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Jüdische Volksstimme · 1919-02-07 · Heft 4 (7.2.1919) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 4 (7.2.1919)
Date
1919-02-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Jahrs. XX. illlllMdf» halbjährig . . . . .turnen 12*60 ganzjährig .......... Kronen 24׳— Deutschland, ganzjährig ...... Mark 18׳— Rußland, ganzjährig.Rubel 12*— BaÜan, Frankreich.-rank» 24*— Herausgeber: Max Hickl. Redaktion und AdministrationEßBrAm, Ldlergasie 2 Vuchhändlerische Vertretung*. Vtt» Me»«» Setßztz Inserate: der 6-spaltige ZentinWevmmn 2 K Unverlangte redaktionelle Beiträge verdm nicht ^eno« eiert. — Manuskripte» iß StÜckporte beizufügen. »-;-•4 Wien-Brün«. 7. F.bruar 1919. 7. Ad» 5679 Prag—Lemberg. Dr. Israel Hammer. nähme der LandespolMk bezw. Mandatspolitik kein« Gegenwartsarbeit geleistet worden. Landespolitik imd Gegenwartsarbeit. Mit der Aufstellung der Forderung der vollen, und tatsächlichen Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern, sowie der nationalen Autonomie auf kulturelem, sozialem und politischem Gebiet für die jüdische Bevölkernug der Länder jüdischer Massensiedlung durch die zionistische Weltorganisation an die Friedenskonferenz ist die stets heitz umstrittene Frage der innerpolitischen Betätigung der Zionisten endgültig entschieden worden. Sie wird somit nicht ins freie Beieben des einzelnen Zionisten gestellt, sondern bildet einen Bestandteil der Aufgaben der ziomsten Organisationen aller Länder. U mdie aufgestellten Forderungen durchsetzen zu können, müssen die zionistischen Organisationen aller Länder von Volk zu Volk sprechen und verhanbeln. ES mutz allen Völkern da SBerständnis für die Zwecke und Ziele des jüdischen Volkes beigebracht Wer¬ Völkern, unter denen die Juden leben, Abbruch zu tun. Damit diese Tätigkeit von Erfolg gekrönt ist, mutz das jüdische Bott in einen lebendigen Organismus umgewandelt werden mutz, von einem zentralen Motor aus Blut und Geist in alle Teile und Teilchen des Volkes geströmt werden. ES genügt unbedingt nicht Landes- Politik zu treiben, mit dem Zwecke jüdische Vertreter in alle Korporationen und Verfasfvngskörper hinein zu bringen, es mutz auch, und zwar in erster Reihe Gegenwartsarbeit geleistet werden. ES mutz endlich mit der Auffassung gebrochen wer- Len, als ob gelegentliche Agitationsversammlungen, Feste mit gemischtem Programm und ähnliche Beranstaltungen wirklich eine zionistische Arbeit darstellten. Man mutz vielmehr einsehen lernen, datz das ganze Leben des Volkes von einem nationalen Fluidum ergriffen werden mutz, datz alle LebenSäützerung des Einzelnen und der Gemeinde von nationalem Geist erfüllt wird. Dazu ist notwendig, datz Belehrung über Wesen, Kultur und Aufgabe des jüdischen Volkes in das Volk hineingetragen wird. Ein brennendes Postulat -er Gegenwartsarbeit ist die Regelung der Wirtschaftslage der jüdischen Volks- Massen, die so rasch wie. Mglich in Angriff genommen werden mutz. Der jüdische Handel und Wandel ist außer Rand und Bänd gebracht, die meisten der Känipfer und Invaliden, die mehrere Entbehrungen in den Schützengräben ertragen mußten, fanden nach ihrer Rückkehr in die Heime nur' Trümmer des einstigen volle teten Verhältnissen der jüdischen Bevölkerung. Durch diese Mitwirkung wird der Aufrichtungsmission der Stempel der Philantropie genommen und daS Gepräge sozialer Wohlfahrtsarbeit, frei von jeglicher Parteileidenschaft und persönlicher Eitelkeit verliehen werden. Auch der Gedanke an die Hochflut jüdischer Emj-׳ zration, die sich nach Abschluß des *Friedens aus den Ländern des Ostens ergießen wird, müßte uns mit Entsetzen erfüllen. Es ist Sache der zionistischen Organisationen, die hochgehenden Emigrationswellen zu glätten, insbesondere, aber dieselben mit den Palästinabestrebungen in Einklang zu bringen und sie den letzteren nutzbar zu machen. Leider aber ist bis nun mit Aus- Wurde auch nur etwas, — und sei es das geringste, zur Linderung der Juden not getan- Findet man in unserer ganzen Politik auch nur Spuren, die die furchte bare wirtschaftliche Krise der Juden zu lindern imstan» de wären? Wurden bis nun irgendwelche soziale Für» sorgen größeren Stils unternommen? Wer nur sozia» leS Empfinden hat, wer das erschreckende wirtschaftliche Elend der Juden und den krankhaften Zustand der Wirt» schaftlichen und kulturellen Politik der Zionistenführee beobachtet, mutz ausrufen: Lo se haderechl Der einge» schlagene Weg ist nicht der richtige. Mit Mandatenpolütik kann der vollständigen Verelendung und der kulturellen Verkümmerung der Juden nicht abgeholfen werden. Soll nicht ein vollständiger Zusammenbruch der jü» dischen Politik eintreten, so mutz positive GegenwartS» arbeit und zwar auf jedem Gebiete des jüdischen Le» ben,s geleistet werden. wakischen Staates- Der erste Nationalkongretz der Juden des tschechoslovakischen Staates ist vorüber. Er hat durch die reiche Beteiligung Eurer Delegierten aus allen Teilen des Staates, durch den ernsten Verlauf seiner Debatten, durch das sachliche Arbeitsprogramm, datz er unserer Bewegung gestellt hat, aller Welt gezeigt, datz die Ju» den in diesem Staate gewillt sind, als eigenberechtigtes Volk mit kraftvoller Hand, ihre Angelegenheiten zu führen. Die starke Beteiligung von Delegierten und Gästen aus der Slovakei haf uns offenbart, daß in der Feuilleton. . Dawid Frischmann. Reigen. Meine Mutter bekam die Geschichte von ihrer Mutte überliefert, und ihre Mutter von der ihrigen, die Großmutter von der Urgroßmutter, und die Urgrytzmutter von der Ururgrotzmutter, eine Generation von der anderen — und ich hörte sie von meiner Mutter. Als die Söhne Israels von Aegypten auszogen, befand sich unter dem »Erew-raw" ein wunderschöner Mann, namens Fot. Und es kamen die Frauen und Jungfrauen von weit und breit, um ihn zu sehen und konnten fich nicht sattsehen an ihm. Und in der Nacht sähen sie ihn in ihre« Träumen. Da erblickte ihn auch ein Mädchen vom Hause Gerson, aus dern Stamme Menaffe, namens Timna; und im selben Augenblick wurde ihr Gesicht glühenrot--dann kreidebleich, und sie liebte ihn. Und in jenen wundervollen Tagen da war der Himmel noch viel tausendmal reiner und blauer als Heutzutage, und die Erde viel tausendmal frischer und grüner als heutzutage, und auch die Liebe war viel tausendmal stärker und inniger alp. heutzutage. Und der Jüngling faßte eine starke Zuneigung zu de». Mädchen, und er folgte ihr auf allen ihren Wanderungen. Als sie von Ramses nach Sukot zog, zog er schweigend hinter ihrem Zelt« her, und als sie von Sukot nach Vtam zog, da zog er schweigend mit, und al» sie von Etam nach Pi-Hacherot zog, zog er schweigend mit. Wie ein Schatten begleitete er sie. In Pi-Hächeroi ging er auf sie zu -- es war an einem heißen Sommertage, — und legte ihr einen kleinen goldenen Ring an den Finger. Die Sonnenstrahlen fielen auf das Gold, das einen Augenblick fang die ganze Gegend in Helles Licht tauchte. In demselben Moment drückte der Jüngling einen langen Küß auf des Mädchens Lippen, das Mädchen erwiderte ihn, und , ihre großen schwarzen Augen weiteten sich mächtig. Und von Pi-Hacherot ging es zusammen durch Migdot und Mara und Etam und Jam-Suf, bis zur Wüste Sin. Bei Tag brannte die Sonne glühend heitz, aber sie wußten es nicht; bei Nacht ruhten sie am Eingange des Zeltes, an der Schwelle, seine Linke unter ihrem Haupte und seine Rechte auf ihrem Herzen, und sprachen kein Wort. Plötzlich war der Jüngling spurlos verschwundeu, und es waren Biele, die da sagten, er wäre de» MädchLns überdrüssig geworden und nach Aegypten zurück, gekehrt. Aber das Mädchen glaubte es nicht. Jeden Lag nahm sie den Ring und betrachtete ihn lange lange und ihre großen, schwarzen Äugen weiteten fich machtig. Und des Nachts legte sie ihn unter has Kissen und schaute ihn im Traume. Wer solche^ Ring besitzt — kennt weder Angst noch Schwepnut; und wer solchen Ring gab — lügt niemals. Es ist ein reiner Zufall, er mutz bald, wieder da sein. Aber der Jüngling kehrte Mt wieder. AlSsie nach Dofla kamen, schauten , ihr die Frauen »nd Mhdchen nach mit Blicken voll Hohn und EM Poch daA HW׳ chen achtete nicht darauf. Br hatte ihr dich den Ring gegeben, und -er trügt nicht. Der Ring begann ihr 8«* benSinhalt zu werden. Und als sie'bis Alosch kamen, war der . Jüngling noch immer nicht da. Eine tiefe Furche hätte sich über Nacht in ihre Stirn gegraben und teilte sie der Länge rmch, und ihre großen Augen verschleierten sich. Ein stiller, schwerer Kummer schoß plötzlich von der Erde empor und nistete fich in ihrem Herzen ein. Die Frauen hörten plötzlich auf, sie zu verhöhnen und sprachen sanft zu ihr. Und das Mädchen wurde nicht müde, den Ring zu betrachten, bald lachend, bald weinend, bald mit leuch» tenden Augen, bald die Tür hinter sich schließend, damit niemand ihr Gesicht sehe, bald wieder hoffend. Und alssie in Refidin anlangten, da kamen trübe Tage und noch trübere Nächte, und sie wartete, wartete . . . .. Eines Morgens stand'sie auf, nahm den Spiegel von glänzendem Kupfer, schaute hinein und sah an ihrer Schläfe ein Silberhaar: sie ritz eS aus mit ihren Fin» gern. Die Frauen und Mädchen gesellten sich, jetzt zu ihr,' und suchten sie zu zerstreuen und trösten, aber st« hörte kaum auf fie. Nur den Ring hielt sie fest mit allen ihren Kräften. Bald schien eS ihr, eS wäre der Ring, bald schien eS ihr, eS wäre der Jüngling, den sie mit ihrer Hand umarmt. Bald verwirrten fich ihre Sinne, und sie wußte »icht, hatte der Ring sie verlas» sen, und Fot wäre bei ihr, oder hatte Fot fie verlassen, und -er Ring wäre an ihrem Finger. So kamen fie bis zur Wüste Sinai. Und das Mädchen drückte den Ring immer fester an ihren Finj^r. Der Hing ward ihre Seele, an ihm hing ihr Leb« u«d dessen ganzer In- HM.. Alle ■im Träume, W Ar« SWHe waren mit dem Ringe verknüpft, und -« Ring ward ihr zum La» lisman, zum ewigen Lichte, das di« Finsternis HMuch» test. Ihre ganze Vergangenheit und ihre ganze Zu» tunst schloß fie in den Ring ein. So lange fie den Ring Uerbreitct die ״Mrcbe Uolkssttonie״.

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