Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1919)
- Date
- 1919-01-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 2. ״Jüdische volkSstimme" Tritt?, gunsten der Juden. Der Senator hat sich nicht bloß mit der Interpellation im holländischen Senate begnügt, die bekannterweise zu einer scharfen Resolution dieser Körperschaften, welche die bedeutendsten und führenden Kräfte des holländischen Volkes in sich vereinigen, geführt hat. Senator Van Kol hat die führenden Sozialisten aller Länder telegraphisch aufgefordert einen Druck auf ihre Regierungen zugunsten einer Intervention für die galizischen Juden auszuüben. Auch das internatiorrale sozialistische Büro veranlatzte er zu einer Kundgedüng gegen die Pogrome. Seiner Intervention ist es zu danken, daß das Tschecho-slowakische Komitee im Haag einen telegraphischen Appell an die Regierung in Prag richtete, die Ausweisung der galizischen Juden nicht vorzunehmen. Bekanntlich hat auch diese Intervention vollen Erfolg gehabt. Van Kol hat soeben eine Brochüre über die Juden und die Friedenskonferenz in welcher er in enthusiastischer Weife die Forderung eines jüdischen Palästinas unterstützt und eine Anklage gegen daS polnische Volk erhebt, beendet. Die Brochüre dieses greisen und edlen Freiheitskämpfers wird in Bälde erscheinen und durch ihren brennenden Inhalt sicherlich 'allgemeine Beachtung finden. Wilson und die rumänische Juvenfrage. Dem I. P. W. wird aus Berlin telegraphiert: Der Verband der rumänischen Juden in Newyork richtete 'an Wilson den Appell, auf der Friedskonferenz die Gleichberechtigung der Juden in Rumänien sicherzustellen. Wilson antwortete auf die Adresse: ״Ich habe die Dringlichkeit der Frage, auf die Sie meine Aufrnerksamkeit gelenkt haben in Erwägung gezogen und Werde sie auf der Friedenskonferenz ernstlich behandeln". Ein polnisches Geständnis über die Schuld an dem Pogrom in BrzeSko. Wie berichtet wird, soll der Legionär, Rittmeister Ziegler, der während des Pogroms in Brzesko das Kommando der Garnison führte, in einer Gemeinderatsitzung am 19. Dezember erklärt haben, daß die polnische Intelligenz den Pogrom in BrzeSko vorbereitet ha- Ve und dafür die Verantwortung trage. Auf einen Zwischenruf, daß nur die Jugend daran Schuld trage, «widerte Ziegler, daß die gesamte polnische Intelligenz — die Alten wie die Jungen — schuldig seien. Wie die Polen den Raub an Juden bestrafen. Bei einer Frau Smetanowa in Brzesko wurden viele anläßlich des Pogroms geraubte Waren borgefunden. Die Gendarmerie erstatte daraufhin eine Anzeige, worauf sie der Bezirksrichter Kunce bei der Ver- Handlung am 15. Dezember zu einer Geldstrafe von 15 Kronen verurteilte. Wilhelm Feldman« der bisherige polnische Geschäftsträger von Berlin abberufen. Der bisherige polnische Geschäftsträger in Berlin, Wilhelm Feldmann, ist von der Regierung in Warschau abberufen worden. Feldmann ist galizischer Jude, der dem Kreise der Polen mosaischer Konfession ange- Hort, die ohne irgendwelche Fühlung mit den jüdischen Massen zu unterhalten, sich der herrschenden nationaldemokratischen Partei bedingungslos verschrieben haben. Als Herausgeber während des Krieges in Berlin erscheinenden ..Polnischen Blätter" hat Feldmann die deutsche Öffentlichkeit im großpolnischen Sinne zu beeinflußen versucht. In den letzten Tagen vor seiner Abberufung hat er noch die polnischen Communiques verschickt, in welchen der Versuch gemacht wurde, die Vorgänge in Polen und Galizien zu verschleiern. All dies hat ihn vor der Abberufung nicht geschützt. Sein Nachfolger, der polnische Schriftsteller v. Niemojewski, gehört zu den führenden Mitgliedern der polnischen nationaldemokratischen Partei. Fünf Millionen Dollar für die jüdischen Kriegsopfer. Dem Jüdischen Preßbüro in Swckholm wird aus London telegraphiert: Die jüdischen Hilfskomitees in Amerika haben beschlossen, in einigen Wochen fünf Mil- Konen Dollar für die jüdischen Kriegsopfer in Osteuropa und Palästina aufzubringen. Die Sammelaktion ist in vollem Gange, alle jüdischen Organisationen beteiligen sich daran mit großer Energie. '40.000 Dollar für ben NationalfondS in der Chanukah- Woche gesammelt. Wie dem Jüdischen Preßbüro in Stockholm äuS London telegraphiert wird, ergab die Chanukahsammlung in Amerika für den jüdischen NationalfondS die ׳!Summe von 40.000 Dollar. MeinnngSverfchiebenheiten innerhalb der »gubaS Israel. Bereits seit längerer Zeit machen sich Strömungen innerhalb der Agudas Israel geltend, die dem bisherigen Kurs zuwiderlaufen. Bezeichnend hierfiir ist ein Aufruf, der von den Berliner Jugendgruppen aus verbreitet wurde und worin nicht nur nationale Betätigung der Palästinaarbeit, sondern eine Gemeinsamkeit bei Vertretung nationaler Forderungen mit der zionistischen Organisation verlangt wird. Obwohl in den jüngst aufgestellten Richtlinien der ..Agudas Israel", die in Nummer 49 des ..Israelit" vom 6. Dezember wiedergegeben werden, ausdrücklich ..das Herausarbeiten des Gegensatzes zwischen Aguda und jeglichem anderen Nationalismus" gefordert wird, sehen wir doch, daß die Agudajugend nicht gewillt ist, diese separatistischeu Wege weiter zu wandeln. So konnte es sogar in Frankfurt a. M. selbst und in Anwesenheit des AgudaführerS, Herrn Jakob Rosenheim Vorkommen, daß folgende Resolution mit großer Mehrheit angenommen wurde: ״Die jüdische Religion und die jüdische Nation bilden eine untrennbare Einheit. Die Bereitstellung der jüdischen Nation und des jüdischen Landes für ihre Wiedervereinigung unter der Herrschaft Gottes und seiner Thora nach prophetischer Verheißung ist unsere Aufgabe . . ״Jede Ortsgruppe der Agudas Israel hat die Juden zu werben und zu sammeln, die bereit sind, nach Erez Israel zu ziehen. Erez Israel muß in der Zerstreuung der geistige Mittelpunkt der in Gottes Recht geeinigten und organisierten Nation werden." Der polnische Rückzug. Die polnischen amtlichen Kreise scheinen über die verkehrte Wirkung ihrer Pogromkommuniques bestürzt zu sein und versuchen nun, den Rückzug anzutreten. Statt jedoch die amtlichen Verlautbarungen öffentlich und amtlich rückgängig zu machen, begnügt man sich, in Unterredungen mit Juden die unliebsamen Kommuniques als Mißbrauch oder eigenmächtige Handlung einzelner Personen hinzustellen. So erklärte Minister- Präsident Maraczewski einer bei ihm erschinenen Abordnung, daß das Kommunique, worin die Juden des Bolschewismus geziehen wurden, nicht von der Regierung ausgegangen und in dieser Sache ein Mißbrauch vorgefallen sei. Auch in Bezug auf die seitens der polnischen Liquidirungskommission vom 27. November veröffentlichte Note, die den Juden mit neuen Pogromen drohte, erklärte der Präses der P. L. K., Dr. Tertil, gegenüber dem Warschauer Affimilantenführer Eiger, daß ״diese Note der Abgeordnete Ptas ohne Wissen und Einverständnis der P. L. K. abgesendet habe. DaS Schicksal ber internierten Zionistenführer. Wie wir bereits berichteten, hat das polnische Oberkommando für Ostgalizien vier Zionistenführer, Dr. Leon Reich, Dr. Michael Ringel, Dr. Alexander HauSmann und den Redakteur des jüdischen TagblatteS in Lemberg Josef nTenenblatt als Geiseln ausgehoben. Sie wurden nach Baranow im Bezirke Tarnobrzeg deportiert, wo sie im Schlosse des Herrn DolamSki interniert bleiben. Dieses Vorgehen ist eine Fortsetzung der letztens von den Polen eingeleiteten furchtbaren antijüdischen Kampagne, die in schärfster Weise gegen das jüdisch-nationale Element gerichtet ist. Die Polen find auf den teuflischen Plan verfallen, mit der Festnahme der Lemberger Zionistenführer den in der jüdischen Geschichte einzig dastehenden Pogrom in Lemberg zu rechtfertigen. Der Ausrottungskrieg der Polen gegen die Juden hat mit der Internierung der Zionistenführer die chikanösen Praktiken des Zarismus bei weitem übevtroffen. Die gegenwärtigen Diktatoren Polens scheinen jegliche politische Zurechnungsfähigkeit verloren zu haben. Ariesßasten. Perlberger. — Kurz gehaltene Korrespondenzen über das jüdische Gemeinde- und Bereinswesen sind uns jederz. erwünscht. — I. Z. Ihr Gedicht ist leider für unser Blatt nicht geeignet, vielleicht etwas anderes in Prosa. — Kohn-Prag. Die Adresse ist: Agudas Israel Wien H, Große Pfarrgaffe 23. — Hebräist. Wegen Aufnahme von Beiträgen für die ״Gewuloth" wollen Sie sich an Herrn G. Schoffmann Wien IX-, Clusiusgasse 6/15, wenden. — «. Kohane-Prag. Erledigung folgt in einigen Tagen. — Jugendlicher Zionist. Mit Ihr« Anfrage wollen Sie sich doch in erst« Linie an die dortige Lokalorganisation wenden. In interne Vereinsangelegenheiten mengen wir unS nicht. — Leovold H. Die Wahlreform in die Wien« Kultusgemeinde wird demnächst durchgeführt werden. Da» diesbezügliche Projekt Dr. Rudolf v. Schwarz-Hill« wurde noch nicht akzeptiert. — Wähler in K. Die Nationalversammlnug in Deutschösterreich soll «st am 1V. Februar zusammenkommen. Wenden Sie sich an den Jüdischen National« rat um Auskunft. — RedivivnS. Wird in ein« best nächsten Nummern behandelt werden. Züdisch-volkliche Gedenktage. Jänner: ' ׳ 11. R. I. Der Lewinfon in Kremenetz, gest. 8620. 12. In Sevilla erlitten unzählige Marannen den Feuer- 'wd. 6245. 13. Theod. M. Cerfbeer, Präs. d. isr. Konsist. in Pari-, gest. 6634. 14. Baron Albert v. Rothschild in Wien, gest. 6675. 16. R. Morchai Neizer, Nabb. in Lemberg, gest. 6496. 16. R. Jona Nabon, in Jerusalem, gest. 6620. 17. Heinrich Heine in Paris, gest. 6616. 18. Rabbi MoseS aus Lodmir, gest. 6689. 19. R. Benjam. Wolf Spira, Rabb. in Prag, gest. 6478, 20. B. Auerbach, Vers. d. Schwarzw. Dorfgesch. gest« 6671. 21. R. I. Löb Bensew, Verf. einer hebr. Gramatik gest. 6571. 22. R. Mendele aus Kozk, ein Chaffidim-Rabbi gest« 6519. Wochenkalender 5679-1919. Jänner. s ו 11 כא תדבר אשר דבר 5 יא 12 M יב 13 D יג U M יו¬ 16 סזק״ל D טו 10 •י״1»!״»א=חטשה עשר בשבט F טו 17 tag f. d. Blum« ודבורה אשוז S יז 18 שבת שירה. בשלח נביאה s יח 19 M יט 20 D כ 21 M כא 22 AdaS JiSroel {ישראל?IIP Wien II, GroBe Schüfgasse 8. Kanzlei: Wien II, GroBe Schlffgasae la. חזן ראשון (Oberkantor) wird im Bethaufe der ״AdaS JiSroel* Schiffschul ausgenommen. Erforderlich ist entsprechende fachliche (erstklassige) Befähigung. Nur solche Bewerb« können Berücksichtigung finden, die bisher auSschließlich in streng orthodoxen Bethäusern tätig waren. — Gesuche mit dem Nachweise d« bisherigen Anwendung und de» Familienstandes sind an den gefertigten Vor« stand zu richten. (Gesuchsbelege in Abschriften.) Spesen werden nur dem Aufgenommenen vergütet. Wien, 18. Dezember 1918.! Der Lorstanb ber ״AbaS JiSroel" (Schiffschul) in Wien, »., Große Schiffgaffe 8. Jakob FuchS, Philipp Back. ' Schriftführer. Obmann. Adas JiSroel :2רח ישראל Wien II, GroBe SchHIgasse 8. Kanzlei: Wien II, GroBe SchHIgasse la. Erster Sekretär wird gesucht. Erford«lich ist streng religiöse Leben»« führung, Repräsentationsfähigkeit, stilistische Gewandheit (deutsch und tunlichst auch hebräisch) und Kenntnis des jüdischen Gemeindewesens. — Gehalt nach übereinkommen. — Offerte nach Angabe der bisherigen Ber« Wendung und des Familienstandes sind an den gef«- tigten Vorstand zu richten. Wien, 18. Dezember 1918. Der Vorstand -er ..«bas JiSroel" (Schlfffchul) Wien, II* Große Schiffgaffe 8. Jakob FuchS, VHMPP «ach» Schriftführer. Obmann. KINO UNIVERSUM Neugaffe Nr. 16. Modernft eingerichtetes Theater-Gebäude für 800 Personen. Zweistündige nicht überhastete Vorstellungen mit ruhtg«, tadellos« Vorführung herrlicher Bild«. Beginn d« Vorstellungen an Wochentagen: 8, 7, 9 Uhr abend», an Sonn«׳ und Feiertagen: 9, 6, 7 und 9 Uhr abend». Tagesvorverkauf der Eintrittskarten an der Kinokaffa! von 10—12 Uhr vorm, und von 2—8 Uhr nachm«