Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 4 (7.2.1919)
- Date
- 1919-02-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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•aM'awtfta■*»׳ (Bitte Nr. 4 schen Kreisen empfundene Lücke ausgefüllt. Zn der »Wiener Morgenzietung" soll die nationale Judenheit Deatschöfierreichs ein Organ haben, welches sich für die Verteidigung ihrer Interessen mit aller Kraft ein sehen wird. Das Erscheinen dieses jüdischen Tagblattes begrüßen wir aufs herzlichste. * # * Jüdisches Bolttblatt. Mit dem Untertitel »Rationaldemokratische» Organ" erscheint unter der Redaktion des Dr. Hugo Herr mann seit Aniang Jänner in Mähr.-Ostrau ein Wochenblatt unter'obigem Namen. Die Zeitung Will die nationalen, kulturellen und wirtschaftlichen Jntereffen der bewußten Judenschaft im Lschecho-slovakischen Staate und in Galizien dienen. In der dritten Nummer präzisiert Herr Dr. Alois Hilf, Vorsteher der Ostrauer KultuStzemeinde und Präsident des mährischen Landesverbandes seinen wohl etwas merkwürdigen Standpunkt betreffs der Demokratisierung des Wahlrechtes zu den Kultusgemeinden. Dr. Hilf befürwartet mit Rücksicht auf die Stimmung unter der Wählerschaft wohl das allgem. gleiche und geheime Wahlrecht, läßt aber dieselben AuSschließungSgründe gelten wie für die Wahlen in die Ortsgemeinden, bindet also bas Wahlrecht zur Kultusgemeinde an die HeimatSzuständigkeit. Das Wahlalter soll nicht unter das 24. LebenSjahr herabgesetzt, den Frauen soll nur das aktive Wahlrecht zugestanden werden. Besonders befürwortet Dr. Hilf die Bildung einer zweiten Kammer zwecks Sicherung der Kontinuität des jüdischen GemeindelebenS gegen ״grundstürzentze" Aenderungen. Außerdem soll zum selben Zwecke die Machtbefugnis des Präsidenten zu einem Veto erweitert werden. Den Aufstieg in die zweite Kammer sollen Mandare, die durch 18 Jahre hindurch ein Mandat ununterfttochen besessen hätte, -eZege mitmachen. Man sieht, leicht fällt es auch »demokratischen" Mandataren nicht, sich an den Gedanken zu gewöhnen, sich je von seinem Mandate trennen zu müssen. käme die Architektur de- Innern diese» MhdenkmalS freilich entsprechend zum Ausdrucke, aber die Not der Zeit gebietet unerbittliche Sparsamkeit und so voll- Sieht sich denn die Andacht, die Zeit zugleich symbolisierend, einigermaßen umflort. Dafür versteht es Oberkantor Morgenstern mit s«nem gutgeschulten Thor die ausgezeichnete Akustik dieses Gotteshauses zu nützen und feinen zahlreichen andächtigen Hörern zuweilen köstliche Ohrenlabe zuteil werden zu lassen. Eine interessante Neuerung bot uns die musikalische und ge» sangliche Kunst diese» Meisters mit dem Vorträge des 62. SabbatpsalmeS am Eingänge des SabbatS-Schira. Bei der Stelle: »Der Fromme blüht der Palme gleich" ufw., die bisher immer nach Hulzer rezitativ behandelt wurde, setzen Männer- und Knabenstimmen den Solisten statt der Orgel begleitend ein, die Steigerung des Ausdrucks mit diesem teilend, so daß die Hörer eine außerordentliche Weihe und Sabbatfreudigkeit überkommt, Aber auch die würdige Verrichtung der Funktionen des ersten Kantors Jurberger verdienen gerechte Anerkennung. Hervorragend durch" Geist und Wort wirkt der feines Predigeramtes eifrig wirkende; Rabbiner Dr. Grunwald, dessen letzter Vortrag dem heiligen Lande unserer Väter gewidmet war und in dem Gedanken kulminiertedaß jüdischeArbeit den Boden Palästinas zum Segen Israels werden lassen möge. Was nützen Millionen an Geld, wxnn die Schätze des Badens nicht mit eigener Hand gehoben werden? In dieser Zeit 'empfinden wir besonders den Wert des Bodenertrages. Darum weniger Handel und mehr Landwirtbetätigung. Jüdische Jugendliche strebet darnach und ihr jüd. Großgrundbesitzer lasset euere Söhne Ackerbauschulen besuchen und in Erez Israel fruchtbar betätigen. , Den letzten Freitag Abend ward der altehrwürdig^n Synagoge in der Seitenstettengaffe gewidmet, wo ich den neuernannten Oberrabbiner Dr. C Hajes in tief andächtigem Gebete bemerkte, ihn aber noch nicht zu hören Gelegenheit hatte. Wie ich höre, nimmt Dr. Chajes sein verantwortungsvolles Amt überaus gewissen- Haft und entfaltet überdies eine eifrige belehrende VorträgStätigkeit. Die Kantoralschen Funktionen hatten Oberkanwr Don Fuchs und Erster Kantor MatyaS inne, beide erstklassige Interpreten ihres hehren Amtes, die den Gottesdienst in traditionell Sulzerischer Weise versahen und durch einen besonders geschulten Chor von Männer- und Knabenstimmen wirksam unterstützt Korrefponäenzen. Die französischen Ansprüche auf Syrien. Das Jüdische Pretzbüro Wien meldet: Die franzSfischen Blätter erwecken den Eindruck, daß die bereit» gemeldeten Differenzen zwischen Frankreich und England hinsichtlich der Abgrenzung ihrer beiderseitigen Ansprüche auf Kleinafien weitgehender Art find. Der »Mojln- und das »Journal des debatS" und andere Blätter entfalten üne rege Agitation für eine enge Verknüpfung der Republik mit Syrien; die Handelskammer der Stadt Marseille, welcher insbesondere an einem regen Handelsverkehr zwischen Marseille und Syrien gelegen ist, beruft einen syrischen Kongreß ein. Die Zeitungen lassen sich Sympathiekundgebungen von Syrern in Frankreich wie auch in Amerika telegraphieren, nach welchen die Syrer selbst verlangen, unter französisches Protekwrat gestellt zu werden. M. Hlckl-Verlag. BrUnn-Wlen. Wltn, ll.f TabortttaB• 52 b Bronn, Adlers•!•• 8. Soeben erschien das zweife Heft\ von: GEWULOTH ׳ — גבולות- Hebr. Monetischrlft fttr moderne Literatur Herausgegeben von Q. Schoffmann und Z. Diesendruck. Aus'dem Inhalte: / Z. Diesendruck: Wir, die wenigen: M. Silburg: DasOeslcht des Todes (Skizze) — U. Z. Grünberg: Gedicht — M. J. Bin Gurion, Fragmente — Abraham Schwadron, Vom Tcchnismus (Essay) — Schymonowicz, Gedicht — H. Re/• mann, Grotesken — Glossen u. s. w. Aus dem Inhalte des Dezember-Heftes: H. Bergmann, Die wahre *Freiheit. 8. Sehneuer Die Qefangene. 0. Schoffmann, Vier Skizzen. E. Diesendruck, Von der Groteske. Z. Grünberg, Gesang der Kampfer, Zeitglossen etc. Abonnement* beträgt: halbjährl. K 15•— (10 Mk.) Einzelheft inklusive Porto K 3*20 (Mark 2 20) Einzelverschleiß: Administration: Wien,TaborstraBe 52 b, — Brünn, Ädlergasse 9 — sowie .samt!. Buchhaltungen u. Zeitungsverschleißstelle. Ilundfchau. Die jüdisch-nationale Bewegung. Bei der in TemeSvar stattgefundenen Volkszählung haben sich 78 Prozent der jüdischen Bevölkerung zur jüdischen Nation bekannt. Dieses Ergebnis ist der Aufklärungsarbeit des jüdischen Nationalverbandes für Südungarn, dem sich jetzt eine Kultusgemeinde nach der anderen anschlietzt, zu verdanken, So hat vor einigen Tagen eine der größten jüdischen Gemeinden des Banats, Lugos, ihren Anschluß an den Nationalverband angemeldet. Ein Memorandum der Juden Ungarns an da» Ausland. Die ..Jüdische Korrespondenz aus Ungarn" meldet: Der Propagandaausschutz des Zentralverbandes der ungarischen Juden hat unter Mitwirkung der bedeutenden und angesehensten Fachmänner des ungarischen Judentums ein objektives Memorandum verfaßt, das ein übersichtliches Bild der geschichtlichen, kulturellen und sozialen Lage des ungarischen Judentum» bietet und mit speziell vom Standpunkte des Judentums unwiderleglichen Argumenten die Notwendigkeit der Auf«, rechterhaltung der territorialen Integrität Ungarn» beleuchtet. Dieses Memorandum soll durch eine befondere Mission an bi? einflußreichsten und hervorragendsten jüdischen Persönlichkeiten des Auslandes, besonder» auch de» neutralen Auslandes verbreitet werden. Jüdischnatiouale Repräsentanten in der Lroppauer Gemeindeverwaltung. Der Leiter der schlesischen Landesregierung, Herr Ministerialrat Schramek, hat, nachdem der deutsche Gemeinderat die Mindestforderung der Tschechen oLlehnte, den. Gemeinderat der Stadt Troppau aufgelöst und zum Regierungskommissär den Prager Statthaltereirat Beselh, zu dessen Stellvertreter den hiefigen Advokaten Dr. Dienelt (Tscheche) bestellt. Dem Kommissär wurde eine LSgliedrige VerwaltungSkommission zur Seite gestellt, bestehend aus IS Deutschen. 14 Tschechen und S Zuden. Die Ernennung der beiden jüdischen Vertreter, der Herren Dr. Theodor Sonnenschein und Dr. Leopold Leschner. erfolgte auf Grund der Präsentation de» |ä# ״Freie Tribüne". . werden. Mit seinem Takt und zielsicherer Umsicht wir- Unter diesem Namen erscheint in Wien seit Anfang I jcn auch die Bethausdiener dieses einem Sanktuarium Jänner ein Organ der jüdischen sozialdemokratischen gleichenden Gotteshauses. Partei »Poale Zion" in deutscher Sprache. Das Organ stellt sich zwei Ziele: Die Propaganda für die jüdischsozialistische Bewegung unter den deutsch-jüdischen Arbeitern und Angestellten sowie die Information und Aufklärung der deutschen Oeffentlichkeit über die sozialistische Bewegung im jüdischen Volke. Die ersten zwei Nummern, die einen überaus sympathischen Eindruck machen, eröffnen eine Kampagne für die Umwandlung der Kultusgemeinden in weltliche Volksgemeinden und berichten über die Einladung dr »Poale Zion"-Partei zur internationalen Sozialistenkonferenz in Lausane. In der zweiten Nummer werden die Parteigänger aufgefordert, bei den Wahlen zur Nationalversammlung für die deutsche Sozialdemokratie zu stimmen. Dis P. T. Empfänger werben dringendst um gefl. ssfortige Bezahlung des A-onnementSbetrageS ersucht. «. L. Wiener Synagogeneindrücke. Nach fast zweijähriger Abwesenheit von Wien eben .zurückgekehrt, empfand ich gleich jedem Judenmenschen daS seelische Bedürfnis der religiösen Andacht zuminbest am Sabbäk öffentlich gerecht zu werden. Und da lenkten sich meine Schritte zunächst in die Leopoldstadt, dann auch in die Seitenstettengasse. Hier wie dort mehr hon auswärts zugewachsenes als heimische» Publikum, daS im Gottesdienste nun mehr denn je Trost und Er- Hebung sucht. DaS größte und schönste Baudenkmal Wiens, der Tempel der Tempelgasse, durch Brand seit fast eineinhalb Jahren bekanntlich zerstört, noch immer unzugänglich, weist seine Getreuen in die benachbarte Andachtsstätte der sephardischen Gemeinde, die mit der Ueberlassung ihres prächtigen Gotteshauses für den Sabbat an die Kultusgemeinde ein schöne» Zeichen inniger GlaubenSbrüderlichkeit und 'Hilfsbereitschaft bekundet. Im vollen Glanze seiner reichen Lichteffekte ״Die Sünde nicht der Sünder".*) In Rabbi Meirs Nachbarschaft wohnten Böswillige Leute, die Niemanden schonten; Je besser der Mann> je mehr er dem Spotte Verfiel der gottlos höhnenden Rotte. So wurde dem Rabbi verbittert das Leben; Wird seinem Haß euer Zorn nicht vergeben? 1 Und er rief: «Das Gott dies Unkraut ausjätel Sein strafender Schritt die Brut zertrete; Daß er die schändlichen Nachbarn verderbe, ' Und ihre Güter ein Besserer erbe!" DaS hörte die fromme Beruria; »O Meister", sprach fie, »wie betest Du da? Wünscht nicht ein Bruder, daß schlimme Brüder Sich wenden und kehren zum Guten wieder? Wünscht je ein Vater dem bösen Sohn, Daß Tob und Verderben werde sein Lohn? Und sind nicht die Bösen auch Gottes Kinder? Die Sünde vergehe, doch nicht dep Sunderl" Und der Rabbi die edle Gattin umarmte. Die wie Abraham sich auch der Sünder erbarmte; Und den Schülern erzählte er, die er belehrte. Welch' herrliches Weib der Herr ihm bescherte. Und durch die Stadt, an jeglichem Ort, Rühmt man der Meisterin Meisterswort. Und als die Nachbarn, die wahnbetörten. Den Spruch der milden Nachbarin hörten. Da erntet Bevria schönen Gewinn; Beschämt verbessern die Bösen den Sinn, Erweisen dem Rabbi nun alle Zeit Achtung und freundliche Nachbarlichkeit; Und au» de» Talmuds lehrreichem Buch Erhielt sich bi» heute der himmlische Spruch. O Lehrer, lehret ihn euere Kinder: ,»Die Sünde vergehe, doch nicht dev Sünderl* — *) TuS Leopold Stein»: »Rorgenländisthe Bilder in Abendländlichem Rahmen.- Frankfurt a. R. ISA.