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Jüdische Volksstimme · 1919-02-07 · Heft 4 (7.2.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 4 (7.2.1919)
Date
1919-02-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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I m. 4, bischet VolkSratrS. Die» Gedeutet eineu großen Schritt auf dem Wege zur vollen Anerkennung -er nationalst Minderheit-recht« der Süden . Der «aerbnn» s,V «der Palästina entscheidest. Der Sonderkorrespondent de» Neuterschen Bureaus bei der Konferenz in Paris erfährt, daß die britischen Delegierten bereit seien, gewisse Probleme, wie die Zukunft Mesopotamien», Palästinas und der deutschen Kolonien, an den Völkerbund zu verweisen,׳ sobald die« ser -ustatchegÄommen sein wird, damit fie nicht die Zeit der Konferenz in Anspruch nehmen. Daraus gehe hervor, daß die Briten keine territorialen Forderungen aufzustellen beabsichtigen, die mit den Grundsätzen de» Völkerbundes unvereinbar wären. Fean-SfischeS Schutzrecht für Palästina. Die in der französischen Kammer von Pichon abgegebene Erklärung, welche die Rechte Frankreichs in Palästina und den benachbarten Ländern scharf unter-, streicht, Rechte, die ebenso auf historischen Traditionen, Nebereinkommen und Abmachungen wie auch auf den Aspirationen der Einwohner beruhen, die schon seit jeher ihre Freundschaft für Frankreich bezeugten und auf die Frankreich, noch PichonS ausdrücklichen Worten, unbestreitbare^Schutzrechte, besonder» im Libanon, Syrien und Palästtna besitzt, haben nach «Jewifh-Ehronicle" in jüdischen Kreisen stark beunruhigend gewirkt. Das genannte Blatt schreibt: ES wird die alliierten Regierungen nicht überraschen zu hören, daß solche auf ge- Heimen Abmachungen beruhende Deklarationen besonder» in jüdischen Kreisen, eine gewisse Unruhe hervorriefen. Wir wissen nicht ob, und wieweit diese, mit den zärtlich gehegten jüdischen Aspirationen im Konfliktstehen. Wir können nur hoffen, daß diese Abmachungen in keiner Weise dem Geist und Wortlaut der bekannten britischen Erklärung zuwiderlaufen. Doch ist e» schließlich die Friedenskonferenz, die auch hierin die Entscheidung fällen wird. Immerhin erwecken solche geheimen Abmachungen gewisse Befürchtungen und eine autorative Klarstellung wäre sehr zu wünschen. Delegation de» Jüd. Nationalrates für Ostgalizien. AM 19. Dezember 1618 trat in StaniSlau der erste jüdische NationalratStag OstgalizienS zusammen. Von den. 49 ..Bezirken des Landes lagen 37 östlich der Front, welche ihren Anschluß erklärten. Bei den Beratungen, welche bis zum 20. Dezember dauerten, waren 23 Bezirke durch 44 Delegierte vertreten. Der von der Konferenz gewählte jüdische Nationalrat für Ostgalizien in StaniSlau setzte als seine Repräsentanz in Wien eine Delegation ein, welche aus Adolf Stand (Präsident), Mayer Heinrich, Dr. Moritz Pachtmann, Dr. Max Rosenfeld, Hermann Trapp und Leon Mecheler (Sekretär) besteht. Der Delegation obliegt die Vertretung der Interessen de» Jüdischen Natiqnalrates für Ostgalizien gegenüber allen jüdischen und nichtjüdischen Körperschäften in Wien und im Westen. Alle Zuschriften, die in normalen Verhältnissen direkt an den Jüdischen Nationalrat für Ostgalizien in StaniSlau gesandt worden waren, find an die Delegtaion in Wien, 2. Bezirk, Ta-; borstraße, zu schicken. Jüdische Morgenpost. Die in Wien seit 3 Jahren in jüdischer Sprache erscheinende »Wiener Morgenzeitung" erscheint jetzt unter dem Namen »Wiener Morgenpost". Die redaktionelle und administrative Leitung der Zeitung ist unverändert geblieben und wird sie auch unter dem neen Namen für die Verteidigung der jüdischen Interessen in politischer, ökonomischer und kultureller Beziehung eintreten. Die ״Wiener Morgenpost" verspricht mit allen jüdischen Zentren der ganzen Welt in Derbindung zu stehen und interessante originelle Aufsätze über -a» jüdische Leben in Palästina zu bringen. Sie wird fich auch zu allen Fragen wirtschaftlicher und politischer Natur vom jüdischen Standpunkte aus Stellung nehmen. Der «Jüdischen Morgenpost" wünschen wir da» beste Gedeihen. Die Budapestrr ״Allgemeine Jüdische Zeitung" — ein «iSrechivezen. Die seit 32 Jahren in Budapest erscheinende «Allgemeine Jüdische Zeitung" ist vor kurzem zu einem Organ der ungarländischen Misrachiorganisationen geworden. Al» Redakteur wurde Pr. M. Zobel, der gewesene Redakteur der.Welt" bestellt. Dem MiSrochi-Organ auf seinem Wege — den besten Erfolg. Der geschlefieue jüdische Friedhof in Deutz. Der jüdische Friedhof in Deutz, der nunmehr nicht mehr benütz^ wird, ist wohl der Älteste zurzeit in Be- WMWtzW» ompupr Nutzung befindliche Gottesacker Köln». SSO Jahre hat er der SyMgogengemeinde Köln als Begräbnisstätte gedient, und ganze Geschlechter Hoden hier Ihre letzte Ruhe gefunden. Seine Entstehung greift zurück ln die urkölnische Zeit; die Ausweisung der Juden au» Köln hatte eine größere Anzahl der Vertriebenen veranlaßt, fich im jenseitigen D-utz niederzulaffen, und da fie hier eine eigene Begräbnisstätte nicht hatten, fuhren ste fort, ihre Toten wie vorrdem auf dem alten Judenacker (Toten Juden) vor dem SederinSwre zu begraben, indem fie bäi Nacht und Nebel oberhalb Köln» über den Rhein setzten. Selbst diese Duldung erschien dem hochweisen Rat der Stadt Köln noch zu weitgehend, und um den Juden die Beerdigungen daselbst zu verleiden, machte man den Platz zum Schindacker und ließ dort einen Galgen errichten. Die Verhältnisse waren unhaltbar geworden. Die jüdische Gemeinde wandte sich de» öftern schutzsuchend an den Kurfürsten, und dieser erlaubte ihnen im Jahre 1689 die Anlage eines neuen Friedhofes auf der rechten Rheinsette, auf der Sandkaul. Nahe den Mühlen. Der erste, der hier gebettet wurde, war der am 17. TamuS 1699 verstorbene Synagogendiener Menachem Len Abrahma, genannt Menki SchammeS. ES war zunächst ein unansehnlicher Platz, weitab von Deutz, gegen Poll zu, einsam im Felde gelegen. Doch hat er im Laufe der Zeit mehrfache Er- Weiterungen erfahren; besonders, da auch die Kölner Juden nach ihrer Wiederzulaffung in der Stadt einen eigenen Friedhof nicht mehr besaßen und hier begraben wurden. Ei« Gruß LouiS BraiPeiS' an die Juden.. Die jüdische Preffekanzlei berichtet aus Prag: Präsident Masarhk teilte den Prager jüdischen Korporationen ein Telegramm mtt, welches der Minister für AeußereS'in Paris Herr Benesch am 13. Jänner von dem Präsidenten der amerikanischen zionistischen FöderationeN, LouiS Brandeis, erhalten hat. In diesem Telegramm entbietet Brandeis d enJuden in der tschechoslovakischen Republik seinen zionistischen Gruß und beglückwünscht sie zu der Unabhängigkeit, welche ihnen gleichzeitig mit allen anderen Bürgern des tschechoslovakifchen Staates garantiert wird. Numerus ClausuS an der Krakauer Universität. Bei der diesjährigen Inskription an der Krakauer Universität hat die Universitätsbehörde prinzipiell auf je 100 christliche Hör« nur 5 Juden ausgenommen, also eine besondere Prozentnorm für die Juden aufgestellt. Die Judenpogrome. Reuter verbreitet eine Nachricht aus Haag, wonach die zionistische Organisation in London gegenüber den polnischen Dementis wegen der Judenpogrome in Galizien unwiderlegliche Beweise für die Pogrome besitzt. Reuter fügt hinzu, daß es in England befremdend wirkt, daß während eine englische Kommission in Polen weilt, um eine Untersuchung über die Pogrome anzustellen, die Polen durch Dementis versuchen, das Ergebnis dieser Untersuchung vorwegzunehmen und die Berichte über die Pogrome zu dementieren. England interessiert.sich für die von den Polen verhafteten galizischen Zionistenführer. Das Kopenhagener Zionistische Büroerhielt von der englischen Gesandschaft in Kopenhagen die Mitteilung, daß in der Angelegenheit der verhafteten Zionistenführer die polnische Gesandtschaft in Wien vom Londoner auswärtigen Amte ersucht wurde, weitere Untersuchungen anzustellen und Bericht zu erstatten. Ein internationales Tribunal für die Juldenfrage. Der Londoner Korrespondent des Jüdischen Preßbüros telegraphiert aus Stockholm: Aus zuverlässiger Quelle erfahre ich, daß in den politischen Kreisen der Friedenskonferenz sehr ernst die Frage erwöget» wirs, wie und nach welchen Prinzipien die Judenftage gelöst werden soll. Dabei wird auch die Form einer Organisation diskutiert, welche die Beobachtung der von der Konferenz akzeptierten Formen und Prinzipien seitens der in Betracht kommenden Mächte und zur Aufgabe hat. Dem FriedSkongreß wird ein Vorschlag unterbreiiet werden, welcher die Schaffung eines Internationalen Tribunals oder Rates zum Inhalt Hkt, der jede Frage, die mit jüdischen Angelegenheiten in Verbin. düng steht, entscheiden soll. Diese» Tribunal soll dem Völkerbund angeschlossen werden und seiner Kontrolle unterstehen. Roch ket«e Einwanderung nach Palästina. Wie ein Korrespondent erfährt, wird das Londoner zionistische Büro mit Rücksicht auf die in allen Ländern Seite S. insbesondere den Länder« jüdischer Maffensiedlun^ immer mehr um sich greifende AuSvanderungSdewegung nach Palästina demnächst eine Erklärung veröffentlichen, welche genaue Angaben über die dieSbezüglichen Möglichkeiten enthält. Bis dahin übernimmt die zionistische Organisation keinerlei Verantwortung für eine ohne Einvernehmen mit den zionistischen Stellen erfolgende Auswanderung. Es ist somit dringend anzuraten, daß eine vorzeitige Abreise von Gruppen oder Einzelpersonen aus ihren Wohnländern seitens der jüdischen Behörden verhindert wird. Konferenz der Orthodoxen in Warschau. Die Konferenz der Orthodoxen in Warschau verlangt in ihrer Resolution u. a. die Anteilnahme der religiöfen Juden auf dem Friedenskongreß bei denjenigen Beratungen, .bei welchen die Palästinafrage behandelt werden wird. Die Konferenz beschloß eine Registrierung derjenigen Juden, die sich nach Palästina begeben wollen, Vornahme einer intensiven Kolonisationsarbeit auf genoffenschafutchen Grundlagen, tau-.i». lästinafonds, um Juden, die kein eigenes Kapital besitzen, die Reise nach Palästina zu ermöglichen. Gründüng einer Agrarbank in Palästina, Entsendung ein« Delegation der Orthodoxen nach Palästina, um Bezie- Hungen mit den dortigen Orthodoxen anzuknüpfen, Gründung entsprechender Institutionen, um die orthodoxe Jugend Handwerk und Ackerbau zu lehren. Die Palästinaarbeit führt die orthodoxe Partei selbständig nach den Weisungen deS ״Rates der Rabbiner". Jüdische Gemeindewahren in Wilna. Vom 24. bis 26. Dezember 1918 fanden in Wilna die Wahlen zur Jüdischen Gemeinde auf breitester demokratischer Grundlage statt. "Es wurden 15.187 Stintmen, d. h. 30 Prozent der Stimmen aller Wahlberech» tigten abgegeben. Auf Grund des Proporzes verteilen sich die 80 Sitze Ziie folgt: 24 Zionisten, 23 Bundisten, 10 Vertreter der «Volksvereinigung", 7 Handwerker, 5- Demokraten, 3 Poale-Zion, 3 Bereinigte Sozialisten, 2 Zeire Jisrqel (zionistisch-orthodox), 2 Schomre Thora, 1 Vertreter' der Kaufleute. Unter den Gewählten befinden sich: Volksvereinigung: Oberrabbiner Rubinstein; Rabbiner Grodzensky, Dr!. Rachmilewitsch; De-- mokvaten: Dr. Schabad, Schriftsteller Reisin: Bund: Jshidzkh; Zionisten: Unterstaatssekretär Rosenbaum,- L. Jaffe, Dr. Widgobski; Poale Zion: Schalit. Die Gleichberechtigung der Juden in Rumänien. Der rumänische Minister Antonesco in Paris Hab an Baron Rothschild, als Präsidenten des Konsistoriums der französischen Israeliten einen Brief gerichtet, in welchem er י mitteilt, daß der Ministerpräsident Bratianu, getreu seinem früher gegebenem Versprechen einen Gesetzentwurf vorgelegt hat, nach welchem alle in Rumänien geborenen Israeliten das Bürgerrecht erhakten sollen. — Es wird abzuwarten sein, ob das so haufig gegebenen Zusicherungen nun endlich verwirrucht werden. Der Brief des Ministers AntonescoS verquickt die jüdische Frage mit dem Agrar-Problem, nämlich der Enteignung der Großgrundbesitzer zu Gunsten der Bauern. Der Zusammenhang beider Fragen ist nicht recht ersichtlich, pur weiß man, daß der schärfste Antisemitismus in Rumänien gerade auf Seiten der Agrare Reformer zu finden ist. JahreSkonferenz der Anglo Jewish Association. Auf der Jahreskonferenz der Anglo Jewish Association drückte Claud Montefiore, der Präsident, in seinem Jahresbericht seine Befriedigung über das kommende neue Europa und Asien aus. Die Juden hätten noch viele Schwierigkeiten zu überwinden. Da da»- kommende jüdische Gemeinwesen in Palästina nicht alle Juden umfassen werde, müsse noch viel Arbeit geleistet werden. Notwendig sei die Verbreitung von Bildung unter den Juden der Türkei und Marokkos. WaS die auswärtige Politik anbetreffe, so müsse die Judenfrage öffentlich behandelt werden, die Rechte der Juden seien zu sichern. Der Friedenskongreß müsse die polnische Judenfrage lösen. Montefiore gab dann seiner Zufrie» denheit über die Befreiung Palästinas Ausdruck und befürwortete die Annahme der zionistischen Frage in das Programm der Anglo Jewish Association. Zum Schluß gab er seiner Verwunderung darüber Ausdruck,, weshalb die Anglo Jewish Association unter den Juden Englands nicht populär sei. Gaster kritisiert die Tätigkeit des Vorstande- und-- führte die Unpopularität auf die Außerachtlassung der jüdischen Volksmaffen zurück. Er forderte, daß die «rbeiten in voller Oeffentlichkett vor sich gehen. Der auf der Tagung anwesende Vizepräsident der amerikanischen Zionistenföderation Stephan Visa wurde warm begrüßt.

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