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Jüdische Volksstimme · 1919-04-04 · Heft 7 (4.4.1919) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 7 (4.4.1919)
Date
1919-04-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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— 'י—י ’ י"".* ” ‘ י 'f' '! הי **־׳*י• ״ ke t» pp?! etwa. Sicherstellung der religiösen Funktionäre (Rabbonim, Vajonim, Schochtim), Schaffung einer guten Jugend- VWliothÄ. 3. Einrichtung ein« Zentralhochschule (Akademie Ses Talmuds). In Jerusalem soll eine Akademie des Talmuds gegründet »«den, deren Mitglied« die Pflicht.haben, auf den verschiedensten Gebieten des Talmudtätig zu sein, schriftstellerisch wie auch im Lehramt. Die Mitglied« der Akademie werden -um erstenmale von den hervorragendsten Gedaüle Hathaura in Palästina und im Auslande bestimmt. 4. Engster Zusammenhang der Diaspora mit Pakästina. - 1. Wem es irgend möglich ist, soll eine Zeit seiner Ausbildung in Palästina zubringen; besonders die zukünftigen Führer der Gemeinden sollen ihre AuSbildüng ganz oder teilweise auf den palästinenfischen Hoch, schulen suchen. 2. Die geistigen Führer der Diaspora sollen in ständigem Gedankenaustausch mit den Gelehrten d« Akademie stehen und die folgenschweren Fragen der Entscheidung der Akademie unterbreiten. 3. Möglichst alle drei Jahre sollen die hervorragendsten Führer der Diaspora sich in der Akademie dersammeln, um mit den Akademikern alle wichtigen Fragen des jüdischen Volkes zu besprechen. 6. Zur Gewinnung der Geldmittel für die Derwirklichung der unter Punkt 1 dargestellten Zwecke wird ein internationaler Verein ״Jawne", Verein zur Förderung -es Erziehungswesens im heiligen Lande, mit dem Sitze in der Schweiz oder in Holland gegründet. Rabbiner Horowitz (Palästina) konstatiert auf Grund der Tatsachen, daß in Palästina die Grundlage für Thora und Derech-Erez bereits geschaffen ist. Ein Brief des Oberrabbiners Kuk (Jerusalem) stimmt vollkommen mit dem Programm überein, das der Referent vorgelegt hat. Redner schildert die trostlose Lage der Rabbiner und d« Talmide-Ehachamim in Jerusalem, die infolge der Kriegsereignisse brotlos geblieben sind. Hunderte sind buchstäblich verhungert. Oberrabbiner Tal (Utrecht) erstattet ein Korreferat zu dem in Verhandlung stehenden Thema. Die Schwierigkeiten der inn«en Verfass .ung der jüdischen Siedlung in Palästina sind nicht von außen her, sondern von innen hinaus zu betrachten. Das Problem: »Staat und Kirche zusammen oder getrennt?" kann für uns in Palästina gar "nicht existieren. Das Judentum kennt den Begriff Kirche nicht, das Wort Religion ist für uns ein fremder Begriff. Wir kennen bloß das Wort Thora, das sich nicht übersetzen läßt. Damit ist alles gesagt, was gesagt werden muß. * * * Montag-Sitzung. Montag, den 24. Februar, gelangte zunächst Punkt 6 der Tagesordnung, ״Die Organisation der gesetzestreuen Judenheit", zur Verhandlung. Referent Rosenheim (Frankfurt a. M.): Die bisherige Zersplitterung der Orthodoxie kann heute, da Hand und sprach: ״Lieber Freund, bleib ruhig hier und suche nur angstlos weiter, übrigens suchen wir beide, vielleicht finden wir doch was und teilen untereinander. Ab«, für alle Fälle bitte ich dich erzähle keinem Menschen, daß du bei mir nichts fandest, sollen die Leute glauben, daß ich ein reicher Mann bin. 18. Hersch ladet einen Gast zu sich. Eines Abends kam Hersch in Begleitung eines Mannes nach Hause, den er zum Nachtmahl einlud und Nachtquartier versprach. Er stellte den Mann seiner Frau vor und sagte ihr auch den Zweck seines Kommens. Die Frau wurde zornig, sie fluchte und schimpfte und schrie: ״Um Gotteswillen, du elender Schnorrer, nicht genug, daß wir selber nichts zu essen haben, so bringt er noch einen Gast." Der Fremde fühlte sich derschämt und schaute Hersch verlegen an. Hersch aber sprach zu ihm: «Freund, macht Euch nichts aus dem Gerede dieser bösen Frau und tut das Eurige." — ״Was soll ich den tun?" fragte der Gast verwunderlich. — Nehmet Euren Sack und Mantel und legt Euch schlafen", erwiderte Hersch. 14. Wie Chelm*) abgebrannt wurde. Hersch erhielt Kunde, daß die Chelmer Juden schrecklich von der Mäuseplage zu leiden haben. Nun fand« einen ausgezeichneten Anlaß sich dorthin zu begeben und durch einen Streich zu Geld zu kommen. AlS er in Chelm eintraf, begab « sich zum Gemeindeältesten und sprach: «Ich habe vernommen, daß *T Chelm, Gouvernement Cholm, fcejpmt als die Chelmer Narren. ^zuqchs VsttAßi«»«* ־ '4 יי י -י.. " alle Welt sich organisiert, nicht mehr geduldet werden. Zur Schaffung ein« einheitlichen Organisation wurden bish« verschiedene Versuche unternommen, dar. unter d« wichtigste, die ״AgudaS Jisroel". DaS Pro. gramm -«selbe« -iett dahin, die jeweiligen Probleme im Geiste der Thora zu lösen. Resolution Rofenheim. 1. Die kn Zürich versammelten Vertreter der thora. treuen Organisationen erklären den Ausbau der gesetzeStreuen Weltorganisation auf Grundlage der ״Aga-uS Jisroel" als die heiligste Aufgabe der Gegenwart. Sie verpflichten sich in ihren Ländern dahin zu wirken, daß Ortsgruppen gebildet und die Vorbereitung für die «Keneffio Gedaulo" getroffen worden. Sie werden ferner an der baldigen Konstituierung des obersten Organes der AgUda, des rabbinischen Rates, mitguwirken bemüht sein. 2. Für die Führung der Geschäfte bis zur «Kenessio Gedaulo" wird in Zürich ein Ausschuß gebildet, in dem die hauptsächlich in Betracht kommenden Länder durch ständige Mitglied« vertreten find. Oberrabbin« Disegni (Verona) begrüßt als Dertreter des italienischen Rabbinerverbandes die Konferenz und schildert die D«hältnisse innerhalb des DerbandeS, der ganz auf dem Boden der Orthodoxie steht. ES wird sich auch in Italien eine Aguda bilden. Korreferent Dr. Simon (Heidelberg) bespricht die Verhältnisse im Osten und Westen und unterbreitet nachstehende Resolution: Resolution Simon. Die am 19. Februar 1919 in Zürich zu einer Weltkonferenz zusammengetretenen Vertreter thoratreuer jüdischer Verbände beschließen die Gründung eines Jüdischen Weltbundes «Agudas Jisroel". Der Jüdische Weltbund «AgudaS Jisroel" will alle Glieder des über den Erdball zerstreuten jüdischen Volkes auf der Grundlage des jüdischen Kulturideales d« Thora, wie sie in mündlicher und schriftlicher überlieferung niedergelegt ist, zusammenfassen. Der Jüdische Weltbund «Agudas Jisroel" sichert die Unverrücktbarkeit dieser seiner historisch verankerten Grundlage durch seine Verfassung und den Aufbau und die Personalbesetzung seiner Institutionen. Der Jüdische Welthund ״Agudas Jisroel" setzt sofort drei Hauptabteilungen ein: * 1 ־. Die Thora-Abteilung. . 2. Die Wirtschafts-Abteilung. ' 3. Die Palästina-Abteilung. Jede Abteilung hat einen Vorsteh«, der die Verantwortung für sei^ Abteilung trägt. * * * In der NachmrttagSsihung spricht zunächst Rabbiner Dr. Unna (Mannheim). Redn« kann es sich nicht denken, daß religiöse Gründe irgendeine Landesorganisation von dem Anschluß abhalten könnten. Dr. Lieben (Prag) betont, es sei Aufgabe der Eltern, die Kinder religiös zu erziehen und sie vor den schädlichen Einflüssen zu schützen. Es muß aufgeklärt Ihr hier von den Mäusen schrecklich zu leiden bat, daher brachte ich Euch ein kleines Wundertier, vor dem die Mäuse sobald sie es erblicken sich in ihre Löcher verkriechen." Sprach und ließ dabei von unten den Rock eine Katze hinausspringen. Da sie hungrig war, heulte sie furchtbar. Der Gemeindeälteste wurde beim Anblick des Tieres sehr erschrocken, — Chelm hat bis dahin keine Katze gesehen — doch als ihm Hersch beruhigte, daß das bescheidene Tierchen keinem Menschen Böses tue, dankte er Hersch für seine Freundlichkeit. Er v«ständigte in geheim den Rabbiner und die Gemeindevorsteher, daß ein unbekannter Mann ein Tier brachte vor dem die Mäuse sich verkriechen und lud die Leute zu Ehren des Mannes zu sich ein. Die Katze begann gleich ihres Amtes zu walten und sie begann nach allen Seiten eine förmliche Jagd. Schon am nächsten Tage war Haus und Hof des Gemeindeältesten mausenrein. Die Katze wanderte von HauS zu Haus. Freilich wurde Hersch von allen Chelmer Juden wie ein Heiliger verehrt. ES muß nicht erst gesagt werden, daß er genug zu essen und zu trinken hatte. Schließlich kam die Katze zum Rabbiner. Als die Rebezin**) an. einem Freitag den für Sabbat bestimmten Kugel***) in den Ofen bringen wollte, ertappte sie die Katze als diese aus dem Topf naschte und bereits **) Die Gattin des Rabbiners, Rabbinerin. ***) Eine Mehlspeise nach besonderer Art bei den Ostjuden. N 7. werden, daß nicht jeder, der das Gymnasium vesucht, «in Gottesleugner fein mutz. Dr. Nathan Birnbaum: Die Annahme, d« Krieg Wlte das Judentum deroutiert, sei falsch. Wirtschaftltch wohl, aber geistig weniger, zumindest nur a« Bruchteil dessen, was vor dem Kriege seinen Anfang nahm. Die Ursachen liegen viel tiefer. Wir leben in, mitten einer Flu» des Unglaubens, -eS JndividualismuS, des Kampfes aller gegen alle. Jed« Einzelne be» trachtet sich als Gott für sich und für die anderen. Darum sin«, wir in diese Lage gekommen. Aus dieser Flut müssen wir Rettung suchen. Nieder mit dem Uttglaüden, mit diesem Individualismus! Gegen den Jndivi« dualiSmuS draußen haben wir kein Mittel. Aber in nnS selbst müssen wir den individuellen Wahnsinn be» kämpfen. ES muß ein Befehl ausgehen, daß alle Juden sich unter der Fahne der Thora vereinigen müssen. Das. was gegenwärtig in unserem Lag« herrscht, ist nicht Gewissensfreiheit, sondern Anarchie. Die Rabbiner sind heute keine Autoritäten mehr. Wir werden über den Jammer nicht hinwegkommen, infolünge die« jenigen, die das Geld oder die Stirne haben, bet uns herrschen. Es ist Unordnung in unserem Volkes wollen wir dem abhelfen, dann muß eine starke Gewalt ge* schaffen werden. ״Ich beschwöre Sie, lassen Sie diesen große Stunde nicht vorübergehen! Schaffen wir div Organisation!" » ■ 0 .־ * * Es gelangt nunmehr Punkt 5 der Tagesordnung^ ״Die Vertretung der thoratreuen Judenheit auf dem Friedenskongreß" zur Verhandlung. Die Grundlage der Diskussion bildet die nachstehende Resolution: . Resolution Friedenskonferenz. Die bei der Weltkonferenz in Zürich vertretenen großen orthodoxen jüdischen Organisationen erleben kraft der historischen Legitimation der hinter ihnen stehenden thoratreuen Massen des jüdischen Volles in allen Ländern der Diaspora den feierlichen Anspruch, bei der bevorstehenden Neuordnung der staatlichen und politischen Verhältnisse vor dem Forum der NMonen gehört zu werden. Dieser ihr Anspruch ist den Pariser Konferenzen, dem Friedenskongreß in Versailles und den Organen des Völkerbundes gegenüber zu begründen. Zu einem — gegebenenfalls mit anderen Organisationen gemeinschaftlichen — Vorgehen gegenüber den Mächten sind Delegierte zu ernennen. . ״. ' Die Forderungen der Konferenz lauten, wie folgt: A) Betreffs Palästina: 1. Das jüdische Volk erwartet vom FrredenSkongreß die grundsätzliche Anerkennung Palästinas als des Landes Israels, allwo es berufen ist, seine nationalen Aufgaben gemäß Lehre und Gesetz d« Gottesoffenbarung zu verwirklichen. 2. Das jüdische Volk, dem die Besiedlung Palästina während der Dauer der Zerstreuung stets eine religiöse Pflicht war, beansprucht das Recht, im heiligen Lande unter dem Schutze des Völkerbundes oder seiner Maneinen ansehnlichen Teil verzehrt hatte. Sie schlug Lärm. Es erschien der Rabbiner in der' Küche und als et hörte was da geschehen war, war er voll Entsetzen: ״Eine Frechheit eines unreines Tieres, schrie der Rabbi, vom Kugel, der für den heiligen Sabbat bestimmt ist, anzurühren." Nun war es in der Chelmer Gemeinde Brauch, daß bei jedem wichtigen Vorfall gleich eine Beratung der Notabeln abgehalten wurde. Daher lies der Rabbiner unversäumt eine Sitzung abhalten und die Katze wegen Entweihung des Sabbats zu richten. DaS Urteil lautete: Tod durch Versteinen. Der Gemeindeäüeste stellte den Antrag die Katze noch am selben Tage zu versteinen und daß sich jedes Gemeindemitglied dstran beteiligen soll. Nun ״klopfte" der Gemeindediener, daß das ganze Volk sich um die Synagoge versammelte um die Katze zu versteinen. Und sie kamen alle, Münster, Frauen und Kinder. Freilich fehlte auch Hersch nicht. Er verteidigte sich dahin, daß in die Katze ein Teufel kam, der eigentlich vom Kugel naschte. Bald jagte man die Katze aus der Stube und das Versteinen begann. Doch sie sprang auf das Dach und vom Dach auf den Schornstein, um so dem Versteinen der heiligen Chelmer Gemeinde zu entrinnen. Nun erst begriffen die Leute, daß ein Teufel im Spiele sei. Die ganze Gemeinde war darüber sehr verlegen. Hersch ab« wußte, daß er hier nicht länger bleiben können wird und er gab den Rat: Zündet das Haus an, damit die Katze hinunterspringe. Schnell wurde das Haus angezündet, kein Mensch blieb untätig und sie legten das Feuer an. Doch die Katze kam nicht hinunter, sondern sprang von Dach zu Dach, von Schornstein zu Schornstein und die Chelmer zündeten nacheinander alle Häuser an, damit

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