Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 5 (21.2.1919)
- Date
- 1919-02-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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,,. ■ -<~-^1,\, י״ " ״־י״»״-* r*i<וי זי*««.4 Nr. S. »piipy >W«pWr «eile 6. f«n Staate״ referierte. Der Redner ging von den TH1«n aus, welche die Juden während des Krieges dechmch degang enhaben, -aß sie fich in fremdnationa« len Lagern politisch betätigten. Diese ihre Betätigung war eine der Hauptursachen des im tschecho-flowakischcn Staate nach dem Umstürze eingetretenen Judenhasses. ES ist notwendig, -aß die Juden ihre politische Stellungnahme revidieren und sich einerseits als nationale Minorität konstituieren, anderseits im politischen Leben ausschließlich jüdische Jnteresien vertreten. In Herrn De. Goldstein lernten wir einen ganz ausgezeichneten Redner kennen, dessen hervorragende und von wirklicher innerer Wärme und Ueberzsugung getragene Ausführungen auf die Hörerschaft einen tiefen Eindruck mach, re« und zur Klärung unseres Verhältnisses zur tschechi« schen Oeffentlichkeit sicherlich sehr viel beigetragen haben. Kaschau. Der Ausweisbefehl des tschechischen Kom- Mandanten, der sämtliche Fremde zum Verlassen der Stadt aufforderte, ist erlassen worden, weil bestochene Elemente erklärten, daß die Juden den Bolschewismus verbreiten. Da sich diese Aussage als falsch erwiesen, wurde der Befehl dahin geändert, daß bloß Beschäftigungölose, die fich erst seit drei Monaten in Kaschau aufhalten, die Stadt verlassen müssen. Wag Neustadt. Die seit mehr als 80 Jahren bestehende israelitische Realschule in Nove Mestho v. B. (früher Vagujhely) die erst kürzlich uiS auf 8 Klassen erhöht wurde, ist aufgelöst worden. Dies war die ein. gige staatlich anerkannte und aus Gemeindemitteln er. Haltens jüdische Realschule Ungarns. Cger. Freitag, den 31. Jänner, wurde Jakob Zuckermann, Seniorchef der Firma I. ZuckermannS Söhne, zu Grabe getragen. Der Dahingeschiebene war Jahre hindurch Kultusvorsteher und erwarb fich um daS Aufblühen unserer Gemeinde unschätzbare Verdienste. Von seiner allseitigen Wertschätzung zeugt, daß ihm die Würde eines Handelskammerrates seit Jahren zuteil wurde und daß ihm auch sonstige Ehren, stellen übertragen wurden. Er war Vorstandsmitglied der Egerer EScompte-Gesellschaft, Zensor der öst.-ung. Dank und auch Ehrenmitglied mehrerer Vereinigungen. Dem Sarge voran schritt die Musikkapelle der freiw. Feuerwehr und eine unübersehbare Trauergemeinde, darunter die ersten Persönlichkeiten unserer Stadt, die dem teur enToten die letzte Ehre erwiesen. Auch Herrliche Blumenkränze waren als letztes Angebinde von lieber Seite gewidmet. In einer ergreifenden Trauerrede gedachte Herr Rabbiner Dr. Grünfeld, ausgehend vom Psalmverse: »Jeze hoodom lefoola der Arbeitsfreude Jacob ZuckermannS bis zum letzten Momente seines Lebens, sowie auch seines unerschöpflichen WissensdursteS und seiner hehren Ideale. Die kantorale Funktion versah in wirkungsvoller Weise Oberkantor Wilkowitsch. Halle a. S. Ein Opfer der Revolution wurde der 14jährige Obertertianer Albert Pfifferling, Sohn des Herrn Adolf Pfifferling, hierselbst. Am Sonntag, den 12. Jänner, fand eine Kundgebung für die Regierung Ebert-Scheidemann auf dem hiesigen Riebeckplatze statt, und bei dem darauf einsetzenden wilden Schießen traf den unglücklichen Knaben die tödliche Kugel. Die Beerdigung gestaltete ch zu einem ergreifbaren Trauerakt. Eine außerordentlich starke Trauerversammlung gab dem unschuldigen Opfer auf seinem letzten irdischen Gange das Geleit. Auch ein Kommando von etwa 20 Matrosen war zur Stelle, deren Führer ein prachtvolles Blumenarrangement, Palme mit Schleife, am Grabe niederlegte. Sämtliche Mitschüler mit ihren Lehrern, an deren Spitze der Herr Ghmnasialdirektor mit Gattin nahmen an der Trauerfeier teil. Nach einem einleitenden Trauergesang des Herrn Kantor Neumann sprach Herr Rabbiner Dr. Kahlberg in tief zu Herzen gehender Weise, wobei er sich jeder Anklage gegen die Täter enthielt. Während der Sarg ins Grab gesenkt wurde, flogen zwei Flieger in langsamem Fluge über den Friedhof, der während der Feier unter militarischer Bewachung stand. Budapest. »Pesti Hirlap" meldet: Die tschechischen Okkupationsbehörden haben in Eperjes den Oberrabbiner der dortigen orthodoxen Gemeinde B. Fischer verhastet und als . Geisel deponiert. Sein Aufenthalt ist unbekannt. HumlMtau. Nach immer Pogrome in Polen? Nach neuesten Nachrichten fanden in den letzten Lagen in einer ganzen Reihe von polnischen Städten Ju. denpogrom« statt. Charakteristisch ist der in Wieliczka, hier fanden am 4. d. M. große Judenexzeffe statt, die den ganzen Lag hindurch anhielten. Rekruten aus Wieliczka, welche vor der MusterüngSkommiffion zu erscheinen hatten, glaubten ihrer patriotischen Pflicht durch Judenpogrome am besten genügen zu können. Sie fielen über jeden Juden her, -er sich auf -er Straße zeigte, raubten und mißhandelten geradezu bestialisch jüdische Passanten. Außerdem plünderten fie jüdische Läden und Häuser. Trotze dem sich dies am hellichten Tage abgespielt hatte, schrttten die Behörden nicht ein, ja verweigerten selbst irgendwelche Maßregeln zum Schutze der dortigen Judenschaft zu treffen. Bei diesem Pogrom wurden 11 Juden verwundet. Aehnliche Exzesse fanden auch in Tholm, Kielce unv anderen Ortschaften statt. Die polnische Regierung, die ja immer die Pogrome zu leugnen versucht, hatte auch diesmal vollkommen ein energisches Einschreiten unterlassen. Die polnische Gesellschaft betreibt leider auch fernerhin ihre gehässige antijüdische Politik ohne zu bedenken, daß sie durch ihre organisierten JudenmaflakreS nur ihr Ansehen schmälert und die »polnische Freiheit" gefährdet. DaS Bestreben, die Juden derart zu bedrängen, datz sie notgedrugen Polen verlassen, welches ja in der gesamten polnischen Publizistik zu Tage tritt, beweist eben, wie kleinmütig die polnische Wirtschaftspolitik betrieben wird. Ist es denn möglich ein Volk, das seit Jahrhunderten im Lande ansässig ist und bis nun quasi der Hauptträger deS gesamten Wirtschaftslebens gewesen ist, ohne Schädigung des Staates, zugrunde zu richten? Denn eine Klasse, die den Handelsstand bilden soll, besitzt daS polnische Volk noch nichr. Und in Paris debattiert man über Völkergleichheit, ohne daß die Entente etwas gegen die polnischen Juden- Metzeleien unternehmen möchte. Soll vielleicht so die von ihr gepredigte Völkerfreiheit undgleichheit nur in Phrasen ihren Bestand feiern? r. Die orthodoxe Jischuw-Erez-Jisroel-Attion. In Fortsetzung der Propagandaarbeit für die orthodoxe Jischuw-Erez-Jisroel-Aktion in Wien fand am 5. Februar, abends, im Bethause Machsike Hadaß (1. Bez. Lazenhof) eine gutbesuchte Versammlung statt. Nach den einleitenden Worten des Präsidenten Herrn Bernhard Hofbauer wurde ein eingehendes Referat über die Ziele und die Aussichten der Aktion erstattet. Es folgte hierauf eine ziemlich lebhafte Diskussion, an der die Herren Sparer, Dr. Reiniger, Eduard Deutsch, Bernhard Hofbauer, Urh und andere sich beteiligten. Das Programm der Aktion fand allgemeine ZuiNcnmung und ein großer Teil der Anwesenden trat der Organisation bei. Weitere Versammlungen werden im Laufe der nächsten Zeit stattfinden. Dr. Nathan Birnbaums Bortrag. Frankfurt a. M. In Dr. Nathan Birnbaum, bekannt unter dem Schriftstellernamen Mathias Acher, stellte sich den Mitgliedern der Agudas Jisroel nicht nur eine Persönlichkeit von einer hohen geistigen Qualität, sondern auch ein Mann von einer höchst bemerkenswerten eigenen Note vor, denn Nathan Birnbaum ist von der äußersten Assimilation zum bewußten Thorajudentum gekommen und weiht diesem heute jedes Atom seiner geistigen und körperlichen Kraft. Nathan Birnbaum sprach über die Gottesvolkschaft Israels. Israel verdient, so führte er aus, von allen Völkern den Namen eines Gottesvolkes durch seine Thora, durch seinen Heiligkeitscharakter — nur aus seiner Mitte konnten Propheten entstehen — und durch die ihm innewohnende heiße Sehnsucht nach dem Messias. Selbst diejenigen Söhne des jüdischen Volkes, die ihm untreu geworden sind, sind jeden Tag dazu befähigt, wieder Gottesvolk zu werden. Wenn sie mit fremden Mitteln für eine unserem Messiasideale verschiedene Weltbefreiung streben, so suchen sie damit nur die Spur, die sie durch Lossagung von ihrem Volke verloren. Eine unbekannte jüdische Sekte. Heber eine bisher unbekannt gewesene jüdische Sekte aus der Makkabäerzeit, die für den Fortbestand des Judentums von großer Bedeutung war, machte Oberrabbiner Dr. Chajes-Wien interessante Mitteilüngen. Der Vortragende ging von der Auffindung einer fragmentarischen Handschrift aus, die einen Abschnitt aus dem Buche Sirach darstellt, in einem Behälter einer Synagoge in Kairo entdeckt und von dem vor zwei Jahren verstorbenen Forscher Professor Schechter von der Universität zu Cambrindge herausgegeben wurde. Die Schrift gibt Kunde von einer Sefle, die in einer Zeit deS religiösen Zerfalls im Judentum entstand und gegenüber der von den damaligen Hohepriestern geleiteten religiösen Affimilierung an die heidnischen Kulte des Griechentums fich behauptete. Dr. LhajeS verlegt im Gegensatz zur Auffassung SchechterS und anderer Gelehrten die Existenz dieser Sekte, die einer eigenen Auffassung der jüdischen Gebote huldigte, in die Malkabaerepoche. Sie hatte nur eine kleine Gemeinde zur Verfügung, die fich in Damaskus ansiedelte und ungefahr um 66. ü. Ztr. durch einen Pogrom ganz dezimiert wurde. Trotzdem vermochte sie die jüdische Kultur vor dem Untergang im Heidentum zu bewahren. Der polnische Kampf gegen die jüdische Presse. 'Dem jüdisch-polnischen Tageblatt »Nowy dziennik" in Krakau ist auf Veranlassung deS polnischen ArmeeoberkommandoS für Galizien und Schlesien das Postdebit entzogen worden. Bereits seit einiger Zeit liegen Nachrichten vor, nach welchen polnische Eisenbahnbeamte usw. den Versand dieses Blattes bei jeder Gelegenheit verhinderten und die Zeitungsballen verbrannten. Statt diesem Terror der Bevölkerung Einhalt zu tun, sanktioniert die polnische Regierung da- Vorgehen nunmehr offiziell. Mit solchen Mitteln, welche an die reaktionärste Zeit der Kriegsjahre erinnern, glauben die Polen die Presse unterdrücken zu können. Entjudung. Die »Gazeta Porana" berichtet: Die Arbeiter aller Abteilungen der Warschau-Petersburger Bahn beschlossen, von den Behörden zu verlangen: 1. als Bahnarbeiter und Beamte im Verkehrsministerium dürfen nur christliche Polen angestellt Werden; 2. neue Juden dürfen absolut nicht ausgenommen werden und die jetzt angestellten müssen unverzüglich entfernt werden. Bon der Internationalen Sozialistenkonferenz in Bern. Bei der Besprechung der Fragen des Völkerbündeergriff der Poale-Zionist Berl Locker (Palästina) daS Wort um bei dieser Gelegenheit die Forderungen des jüdischen Volkes zu vertreten. Er. sagte unter anderem^ daß es nicht nur die Aufgabe des Völkerbundes sein könne, neue Kriege zu verhindern, sondern daß er auch die Aufgabe zu lösen habe, die schwächeren, kleinen und unterdrückten Nationen zu schützen, wobei nicht etwa bloß territorial bestimmt begrenzte und organisierte Völker, sondern auch die Völker den Schutz genießen sollen, die noch keinen national organisierten Staat besitzen. Im Zusammenhang mit dieser Forderung verbreitet sich der Redner über die traurige Lage der Juden in verschiedenen östlichen Staaten, wobei er die polnischen Sozialdemokraten beschuldigt, an den Pogromen gegen die Juden teilgenommen zu haben. Die unterdrückten nationalen Minderheiten sollen gleichfalls Völkerbundsmitglieder werden. Das jüdische Volk verlangt vqlle nationale Autonomie, sowie ein Territorium, damit das Volk sich in einer normalen Wirtschaftlichen Struktur entwickeln und alle Tätigkeitsgebiete des menschlichen Lebens, vor allem auch die Landwirtschaft, pflegen kann. Bolschewik! gegen dir Juden. Das jüdische Kommissariat in der Räteregierung, betrachtet den Kampf gegen die jüdisch-nationale Bewegung und ihre Organe als eines ihrer wichtigsten Ziele. Die Einberufung eines jüdischen Kongresses wurde verhindert, die großen jüdischen, kulturellen und national-politischen Gesellschaften unter Kontrolle gestellt, alle jüdische und russisch-jüdische Prehorgane verboten. Man beschloß die jüdischen Gemeinden als konterrevolutionäre Nester zu schließen, die Mitglieder der Gemeindeverwaltung auseinander zu jagen und den gesamten Gemeindeapparat zu bolschewistischen Zwecken zu verwenden. Jetzt beschäftigt fich das Kommissariat mit dem Projekt der Auflösung des Rabbinats. Eine besondere Aufmerksamkeit widmen die Bolschewisten den ׳Zionisten. Lissewsky, selbst Jude, erklärte neulich, die Feinde des Bolschewismus seien die »Schwarze Hundert", die linken Sozialrevolutionäre und die Zionisten. An Stelle des eingestellten »Raßwjet" wurde den Zionisten jetzt gestatet, eine »Chronika Jewreiskoh Jisni" herauszugeben, die aber bloß Mittetlangen aus dem jüdischen Leben in Rußland und Palästina, ohne Aufsätze und Leitartikel, bringen darf. Zur Weltkonferenz der religiösen Verbände. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, haben zu der internationalen Konferenz aller gesetzestreuen jüdischen Verbände, die durch das Zentralbüro der Agudas JiSroel für den 18. Februar nach Zürich einberufen wurde, bisher etwa 75 Delegierte, die 11 verschiedene Länder vertreten, ihr Erscheinen angekündigt. Die gefetzeStreuen Rabbinerverbände von Deutschland, Galizien und der Bukowina, Holland, Polen, Rußland und den Vereinigten Staaten von Nordamerika entsenden Delegierte zu dieser Konferenz. Die Konferenz