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Jüdische Volksstimme · 1919-01-01 · Heft 1 (1.1.1919) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 1 (1.1.1919)
Date
1919-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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«t t Seit« S. f^en Überblick Über bis bisherige Literatur in bezug auf die Geistesstörungen bei den Juden auch seine eigene Beobachtungen über ״die jüdische Nervosität". Er verfolgt die bekannte Tatsache deS häufigen BorkornmenS der psychischen Erkrankungen bei den Juden durch verschiedene Statistiken bis in die einzelnen Krankheitsursachen hinein und zieht aus den dabei zu Tage tretenden Differenzen interessante Schlüsse aus die Art und Entstehung der Nervosität bei den Juden. Aus der tieferen Erkenntnis der Krankheitsursachen läßt sich aber auch eine wirksamere und aussichtsvollere Behandlung ableiten. ES werden daher sicher viele, und nicht nur Ärzte, sondern auch weitere gebildete Kreise, die sich über dieses Nafsenproblem orientieren wollen, mit Gewinn den Gedankengängen des FachmannS folgen. MoauS zur, ein Ehanukkahbuch. Jüdischer Verlag, Berlin, 144 S. WaS früheren Generationen, Jahr- Hunderte hindurch, leicht und selbstverständlich war, bereitet uns Kopfzerbrechen: wie gewinnen wir unsere Jugend für die Liebe und das Verständnis unserer Feste? Der Jüdische Verlag in Berlin beantwortet diese bange Frage durch eine Reihe von Büchern, in denen unsere Feste in ihrem historischen Ursprung, ihrem Gefühlswert und ihrer Auswirkung im Schaffen deS Volkes dargestellt werden. So entstand das vortreffliche Pessachbuch ״Chad Gajda"; ihm folgt nun dieses Buch über Chanuka. Der Inhalt des Buches ergab sich teilweise von selbst: die Kämpfe der Makkabäer werden an der Hand der Quellen (FlaviuS, JosephuS, zweites Makkabäerbuch, Megillath AntijochuS) geschildert. Aus dem übrigen Inhalt sei besonderS die aus dem jüdischen Volksbuch Josiphon entnommene und in der jidischen Originalsprache belassene Erzählung vom Märtyrertod der sieben Brüder erwähnt. Sehr dankenswert und neuartig ist ein recht zahlreiche Zusammenstellung von Menorah'S und Miniaturbildern, die auf Chanukka Bezug haben. Hiezu schrieb Kurt Fr eher eine kunstgeschichtliche Studie über die Menorah. Das schmucke Buch sei bestens empfohlen. Sondernummer der ״Hamburger Jüdischen Nach, richten" zum national-jüdischen Jugendtag in Berlin. Jüdischer Verlag. M. 1.—. Diese Sondernummer wurde im Aufträge der Zionistischen Ortsgruppe Hamburg-Altona im Oktober zum Berliner jüdischen Jugendtage herausgegeben und ist auch jetzt noch immer lesenswert. Der Grundton aller Artikel ist gegen die Tendenzen gewendet, den jüdischen Nationalismus dem europäischen ähnlich zu machen und ihn nicht aus den Quellen deS Judentums abzuleiten. Das Heft enthält Beiträge von Oskar Nathan, CH. Z. Klötzel, Ernst Tuch, Arthur JoSl, Armin Blau; fetner einen Vorabdruck ״Die zionistischen Vereine" aus einer demnächst im Jüdischen Verlag erscheinenden Sammlung jüdischer Aufsätze von Hugo Bergmann. Besonders beachtenswert ist eine Auseinandersetzung von Klötzel über die jüdischen Jugendzeitschriften. G. W. Fr. Hegel: Die Vernunft in der Geschichte. Einleitung in die Philosophie der Weltgeschichte. Leipzig, Verlag Meiner. M. 6.80. — Dieser neueste Band der bekannten ״Philosophischen Bibliothek" des VerlageS Meiner enthält — nach dem Ausdruck seines HerauSgeberS, deS bekannten Hegelforschers Georg Lass o n — die einzige Arbeit Hegels, die es zu einer Art von Popularität gebracht hat. Hegel ist der erste Philosoph, für den die Erkenntnis der Wirklichkeit in dem Begreifen der Geschichte gipfelt. Er verknüpft den Begriff der geistigen Freiheit mit dem der Offenbarung des Geistes und so gelingt eS ihm, über das Jndividuum hinaus zu einer geistigen Welt zu gelangen, die den Boden für das sittliche Leben der Individuen bildet, zu einem sittlichen Ganzen, dem der Einzelne das eigene sittliche Bewußtsein verdankt. So hört die Sittlichkeit auf, ein abstraktes, leeres Ideal zu sein und gewinnt ihren Ort in dem sittlichen Ganzen der Familie, der bürgerlichen Gesellschaft, des Staates, aber so, daß einerseits der Staat Träger und Grundläge aller anderen Gemeinschaften ist und daß andrerseitS keine einzelne Gestalt deS staatlichen Daseins den ganzen Reichtum deS Geistes auszudrücken vermag. Der Geist entfaltet sich von einer Gestalt zur anderen immer weiter; es ist ihm nach seinem Begriffe notwendig — ein Erfordernis feiner Freiheit — eine Geschichte zu haben. Die Geschichte ist der Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit. — Dies der im Anschluß an den Herausgeber wiedergegebene Grundgedanke der He-! gelschen Geschichtsphilosophie. Wir möchten wünschen, daß dieses, gewiß nicht leichte. Buch von unseren Lefern studiert würde. Hier lernt man eine GeschichtSbetrachtung, die nicht an den Einzeltatsachen klebt, sondern das Geschehen betrachten lehrt als ein Wirken realer geistiger Kräfte. AuS den Kampf der geistigen Potenzen auch in dem brandenden Geschehen unserer Tage sehen zu lernen tut uns gar sehr not. Die zionistische Bereinigung für Deutschland. hat bk 15. ordentliche Delegiexten-TvMng auf den 25., 26. und 27. Dezmiber nach Berlin in den Kaisersaal des Rhei,nigold (Bellevuestlvaße) einberufen. Die TqgesorHn>ung umfM drei Gebiete, über welche die Haiuptreferate der Vorsitzende 'der Zilonistischen Vereinigung für Dqutschland, Hsvr Dr. Hantke und die Herren Kurt Blumenfeld u,nd Richard Lichthsim Mernommen haben. Die Referate behandelten ״Dia zionistische Entwicklung" (Dr. Hantke), ״Die zionistische Arbeit in Deutschland" (Blumenfeld), ״Der Aufbau des jüdischen Palästina" (Lichtheim). Der 16. Delegjierten-Tagung der Zionistischen Bereinigung für Deutschland kommt in dieser Zeit außerordentliche Boden- Lung zu. Der deutsche Zionismus hat seit jeher in der zionMischen Weltorganisation eine bedeutende Rolle gespielt. Die Leistung idtzr Gesqnckorganisation befand sich in Berlin. Während ׳dies Krieges hat die zionistische Bewegung einen ungeheuren Aufschwung in allen Erdteilen und Ländern genommen. Dem deutsche Zio-- nismus hat mit dier zionistischen Gesamtbejwegung und der! politischen Organisierung des jübischen Volkes auch während des Krieges sei,neu festen Zusammenhang gewahrt und steht jetzt vor der Aufgabe, die Arbeit der deutschen Ziv-nisten auf dlie kommende Entwicklung einzustellen, djie!die zionistische Bewegung, und insbesondere auch das jüdische Palästina nehmen wird. Während des Krieges hat eine ordentliche Delegier,ten-Tagung der Zionistischen Vereijnigung für Deutschland nicht stattgefunden. An ihrer Stelle gab es eine außerordentliche Tagung im Dezember 1916. Die jetzt nach Berlin einbevufene ordentliche Tagung, welche unter der stärksten BeteiliMnig der Zionisten Deutschlands stattsiinjden und auch die Neuwahlen vorzunehmen halben wird, wird darum von besonderer Bedeutung sein. Die zionistische Leitung, welche die Tagung vorbereitet, hat nur drei Refevate angesetzt, um der zu erwartenden Ausspräche während der drei Verhandlungstage wcliten Spielraum zu lasten. Jüdisches Zentralhilsskomitee in Wien. Durch das traurige Kriegsende -ist auch Mer zahlreiche Juden unsagbares Elend hereingebrachen. Nach den furchtbjamen Leiden des jahrelangen Frontdienstes konnmen jüdische Soldaten e>rschöpft, verhungert, in ihrer Gesundheit erschüttert, aus der Front zurück, ohne Kleidung, ohne Schuhe und Wäsche, ohne Nahrung, oft selbst ohne Mittel, die Heimreise fortzusetzen, aller Not und allem Elend hilflos ausgesetzt. Unter der jüdischen Bevölkerung Mens und des Hinterlandes haben die langen Kriegsjahre vernichtend!gewütet. Hunderte von Familienvätern, die früher ihr Auskommen fanden oder sogar wohlhabend waren, sind jetzt total verarmt und die Armen unter uns» Welche Vota jeher die überwältigende Mehrheit bildeten, sind heute noch viel ärmer als zu irgend einer Zeit. Zu all diesen Unglücklichen kommen außerdem noch die vielen vorübergehend» in Wien sich aufhaltenden erbarmungswürdigen Opfer der schmachvollen Pogrome in Galizien, Mähren usw. Der Umstand, daß auch bei voller Inanspvuchnahme der den Juden zustehenden Rechte auf staatlicher Fürsorge unter den gegenwärtigen Verhältnissen.bas herrschende Elend auch nicht teilweise beseitigt worden kann, hat bei einer Anzahl jüdischer Korporationen und Personen fast!gleichzeitig den Gedanken ausgelöst, die private Fürsorge hervinzuziehen und, so zur Bildung mehrerer die gleichen oder ähnliche Zwecke verfolgender Hilfskomitees geführt. In der Erkenntnis, daß nur ein geschlostenes Vorgehen wirksame Hilfe bringen kann, haben sich unter Vermittlung der Kultusgemsinde die iin Betvacht kommenden Körperschaften tm& Personen in einem ״Jüdischen Zentml-Hilfs-Komitee" zu gemoinsaimvv Arbeit vereinigt. Auch Ne ״Israelitische Allianz in» Wien" bat sich dem Zentval-Hilfs-Komitee angeschlossen; ihre vor Kurzem anläßlich der Pogrome eingeleitete Aktion, bezweckt Ätze Hilfeleistung für die unglücklichen Pogromopser an Ort und Stelle und wistjd daher durch die Aktionen des Zentral-Hilfs-Komitoes, welche sich auf die in Wien befindlichen notleidenden Juden beschränken müssen, nicht berührt. Der Unterzeichnete, aus.djer Mitte des alle Schichten der Wiener jüdischen Bevölkerung umfassende Zentval-Hiilfs-Komitoes gewählte Ausschuß stellt die innige Bitte, die ilnden nächsten Xagcn einsetzende Sammeltätigkeit feiner Dolegierten mit ׳allen Kräften zu unterstützen. Nur wenn jeder, der aus dem Kriege mehr als Leilb ׳und Leben gerettet hat, zu den sehr be- ׳deutenden Kosten der Hilfsaktion das Seinigebeiträgt, kann dom unsäglichen Elend wenigstens ׳in seinen krassesten Formen abgeholfen worden. Der Exekutivausschuh des ״Jüdischen Zentral- , Hilfs-Komiteos". Ernst Simon, Präsident׳, Anitta Müller, Nathan Eidinger, Dr. Ma-xiM. Sti,glich, Vize-Präsidenten; Richard Bsttolheim,׳ Bernhard Goldstein, Dr. Jakob Engel, Dr. Edmuinjd Kohn, Emil Engel, Dr. Karl Pollak, Oberleutnant Wallach. Die Kopenhagener jüdische Hilsskonserenz. Dem Jüdischen Preßbüro in Stockholm wird aus Kopenhagen geschrieben: ' Die Kopenhagener jüdische Hilfskonferenz, welche am 7. (abends) und am 8. Dezember den ganzen Tag hindurch im Hotel Phönix in Kopenhagen tagte, war von leidenschaftlicher nationaler Begeisterung getragen. In den Reden und Vorträgen sowie den darin sich anschließenden Diskustionen spiegelte sich sowohl däS Entsetzen über die eben erlebten Judenpogrome in Galizien und Polen als die Hofsnung auf eine große nationale jüdische Zukunft wieder. Obwohl die Konferenz nur zu dem Zwecke zusammengerufen war, für die in den Kriegsländern betroffenen Juden eine möglichst erfolgreiche materielle Hilfsaktion von neuem durchzuführen, wurde gar bald das primitiv philantrophische Ziel überschritten. Die Kauferenz scch ein, daß heutzutage den heimgesuchten jüdischen Massen durch Spenden allein, mögen sie auch noch so bedeutsam sein, nicht zu helfen ist. Aus diesem Grunde erweiterte die Konferenz ihren eigenen Rahmen undfaßte eine Reihe von Beschlüssen, welche in das Gebiet der Politik hinübergreifen. Abgesehen von Resolutionen lokaler Natur zur Systematisierung und züm Ausbau der Hilfsarbeit in Kopenhagen demonstrierten die Versammelten zugleich für die wichtigsten jüdischen Forderungen, welche durch Vermittlung der jüdischen Vertertung an die Friedenskonferenz gestellt werden müssen. — Eingeleitet wurde die Hilsskonserenz durch zwei Reden ,welche der Vorsitzende Professor Simonsen und Leo Motzkin hielten. Im Laufe des Sonntages wurden dann mehrere Referate gehalten, so vom Vizevorsitzenden der Konferenz Spielvogel über den Zusammenschlutz aller jüdischen Hilfskomitees, von Dr. Bernstein über den Kinderfonds, von Wladimir Großmann und Dr. Kurt Nawratzky über den ökonomischen Wiederausbau. Die darauf folgenden Diskussionen, an denen viele Konferenzteilnehmer, namentlich die Herren I. Totzki, Hehmann, Prof. Simonsen, Poßchowitsch, Motzkin u. a. sich besonders intensiv beteiligten, nahmen zuweilen einen stürmischen Charakter an. Starke Kundgebungen lösten sodann die Resolutionen über die allgemeine Forderungen an die Friedenskonferenz betreffs Entschädigung des jüdischen Volkes, betreffs der nationalen Rechte und Palästinas aus. Außer den Re» solutionen lokalen Charakters faßte die Konferenz auch eine Reihe von Resolutionen allgemeiner Natur. — Eine von Großmann vorgeschlagene Resolution fordert die Einberufung eines jüdischen Weltkongresse-, der neben den politischen Fragen sich auch mit den ökonomischen Fragen des jüdischen Volkes befassen soll (namentlich Emigration und Kolonisation, Wiederaufbau). Eine von Motzkin eingebrachte Resolution fordert alle jüdischen Hilfsorganisationen und alle jüdischen nationalen Vertretungen auf. rechtzeitige Vorbereitungen für die Lösung der Aufgaben der konstruktiven Hilfe zu treffen

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