Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XX (1919)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 1. »SLbsichs Sette 7. und empfiehlt zu diesem Zwecke die Aufnahme einer nationalen Anleihe. Eine zweite Resolutton MotzkinS fordert die jüdischen Vertreter auf der FriedenSkonfe» renz auf, spezielle Anträge betreffs Entschädigungen der vom Kriege heimgesuchten Juden einzubringen. Die Verteilung der Entschädigungssummen soll nach Matzgäbe der von jeder nationalen Gruppe erlittenen Derluste unter den Juden, den Polen und den anderen osteuropäischen Völkern vorgenommen werden. Mit Rücksicht auf die bisher auf dem Gebiete der öffentlichen Kriegshilfe gemachten schlechten Erfahrungen wird eine internationale Kontrolle über die Verteilung der Entschädigungssummen gefordert. — Ferner faßte die Konferenz folgende Resolution MotzkinS: Die Kopen- Hagener jüdische Hilfskonferenz steht auf dem Stand- Punkt, daß die Weltfriedenskonferenz die Juden, welche während deS Krieges am stärksten gelitten und solche ungeheure Vlutopfer gebracht haben, durch historische Mittel entschädigen mutz. Die Friedenskonferenz Mutz im Bezug auf die Juden folgende jüdische Forderungen anerkennen und ihre Durchführung gewährleisten: 1. bürgerliche, politische und nationale Gleich- Berechtigung in allen Ländern und nattonale Autonomie, wo es die Juden fordern; 2. Gewährung PalästinaS als nattonale Heimstätte für daS jüdische Volk. — Sämtliche Resolutionen wurden unter lebhaften Akklamationen einhellig angenommen, wobei die letztere eine minutenlange Kundgebung der Konferenz für Palästina zur Folge hatte. Gemäß einem Vorschläge von Trotzki wurde eine aus 24 Personen bestehende Kommission eingesetzt, die zusammen mit dem Kopen- Hagener Hilfskomitee, mit dem skandinavischen Zentralhilfskomitee und den anderen jüdischen Organifationen in Skandinavien daS Progamm für eine skandinavische Konferenz auszuarbeiten hat, welches sich mit allem auf die Restaurierung des sozialen, kulturellen und politischen LebenS des jüdischen Volkes befassen soll. An beiden Abenden fanden nach zahlreichen Änsprachen Geldfammlungen statt, welche an Ort und Stelle den Betrag von 115.000 Kronen ergaben. DaS Gesamtergebnis nebst den nachträglichen Zuwendungen dürfte, wie angenommen wird, zirka 200.000 Kronen Betragen. Als markante iMvNttrellie Persönlichkeit wird man ihn ,ryicht als Nachahjmssr -rMltdl eines Dichters betrachten können, wohl abav werden wir in sailnem literarischen Schaffen den EinfluH ganzer Epochen zu beobachten Gelegenheit haben. Infolgedessen wind seine, Originalität nicht Abbruch erleiden, denn er wird das Gelesene seinem Naturell anpaffen und weil er so viel Dichter nachahmt, wird er selbstverständlich keinen von diesen sklavisch nachahmen, sondern seine persönliche Note allen seinen Mustern aufdrücken und,eiine wohltuende Synthese schaffen. Schneiur. der zwischen Bialik und Czernichowski pendelt, indem er eineirseits die Naturschilderunjgjen Czemmchows, anderseits aber Bialiks Gedankentiefe auftveist, ist doch eine Erschsinung für sich, da er gewissermaßen ein Mchter des unbekannten Dämoizschen, Jnnationalen ist. Er ist in hohem Maße Pvoblemsüchtig, satanistisch angehaucht und von der Idee des Ueber- Menschen beherrscht. Außerdem ist beii ihm keine gehörige Absteckung zwischen -dsm Menschen und der Natur, er personifiziert vielmehr die Natur, Vielleicht unter Shelleys und BhroinG Einfluß.! Die Konturen, schwinden und er erinnert oft durch manche Züge an Ezechiol. Er ist Pantheist wie Goethe und wie dieser im zweiten Teile seines Fanst sühnt der Panthmsmus den Schneiur zu inkommensurablen, undefinierbaren Abstraktionen. Bialik verherrlicht die Natur, Czernichowski stürzt sich mi,t Begeisterung in dieselbe, er sieht in ihr ein Stimulans der Muse, während Schneiitur bk Winzigkeit des Menschen im Dergleiche mit der Natur sicht. Seinse Werke sind daher iin mancher Beziehung raum- und zeitlos. Dann hat Schneiur noch einen -Zug, er anttropomovphisieyt die Natur wie die Kabbalisten, die indischen Dichter des Altertums 2c. (Schluß folgt.) Wilhelm Ost. Schneiur. Die Kultusgemeindewahlen in Brünn. Obwahl Raum und Zeit gewissermaßen für das litövcrrische Schaffen ausschlaggebend sind, können wir doch mcht umhin zu bemerken׳, daß sie nicht immer das eiinzilge Wort sprechen, so daß wir manchmal Wesen und Schriftstellern begegnen, die trotz zeitlicher und räumlicher Koinzedenz doch Verschiedenheiten und Abwe!ichungen enthalten. Auch dem Milieu, das immerhin eine Prädomierends Stellung einriimmt, kann sich eine ausgeprägte Persönlichkeit!entziehen und Werke schaffen, die mit dem Milieu völlig kontrastiv ren. Dev Persönliche Einfluß des Schriftstellers oder Dichters ist so groß, daß!er statt vom Milieu besiflußt zu wenden, er vielmehr dasselbe beeinflußt und ihm seine persönliche Note aufdrückt. So war es im griechischen Altertums, so verhält es sich ׳auch zur Zeit!der italienischen Renaissance. Dann aber ist alles novellistisch, manche Klüfte zwischen Volk und Höchststehenden sind überbvückt worden, infolgeidessen ist ein Verquikken rnlit dem Volke zustande gekommen und die Distanz, die die höher Stehenden von den niedvigen Schichten trennte wurde immer kleiner. Dev Philosophie kann das Verschwinden oder Kleinwsrden dieser Distanz schädlich, ja derhängnisvoll werden, ldliv Poesie dagegen, die aus dem Volke schöpfen muß erleidet keinen Ab- Lruch . Doch muß sie immerhin die dem Volksleben Entnommenen Motive läutern und sie gleichsam einem Kristzallisationsprozch übergchen. Kleine Dichter vermögen es nicht zu tun, größere aber, die dem Volke emtnommenen Sa- Legenden zu verarbeiten imstande sind, bedienen sich derselben als Bausteine, um ihren poetischen Bau aufzuführen. Das muffen aber große Dichter sein, solche nämlich die mit einer großen Beobachtungsgabe auSgjosijattet sind und Äi<e das Geschaute gRviffermaßen zu idealisieren vermögen. So ein Dichterfürst, der mit den höchsten rächen Gaben cmsgestattet ist. ist S. Schneiur, nebenbei gesagt eine einzigartige Erscheiwm0 in der jetzigen hebräischen Literatur ist. Die Wahlen für den Vorstand in die Brünner Gemeinde wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Herren scheinen vor den Wahlen enen gewissen Respekt zu haben, oder denken die Herrschaften etwa wieder an Kompromisse?! — Diesmal dürften sie nicht viel Glück haben! Also, heraus endlich mit der Ausschreibung der Neuwahlen! Personalnachrichten. Brünn: Am 6. d. M. findet die Trauung des Herrn Oberkantor I. Meise! mit Fräulein Irma Z a i ts ch e k in Holleschau statt. (Unsere herzl. Gratulation. — Die Redaktion.) Briefkasten. Allen, die ihre Bereitwilligkeit uns bekannt gegeben, an dem Ausbau der ״Jüdischen Bolksstimme" mitzuarbeiten herzl. Dank. Die Redaktion wird nichts unversucht lassen, um unser Blatt in jeder Beziehung auszugestalten. — Gruß — H. Noch Advokät dr. Richard Bäumel, vrätiv se z vojny, otev?el 0p5t svou kancelAF v BrnS, Kozf ul. Lis. 2. Nach Redaktionsschluß. Montag, den 30. v. M., fand in der Schwechater Bierhalle in Brünn eine große Volksversammlung mit der Tagesordnung: DaS nationale Bekenntnis bei der bevorstehenden Volkszählung" statt. Referent Prof. Dr. Engel aus Prag. Der große Saal konnte die Anwesenden kaum fassen. a ob||j|v Dr. Richard Bluvnul vrätiv 8c 8 vojny» oznamuje zdvoflle, Se znovu otevfel svou kanceläf v Brei, Kozf «1• 9, t KINO UNIVERSUM Neugasse Nr. 16. Mobernst eingerichtetes Theater-Gsbäube für 866 Personen. 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