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Jüdische Volksstimme · 1919-02-21 · Heft 5 (21.2.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 5 (21.2.1919)
Date
1919-02-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr S nißmt *•ffitf•«*״ Sritt S. .chen Lebensweise die Demoralisation eindringen werde, was ja dann für die Bottsmassen von schädlicher Tin- Wirkung sein könnte. Das Interesse dieser einzelnen Kreise ebnete de^ Weg der jüdischen AufttärungSbewegung, die ihren Ursprung in Berlin genommen und von hier aus vermit» telS ihrer Jünger auf die jüdische Jugend in Polen langsam einzuwirken begonnen hatte. Der erste Popularisator dieser Bewegung in Polen war Mendel Satanower.**) Die HaSkala war auch hier ihrem inneren Wesen nach eine unpolitische und unsoziale Bewegung, wie eS ja die allgemeine Aufklärung gewesen ist. Ihr einziges Ziel war nur die Verbreitung des allgemeinen Wissens und in diesen Dahnen bewegte sich auch heir ihr Wirkungskreis. Aber ihre Einwirkung blieb nur auf einen kleinen Kreis von Intellektuellen beschränkt; die Volksmasssn blieben von ihr so gut^wie unberührt, diese schlossen sich eher dem volkstümlicheren Chassidismus an. Positive Erfolge erzielte die HaSkalabewegung erst im Laufe des 19. Jahrhunderts. Presseschau. Gustav Herve veröffentlicht'in seiner »La Victoire" unter dem Titel ״Und das armenische Volk?" einen Leitartikel, aus dem wir ersehen, daß Gustave Herve, der während des Krieges in der französischen Presse wohl als erster für ein jüdisches Palästina eintrat, nunmehr seine Stellung zu dieser Frage geändert hat. Interessant ist, wie dabei versucht wird, entgegengesetzte Begriffe miteinander in Einklang zu bringen. Die einzige und mit den Rechten der Völker übereinstimmende Lösung der armenischen Frage besteht nach Herve in der Gründung eines unter dem Protektorate der Alliierten oder des Völkerbundes stehenden neutralen armenischen Staates, der vom Schwarzen- bis zum Mittelmeer und von Trapezunt bis Mersina reichen soll. In diesem Falle müßte Frankreich auf den ihm durch das geheime Abkommen von 1916 (das jetzt allerdings hinfällig sei und einer Revision bedürfe) zugesprochenen Teil Türkisch-Armeniens verzichten. Nach diesem Abkommen sollte Frankreich das Protektorat über Klein-Armenien und Syrien (Palästina ausgenommen) und England das über Mesopotamien und Palästina erhalten. Als Kompensation für diesen Verzicht verlangt Herve, daß England Palästina an Frankreich zurückgebe, was ja das einzig richtige ist, da Palästina nur einen Teil Syriens ausmache. * * ״Der Jüdische Arbeiter" schreibt unter dem Titel: ״Zionisten im Galuth, Sozialisten in Palästina": ״Vor dem Kriege haben die Poale-Zair in Pa״ lästina die Poale-Zionisten bekämpft, indem sie argumentierten: ״Euer Klassenkampf, Euer Sozialismus ist vielleicht richtig in Galuth, in Palästina gibt es jedoch dafür gar keinen Platz". Dieser Parole der Poale- Zair, Sozialismus im Galuth, Zionismus in Palästina folgten die kapitalistischen Zionisten und ihre intellektuellen Führer. Heute jedoch wird diese Parole von den Zionisten umgekehrt und sie fordern: Zionisten in Galuth, Sozialisten in Palästina. Bei aller Inkonsequenz welch interessantes Symptom. * * -> ״Jewish Chronic!e" gegen die Polen- Politik der Entente. Diese führende jüdische Zei- 4:ung Englands schreibt: .,Der Hexenkessel der polnischen Uneinigkeit siedet von so manchen sich widersprechenden Elementen, daß keiner es wünscht, noch mehr hinzuzufügen. Aber als Juden fühlen wir uns gezwungen, ein Wort des scharfen Protestes gegen die Politik der Alliierten hinsichtlich Polens auszusprechen. Vor Monaten haben sich die Alliierten zur Unterstützung des polnischen Nationalkomitees verbunden, und nach der Neußerung des französischen Außenministers zu urteilen, wird diese Unterstützung fortgesetzt. Der Präsident dieses Komitees Dmowsky aber ist zweifellos indirekt verantwortlich für das schreckliche Los, das unser Volk getroffen hat; es ist sein Einfluß, wenn nicht feine Aktivität, die an den neuen Schandtaten gegen die Juden in Posen schuld ist. Einen solchen Mann in den Vordergrund zu schieben und zugleich seine Politik, ist nicht allein ein Schutz für seine anti-jüdische Haltung, sondern eine Verschärfung des jüdischen Problems in Rußland. Aus jüdischen Gründen hat die Judenheit aller Lander das Recht, gegen eine solche Politik, die so viele **) Unsere Abhandlung über ihn in Mitteilungen für jüdische Volkskunde Jg. 1914. H. 2. Gefahren für dajüdische Bott birgt, ernstlich zu protestieren." * * « Der in Rom erscheinende ״Israel" schreibt: ״Die französische Regierung hat im Pariament die Richtlinie der französischen äußeren Politik vor dem Tribunal der Völker kundgegeben. ״Frankreich — sagte Pichon — hat unbestreitbare Rechte zu schützen, insbesondere in Libanon, in Syrien und tn Palästina. Wir anerkennen sicherlich die vollkommene Freiheit der Konferenz und daß ihr das Recht zusteht, den vorübergehenden Vereinbarungen diese oder jene Schlußfolgerung zu geben, wir nehmen jedoch an, daß unsere Vereinbarungen uns und England binden." — ES handelt sich immer um die Abmachung von 1915, welche der Erklärung Balfours vom 2. November 1917 voranging und welche von Pichon im Februar 1918 ergänzt wurde. Briand bestätigte die Worte PichonS... DaS jüdische Volk muß auf der Hut sein vor der Legitimität eines Vertrages, welcher die Rechte der Völker aus alter Eroberungssucht mit Füßen tritt. Dieser Vertrag, auf welchen Pichon und Briand sich beziehen, ist vom ״Manchester Guardian" eine ״Infamie" genannt worden: ״Er!tauschte die Völker aus, wie Rindvieh, und unglaublich ist es, wie er noch in Kraft sein kann." Und doch ist es bis heute so. Es gibt keine Nationalrechte für keines der unterdrückten und irredenten Bölker West-Asiens, es gibt nur die Jahrhunderte zählenden Rechte Frankreichs. Werden wir also vor der Türe bleiben müssen aus Untertänigkeit für den unstillbaren Appetit der französischen Diplomatie? Was wird denn aus dem jüdischen Volk werden, wenn es nochmals ins Exil zurückgejagt wird? Entweder entscheidet sich heute vollkommen die jüdische Frage durch ein durchaus jüdisches Palästina, in welchem die Rechte der Araber und diejenigen der anderen religiösen Gemeinschaften geachtet werden, oder aber muß das jüdische Volk jede Illusion über die Macht der Gerechtigkeit der Weltdiplomatie verlieren! Zweitausend Jahre Exil sind doch lange genug, um uns das Recht zu geben, endlich eine Heimat zu beanspruchen und von Frankreich zu veclangen, daß es unsere unbestreitbare Rechte auf das alte jüdische Land anerkenne." Verband jüdischer Handelsangestellter und Privatbeamter im tschechoslovakischen Staat. Sonntag, den 2. Februar 1919, fand in Brünn eine Tagung der im tschecho-slovakischen Staate gelegenen Ortsgruppen des Jüdischen Handlungsgehilfenverbandes statt, die sich mit dem Ausbau dieser Organisation bezw. deren Umgestaltung beschäftigte und von allen Ortsgruppen stark besucht war. Entsprechend der Sachläge und nach Erwägung aller Umstände, die in der Hauptsache in den geänderten staatlichen Verhältnissen liegen, wurde beschlossen, die in den Grenzen des tschecho-slovakischen Staates liegenden Ortsgruppen unter vollkommener Loslösung von der Deutsch-österreichischen Zentrale zu einem selbständigen Verband der Jüdischen H. A. u. P. B. zusammenzuschließen, dessen provisorische Zentrale vorläufig Brünn ist. Nach der Wahl einer provisorischen Vcrbandsleitung beschäftigte sich die Tagung eingehendst mit der wirtschaftlichen Lage der jüdischen Angestellten und mit der Stellung der neuen Orgänisation zu den anderen Angestelltengewerkschaften. Es wurde einstimmig der Wunsch ausgesprochen, ein unbedingtes Zusammengehen in Klassenfragen mit diesen Organisationen zu suchen und der neuen Leitung dementsprechende Direktiven erteilt. Die Bekämstfung des sich immer verstärkenden Boykotts jüdischer Angestellter, die Frage der Berufsumschichtung und der Ausbau der Stellenvermittlung nahmen einen Großteil der Zeit in Anspruch. Die Anstellung eines besoldeten Sekretärs wurde genehmigt und die Herausgabe eines Monatsfachblattes beschlossen. Nach Schluß der Tagung trqten die Delegierten zu einer Beratung wegen Schaffung von politischen Organisationen zusammen und wurde nach den Ausführungen des Delegierten der Reichsexekutive der Poale Zion in Prag beschlossen, den Kollegen den fakultativen Beitritt zur Poale Zion zu empfehlen und dort, wo die notwendigen Aufklärungsarbeiten bereits -urchgeführt sind, Ortsgruppen der jüd. soz. Arbeiterpartei Poale Zion zu schaffen. Verband Jüdischer H. u. P. H., Zentrale Brünn. Das Sekretariat des Verbandes befindet sich in Brünn, Liechtensteinstrabe 2. Tägliche Sprechstunden von 10—12 Uhr vormittags und von 4—6 Uhr nachmittags. Zuschriften sind zu richten an Obmann Kollege .Siegfried Keßler, Brünn, Herrengasse 12—14. Personalnachrtchtev. Lberinsenieur Robert Stricker -ewShlt. Bei. der am Sonntag, den 16. d. M., stattgefundenen Wahl für das deutschösterreichische Parlament wurde Ing. Robert Stricker mit 7006 Stimmen gewählt. Wien. Am 2. d. M. fand im türkischen Tempel die Trauung des Frl. Louise Beck mit Herrn Gustav Bauer unter außerordentlicher Beteiligung statt. Der Vater deS Bräutigams, Oberkantor Jakob Bauer, versah selbst in ungetrübter Jugendfrische die kantorale Funktion. Zur Vornahme der Trauung hatte Rabbiner Dr. Funk, den Schwager des Bräutigams, Rabbiner Professor Dr. Kahan aus Znaim, delegiert. Die Zeremonien leitete Rabbiner Dr. Funk durch ein eindrucksvolles Gebet ein, worauf Rabbiner Dr. Kahan unter Assistenz de- Chacham Owajda den TrauungSakt vollzog. Eine glänzende, musikalische Leistung bot der vom Chorhirigenten Kantor I. Löwit geleitete Chor. Besonders feierlich wirkten die wundervollen von kräftigen Orgelakkorden getragenen Harfenklänge. Der Einzug des HochzeitSzugeS vollzog sich unter dem üblichen sephardischen Ceremoniell unter Führung deS Vize-Präsidenten Lazar Suffin und Vorstehers Rudolf Cohen. Unter den Anwesenden bemerkte man den fast vollständig erschienenen Vorstand der türkischen Gemeinde, in Vertretung de- BethausvorstandeS der Kultusgemeinde den Dizepräsidenten Anton Beck, viele Rabbiner, Kantoren und Ber> trete! verschiedener jüdischer Organisationen. Berlin. Dem hochverehrten Rekwr des Rabbiner- Seminars Dr. Hoffmann ist der Professortitel verliehen worden. Es ist erfreulich, daß somit die überragende Bedeutung David HoffmannS auch seitens solcher Kreise, die seiner Lebensarbeit ferner stehen, anerkannt wird. Cöthen. Zum Rabbiner der Gemeinde Cöthen als Nachfolger des verstorbenen Dr. Seligkowitz wurde Herr Dr. Alexander, bisher Feldhilfsrabbiner, gewählt. Rabbiner Dr. Alexander ist ein Zögling der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Wien. (Trauung.) Sonntag, den 9. Februar, um 3 Uhr nachmittags fand im Tempel, K. Bez., Schmalz» Hofgasse, die Trauung des Fräuleins Alice Mittler, Tochter des Herrn Adolf Mittler, mit Herrn Emil Stein, Sohn des Herrn Siegfried Stein, statt. Korrefponckenzen. Wien. Der gemeinsame jüdische Hochschulausschuß veranstaltet in der Zeit vom 24. bis 27. Februar im Konzerthause den ״Allgemeinen jüdischen Studententag". Ihre Mitwirkung haben zugesagt: Oberrabbiner Dr. Chajes, Dr. Hugo Bergmann, Dr. Siegfried Bernfeld, Dr. Robert Weltsch, Dr. Saul Sokal, Dr. Emil Stein, Priv.-Doz. Dr. Harry Torczyner, Ing. Eugen Buchbinder, Lothar Hoffmann, Friederike Ornstein. Auskünfte im Sekretariate des Hochschulausschusses, 9. Bez., Müllnergasse 34/4, täglich von 11 bis 12 Uhr vormittags. Wien. Von einem plötzlichen Tode wurde auf dem Wege in die Schule der Nestor der Wiener Religionslehrer und pensionierter städtischer Lehrer Herr Adolf Ehrenfest am 18. Jänner in seinem 74. Lebensjahre ereilt. Die Liebe und Wertschätzung, deren sich der Veteran der Schule bei jung und alt und bei den Angehörigen aller Konfessionen erfreute, kam in der ungewöhnlich großen Beteiligung bei dem am 21. Jän» ner stattgehabten Begräbnis in solenner Weise zum Ausdrucke. Nebst den Vertretern der Kultusgemeinde, der Bezirkskommission, der Chewra Kadischa und zahlreicher Lehrern und Beamten der Kultusgemeinde, befanden sich unter den Trauergästen der katholische Pfarrer des 21. Bezirkes Ignatius, der Vertreter der evangelischen Gemeinde Lehrer Hartsinger, Bezirksschulinspektor Stingl mit den Schulleitern und Lehrkörpern jener Schulen, an welchen der Verblichene gewirkt. In seiner ergreifenden Trauerrede würdigte Rabbiner Dr. Nosenmann die bis zum Tode rastlose und verdienstvolle Wirksamkeit des allseits verehrten Schulmannes und nach den von Kantor Margulies mit dem Tempelchore exekutierten Trauergesängen wurde die Leiche in dem von der Chewra Kadischa Floridsdorf, deren Mitbegründer der Dahingeschiedene war, gewidmeten Ehrengrabe beigesetzt. Ung.-Hradisch. Am 28. Jänner veranstaltete der hiesige jüdische Volksrat eine öffentliche Bolkspersammlung, bei welcher vor zahlreichem Auditorium, unter dem auch viele Nichtjuden waren, der Sekretär des jüdischen Nationalrates in Prag, Herr Dr. Angela Goldstein, über das Thema ״Die Juden im tschecho-slovaki-

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