Ungarns, da es Nutzlos gegen den Terver der Besetzer protestiert uud eS will und kann den Besetzern in ketverForm behilflich sein. Die Sngarländische Ztzenisttsthe LmHechrgamfation Mge alles erdenkliche im Interesse ihr« siebenbürgischen Brüder unternehmen. Heimkehr vertriebener Flüchtlin-e nach Palästina. Dem Jüdischen Preßbüro wird telegraphiert: Am 12. Dezember v. I. traf der erste Transport von Juden, welche während des Krieges aus ihrer paläftinenfischen Heimat vertrieben wurden, wieder in Palästina ein. Der Dampfer führte die jüdische Flagge. Kn der Spitze des Heimschaffungskomitees steht der frühe«׳ Leiter deS zionistischen Palästinaamtes Dr/ Ruppin. Die japanische Regierung für den Zionismus. Wie dem jüdischen Preßbüro Wien telegrafisch berichtet wird, veröffentlichte der japanische Gesandte in London namens seiner Regierung folgende Erklärung: ״Die japanische Regierung nimmt mit Befriedigung Kenntnis tpn den Bestrebungen des jüdischen Volkes auf Erlangung eines nationalen Heimes in Palästina und sieht der Verwirklichung dieser Wünsche entsprechend der projektierten Vorschläge mit wohlwollendem׳ Interesse entgegen." Eine gleiche Erklärung ließ die japanische Regierung der zionistischen Organisation in׳ Shanghai zugehen. Fürsorge für jüdische Kriegsblinde. Die ״Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden" teilt mit, daß in Fragen der Fürsorge für jüdische Kriegsblinde mit der Verwaltung der ״Jüdischen Blindenanstalt für Deutschland" eine Beratung stattgefunden habe, in der eine intensivere Tätigkeit zugunsten der jüdischen Kriegsblinden beschlossen wurde. Mitteilungen über jüdische Kriegsblinde sind an die Zentralwohlfahrtsstelle Berlin W. 35, Steglitzer Str. 6. zu richten. Literatur. Der Judenpogrom in Lemberg. In M. Hickls Verlag, Brünn-Wien, erschien das Buch: ״Der Judenpogrom in Lemberg" von Josef Bendov, auf Grund authentischer Protokolle, Urkunden und amtlichen Material. Das Buch enthält zirka 25 photographische Aufnahmen, ein sehr ergiebiges statistisches Material und ist die erste erschöpfende Darstellung der Judenmassaker in Lemberg. Polnische Judengeschichten betitelt sich ein neues Erzählungsbuch von Hermann Blumenthal. Blumenthal hat der jüdischen Literatur den ersten literarischen Entwicklungsroman eines Ostjuden geschenkt. Dann schrieb er einige nichtjüdische Bücher, die , ihn in weiteren Kreisen bekannt machten. Als Mitherausgeber der Sammelbücher ״Das Ghettobuch" unb ״Das Volk des Ghetto" hat er sich um die Ghettoerzählung verdient gemacht. Sein neues Buch: ״Polnische Judengeschichten"-zeigt ihn uns als genauen Kenner des ostjüdischen Lebens. Wer den polnischen Juden kennen fernen will, der lese dieses Buch, in dem uns der Dich--

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