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Jüdische Volksstimme · 1919-01-01 · Heft 1 (1.1.1919) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XX (1919)
Issue
Heft 1 (1.1.1919)
Date
1919-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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8*י״ייי Nt. t. *4זי*9#, Aertt S Jude zugleich sei, -atz er sich darin, in dieser Vereintgung also, von den anderen unterscheide, die in ihrem Judentum nicht künstlerisch und in ihrem Künstlertum nicht jüdisch seien, dasselbe gilt auch von Asch. Auch er schöpft aus dem Brunnen des Rein-Jüdischen und des Nur-Jüdischen, auch bei ihm feiert der alte Geist seine Auferstehung in neuen Formen. Das alte jüdische Leden ist'S. das alte Ghettoleben, in dem sein künstlerischer Geist schwelgt, soviel Anmut, soviel Schönheit und soviel Liebe findet; das alte Ghettoleben, das bereits im Verschwinden begriffen ist, durchträumt er noch einmal und diesen Traum, der nie anders als in poetischer? Verklarung hervorkommt, bietet er uns zum nochmaligen Durchkosten, zu viel schönerem als realen Durchkosten des Gewesenen. Das׳ Unberührte des «Stadtchens", der frische Naturduft, der es durchströmt, die Harmonie der jüdischen Menschen, daS Einssein mit Gott und Natur, das alles setzt er unS vor, so zart, so trefflich, so unschuldig-rein, dah wir uns ihm, ob wir wollen oder nicht, überlassen, uns ganz gefangengebend der Fülle seiner Melodik.- *». H. Brennende Fragen.') »über allen Wipfeln ist Ruh!" Eine Reihe von Wochen ist verstrichen, seit die Jüdischnationalen, die Zionisten feierlich überall in die Kultusgemeinden eingezogen find und bis nun ist nichts von einer positiven Arbeit zur Organisierung derer auf national-religi- Sser BasiS zu hören. ES wird nicht mehr von einem Verband der Kultusgemeinden gesprochen, der sich Mit den sozial-politischen und national-kulturellen Fragen des Judentums zu befassen hätte. Wirsuchen vergeblich nach dem neuen Geiste in der Kultusstube. Mit SchameSröte im Gesicht stehen wir dieser traurigen Tatsache gegenüber, hilflos und ohnmächtig. Und doch wäre es jetzt dringender denn je an die Realisierung des Gedankens der Schaffung eines jüdischen GemeindebundeS zu gehen.. Dieser Gemeindebund könnte als Repräsentanz des Judentums aller Provinzen der ehemaligen Monarchie bei den neu entstandenen Nationalstaaten die den Juden gebührende Rechte verlangen und durchsetzen. Er wäre ein Faktor, mit dem die Negierungen aller Nationalstaaten rechnen müßten; er könnte auch sehr die innere Kräftigung des JudentumS herbeiführen, die Grundlagen zur nationalen Erziehung schaffen, In der Pflege und Erziehung des einzelnen Individuums als des Elementes und der Zelle jedes völkischen Körpers liegt unsere Aufgabe. Und indem wir die einzelnen Individuen höher heben — kulturell, physisch, religiös, psychisch, ökonomisch — heben wir die gesamte Nation als die Summation aller jener Zellen. Die zweite brennende Frage ist die möglichst rasche Einberufung der jüdischen Konstituante aus allen Provinzen des alten Österreich, der die bestehenden Ratio- «1 Ohne uns mit den Ausführungen deS geehrten Verfassers in allem einverstanden zu erklären, veröffentlichen wir diesen Artikel. nal- und Volksräte den Platz räumen müßten. Die Konstituante, die aus Vertretern des ganzen Volkes zusammengesetzt sein muß, wäre eine wahre Volksvertretung, die keine Parteiunterschiede kennt. Sie allein könnte allen Bedürfnissen und Forderungen des jüdischen.LebenS Rechnung tragen. Die Konstituante müßte sich paralell mit der Arbeit für die Normalisierung und Wiederherstellung des jüdischen Wirtschaftslebens, auch mit der politisch-sozialen und national-kulturellen Fundierung des Judentums befassen. Ihre Pflicht wäre es mit der jüdischen Gesamtheit draußen in steter Verbindung zu sein und sich einerseits jeder Aktion für das allweltliche Judentum anzuschließen, andererseits auf die jüdische Gesamtheit einzuwirken, daß sie für die Verteidigung der Interessen der Juden des alten Do naureiches sich einsetzt. Es muß einheitlich die Forde rung des jüdischen Volkes nach Errichtung einer Heimstätte in Palästina aufgestellt und bei der Friedenskon ferenz durchgesetzt werden. Auch hinsichtlich Regelung unserer Lage in den Ländern der Diaspora mutz Positives geleistet werden. Die Judenmetzeleien in Lemberg und Westgalizien, sowie die Ausschreitungen gegen Juden in Ungarn und im tschecho-slovakischcn Staate müssen für uns ^ine Mahnung an die Arbeit sein. Mit Protesten gegen die Polen ist noch nicht genug ausgerichtet. Das einmal in die Hand genommene Werk mutz vollendet werden. Die zionistischen Kultus- und die jüdischen NationakrätL dürfen den jetzigen richtigen Moment nicht verpassen, sondern an die intensive Arbeit für daö Wohl des Judentums gehen. ES ist hoch an der Zeit. Die Situation ist sehr ernst. Der AMsemitismuS wächst mit jedem Tage stärker an, die wirtschaftliche Not der Juden in den Nationalstaaten der zertrümmerten Monarchie hat ihren Kulminations- Punkt erreicht. Wachen wir aus unserer Lethargie auf ehe es zu spät wird. Die zwölfte Stunde naht heran. rachi-Berband vereinigt, einen bedeutsamen Faktor im jüdischen Leben der Schweiz bilden. Die gewaltige, politische Umwälzung der Weltlage ließ den MiSrachi- Gedanken in allen Ländern der Welt neu aufleben. Dia so geschaffene Situation forderte kategorisch eine Zen« trale, von der aus die Veränderungen und Bewegungen innerhalb des nationalen, gesetzestreuen Judentumbeobachtet und der breiten Öffentlichkeit kundgegeben werden konnten. Die MiSrachi-Bereine der Schweiz ha» ben diesem Bedürfnis entsprochen, indem sie vor eint» gen Tagen die erste Nummer einer «Misrachi-Korre» spondenz" Herausgaben. Die Nummer enthält Mitteilangen aus allen Ländern und bildet eine erfreuliche Möglichkeit, den großen Aufschwung der MiSrachi zu verfolgen. Die Leitung des Korrespondenzbureaus steht in engem Kontakt mit sämtlichen großen jüdischen Or» ganisationen der -Welt und wird sich außer mit der Herausgabe der Misrachi-Korrespondenz mit allen die MiSrachi interessierenden Angelegenheiten befassen. Anfragen sind zu richten an «Misrachi-Korrespondenz- Bureau", Zürich, Postfach 945. «. Scherlag. Betrachtung zu den Pogrom in Lemberg. (AuS dem in M. Hickl's Verlag erscheinenden ״Jskorbuche".) Nie habe ich den Polen so recht getraut. Ich kannte sie nämlich nicht nur aus der Literatur, sondern auch im Leben. Meine Kindheit, meine Jugend habe ich unter ihnen verbracht. Eine Kluft war immer zwischen ihnen und mir, obwohl ich ehrlich bemüht war, ihre Freundschaft zu gewinnen, allerdings unter Wahrung meiner jüdischen Note. Nie habe ich sie gehaßt, nie verachtet, im Gegenteil manchen polnischen Kameraden geliübt, manchen polnischen Dichter verehrt. Meine Liebe wurde mit kühlem Wohlwollen erwidert, meine Verehrung mit Gleichgiltigkeit vergolten. Ich ließ mich «Ver dadurch nicht beirren. Unermüdlich übersetzte ich die besten ihrer Gedichte und Erzählungen, arbeitete unauffällig nach meinen bescheidenen Kräften für die Verbreitung der Kenntnis ihrer modernen Lyrik. Daß ich dafür weder Dank noch Anerkennung fand, ließ mich nicht erlahmen. Bis mir eines Tages bewußt wurde, -aß ich andere, höhere Pflichten habe: gegen die jüdische Literatur. Jedenfalls hatte ich gezeigt, daß man Zionist fein kann und dabei Verständnis und Opferwillen für fremdnationale Kultur haben kann. Dem stets sprungbereiten Vorwurf der Polen, die Zionisten seien ihre Feinde, hielt ich außer vielen anderen Argumenten und Hinweisen auch mein Verhalten entgegen. Mit glattem Lächeln nahmen sie das zur Kenntnis. Höflich find sie, das muß man ihnen lassen. Und ich glaube, die besten unter ihnen verdammen die Novem» Verpogrome und die bestialischen Mißhandlungen der Juden. Aber auch darin sind sie glatt. Sie lassen sich nicht dazu hinreißen, jene vertierten Legionäre, entmenschte Massen und aufgehetzte Elemente, die gegen die armen Ghotwbewohner und entkräfteten jüdischen Proletarier im Blute watend, gewütet haben, von sich abzuschütteln, sie auszustoßen und zu bestrafen. Es wäre ein Unrecht, wollten wir in den Fehler der Anderen, zu verallgemeinern, verfallen und alle Polen zu Pogromhelden stempeln. So wie die Juden es ablehnen, zu Wucherern und Blutsaugern gestempelt zu werden, weil sich unter ihnen verwerfliche Personen finden, so können die Polen jetzt jede Gemeinschaft mit den Mördern von Lemberg zerreißen. Leider wollen sie es nicht tun, vielleicht aus Furcht vor dem Mob und den entfesselten Leidenschaften. Und daS wirft einen schweren Schatten auf die Ehre dieses angeblich gastfreundlichen und ritterlichen Volkes. Statt Vertuschungsversuche zu unternehmen, statt eine Abwälzung der Schuld zu wagen, hätten sie offen bekennen sollen: dies und das ist geschehen, aber von unverantwortlichen Individuen und alles soll nach Möglichkeit gesühnt und gutgemacht werden! Da sie eS unterlassen haben, so zu handeln, so sind sie dem Verdacht ausgesetzt, den ich nicht aussprechen möchte. Nur mit einer kurzen Frage will ich schließen: Haben die Polen die Erbschaft der echtruffischen Leute, der schwarzen Hundert angetreten? Diese wurden schon von der Strafe ereilt. . . Die MiSrachi in der Schweiz. Die Misrachi-Bewegung in der Schweiz ist erst zu Beginn des vierten KriegSjahreS wieder zu neuem tätigem Leben erwacht. Der Tag jährt sich an dem in Zürich zuerst eine kleine MiSrachi-Gruppe gegründet wur» de die unter tatkräftiger und zielbewutzter Leitung in wenigen Wochen über hundert Mitglieder gewann. Bald wurden auch in Basel und Luzern Ortsgruppen ins Leben gerufen, die heute mit Zürich, zu einem MiS- Adas Jisroel Schiffschul. Wien!!., Große Schiffgaffe 8. Angesichts der Bestrebungen die Grundlage der Organisation der Judenschaft völlig umzugestalten, geben die Unterzeichneten Vertreter der glaubenstreuen Judenschaft Wiens, nachfolgende Erklärung ab: Durch unsere Abstammung, durch unsere mehrtau« sendjährige Geschichte und insbesondere durch unsere heilige Religion sind wir Juden eine allen Völkern gegenüber geschlossene Volksgemeinschaft, zu der wir treu und unerschütterlich stehen. Diese Tatsache ist unselbstverständlich und unbestreitbar, daß wir es nicht nötig erachten, das besonders zu betonen. Wir leben hier im Staate Deutschösterreichs, dessen treue und hin» gebende Bürger wir Juden sind und sein wollen; und dementsprechend verlangen wir als solche den vollen gleichen und durch nichts beschränkten Genuß aller Staatsbürgerrechte unmittelbar für jeden einzelnen. Keine Körperschaft hat, ohne hiezu beauftragt zu sein, das Recht, im Namen des gesamten Judentums da- Wort zu führen oder für dasselbe Forderungen zu stellen. Die glaubenstreue (orthodoxe) Judenschaft war während der zweitausendjährigen Goluszeit (Zerstreuung) allein die Trägerin und Erhalterin des Judentums und wird eS auch weiter stets bleiben. Wir verlangen daher, daß bei allen Vorarbeiten für die Neugestaltung dev Kultusgemeinde die von uns namhaft gemachten Vertreter beigezogen werden. (Ahnlich wie bei den Vorbereitungen für das G. U. über die Regelung d. RechtSverb. d. I. vom I. 1990.) Wir verlangen, daß bei der Umgestaltung der Kultusgemeinde die berechtigten Forderungen der »glaubenstreuen (orthodoxen) Juden die volle Berücksichtigung finden, indem ihnen das Recht der Selbstverwaltung der von ihnen geleisteten Abgaben und das Recht der selbständigen Besorgung aller ihrer religiösen Bedürfniffe wie Schechitah, Mikwah usw. und insbesondere die Regelung und Beaufsichtigung ihres Religions- Unterrichtes in allen Stufen eingeräumt wird. Die Vereine: «Adas Jisroel", I!., Gr. Schiffgaffe 8. — «Emes Weschulaum", II., Gr. Schiffgasse 24. — ״Jsr. Kranken-Unterst.-Berein", 11״ Kl. Schiffgaffe 8. — «EumnaS AveS", XIV״ Storchengasse 21. — ״Verein zur Unterstützung jüd. Kleingewerbetreibender", II., Malzgaffe 1. — ״Machsika Hadas", IV״ Wiedner Hauptstraße 89. — «Talmud Thora", II״ Malzgaffe 16. — «Ohel Abraham", IX״ Grüne Torgaffe 28. — ״Marpe Lanefesch", II-, Glockengüsse 4. — ״Ose Chesed", II., Schiffamtsgasse 5. — ..Bethausverein", VI״ Stümpergaffe 42. — ״Torah Ez Chaim", II״ Gr. Schiffgaffe 8. — ״Verein zur Wahrung der orth. Interessen", I. Bücherbesprechungen. Die Haltung des Papstes zur Palästinasorderung der Juden. (I. P. W.) Die vereinigten jüdischen Organisatio» nen von Amerika veröffentlichen folgende Erklärung de- Kardinals Gibbons: ״'Mit Vergnügen höre ich, dasi Seine Heiligkeit Benedikt XV. seine Billigung des Pla» neS, in Palästina eine Heimstätte für die Angehörigen des jüdischen Volkes zu schaffen, ausgesprochen hat. Ich bin sicher, daß eS keinen Juden geben wird, der nicht glücklich fein wird, in dieses an geheiligten Überlieferungen der Vergangenheit so reiche Land zurück» zukehren, das gleichzeitig daS Land seiner Väter ist."

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