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Jüdische Volksstimme · 1919-01-01 · Heft 1 (1.1.1919) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 1 (1.1.1919)
Date
1919-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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GM 4. ״!Mische Vrlks-i««eE . dir. 1. Die Zukunft Palästinas. Zionistische Diskussionen in England. Das Kopenhagens Zionistische Büro be- «ichtet: Im Anschluß M den Beri'cht dos Herrn Dr. Weizmann auf der englischen Zionistenkonfgrenz mn 2. und 3. November, ergab sich eirne lebhafte DeUatto, löte durch die folgenden Darlegungen des Herrn Dy. Weitzmamt abgeschlossen wurde: Dr. Weizmann erklärte sich durchaus einverstanden mit dem Nachdruck, den einige Redner auf ׳bitte! Notwendigkeit des Hebräischlewens gelegt hatten, Aa i!n Palästina Hebräisch We nationale Sprache sein würde. Er gab zu, daß es notwendig sei, ein geeignetes Judentum zu haben. Sk hätten sich bemüht, und machten,noch immer die größten Anstrengungen alle Teile des Judentums zu vsrelmigen,!denn obgleich die uivni'stische Organisation für die!große Arbeit des Wiederaufbaues in Palästina verantwortlich bleiben müsse, seil es ,notwendig, die Unteri'tützung des gesamten Judentums bei dieser nietgenWeit zu haben. Natürlich könnte sie sogar »ei der Liga der britischen Juden Unterstützung finden, wenn sie, die Zionisten, ihr Hauptvyin-?!ip opferten und die Worte ״nationale Heimtätte" aus ihrem Programm strichen. Ob sie be-!rsi-L seien, das zu tun? (Laute ״Nein"-Rufe!). Dies sei also die Antwort, und es habe keinen Zweck, diese Frage überhaupt zu stellen. Ob ihre Politik die Zustimmung der Zionisten außerhalb Englands fände? Ja, alle Zionisten in der Welt, mit denen man während des Krieges in Verbindung hätte stehen können, seien völliig einverstanden. Es fei gesagt worden, lokale Selbstverwaltung sei nicht dasslolbe wie eine na-!tiomiale Heiinstätte. Natürlich sei es das nicht, aber wir werden es dazu machen. Mehr Juden -feien für Palästina notwendig. Ein jiMscher Staat sei zur Zeit unmöglich. In erster Linie Krauche man systematische Kolonisation; Palästma müsse zu einem Lande jüdischer Bauern gemacht werden, die durch intensive Bearbeitung ihrer Terrains Wüstenland in fruchtbare Erde verwandeln würden. Die Zionisten von׳ heute seren die Brücke, Welche die Hoffnung von Jahrtausenden mit den künftigen Erfolgen ihrer Kinder verbinde. , Hierzu bemerkt der ״Jewish Chronicle" in seinem Leitartikl: ״Für die Juden hat die türkische Niederläge ihre besondere und gewichtige Bedeutung, und Leute, die vom Zionismus träumen wie von ihm seit Generationen geträumt hat, unid die von der englischen Erklärung ermutigt wurden, muffen ihre Gedanken und Hoffnungen durch dieses bemerkenswerte Ereignis bestärkt gefühlt haben. Wsir müffen jedoch darauf Hinweisen, daß dir wirkliche Bedeutung und Tragweite dieser Deklaration sogar in dieser vorgerückten Stunde noch äußerst unaufgeklärt ist, und daß auch die vielen kürzlich gehaltenen Reden die Lage weniig geklärt haben. Wir sind sehr bchrie- Ägt über die formelle Zurückweisung der Gerüchte, die diese Woche umgingen bezüglich eines geheimen Abkommens, das auch weiterhin der Türkei die Herrschaft über das palästinensische Gebiet sichern würde. Und wir sind jetzt so überzeugt wie wir immer waren, daß in Palästina England und nur England die Oberherrschaft haben wird. Aber dennoch muß man sich klar werden über die Beziehungen der souveränen Macht und den Judey von Palästina. In unseren Spalten wurde vor einigen Wochen eijrile» Erklärung dies Ausdruckes ״nationale Heimstätte" verlangt. Diese Frage berührt den Kern der künftigen jüdischen Position. Sie ist jedoch nicht beantwortet worden, auch nicht in Do. Weitzmanns Ansprache aus der zionistischen Föd'evationssitzung. Dr. Weizmann verschiebt tatsächlich den Gedanken eines ״jüdischen Staates" auf irgend eitnen fernen Zeitabschnitt. Er sagte seinen Ajnjhängern, ״sie müßten mit kleinen Ansängen in dtzr SMstverwattrtng! zufrieden sein". Wenn das ibk Lösung des Problems ist, das in dem Ausidruck ״jüdisch-nationale Heiimfftätte" liegt, dann scheint dis großartige Vision früherer Tajge so zusammengeschrumpft zu sein, daß es Wirklich für den Duvchschnittszionisten schwer sein muß, mit idjer ״Heimstätte" zu rechnen oder ihren ״nationalen" Charakter zu entdecken. Die ungarische Regierung gegen die Flüchtlinge. Nach einem Erlaß der ungarischen Behörden, müssen diejenigen Familien, die sich in Budapest seit dem August 1914 niedergelassen haben, hiezu eine separate Bewilligung haben. Diese Belvilligung können nur diejenigen erhalten, deren Anwesenheit im Interesse der Hauptstadt wünschenswert erscheint. Privatleute, Ausländer, abgerüstete Soldaten, Arbeitslose und Flüchtlinge dürfen nicht geduldet werden. Von dieser Maßregel werden fast ausschließlich die in Budapest wohnenden jüdischen Flüchtlinge getroffen, unabhängig davon ob sie aus Galizien oder Ungarn hingekommen find. Daß die Ausweisung der jüdischen Flüchtlinge auS Budapest für sie eine Katastrophe wäre — braucht nicht erst nachgewiesen zu werden. Eine Rückkehr dieser Flüchtlinge in ihre Wohnungsorte ist derzeit infolge der herrschenden polnisch-ukrainischen und tschecho-ungarischen Kämpfen unmöglich und ist es Pflicht der kompetenten Kreise des ungarischen Judentums, gegen die Ausweisung der Flüchtlinge aus Budapest energisch aufzutreten. -- •י׳*»•׳«»*// Jüdisch-nationale Bewegung in Persien. In letzter Zeit weist die jüdisch-nationale Bewe» tzung in Persien, wo eS zirka 109.000 Juden gibt, bedeutende Erfolge auf. Das Zentrum der zionistischen Tätigkeit ist Baku, von wo aus eine eifrige Agitation unter den Juden tm Kaukasus und in den naheliegenden Gebieten entfaltet wird. Die Agitation wird von in tatarischer und persischer Sprache erscheinenden Broschüren unterstützt.;:״;; ־ Tr |c;: Die Tschechen- und die Judenfrage. ״Narodni Listh" schreiben unter dem Titel ״Ein Beispiel für uns": Der Präsident der französischen Republik hat bei seinem Besuche in Straßburg auch die Huldigung der dortigen Religionsgemeinden entgegengenommen. In der Synagoge begrüßte ihn der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde und versicherte ihn der Treue und Ergebenheit der elsässischen Juden zu Frankreich und dankte der Regierung der Republik für die Toleranz gegen die Juden. Herr Poincare wies in seiner Antwort die Worte über die Toleranz zurück als ob wir Verräter wären. Auch der Friede hat uns keine Ruhe gebracht. Da sind die Pogrome in Polen und Galizien gekommen. Wir hegen jedoch zuversichtlich die Hoffnung, daß die Worte unseres Ministers des Innern, welche als Verheißung einer neuen Epoche und der internationalen Solidarität klingen, auch unS Juden die uns gebührenden Rechte und die Freiheit zu unserem nationalen Ausleben bringen werden. •N&rodnl Listy" schreibt in der erste» Dezember- Woche: . . . offengesprochen, es ist unS unlieb, sie (die Juden) als Deutsche zu sehen, aber eS ist unS unmöglich sie im Handumdrehen als Tschechen anzusehen. Nun denn möge der Jude Jude werden, ein Mensch seiner Nationalität, kann er nicht vollständig in seiner Umgebung aufgehen. Jtundfcftau. Die englischen Nationaldemokraten für »in jüdische» Palästina. Unter den Vorschlägen de» Organe» der englischen Nationaldemokraten ״The New Europe" zum Völkerbund und Frieden, lesen vir in Bezug aus die Zukunft der Türkei folgende Ausführungen: Die o-man. Herrschaft muß so weit wie möglich auf daS von Türken bewohnte Gebiet eingeschränkt werden. Armenien und Arabien müffen unabhängige Staaten bilden, väh. rend die internationale Stellung Syriens und MesopotamienS durch eine Sonderkonferenz zur Besprechung der Angelegenheiten des mittleren Ostens entschieden werden muß. Dieser Konferenz müssen auch alle Fragen zugewiesen werden, die sich aus der zukünftigen Stellung Konstantinopels und Meerengen ergeben, welche letztere frei und den Schiffen aller Völker zugänglich gemacht werden müffen; ebenso die Fragen der Kapitulation u. der türkischen Staatsschuld. Palästina muß unter dem Schutze des zukünftigen Völkerbundes ein jüdischer Staat werden, wobei jedoch der heiligen Stadt eine besondere Stellung eingeräumt und den Vorrechten und Überlieferungen aller dort vertretenen Religionen die gebührende Rücksicht erwiesen werden muß. Einigung zwischen Arabern und Juden. Nach Meldungen englischer Blätter hat Emir Feipal, der Sohn des Königs von HedschaS, über da- Verhältnis der Araber zu den Juden folgende» erklärt: ״Die Araber geben den Juden bezüglich ihres Territo, riums freie Hand. DaS mit den Zionisten erreichte Gin- Verständnis wird den letzten Nest der von den Türken erzeugten Mißverständnisse wegräumen." Diese Erklärung ist von besonderer Tragweite, da doch die Araberfrage es war, die den Fortschritt der Kolonisation Palästinas besonders hinderte. Während des Kriege» war Emir Feysal ein Verbündeter der englischen Palästina-Armee. Er erstrebt die Errichtung eines arabischen Staates, der von Mekka bis Aleppo reichen soll. Jüdisches Konsortium in Kiew für eine Agrarbank in Palästina. Nach einer Meldung des ״Moment" bildete eine Gruppe jüdischer Millionäre in Kiew, der auch der bekannte Millionär Brodski angehört, ein Konsortium zur Gründung einer Agrarbank in Palästina. DaS Gründungskapital soll 40 Millionen Rubel betragen. Maffenprotest in Zürich. Aus Zürich wird vom 3. Dezember telegraphiert: ״Am 3. Dezember fand in Zürich eine von mehreren tausend Teilnehmern besuchte Versammlung statt, die vom Exekutivausschuß der zionistischen Vereine Zürichs, dem Komitee ״Pro Causa Judaica", dem Aktionskomitee der ostjüdischen Organisationen in der Schweiz, dem Zentralkomitee der Agudas Israel und dem Zentralkomitee der jüdischen Studentenschaft ein» berufen war, um zu den polnischen Judenpogromen Stellung zu nehmen. Die Referate hielten Frau Dr. Weldler, Rabbiner Dr. Cohn-Basel, Dr. Traub, und Eisenstadt. ES wurde eine Protestresolution einstimmig angenomm." AusnahmSzustand gegen die Jaroslauer Jude«. (I. P. W.) Auf Grund einer Verordnung müssen die jüdischen Geschäfte an Wochentagen bereits um 4 Uhr nachmittags, an Sonn- und Feiertagen den ganzen Tag geschloffen werden, während die christlichen Geschäfte an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen bis 11 Uhr vormittags offen bleiben dürfen. Die jüdischen Offizire, die sich freiwillig zur polnischen Armee gemeldet hatten, mußten beurlaubt werden, weil die Garnison sich ihrem Kommando nicht unterwerfen wollte. Die sich mit ihnen solidarisch erklärenden jüdischen Arzte wurden jedoch zur Fortsetzung ihres Dienstes gezwungen. Pogrome und internationale Solidarität. ״De!r freie Arbeiter" in Wjkn schreibt: In gcmz Wien findet nur Ibli'e jüdischnationale Partei Ainlaiß, gegen brtie entsetzlichen Judenmetzeleien t!m ganz Galizien Protest einAUlegen. M« sind überzeugt, daß die Wiener Arbeiterschaft, die genau weiß, wiie auch bei׳ uns antiisewiitische Propaganda und Hetze systematisch betrieben wird, nach dem Gefühl ihrer internationalen Solidarität laut nach Protest schreit. Die Sozialdemokratie, fyta diese Gelegenheit benützen könnte, um!einmal gegen die Verhetzung der Nationen und Konfessionen zu sprechen, hat wieder geschwiegen. Dabei dürfen wir nicht glauben, daß es bei uns so überflüffig wäre, dieses Thema gerade jetzt gründlich vom Standpunkt deintelmatianjalen Sozialismus durchzubesprrchen. Aber Wie kann man von Leuten, die, obgleich Wbst dom Judentum nicht fevNstchend, Wiederholt gchäffiilgo Angriffe gegen die Juden erhobtzn. «Haoes «üwavteln.

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