Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1919)
- Date
- 1919-01-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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-PÄZMWMMMM M. S .—י■ MI»HWU Ow»p!1Rlwr Seite 6. Nationalkongreß -er tschecho flowakischm Judenheit. (Prag 4. 6. JSnner 1919.) Zürich. (Literarische».) Im Verlag M. Poppelauer, Berlin, ist vom Mitglied de» Stettin» MiSrachi, Zürich, Herrn I. S. Zuri, ein religionS-philosophischeS Werk über Rabbi Jochanan erschienen. Die Notwendigkeit, solche Themen auch einmal von jüdischer Seite bearbeitet zu sehen, hat sich als dringend erwiesen. Das Buch ist trotz seine» streng wissenschaftlichen Charakters sehr gemeinverständlich geschrieben, und um seine Verbreitung zu fördern, nimmt auch die Administration d. Bl. Bestellungen entgegen. Marienbad. (VerschiVeneS.) Die hiestge israelitische Kultusgemeinde hat für jene Lemberger Pogrom« opfer, die in Not und Elend zurückgeblieben sind, den Betrag von LOS Kronen gewidmet, außerdem haben viele Gemeindemitglieder aus Eigenem entsprechende LiebeSopfer gebracht. — Während des 4einhalbjährigen VölkerringenS hat die hiesige Gemeinde zu allen jüdischen Fest, und Feiertagen sämtliche in den hiesigen Lazaretten befindlichen jüdischen Soldaten mit ritueller Kost versorgt und für die Kranken und Verwundeten auch sonstige, namhafte Opfer freudigen Herzens gebracht. —* Den Zeitverhältnissen Rechnung tragend wurde den Herren Beamten unserer Kultusgemeinde auch für das neue Jahr eine entsprechende TeuerungSgulage gewährt. — Die hiesige Gemeinde beklagt folgende Kriegsopfer: Feldwebel Franz Beck (gefallen in Valjevo); RUO. Max Leitner (gestorben in Eger); Leutnant Gustav Horowitz (gefallen an der russischen Front); Oberarzt Dr. Heinrich Löwenthal (gestorben in Eger); Feldwebel Jakob Reiß (geworben in Olmütz); Leutnant Max Benisch (gefallen an der italenischen Front); Alfred Gerstl (an der ital. Front) und Feldvebel Rudolf Weinstein (gestorben in Marienbad). — Vor wenigen Wochen hat sich die hiesige jüdische Jugend zu einem Bund zusammengetan, der sich zur Aufgäbe stellt durch häufige Zusammenkunft im Klublokal bei regelmäßigen literarischen, gesanglichen und Kla- Vierdarbietungen nebst Theatervorstellungen das jüdische Selbstbewußtsein der Jugend zu heben. Mit den Darbietungen, die allwöchenntlich vor eingeführten Gästen veranstaltet wurden, hat sich die hiesige Jugend schön eingeführt und den Beweis erbracht, daß im Verborgenen gar schöne Kräfte geschlummert. London. ״Sinai und Zion." Schon seit Ausbruch des Krieges besteht in England eine große Vereinigung der thoratreuen Jugend, die in vielen Städten Groß- LritannienS Ortsgruppen errichtet hat. Die Vereinigung steht unter der Führerschaft der prominentesten Vertreter der englischen Orthodoxie, wie: Rabbiner Kuk, Rabbiner Dr. Jung, Chacham Dr. Gaster u. Prof. Dr. Hirschfeld. Kürzlich wurde von diesem Vereine, der seine eigene Zeitschrift besitzt, eine Sondernummer herausgegeben, die in Tausenden von Exemplaren an die jüdischen Soldaten verteilt wurde. Aus dem Inhalt dieser Nummer sei eines Artikels aus der Feder des Herrn Dr. B. Denas von der Liberpooler Gruppe ge- Lacht, der die Forderung aufstellt, zum national-jüdischen Problem Stellung zu nehmen. Er selbst vertritt den Gedanken des Zusammenschlusses und fordert die Sinaisten auf, tatkräftig an der Verwirklichung des na- Nonalen Gedankens mitzuarbeiten. Newyork. Misrachi-Mädchengruppe. Eine großzügige Tätigkeit ist vom Newyorker ״Mizruchi central bureau" entfaltet worden, um bis Ende Jänner 5000 Mitglieder in den MiSrachi-Mädchengruppen Amerikas zu vereinigen. Mehrere Lesesäle sind eröffnet worden, wo regelmäßig Vorträge stattfinden. Jerusalem. Der MiSrachi in Palästina. Unter der Leitung angesehener Rabbiner wie Chacham Baschi Nziel, Rabbi Zitron und Ostrowski hat die MiSrachi- Bewegung in Erez Israel die glänzendsten Erfolge zu verzeichnen. In sämtlichen Städten und Kolonien des Landes befinden sich ansehnliche Ortsgruppen, von denen ganz besondere Erwägung diejenige in Judäa derdient, welche allein über 1000 wohlorganisierte Mitglieder auS allen Kreisen der Einwohnerschaft zählt. Dank dieser kräftigen Einigung erzielte der MiSrachi bereits wichtige Erfolge auch auf dem Gebiete der allgemeinen Mischen Tätigkeit im Lande. Als eine Zweiggruppe der MiSrachi wurde die Organisation ״Zeirei Erez Israel gegründet, welche den Zweck hat, die auf dem 'Boden der MiSrachi stehenden jungen Leute in Palästina zu vereinigen und sie zu erziehen für Thora und Arbeit. ES ist noch zu erwähnen, daß eine ganze Reihe von bisher isolierten religiösen Erziehungsanstalten, so namentlich einige Talmud-Thora-Schulen der deutschjüdischen Orthodoxen in Palästina, sich de« zionistischmisrachistischen Leitung unterstellt haben._ Achtung! Die P. T. Empfänger werden dringend um srdl. umgehende Zusendung des Abonnementsbetrage» ersucht. Die «tzminiftratisn. Ein Bild, daß in seiner Schönheit an den Festfitzungen unserer zionistischen Kongresse erinnert. Der Riesenfaal der Produktenbörse mit weiß-blauen Draperien festlich geschmückt, trägt an der Stirnseite, ober der Präsidialtribüne, das große Herzlbild, die Seitenwände die Bilder Masaryks und Wilsons. Der Saal ist überfüllt, obwohl nur Delegierte und geladene Gäste Einlaß finden konnten; neben dem Präsidium stehen die Fauteuils der tschechischen Politiker und Journalisten, die im großen Saal sich eingefunden haben, um dem festlichen Akte der Kongreßeröffnung anzuwohnen. Wenige Minuten nach 8 Uhr betritt der Präsident der. 2״. N. R." Dr. Ludwig Singer, gefolgt von den anderen Mitgliedern des Präsidiums den Saal. Stür- Mischer Beifall begrüßt die Eintretenden, der Minutenlang den Raum füllt. Endlich kommt Dr. Singer zu Wort. Er erzählt, wie viel Arbeit es gab, um all die Hindernisse zu beseitigen, die sich der Verwirklichung des KongreßprojekteS in den Weg stellten; er weist mit Stolz auf das Gelingen des Planes hin und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß -er Kongreß eine neue Aera der jüdischen Geschichte einleiten werde. Er teilt mit, daß Präsident Masarhk sich durch seinen Präsidialisten telephonisch vor Beginn der Versammlung habe entschuldigen lassen, da er infolge plötzlicher Amtsgeschäfte im letzten Augenblicke verhindert wurde, persönlich zu kommen. Dr. Singer begrüßt Jaroslaw Kvapil, Dramaturgen des tschechischen Nationaltheaters, als Vertreter der ״Rada ceskych spisovatelu", die Abg. Kauscha (soz.-dem. Klub), Kopecky, Dr. Veverka und Vackar (nat.-soz. Partei), Dr. Nemec (staatSrechtl.-dem. Part.), die Professoren Sekanina und Kaderabek (tschech. Technik), die Vertreter des E. A. C. und zahlreicher anderer jüdischer Organisationen und insbesondere die Vertreter der slowakischen Judenheit, die eine Abordnung von 20 Delegierten zu der Tagung entsendet haben. Unter stürmischer Akklamation beantragt Dr. Singer ein Huldigungstelegramm das Masaryk als Vorkämpfer für Wahrheit und Gerechtigkeit feiert und das unter dreimaligen ״Slava"-Rufen zum Beschlüsse erhoben wird. Dr. Hugo Bergmann spricht als erster Redner des Abends. In hebräischer Sprache bespricht er die inneren Zusammenhänge zwischen Sprache und Volk und verweist darauf, wie gerade das tschechische Volk dem Wiedererwachen seiner Sprache die Wiedergeburt des Volkes und die Erreichung seiner völklichen Ideale verdanke. Aus der großen Zahl von Begrüßungsreden, — Telegrammen und -Zuschriften seien besonders erwähnt die Sokolows und Weizmanns, der zionistischen Delegierten für die Friedenskonferenz, Lord Rotschschilds- London und Alois Jirasek, des bedeutenden Literaten und Präsident der ״Rada ceskych spisovatelu". Dann folgt das Referat Dr. Ludwig Singers über «Die ethische Bedeutung des Zionismus"; der Redner knüpft an die Botschaft Masaryks über den Zionismus und bespricht die Richtlinien der künftigen jüdischen Politik, die unbedingt fußen muß auf der Forderung nach Palästina, der jüdischen Heimstätte und nach nationaler Wiedergeburt in der Diasphora. Rudolf Kohn, Mitglied der 2״. N. R." und Präsident des Jud. Sozialistenrats, schildert die Lage de»- jüdischen Proletariats und weist auf die unabweisliche Notwendigkeit einer weitgehenden Berufsumschichtung. hin, notwendig und unabweislich aus nationalen und> sozialen Gründen. Hand in Hand — oder richtiger vorauSgehen muß der Sozialisierung die Demokratisierung,, und insbesondere die Umgestaltung der Kultus — zur Volksgemeinde. Nach einer warmen Begrüßung des in der ״Poale Zion"-Partei organisierten jüdischen Proletariates durch den tschechischen Sozialdemokraten Abg». Kauscha begründet Dr. Med. S. Lieben den Anschluß, der Orthodoxie an den Nationalgedanken und führt in hebräischer Sprache aus, welche Gründe gerade heute, zum Anschlüße drängen. Max Brods geistreiche Ausführungen über dem ״Jüdischen Nationalismus" als den Nationalismus der Liebe und Gerechtigkeit bilden den Höhenpunkt de»- Abends, der gegen halb 11 Uhr und der Absingung den Hatikwah seinen Abschluß findet. Der nächste Tag bringt die eigentliche Arbeit. Nach. Erledigung der Formalien (Wahl des Büros und einer. Reihe von Ausschüssen) übernimmt Dr. Hilf, Vorsitzender des Landesverbandes der mährischen Kultusgemeinde, das Präsidium und erteilt das Wort an Dr. Singer zur Erstattung des Rechenschaftsberichtes, dessen Er* gänzung den einzelnen Referaten überlassen bleibt. Dr.. Angelo Goldstein referiert über das Organisation!?- statut, das namentlich durch das Korreferat Dr. Rufeisens starken Widerspruch hervorruft, worauf noch die. Berichte der Finanz- und Permanenzkomiffionen fol-, gen. Die Nachmittagssitzung bringt die Referate Dr. Fuchs-M.-Ostrau, der in nicht ganz objektiver Weise die historische Entwicklung der mährischen Juden be* spricht; er sucht insbesondere deren «Deutschtum" im etwas allzu naiver Weise zu ״begründen" und betont״ daß die mähr. Judenschaft mit verschwindenden Aus» nahmen auf nationalem Boden stehe. Der Bericht Bürgermeisters Dr. Zweigs-Protznitz gibt ein ausgezeichnetes Referat über die politischen Ju» dengemeinden und bespricht die ihnen drohenden Gefahren. Das Referat Dr. Theodor Haas-Brünn über die׳. Juden in der Slowakei gibt Anlaß zu mancherlei Berichtigungen, an denen sich der Korrefent Ungar undeinzelne Delegierte aus der Slowakei beteiligen. Ueber-4 einstimmend wird die Notwendigkeit der Ausgestaltung, des jüdischen Schulwesens in der Slowakei auf jüdischer Grundlage bewnt. Der Referent des Presseausschusses Herr Emil Waldstein beantragt die Gründung eines jüdischen Verlags und erstattet namens des Ausschusses eine Reihe von Vorschlägen. Namens des Legitimationsausschusses erstattet Herr Oskar Busch den Bericht des Legitimationsschusses, der alle Mandate mit einer einzigen Ausnahme anzuerkennen beantragt. Hierauf beginnt die Generaldebatte. Schluß folgt. Rundschau. Jüdisches Ministerium in der Ukraine. Ukrainische Blätter berichten, daß dortselbst wie» derum die jüdisch-nationale Autonomie eingeführt undein jüdisches Ministerium eingesetzt wurde. Ein zweites Lemberg. Nach Zeitungsberichten haben nach dem Blutbad in Lemberg noch ärgere Pogrome in Wladimir-Wolynsk stattgefunden, die die Lemberger Greuel noch weit über-!troffen hätten. In Wladimir-Wolynsk wurden die Häu, ser mit Petroleum übergoffen und angezündet. An den Ausschreitungen nahmen Soldaten teil, die überzeugt waren, daß das Pogrom mit Zustimmung und auf Be» fehl des Kommandos stattgefunden habe. Diesmal fehlt die Ausrede, daß das Pogrom durch die von Ukrainern aus den Gefängnissen entlassenen Banditen verübt worden sei. L Dir Aktion des Senators R. Ban Kol. Das Jüdische Korrespondenzbüro im Haag mel» det: Seit der ersten Nachricht über die Pogrome in Polen und Galizien entwickelt der holländische Senator und Mitglied des internationalen Sozialistenbüros & Ban Kol eine rührige, ununterbrochene Tätigkeit zu-- M. Hlckl-Verlag. BrUnn-Wien. Wien, II., TaborstiaBs 52 b Brunn, Adlargasse 9. Soeben ’ erschien das zweite Heft von: GEWULOTH — נבולות «,dr. Monats,ohrift für modsrn, Literatur Herausgegeben von 0. Schoffmann and Z. Dlesendruck. Aus dem Inhalte: Z. Diesendntck: Wir, die wenigen: M. Sllburg :Da• Oesichl de• Todes (Sldsze) — U. Z. Qrtaoerg r Oedlcbt — M. J. Bin Onrlon, Fragmente — Abraham Schwadron, Vom Techniimus (Essay) — Schymonowic*, Qedicht — H. Rei• mann, Oroteslcen — Olosscn n. s w. Aus dem Inhalte des Dezember-Heftes: H• Bergmann, Die wahre Freiheit. 8. Schneller Die Gefangene. G. Schottmann, Vier Skizzen. E. Dteaendrnck, Von der Groteske. Z. Grünberg, Gesang der Kämpfer, Zeitglossen etc. Abonnement beträgt: halbjährl. K 15 — (10 Mk.) Einzelheft inklusive Porto K 320 (Mark 2*20). Einzelverscbleiß: Administration: Wien,Tabor- Straße 52 b, — Brünn, Adlergasse 9 — sowie simtl. Buchhaltungen u. Zeitungsverschleißstellen » V . \ \