Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 4 (7.2.1919)
- Date
- 1919-02-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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, MM " BMR 2, ^ZL-tfche •»fr. 4. Wößen, jüdisch bewußten Judenheit der neuen Pvwiri- Heu des tschechs-slovakischen Staates ein Reservoirder Kraft für »mW Sslk MuKen tzatzeu. Mit symMhifcher Teilnahme tz« die gesäurte Lef fentlichkeit und die Presse unsere Verhandlungen Se gleitet. .rt . - Nunmehr. Freunde, heißt es, die Beschlüsse des Kongresses in die Tat umzusetzen. Nur durch Eure Ar-. Leit und Mithilfe können wir etwas schaffen. Sure erste Arbeiit sei die Organisation der Juden« Heit. Unsere Losung setz Kein Nichtorganisierter Jude! «em seine Ueberzeugung es nicht gestatte, der zioni. fischen, zionistisch-sozialistischen oder orthodoxen Orga- «isation beizutreten, wer aber dennoch auf dem Boden LeS nationalbewußten Judentums steht, der trete der Rationaljüdischen Bereinigung (Sdruzeni Narodnich Lidu) bei. Kraftvoll, durch das Vertrauen der ganzen hinter uns stehenden Judenheit gestärkt, müssen wir vor der Republik und vor der ganzen Welt unsere Forderungen vertreten können: die gesetzliche Anerkennung der Juden als Nationalität, die Sicherung ihrer nationalkulturellen Selbstverwaltung. Der . Kongreß hat ein großzügiges Gemeinde- und Schulprogramm beschlossen. An Euch liegt die Durchführung. Wo Gemeinden noch nicht in unserer Hand find, müssen wir sie erobern. Wo Nationaljuden bereits auf die Verwaltung Einfluß haben, muß das Pro «ramm des Kongresses, vor allem das demokratische Wahlrecht für Männer und Frauen, sofort in die Tat umgesetzt werden. Auf die Gestaltung der jüdischen Erziehung, auf die soziale Arbeit, auf die Berufsumschichtung und Produktivierung der Juden müßt.Ihr von der Gemeinde aus entscheidend einwirken. Der jüdische Nationalrat wird wie bisher so auch weiterhin Eure Wünsche bei den Regierungsbehörden des Staates und bei den Judenheiten der ganzen Welt direkt und durch die von Euch gewählten AuSlandsdelegierten vertreten. Bon Euch erwarten wir die tatkräftigste Unterstützung und vor allem eine unausgesetzte, unermüdliche Arbeit für unsere große Idee. ׳Der jüdische Nationalrat für den tschecho-slovakischen Staat. DaS Präsidium: Dr. Ludwig Singer, Dr. Max Brod, Rudolf Kohn. Nach Absolvierung der medtzinifche« Studien in BreSlau, FreibULg ünd Berlin, widmete sich Dr. Sisenstadt in Berlin der ärztlichen Praxi- und noch mehr d«n Studium btt sozialen Medizin tu ihrer Beziehung zum jüdischen Volks. Von seinen zahlreichen Studien auf diesem OMete wären zu erwänhnen: »Die jüdische Krankheitsstatistik", Me Hygienie der Beschneidung", »Die jüdischen Speise- und Sexualgesetze". In den letz« ten Jahren widmete er sich der eifrigen Propaganda für die jüdische Turn- und Gartenstadtbewegung. Zahlreiche großangelegte wissenschaftliche Arbeiten, wir ein Sammelwerk de5 jüdischen Sozialhygienie, Merkblätter über die jüdischen Speise- und Sexualgesetze bleiben unvollendet. — Ein jung« rastloser Forscher, ein unermüdlicher Kämpfer für jüdische Interessen wurde mit Dr. Eisenstadt ins Grab versenkt. ' Wiener Brief. Dr. H. L. Eisenhardt. In Homburg v. d. Höhe ist in den ersten Jännertagen der hervorragende Arzt und Gelehrte Dr. H. L. Eisenstadt im Alter von 46 Jahren verschieden. In» Verstorbenen verlor die national-jüdische Bewegung 'Deutschlandeinen überzeugungstreuen Verfechter, die jüdische Medizin einen ihrer bedeutendsten Vertreter. hat, hat sie alles und sie kann hoffen -7- und trotz allem Bösen, daS ihr widerfuhr, wollte sie hoffen! « * * Und in der Wüste Sinai geschahen zu jener Zeit große und wunderbare Dinge, die die Aufmerksamkeit des ganzen Volkes von den alltäglichen Ereignissen ablenkten Und sein ganzes. Herz in Anspruch nahmen: dem Volke sollte ein Gott gegeben werden. Drei Tage und drei Nächte lang rauchte der Berg Sinai und das Volk zog sich in seine Zelte zurück, heiligte und reinigte sich und wusch die Gewänder, und der Posaunenschall ward immer stärker, und Flamme und Donner und "Blitz währte drei Tage und drei Nächte lang, und es war ein großes nie dagewesenes Fest; dem Volke sollte ein Gott gegeben werden. In jenen wunderbaren und schauerlichen Tagen dachte das ganze Volk, selbst Frauep und Kinder, nur an den Gott, den es nicht sah, dessen .Stimme es bloS hörte, und niemand kümmerte sich um all' die kleinen Dinge des alltäglichen Lebens. Wer wird in solchen Zeiten eines armen Mädchens "gedenken, daS allein mit ihrem Kummer und ihrem Herzeleid im stillen Zelte versteckt sitzt? Und nach einigen Tagen geschah wieder etwas Neues. Das Volk wurde müde den unsichtbaren Gott zu erwarten, der sich in Nebel hüllte; es verlangte plötzlich nach einem greifbaren Gotte. Und es kam zum Hohenpriester ur»d schrie: «Auf, mache uns einen Sott!" Und der Hohenpriester beruhigte das Volk mit den Worten: ,.Morgen soll eS geschehen. ES bringe ein jeder von Euch eine Münze, einen Nasenring oder Fingerring, oder was ihr sonst habt, und ich will von dem Golde einen Gott machen!" Am folgenden Lage brannte die Sonne heiß. Aus dem Lore des hohenpriesterlichen Zeltes kam ein gro- Die Wahlkampagne für die deutsch-osterreichis je Konstituante ist eine besonders lebhafte. Die verschiedenstsn Parteien haben bereits ihre Wahlprogramme veröffentlicht, täglich Werden zahlreiche Wählerversammlungen abgehalten und der Kampf zwischen den Anhängern der verschiedensten Kandidaten wird jedes Mal heftiger. Den Mittelpunkt des ganzen WahlgetriebeS bildet der Judenpunkt, um den die Christlichsozialen und Sozialdemokraten die größten Kämpfe mddeinander ausfechten. Diese beiden Parteien setzen alle Hebel in Bewegung, um für sich die Mandate zu sichern. Auch in der jüdischen Welt herrscht eine rege Wahlbewegung! Es sind Gerüchte verbreitet, daß viele;umche Industrielle und Kapitalisten in Wien und zwar von den Assimilantenkreisen mit den Christlichsozialen und Deutschnationalen vertraulich paktierten und perchiedene Abmachungen getroffen wurden. Sie macytsn dies aus Furcht vor dem Sieg der Sozialdemokratie, der ihre materielle Positionen bedrohen könnte. Die Zioni- 'ten haben die Wahlaktion mit dem Einlegen eines Protestes gegen die getroffene Wahlkreiseinteilung, btc, die Rechte där Minoritäten schädigt und gegen den Ausschluß der seit August 1814 in . Wien wohnenden galizischen Juden vom Wahlrecht, begonnen. Für die nächste Woche ist die Eirrber»»fung von. mehreren Bersammlun, gen in Aussicht genommen, in welchen die zionistische Kandidaten in die deutschösterreichische Nationalversammlung ihr Programm entwickeln sollen. Für den Wahlbezirk Nordost hat die nationale Judenscyaft Wiens 8 erschiedene Kandidaten aufgestellt wie Staatsbahnrat Robert Stricker, Dr. Leopold PlaschkeS, Oberkommiffär Ingenieur Fedor Ackermann, Erna Patak, Jakob PinkaS, Karl Blume und Dawid Nebenzahl. Die israelitische Union möchte um jeden Preis die Kandidatur Dr. Julius Ofners durchsetzen. Von der Kandidatur des Gemeinderates Dr. Schwarz Hiller ist vorläufig noch nichts positives zu hören. Die jüdische sozialdemokratische Partei .iHrale- Zion" wirbt inzwischen für die süBaWemokrätische Amidi-atenliste, trotzdem diese den jüdisch-nationalen Forderungen gegenüber sich feindlich verhalten. Die AuSsichten -er Nätionaljuden in diedeutschösterreichische Konstituante hineinzukommen sind> sehr schwache und zwar deswegen, weit die Juden in den meisten Bezirken nur verschwindende Minoritäten bilden. Me intensivste Agitation wird im 2., 20. und 21. Bezirke betrieben werden, wo das Gros der jüdischen BevSlkerung konzentriert ist. Mitten im Wahlkampf wimmelt es von anttsemitischen Artikeln in der Presse, die jetzt gegen die Juden mit aller Macht loszieht. In Plakaten, die an allen Straßen zu finden sind, fordert die BolkSpartei auf »das Judenjoch zu brechen und die Judenherrschaft zu stürzen". Das alles wird toleriert von dev deutschösterreichischen Republik. Nicht einmak die Sozialistenführer haben für das Treiben der BolkSpartei ^Dovte der Smpörung. Die Frage der Wahlreform in die Kultusgemeinde ist noch immer nicht erledigt. Dervon den nationalen Mitgliedern der Permanenzkonnniffion ausgearbeitete Siatutenentwurf wurde rundwegS abgelehnt. An Stelle dieses ist den Kommiffionsmitgliedern ein Statut vorgelegt worden, welches reaktionärer ist, als das biSher geltende. Die jüdische Oeffentlichkeit wird sich mit aller Kraft gegen ein derartiges Vorgehen des Kultus- Vorstandes und gegen das Geringschätzen ihrer Rechte auflehnen. Wie wir hören, werden auch die Orthodoxen in den PermanenzauSschuß einige Vertreter entsenden, um auch ihre Forderungen geltend zu machen. Auf einer der letzten Sitzungen des jüdischen Nationalrates für Deutschösterreich, in welcher das jüdische nationale Programm für die Wahlen in die Konstituante erörtert wurde, kam eS zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den Zionisten und den Vertretern der jüdischen Sozialdemokraten. Die politischen. Gegensätze zwischen diesen Parteien endeten mit dem Austritt der sozialdemokratischen Vertreter aus dem jüdischen Rationalrat. ßer, neuer Wagen, von zwei roten Stieren gezogen, und der Wagen war reich vergoldet & und verbreitete Licht und Glanz überall, wo er sich zeigte. Und die Hörner der Stiere, die vor den Wagen gespannt waren, waren auch reich vergoldet, und mit Purpur und blauen Blumen geschmückt. Und die Stiere waren mit wunderbaren blauen Decken bedeckt, und zu beiden Seiten des Wagens schritten zwei Priester einher, an jeder Seite einer, in Leinenhemden, Ornat und Brustschild angezogen, und mit Posaunen in den Händen, und die Granatäpfel auf ihren Gewändern klingelten beim Gehen. Und die Stiere schritten langsam vorwärts, und als sich der Wagen bewegte, da stießen die Priester in die Posaunen, und als die Posaunen erschallten, da hörte es jedermann in seinem Zelte und trat vor die Türe mit Weib und Kind und Hausgesinde. Der Wagen durchzog das ganze Lager von einem Ende zum anderen, hielt vor jedem Zelte, und die heraustretenden Männer und Frauen warfen ihren Beitrag an Gold in den Wagen. Es gab keinen Menschen weit und breit, ob arm ob reich, der nicht bereitwilligst seine Spende dargebracht hätte, denn Jeder wollte sein Teil am Gotte haben. Die Männer gaben Münzen und goldene Kotten, und die Frauen entledigten sich ihrer Nasenringe und Fingerringe und Möndchen und Sttrnbänder und warfen sie in den Wagen. Eine Sppendensucht bemächitgte sich der ganzen Gemeinde. An den Türen und Fenstern der Zelte, auf den Dachteraffen standen Männer und Frauen, und erwarteten den Wagen, und als der Wagen kam« warfen sie goldene Armleuchter hin. unter und goldene Pfannen und goldene Schüsseln und goldene Pokale und Stöcke, und eine hohe Frau nahm die goldene Schalmei, mit der daS kranke Kind spielte, das an ihrer Brust lag, und warf sie in den Wagen.! Tagung der Vertrauensmännerkonserenz der nordböhm. Kultusgemeinden und Zioniftenvereinen. Teplitz» Sonntag» den 26. Jänner ISIS:. Die Sitzung wurde um halb 2 Uhr nachmittagim »Hotel de Sax", Teplitz, eröffnet, und nachdem Herr Dr. Seligmann namens des Arbeitsausschusses für jüdische Volksangelegenheiten in Kommotau, die Ber» sammelten wärmstens begrüßt hatte, wurde zu den Wahlen geschrittene deren einstimmiges Ergebnis wie folgt ausfiel. Vorsitzender: Herr Dr. Margulies, Leitmeritz; — Stellvertreter: Herr Dr. Mx, Trautenau; — Schrift» Und der Wagen wurde schwer von all dem Gold, und voll bis an den Rand, aber das Volk brachte noch immer neue Gaben. So kommt der Wagen auch bis vor Timna- Zelt. Und Timna steht an der Tür des Zeltes, den Rneg am Fingxr. Nein! Alles, was sie besitzt, wird sie hergeben, nur diesen Ring nicht! An diesem Ringe hängt ja ihr ganzes Leben, ihre Gegenwart, ihre Vergangenheit und vielleicht auch ihre Zukunft. Diesen Ring kann sie nicht hergeben. Kann nicht! Kann nicht! Kann nicht! Und der Wagen kommt immer näher, und von den nachbarliegenden Zelten regnet es förmlich von Goldgeräten. Da fällt ein goldene Nasenring vor Tin»- naS Augen klirrend auf den Goldhaufen und verschwindet darin; da fällt ein goldener Pokal, da eine goldene Pfanne. Jetzt hält der Wagen dicht vor TimnaS Zelt, die Priester posaunen, und die Stiere brüllen, und die Granatäpfel klingeln, und Timna steht vor dem Wagen. Plötzlich überkommt sie ein unbegreifliches Angstgefühl. Mit den Fingern ihrer Rechten Hand streift sie den Ring ab vom Finger ihrer Linken, gleichsam spielend, und ohne zu wissen, was sie tut, wirft sie den Ring ins große Goldmeer. Im selben Moment fühlt sie, wie sich etwas von ihrem Herzen losreißt und entflieht, und das Herz Im bleibt, und der Wagen derschwindet, und die Menschen versinken, und die Sonne verdunkelt sich, und eS wird finster ringsherum. Da wußte das Mädchen plötzlich, daß ihr AuSerwählter nie wiederkommt, und daß er für sie tot ist. Und der Wagen zog weiter, sammelte den Hetzte« Rest der Spenden und beendigte feine Rundfahrt.