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Jüdische Volksstimme · 1919-01-24 · Heft 3 (24.1.1919) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 3 (24.1.1919)
Date
1919-01-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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״Jüdijchs (fetli♦ 0 Nr 3 Nationen beeilen sich nun, von den ihnen zugewiesenen Ländergebieten Besitz zu ergreifen, um die Friedenskonferenz vor eine »res judicata" zu stellen. Sie schneiden aus dem österreichischen Kuchen so viel und so große Portionen sie nur können aus und schaffen dadurch neue Brandstätten und neue Kampfplätze. Als wenn die Welt in vier Kriegsjahren noch nicht genug geblutet hätte, sehen wir nun Polen und Ukrainer, Polen und Deutsche u. v. a. in einen mörderischen Krieg verwickelt, der die blutigsten Opfer fordert. DaS Traurigste an der Sache ist aber, daß die feigen Polen ihren Hatz gegen die Ruthenen an wehrlose jüdische Männer, Frauen, Greise und Kinder auslaffen und zu diesem Behufe die blutigsten Pogrome heraufbeschwören. Die Neugeburt der Völker, sowie der Tod der alten Monarchien hatten zur Folge, datz die aufgezogenen Legionen im Osten Europas jüdische Synagogen einäschern, die dort versammelten Andächtigen dem Feuertode Überantworten und Mord, Plünderung und Zerstörungswut verbreiten konnten. Die Neugeburt der Völker und der Tod der alten Monarchien belebten von neuem die grausame Kriegsfurie und lietzen, wie im finsteren Mittelalter, in Galizien, Polen, der Ukraina, Rußland u. a. v. O. Judenschlächtereien erstehen, deren Kunde uns Entsetzen einflötzt. Wir fragen: ״Wie stel len sich denn die Westmächte, die Urheber der Völker freiheit, diesen Grausamkeiten gegenüber?" Wir fra: gen: ״Was für Mittel ist anzuwenden, um eine Wie- Verholung solcher trauriger Erscheinungen zu verhüten?" Wir fragen: ״Wie sollen wir die frischen Wunden des jüdischen Volkes heilen?" Auf diese Fragen soll ein zweiter Aufsatz die Antwort zu geben versuchen Koreefponäenzen. Akademischer Verein jüd. Sozialisten. In der konstituierenden Versammlung wurde Gen. Dr. Eugen Zeisel zum Obmann gewählt. Den ersten Vortrag hält Gen. Dr. Fel. Loria über die Entwicklung des Sozialismus am 27. Jänner 1919. — Zuschriften sind an die Poale Zion Brünn, Liechtensteinstratze 2, resp. an den akad. Verein unter derselben Adresse zu richten. Poale Zion Brünn. Am 22. Jänner fand eine Mitgliederversammlung statt, in der Gen. Dr. Loria ein politisches Referat hielt und der neue Ausschutz gewählt wurde. Wien. Sonntag, den 29. Dezember 1919, fand auf dem hiesigen Zentralfriedhof die Grabsteinenthüllung des im Jahre 1916 hier plötzlich verschiedenen Oberkantors Moses Scharr der alten Synagoge in Krakau, eines Bruders weiland Oberkantor Mayer Scharr, statt. Nachdem Herr Oberkantor Regner die üblichen Trauergebete in rührender Weise zum Vortrage brach- Le, pries der berühmte Rabbi Ascher Horowitz der Or- Lhodoxengemeinde in Krakau, in deren Vertretung er auf der Grabstätte erschien, die hohen Eigenschaften, das grotze chasanische und talmudische Wissen und das segensreiche Wirken auf charitativem Gebiete des leider so jäh Verblichenen. Hierauf trug der Herr Oberkantor Morgenstern in ergreifender Weise das El mole ra» chamim-Gebet vor und schilderte sodann mit einigen schlichten Worten die trefflichen Eigenschaften des Berstorbenen. Damit hat die unter großer Beteiligung stattgefundene erhebende Feier ihren Abschluß gefunden. Wien. (״Adas Jisroel", Schiffschul). Am Samstag, den 21. Dezember v. I., wurde im Bethause ״Adas Jisroel" (Schiffschul) der Ertrag der Alioth üüd der Zedokoh zu gedachten Spenden im Betrage von 10.106 Kronen den durch die Pogrome Beschädigten gewidmet. — Am Donnerstag, den 26. v. M., dem ersten Fasten -wurde zum Andenken an die Opfer der Pogrome ״El mole Rachamim" gesagt. liebt, ein gründlicher Kenner der Geschichte unserer Gemeinde, in der bereits die Wiege seiner Ahnen stand. Nach dem Nachrufe, den unser Herr Rabbiner seinem Heimgegangenen guten Freunde hielt, sprach im Namen des Jüd. Jugendbundes Pohrlitz Herr Egon HaaS, Cand.-Med., innige Worte der Trauer, daß Heinrich Adler die Verwirklichung der Hoffnungen des jüd. Volkes nicht mehr schauen durfte, und des Dankes für die Förderung der national-jüdischen Arbeit der hiesigen Jugend durch den Verblichenen. Am Grabe sprach — in Vertretung des abwesenden Kultusvorstehers — Herr Siegmund Nassau, Obmann der Tempelverwaltung, im Namen des Kultusvorstandes herzliche Worte des Abschiedes. — Am 19. Jänner d. I. tagte eine jüd. Volksversammlung, zu der fast sämtliche Familien erschienen waren. Nach einer einleitenden Ansprache unseres Kultusvorstehers und Präses des jüd. Volksrates Pohrlitz, Herrn Hermann Schnabl, die der Begrützung unserer Brünner Gäste gewidmet war, erstatteten die Herren Dr. Sonnenfeld und Dr. Loria Bericht über die Ziele und bisherigen Erfolge des Jüdischen Nationalrates in Prag und forderten nach Beleuchtung der Judenfrage und ihrer einzig möglichen Lösung zum Eintritt in die nationaljüd. Vereinigung der Juden im tschecho-slovakischen Staate auf. 120 Anmeldungen erfolgten sofort; einstimmig wurde eine Resolution angenommen, welche dem Jüd. Nationalrate in Prag den Dank und das Vertrauen der Pohrlitzer Judenschaft ausspricht und ihn bittet in Gemeinschaft mit den Vertretungen anderer Staaten zum Segen des jüdischen Volkes weiterzuarbeiten, um die Ideale hinsichtlich Palästinas und unsere staatsbürgerliche Gleichstellung auf nationaljüdischer Grundlage zu verwirklichen. Aussig. Zu der am 1. Jänner, halb 6 Uhr abends, im Tempel von der Auffiger isr. Beerdigungsbrüderschüft zu Ehren der im Kriege gefallenen Mitglieder der Kultusgemeinde veranstalteten Gedächtnisfeier fanden sich die Gläubigen in sehr stattlicher Zahl, die Angehörigen der auf dem Felde der Ehre gebliebenen nahezu vollzählig ein. Herr Oberkantor Borodkin leitete die Feier durch Absingen einiger Psalme ein. Herr Rabbiner Professor Dr. Nosenzweig hielt eine der Feier angepatzte Büßpredigt, die auf die Andächtigen ergreifend wirkte. An die Predigt schloß Seine Ehrwürden einen die Opfer des Krieges ehrenden Nachruf an. Mit dem für das Seelenheil üblichen Gebete schloß die erhebende, würdig verlaufene Feier. Dttrrmaul bei Marienbad. Ein Biederweib, wie es nur selten zu finden, wurde am 2. d. M. hier zur letzten Ruhe bestattet. Frau Fanny Doktor, Mutter des hiesigen Kultusvorstehers Herrn Siegmund Doktor, hat im Alter von 80 Jahren ihr müdes Auge für immer‘ geschlossen. Die hohe Wertschätzung, deren sich die Verklärte im Leben stets erfreuen durfte, äußerte sich bei der Leichenfeier, wo nicht nur zahlreiche Glaubensgcnassen aus Nah und Fern anwesend waren, an der sich vielmehr auch viele Andersgläubige, an ihrer Spitze der hiesige Bürgermeister und mehrere Ortsvorsteher in solcher Anzahl beteiligten, wie wir sie hier noch nie gesehen haben. Nachdem Herr Kantor Ziegler die liturgischen Psalmen verrichteit hatte, widmete ihr Herr Rabbiner Dr. Diamant aus Marienbad einen ergreifenden Nachruf, in welchem er die Verklärte als Muster wahrer, inniger und aufrichtiger Frömmigkeit pries, deren Gottesglaube die Quelle war, aus welchem zahlreiche Tugenden, wie Liebe und Treue, Menschenfreundlichkeit und Herzensgüte hervorsprudelten. Ihre größte Freude war es, im Stillen Gutes zu üben, die Hungrigen zu speisen, die Nackten zu kleiden und den Schwergeprüften Trost zu spenden. Die Verklärte hinterlietz 4 Söhne und 4 Töchter, die im Geiste ihrer Mutter für Juden und Judentum und für alles Menschliche segenS reich wirken. Das Andenken der Frommen sei zum Segen. Ausdruck, ״Hatz", das heißt Vernichtungskrieg, Jnquisition gegen die Gesamtjudenheit. Töricht und grausam verfährt die entseelte Welt mit allen, die sich ihr widersetzten. Und wer gegen den Stein des Hasses stößt, wird zerschellt und auf wen immer er fällt, der wird -er« malmt und vernichtet. Die göttliche Freiheit wird von ruchlosem, raubgierigen Demagogen schamlos mißbraucht. Zwischen den Söhnen eines Vaters und den Bürgern eines demokratischen Staates, die alle das goldene Zeitalter der Heimat erstreben, wird in roher Weise Hatz gesät. Diese heimtückische Krankheit, diese antisemitische Grippe beehrte auch unsere Stadt. Donnerstag, den 9. d. M., 4 Uhr nachmittags, be« gannen, wie auf ein gegebenes Signal, halbwüchsige Burschen und der Mob die jüdischen Geschäfte (Josef Kafka, Witwe B. Kafka, O. Reimann, M. Winkler und Witwe Anna Weil) zu plündern und die Scheiben einzelner jüdischer Häuser zu zertrümmern. Dies alles geschah unter den Augen eines großen Teils der hiesigen Intelligenz , die ruhig alles gewähren ließ. Die oben angeführten Geschäfte wurden auSgeplündert und deren Inhaber mißhandelt. Nur das rechtzeitige Eintreffen des Militärs und das energische Einschreiten der hiesigen Behörde verhinderten die Fortsetzung der Vernichtungswut des arbeitenden Pöbels. Die zum Tode gehetzte Judenheit, die unter dieser Depression entsetzlich leidet, appelliert im Namen des HumaniSmus an das Gewissen der christlichen Bevölkerung den unglücklichen Juden das Bruderangesicht zuzuwenden und sie zu schützen. Das furchtbare Weltgemetzel ist beendet. Wir haben das blutbefleckte Gewand des Krieges abgelegt. Legen wir nunmehr den unzeitgemätzen Mantel des blinden Haffes ab und schmücken uns mit dem Gewand der Weltversöhnung und der Verbrüderung aller Menschen. Denn, wenn für die Missetaten einzelner Glaubensgenossen die unschuldige Masse der Judenschaft zur Butze herangezogen werden dürfte, dann müßte mit gleichem Rechte die ganze Menschheit die Verbrechen. ihrer Mitmenschen verantworten. Es möge nunmehr die Menschheit sprechen: Keinen Vorzug vor dem andern. Nicht auf weichen Blumenpfaden wandern. Während ihre Bahn durch Wüste geht. Und nicht treten in die Himmelshalle, Wenn die goldene Pforte nicht für alle Aufgetan und weit erschlossen steht. Denn ein Vorzug mir allein gegeben. Müßte mich mit bitterer Schmach durchbeben. — M. Hlckl-Verlag. BrUnn-Wien. Wien, II., Tatarshaßs 52 b Brunn, Adlergaasa 9. Soeben erschien das zweite Heft von : GEWULOTH . ------- גבולות -------- Hebr. Monatsschrift für moderne Literatur Herausgegeben von Q. Schoffmann und Z. Diesendruck. Aus dem Inhalte: Z. Diesendruck: Wir. die wenigen: M.SIlburg: DasOeslcht de■ Todes (Skizze) — U. Z. Orflnberg: Oedicht — M, J. Bin Qurion, Fragmente — Abraham Schwadron, Vom Tcchnlamus (Essay! — Schymonowicz, Oedicht — H. Rel* mann, Orotesken — Olossen u. s. w. Aus dem Inhalte des Dezember-Heftea: H. Bergmann, Die wahre Freiheit. 8. Schneuer Die Gefangene. O. Schoffmann, Vier Skizzen. E. Diesendruck, Von der Groteske. Z. Grünberg, Gesang der Kämpfer, Zeitglossen etc. Abonnement beträgt: halbjährl. K 16 — (10 Mk.) Einzelheft inklusive Porto K 3 20 (Mark 220׳) EinzelverschJeiö: Administration .* Wien,Taborstraße 52 b, — Brünn, Adlergasse 9 — sowie samtl. Buchhaltungen u. Zeitungsverschleißstelle. Wien. (Barmizwahfeier.) Samstag, den 18. Jänner l. I., 9 Uhr vormittags, fand im Tempel, 2 .Bezirk, 'ZirkuSgasse 22, die Barmizwahfeier des Sohnes des Herrn Max Schwager und seiner Güttin Regine statt. Pohrlitz. Am 6. Jänner d. I. starb der Sekretär unserer Kultusgemeinde, Herr Heinrich Adler nach kurzem Krankenlager im Alter von 60 Jahren. Mit ihm ist eines der gebildetesten Mitglieder unserer Gemeinde dahingegangen, ein Mensch, der nur sich und seinem Denken gelebt, überall jedoch hervortrat, wo es galt die Ideale unseres Volkes zu verfechten, in geistreicher Rede stets seinen Mann stellend. Verfügte er doch über ein bedeutendes Wissen, da er nach Voll- -endung seiner Ghmnasialstudien durch Jahre Hörer der Wiener Universität war und bis zu seinem Lebensende der fortschrittsfreundliche Akademiker blieb, der er in jungen Jahren gewesen. Er war ein modernreligiöser Sohn unseres Volkes, das er über alles ge¬ Rabbiner Dr. E. Landau, Strakonitz. Die Ausschreitungen gegen die Juden in Strakonitz. ״Lasset mich weinen, sehet micht nicht an. Fraget nicht, warum meine Lippen beben." — Die Weltgärung ist eine furchtbare Folge des unmenschlichen Weltkrieges, die die verrohte Menschheit in den Urzustand der Barbarei versetzt. Die charakterlose und verlogene Welt erzeugte eine Atmosphäre des giftigen Haffes und der Rachefackel gegen das wehrlose jüdische Volk. Güte und Liebe sind Adiome der Vergangenheit, die Gegenwart, die Zeit der modernen Kultur des 20. Jahrhunderts aber prägte einen populär gewordenen Runäfcha«. Kurt EiSuer über das Judentum. AuS München wird berichtet: Eisner legte in einer Wahlrede ein Bekenntnis über sein Judentum ab, indem er darauf verwies, datz bereits seine Eltern keiner jüdischen Gemeinde mehr angehörten. Obwohl er aber mit dem Judentum keinerlei Beziehung in ritueller Hinsicht habe, sei er doch stolz darauf, Jude zu sein. Er zieht einen scharfen Strich zwischen gewinnsüchtigen Geschäftsjuden und solchen, die dem Idealismus leben und lebten, wie Christus, Laffalle, Marx und Engels. Eine umfassende Autonomie für Palästina. Aus Kopenhagen, 3. Jänner wird berichtet: Hier liegen Meldungen vor, nach denen die Aussichten für die Verwirklichung der zionistischen Forderungen bei der Friedenskonferenz überaus günstig sind. Me zio*

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