Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 7 (4.4.1919)
- Date
- 1919-04-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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v<־ ׳ k-‘־- ־>! ־ ־*"וי» ■» ■ , W 7 .?ו! *ÜUJL. M — I ft VnivpiniiM «fit( 3 tafete ein jüdisches Gemeinwesen auf breitest« Basis durch PlanrnStzige Einwanderung und Ansiedelung zu errichten, und -war unter Bedingungen, welche die seSstänv'ge Entfaltung seiner religiös-nationalen Kultur auf gesunden wirtschaftlichen und sozialen Grrmdlagen sowie in freundschaftlich« Verständigung mit' dtt nichtjüdischen Bevölkerung Palästinas ermöglichen. B) Betreffs der übrigen Länder: 1. Gewährleistung der Sicherheit von Leben ltnd Eigentum der jüdischen Bevölk«ung auf Grund des internationalen Rechtsgrundsatzes. Gewährleistung d« gleichberechtigten Berücksichtigung der jüdischen Wirtschaftsgebiete bei Wiederaufbau aus internationalen Mitteln. L Volle, tatsächliche, bürgerliche, politische und wirtschaftliche Gleichberechtigung sowie unbeschränkte Religionsübung. 3. Gewährleistung des Rechtes auf Bildung staat- '!ich arnrkannter jüdisch« Gemeinwesen. Für die staatsrechtliche Form dies« GemeinfchaftSbildung müssen die Ansprüche und die Bedürfnisse der jüdischen Bevölkernng, die in den verschiedenen Ländern verschieden sind, sowie die besondtten Berhältniffe jedes Landes matzgebend sein. I« Besondtten fordern wir Schutz des Sabbats und Selbstbestimmungsrecht dtt Eltern auf dem Gebiete des Schulwesens. Anmerkung: Dr. Jsak Breu«: Die Würde der Orthodoxie darf nicht gtting geschätzt werden. Sie mutz gewahrt werden, denn sie ist zugleich die Würde d« Thora. Wir wiffen noch gar nicht, wie sich die zionistische Organisation zu eine» gemeinsamen Vorgehen stellt. Wir wollen den B«such ein« Verständigung ehrlich und aufrichtig. Die ' zionistische Organisation spielt sich bisher als der legitime Vertret« der üdischen Nation auf. Wir können ihr dieses Recht nicht zubilligen. Wir müffen Parität verlangen. Wir können nicht im Schlepptau an den Rockschöffen der Zionisten marschieren. Wir verlangen Palästina in der Sprache des jüdischen Volkes, nicht in d« Sprache d« letzten 30 Jahre. Die Zionisten müffen unS dankbar sein, wenn wir ihre politischen Forderungen mit unseren Argumenten unterstützen. Auch Rab» bin« Kuk (Jerusalem) drückte den Wunsch aus, die politischen Forderungen der Zionisten mit religiösen zu unterstützen. Die Zionisten wiffen gut, was sie von uns«« Stellung zu halten hätten. Die jüdische Oeffentlichkeit stellt die offene Frage: Wollt Ihr Euch dem Zionismus anschlietzen oder nicht? Wir müssen klar und deutlich antworten: Nein! ES handelt sich nur um ein gemeinsames Vorgehen bezüglich Palästinas. Sonst können wir nur von Macht zu Macht gegeneinand« stehen. Die Thora will König sein im Israel, sie will herrschen und nicht geduldet sein. * * * DienStag-Sitzung. In der Sitzung vom Dienstag, den 25. Februar, gelangte der 7. Punkt der Tagesordnung ..Die Rechtsan der Katze just das Urteil vollzogen werden soll. Wenn nicht durch Versteinern, dann also durch Berbrennen. Als es Sabbat wurde, war die Verfolgung eingestellt, die Katze entkam" ihrer Verfolgung, indessen war ganz Chelm abgebrannt. 15. Hersch als Richter. Während der Zeit, da Hersch in Chelm war, trug sich dort ein schrecklicher Vorfall zu. An einem Freitag, als der Gemeindevorsteher wie stets einen lebendigen Karpfen einhandelte und ihn nach Hause trug, gab ihm. der Fisch mit dem Schwänze einen Schlag ins Gesicht, daß dieser erschrack und den Fisch aus der Hand liefe. Und da er ihn sangen wollte, und der Fisch fortab weitersprang und den Händen des Gemeindevorstehers sich entrückte, war er bald von allen Leuten verfolgt. Und als er endlich ergriffen wurde, liefe der Vorsteher gleich alle Gemeindemitglieder versammeln, um über den Fisch Gericht zu halten. Die Beleidigung eines Gemeindevor» steherS wurde dazumal streng gestraft. Da die Leute unter sich qjcht einig werden konnten, welches Urteil d« Fisch verdient, wurde Hersch zur Beratung hinzugezogen. Er entschied: «Da der Fisch den Gemeindevorsteh« schlug, mutz er ertränkt werden, u. zw. sei das Urteil gleich zu vollziehen. Nun wurde der Fisch in Begleitung der ganzen Gemeinde zum Fluß getragen, wo man ihn ertrank... stellung d« Juden in der Diaspo«^ zur Vtthandlung. Rabbiner Dr. P. Kohn (Ansbach) «klärt zunächst, blotz im eigenen Ramekt zu sprechen. Für den orthodoxen Juden gibt es nur ein konstruktives Moment der Nation: die Thora hakedauscha, die Verpflichtung zur Thora. Dies allein macht uns zur Nation. Man hat dafür in jüngst« Zeit neue Worte gesucht: Gottes- Volk, Religionsnation usw. Run liegt aber eine grotze Gefahr vor. ES ist in diesen Tagen so viel davon gesprachen worden, was wir unser« Jugend schuldig find. Was find wir der künftigen Generation schuldig: Die Stellungnahme d« heutigen Konfnenz ist von grotzer Bedeutung, deswegen mutz auch die B«antwortung grotz sein. Die Bindestrich-Begriffe werden fortfallen und das Wort ^Nation" wird bleiben. Delegittt« Eisenmann schildert in Vertretung der Litau« die Berhältniffe in Litauen und unterbreitet nachstehende Resolution: Die Weltkonferenz der' jüdisch-orthodoxen Berbände in Zürich nimmt davon Kenntnis, datz die Gefinnungsgenoffen in Litauen für den Fall, datz auf der Friedenskonferenz ein selbständiger litauischer Staat in Form eines Nationalitätenstaates hervorgehen sollte, diejenigen Rechte fordern werden, die eine absolute Parität mit den andern im Lande vertretenen Ratio» nalitäten, Litau«, Polen und Weitzruffen gewährleisten und. sie spricht die Hoffnung aus, datz diese Bestre- Lungen von Erfolg.gekrönt sein werden. Sie nimmt weiter davon zur Kenntnis, datz für den Fall einer anderen noch nicht vorauszusehenden Neuordnung der Dinge in Litauen, ihre litauischen GefinnungSgenossen absolute Autonomie in Kultus, Schule und Sprache zur Verwirklichung der Ideale des thoratreuen JudentumS fordern werden und fie verpflichtet ihre Mitglieder, dafür Sorge zu tragen, datz diese Forderungen Jntereffe finden und in allen sonstigen öffentlichen Kundgebungen, vornehmlich aber gegebenenfalls vor der Friedenskonferenz, aufs Wärmste unterstützt wttden. * * * Nachmittags findet eine vertrauliche Sitzung statt, in welcher nach einer längeren Diskuffion die Kommission gewählt wird, die die jüdischen Forderungen vor der Friedenskonferenz zu vertreten hätte. Als Mitglieder der Kommission werden bestimmt: Oberrabbin« Schapira, Prof Margulies, Frankl, Rosenheim, Dr. Weil, Dr. Kohn (Basel), Eisenmann, Wreschner. * -» * In der Abendsitzung gibt Oberrabbiner Dr. Sacerdotti seiner Befriedigung üb« die Beschlüsse der KonfttenzAusdruck. Nach vier Jahren gewaltsamer Trennung ist es gelungen, datz sich die Juden aller Länder die Hände reichen, ohne ein Gefühl der Verbitterung. Beweis, datz die Juden ein Volk sind, mit einem einheitlichen Ideal. Holländer (Kopenhagen) bttichtet über die großen Erfolge der Zeichnungen für die Siedlungsbank. Bereits eine Million Mark ist gezeichnet. Direktor Dr. Lange (Frankfurt) berichtet üb« die OrganisMion der Jugend der ganzen Welt mit dem Ziele, das Palästinaprogramm zu verwirklichen und junge Männer und Mädchen für die Landarbeit vorzubereiten usw. Bauminger (Krakau) bringt einen Brief des Grotzrabbiners von Czortkow zur Verlesung, der ein TätigkeitSprogramm für die Palästinaarbeit enthält und das mögliche Zusammenarbeiten mit den anderen jüdischen Organisationen in wirtschaftlicher Hinsicht empfiehlt. Hierauf gelangt der letzte Punkt der Tagesordnung «Die Emigrationsfrage" zur Verhandlung. Referent Dr. Birnbaum bespricht die Bedeutung des Emigrationsproblems. Es sei notwendig, den Emigrationsstrom zu regeln, aber auch für die Zukunft der Emigranten in materieller und geistiger Beziehung zu sorgen. Der Referent unterbreitet schließlich die folgende Resölution: Resolution Birnbaum. In Anbetracht: 1. datz die wirtschaftliche und poli» tische Lage der Juden im Osten das Wiederaufleben der jüdischen Maffenwanderung mit aller Bestimmtheit erwarten lätzt; 3. daß Palästina momentan nicht in der Lage ist, all die Hunderttausende aufzunehmen, und daß andererseits eine vorzeitige yeberflutung mit ungeeigneten Elementen jedes planmäßige Kolonisationswttk in diesem Lande in schwerster Weise gefährden müßte; 3. datz eine unbedachte und planlose Emigration die größten Gefahren für das jüdische religiöse Leben heraufbeschwört (hauptsächlich für Sabbatheiligung); 4. datz eine unregelrechte Emigration die Erschwecung der EinreiseverhLltniffe in den Einwanderungsländern geradezu herausfordert; 5. -atz der jüdische Wand«« samt Frau und Kim dern während der Reise den Mißhandlungen der Zoll- und Transportorgane sowie der schamlosesten AuSbeu. tung seitens gewissenloser Agenten schutzlos preisgego ben ist; t 6. datz die jüdischen Wanderer i-nifolge Mangel an Informationen in bezug auf Arbeitsverhältniffe in den Einwanderungsländern sich in den wenigen bereitüberfüllten GhetwS zusammendrängen und dovt der grötzten physischen und geistigen Not verfallen; 7. datz die Regulierung der jüdischen Emigration, wenn fie Erfolg haben soll, noch vor Eröffnung.der Grenzen, d. h. bevor die Massen sich in Bewegung ge» setzt haben werden, in die Wege geleitet werden mutz, betrachtet die Weltkonferenz der orthodoxen Ber» bände in Zürich die Regulierung d« jüdischen Emigration als eine der dringendsten Aufgaben der Gegenwartsarbeit. Sie setzt daher eine Kommission am Orte der Lei» tung ein, die fich unter deren Teilnahme und nach Möglichkeit unt« Verbindung mit anderen jüdischen Organisationen mit der Regelung der jüdischen Tmi» gration zu befaffen hat und daren Aufgabe im Besonderen es sein soll: 1. in den AuSwanderungsländern AuSkunftSbüros, in den DurchwandttungSländern Emigranten» schutz-KomiteeS, in den EinwanderungSländttn ArbeitS» nachweisbüroS zu schaffen; 2. eine Emigrationsbank zu gründen, die alle mit d« Emigration zusammenhängenden Geldtransaktio» neu zu übernehmen hat, oder die Handelsabteilung d« schon in Gründung begriffenen Jüdischen Handels- und Siedlungsbank mit diesen Geschäften zu betrauen. In der Diskuffion spricht zunächst Dr. Med. Hoffmann, woraus Delegierter Deutsch (Wien) die Verhältniffe der jüdischen Flüchtlinge in Wien schildert. Redner fordert eine dringende Hilfe für die zahlreichen jüdischen Flüchtlinge aus Palästina, die zurzeit in Wien weilen. Ihnen mutz in erster Reihe die Möglichkeit geboten werden, in die alte Heimat zurückzukehren. * * * Mittwoch-Sitzung. In der Mittwoch-Sitzung wird zunächst die Diskuffion über den Punkt ״Die Rechtsstellung der Juden in der Diaspora" fortgesetzt. Oberrabbiner Fuchs (Großwardein) schildert die bedrohliche Lage der Juden Ungarns, besonders in jeneu Gebieten, die zu Rumänien gelangen sollten und verlangt Abhilfe. Delegierter Schwarz (Prag) berichtet üb« die Verhältnisse im tschecho-slovakischen Staate. Delegierter Rosenheim betont, die Wünsche der Juden in den einzelnen Ländern müffen für die Regelung ihrer Rechtsstellung maßgebend sein. Wir ver» langen die nationale Autonomie für Litauen, Ukraine, eventuell auch für Polen, — wir verlangen sie ab« nicht für den Westen. Redner hebt besonders die große Bedeutung der Sabbatfrage hervor, für deren befried!« gende Lösung unter allen Umständen eingetreten werden muß. * * * Die Tagesordnung ist damit erschöpft und es wird zum Schluffe der Konferenz geschritten. Delegierter Rosenheim hält das Schlußwort, in welchem er die Beschlüsse der Konferenz rekapitulierte und deren Bedeutung hervorhob. Es folgen noch Schlußworte der Delegierten Dr. Munk, Rabbiner Horowitz (Jerusalem), Dr. Lewenstein, Dr. Kohn (Ansbach), Wreschner usw., worauf die Konferenz in überaus feierlicher Weise geschloffen wurde. Die Wiener jüdische Kultusgemeinde. Die ״Jiddische Morgenpost" aus Wien schreibt: «Ostjuden werden das Wahlrecht in der Kultusgemeinde nicht besitzen! So hat es der grüne Tisch beschlossen und wir wundern uns auch darüber gar nicht, wenn wir — nach der ganzen Plauderei bei der Plenarsitzung vom 13. März — das «Weshalb" in Betracht ziehen, das ein versteckter, aber ehrlicher Israelit aussprach: «Die alte KultuSgesellschaft will den polnischen Juden das Wahlrecht aus dem Grunde nicht zuerkennen, weil sie befürchtet, daß dadurch eine Stärkung des nationa» len Elementes zu Tage tritt (also das Jüdischwerden der Kultusstube! Anm. der Red. d. I. B.) und das würde ein Unglück für die Wiener Kultusgemeinde bedeufcn." Das find Worte!