Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 7 (4.4.1919)
- Date
- 1919-04-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Jayrg. XX, Nummer 7 »-־---O Be,«»»»reise: halbjährig ... Humen 12*50 ganzjährig.Kronen 24•— Deutschland, ganzjährig.Mark 18 — Rußland, ganzjährig ....... Rubel 12•— BaÜan, Frankreich ........ Frans» 24׳— 0---« Herausgeber: Max Hickl. m- Redaktion und Administration: Brünn, Adlergasse 8 Buchhändlerische Vertretung: Ott« Klemm, Kelptig Inserate: dev 6-spaltige ZentinMevomm 2 K. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht -,an» riert. — Manuskripten ist Rückporto SeizusÜLeu. Wien—Brünn 4. April 1919. 4. Nissan 5679 Prag—Lemberg. Sie Welt-Konferenz der DHMxie. (Zürich. 19. bis 26. Februar 1919 - Schluß.) Dr. Med .Hoffnmnn (Berlin) bespricht die Hhgie- Nischen Vechältnisse in Palästina und schildert an der Hand statistischer Tabellen die schlechten Zustände dortselbst. Delegierter Grünbaum (Nürnberg): Studienkom- Missionen sind sehr wichtig, viel wichtiger aber die Mittel, um die Arbeit in Angriff nehmen zu können. Falls die Zusammenarbeit mit den anderen Organisationen nicht möglich sein sollte, müssen wir eigene Mittel besitzen,, um die Arbeit selbständig in großem Maßstabe leiten zu können. Es sprechen ferner die Delegierten Rabbiner Groß (Jerusalem), Max Cohen (Köln), Eisenmann (Frankfurt a. M.), Rabbiner Doktor Rafael Breuer (Aschaffenburg), Zahnarzt Ehrmann (Frankfurt a. M.), Dr. Lieben (Prag). Rabbiner Dr. P. Kohn (Anspach) betont: Die Orthodoxie wagt heute einen neuen Schritt. Ob er gelingt, hängt von unserem Selbstvertrauen ab. Belasten wir die Emigrationsbüros nicht mit der Ausstellung von Neligionspässen. Delegierter Rösenheim (Frankfurt a. M.): Nicht von unserem Selbstvertrauen, sondern von unserem Gottvertrauen hängt das Gelingen unserer Arbeit ab. Feuilleton l ' Shaim Bloch, Atzgersdorf. Hersch Ostropoler. Ein jüdischer Till-Eulenspiegel des 18ten Jahrhunderts. Seine Dummheiten und seine Streiche. Wir haben nicht die Möglichkeit, beiseite zu stehen, wenn die Aussichten vorhanden sind, in Palästina «machsir atara lejouschno" zu sein. Der Jischuw ist keine zionistische Erfindung. Es wird Aufgabe des rabbinischen Rates sein, die Bedenken und Befürchtungen zu bwsetigen. Es handelt sich nicht um Religionspässe, sondern darum, daß die Orthodoxie nicht benachteiligt wexde. Jeder ist für die Politik der offenen Tür, selbst wenn für uns Gefahren vorhanden wären. Wer heute noch nicht würdig ist, in Erez 'י Jisroel zu leben, der kann es morgen sein. Wir müssen die Orthodoxie in den Stand setzen, mit den anderen Gruppen als gleichberechtigter und gleichwertiger Faktor in Verbindung zu treten. Wenn die Jugend mit uH ist, dann braucht uns nicht bange zu werden. In der Nachmittagssitzung gelangte der Absatz d) des 4. Punktes dör Tagesordnung: .,Die religiöskulturellen Aufgaben in Palästina und ihre, Ausführung" zur Verhandlung. Referent Oberrabbiner Dr. Winkler (Kopenhagen) bespricht das Verhältnis zwischen Zionismus und Kind zur Welt gebracht." Da begriff der Rabbi, daß Hersch in seiner Abwesenheit die Rabbi-Rolle spielte. Er fragte ihn lächelnd: ״Wie kamst du zu dem Einfall, einen Kreuzer auf den Nabel zu legen?" Hersch antwartete: ״Ich habe ein Sprichwort gehört, sobald man einem Juden einen Kreuzer zeigt, dann springt er aus der Haut, nun empfahl ich der Frau, daß sie ihrer Tochter auf den Nabel einen Kreuzer legen soll und da wußte ich, daß der Jud aus der Haut springen wird." Orthodoxie und betonte, daß die Orthodoxie in letzter Zeit das nationale Moment im Judentum stärker unterstreicht, womit sie den Zionisten den Wind aus den Segeln genommen hat. Nachdem wir nun dem Rationalismus nähergetreten sind, wäre es wohl ein leich» tes, mit dem Zionismus zusammenarbeiten, und zwar nicht wie bisher bestimmte Garantien verlangen, sondern sagen: wir haben euer, das Baseler Programm akzeptiert, akzeptiert ihr unser Programm. Alle Probleme sollen im Geiste der Thora gelöst werden. Referent unterbreitet die nachstehenden Leitsätze: Leitsätze - für die geistig religiösen Aufgaben in Palästina. Die thoratreue Gesamtjudenheit betrachtet cs als ihre Pflicht, Palästina zum geistigen und religiösen Zentrum zu machen. Hierzu ist notwendig: 1. Heranbildung der jüdischen Jugend in Palästina zu bewußten thoratreuen Juden, die der Diaspora als mustergültige Träger der jüdischen Kultur voranleuchten sollen. Zur Erreichung dieses Zieles sind in Palästlna zu gründen, beziehungsweise auszubauen: 1. Kindergärten; 2. Bildungsanstalten für Knaben (Talmud-Thora Schulen) und für Mädchen vom 16. bis 18. Lebensjahre; 8. Jeschiboth für reifere Jugend; 4. Anstalten zur Vorbildung von Lehrern und' Lehrerinnen; 6. Wirtschaftsschulen für die weibliche Jugend; 6. Landwirtschafts- und technische Schulen. Das beherrschende Prinzip all dieser Anstalten, um das alle anderen Bildungs- und Fachbildungsmomente sich gruppieren, ist die Thora in Leben und׳ Lehre. 2. Schaffung einer das ganze Land umfassenden Organisation zur Sicherung aller Bedürfnisse des re» ligiösen Lebens und zur moralischen und materiellen sich anschickte und der Gastgeber von ihm Bezahlung verlangte, erklärte Hersch, daß er kein Geld habe, da-- her nicht zahlen könne. Da sprach der Gastgeber im aufgeregten Tone: ״Das ist nicht meine Sorge, daß du. kein Geld hast; meinetwegen gehe unter die Juden des Ortes und sammle Almosen, mir aber mußt du für das Essen bezahlen." Hersch erwiderte: ״Dein Rat ist wahrlich köstlich, aber verstehst du, wenn ich selbst, ein gewöhnlicher Schnorrer, um die Almosensammlung mich bemühen werde, dann würden die Leute nur zu Kopiken gebem und es würde nicht ausreichen, um dir zu bezahlen, daher folge du meinen Rat, komme du mit mir, du bist ja ein achtbarer angesehener Mensch, da werden die Leute viel geben, so daß noch für ein zweites Mittagmahl übrig bleiben würde." 12. Hersch und der Dieb. Einmal verirrte sich ein Dieb nachts zu Hersch, denn er wußte nicht, daß er ein armer Mann war. Hersch lag auf dem Bett und trotzdem er nicht schlief und in der Finsternis sah, als der Dieb Schrank und Kasten durchsuchte rührte er sich nicht und atmete still. Der Dieb mußte sich bald zu seinem tiefsten Leidwesen überzeugen, daß diesmal seine Mühe zwecklos war. Im Schmerze ob seiner Enttäuschung, nahm er seine Schnupftabakdose aus der Tasche um durch eine Prise seinen Aerger zu stillen. Da entstieg Hersch leise seine Schlafstätte, ging auf den Dieb zu und steckte gleichfalls die Hand Hsn eine Prise an sich zu nehmen. Als der Dieb spürte, daß jemand neben ihm stehe, erschrack er sehr und wollte entweichen. Doch Hersch ergriff seine 9. Hersch vertritt die Stelle des Rabbi. Eines Tatzks, da der Rabbi in der Mikwah - war, kam eine Frau in das Gemach des Rabbi und trug vor Hersch, den sie als den Heiligen hielt, weinend die Bitte vor, für ihre Tochter zu Gott zu beten, die sich seit einigen Tagen in Geburtsnöten befindet. Hersch setzte sich auf des Rabbis Stuhl und gab der Frau den Rat ihrer Tochter an den Nabel einen Kreuzer zu legen, da wird sie bald das Kind gebären. Er verlangte, daß sobald das Kind kommen wird, man ihn gleich davon verständigen soll. Die Frau ging nach Hause, befolgte den Rat, den ihr Hersch gab, meinte sie doch, daß ex der Rgbbt war. Der Zufall wollte, daß das Weib bald nach dem man ihm den Kreuzer auf den Nabel gelegt hatte, das Kind gebar. Und da lief ihre Mutter um den Rabbi davon Mitteilung zu überbringen. Als sie jetzt kam, hatte der Rabbi wieder seinen Sitz angenommen. Die Frau sagte: ״Rabbi, ich wünsche Euch Maseltow, Euer Rat war gut und meine Tochter hat gleich darauf, als ihr der Kreuzer zugelegt wurde, das 10. Herschs «Achtzehngebet". Einst fiel es dem Rabbi auf, dag Hersch mit dem ״stillen Achtzehngebet" in außerordentlich kurzer Zeit fertig war. Er stellte ihn darüber zur Rede und sagte: ״Wie kann man in einer so kurzen Zeit das Achtzehngebet gesprochen haben? Bei mir dauert cs mindestens 10 Minuten." ' Hersch darauf: ״Versteht Ihr Rabbi, Ihr seid' ein Reicher. Wenn ihr daher das stille Achtzehngebet spricht, da habt Ihr von vielen Dingen zu sinnen, von Hof und Haus, Pferde und Wagen und Dergleichen zu denken, ich hingegen bin ein armer Teufel, habe nichts in Vermögen, als ein Weib und eine Katze, da sinne ich: Weib—Katze, Katze—Weib und bin mit dem Achtzehngebet bald fertig." 11. Wie Hersch eine Gasthauszcche bezahlte. Hersch kam einmal in ein Gasthaus, ließ sich vor allen feinen Speisen und Getränken geben, ohne freilief־ auch einen Kopek bei sich zu haben. Als er wegzugehen lle»breim die ״Jüdische Uolksstimme".