Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 29-30 (6.12.1918)
- Date
- 1918-12-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 2930־ ״Jüdische <M«r" Seite ö. schen Umtrieben her!" Andere Soldaten folgten seinem Beispiel und stürmten auf die Rsdnertribüne. Das Präsidium mit seinen Anhängern flüchtete nun in überstürzter Hast aus dem Saale. Es sprachen dann noch ein Oberleutnant und Genosse Sonnek, worauf die Versammlungsteilmehinem unter Absingung des Liedes der Arbeit auseinandevgmgen. Damit endete kläglich der erste Versuch der Klerikalen, in Vers<im>mlung1en eine Hetze gegen die junge Republik einzuleiten. Die Anerkennung der jüdischen Nation. Die ״Rei'chspost" vom 28. November deroffswtlicht in ihrer Nachmittagsnummer an leitender Stelle folgenden Artikel, den wir vollinhaltlich abdrucken. Der Artikel ist kennzeichnend für die Wandlung der sich auch die Christlich- Sozialen «notgedrungen unterziehen mutzten: Wo ist die jüdische Nation? Dom, Entwurf einer Wahlordnung für di׳e Konstituante Deutschösterroichs ist eine Statistik angeschlossen, welche Me nationale Verteilung der österreichischen Staatsangehörigen berechnet. Die Zahl der Deutschen im gesamten, auch die Anschlußgebiete ׳der! Brunner׳, Olmützer und Jglaner Sprachinsel umfassenden deutsch-öfter^ reichischen Staatsgebiete wird auf 9,268.616, die der litn diesem Gebiete ansässigen Tschechen auf 347.520 beziffert. Eine Berechnung der Angehörigen dev jüdischen Nation findet sich in der Statistik nicht. Diese scheilnen ohneweiteirK dem deutscheu Volke zugezählt. Es war immer verfehlt, die deutsch sprechende Judenschaft mit dem Deutschtum gleichzustellen und manche schliimme Ueberraschung, mancher schwere Verlust an d!en Sprachgrenzen war auf den Jmtum zuvückM- .führen, dem man sich bei der Mitzählung der Juden hingegeben hatte. Jetzt aber noch diesen alten politischen Rechenfehler mitzuschleppen, ist doppelt verfehlt. Der Bestand einer jüdischen ׳Nation wird nach den Versprechungen dev Ent- . ente bald auch staatlich durch das Erstehen einer jüdischen Autonomie in Palästiinia in Erscheinung treten und damit wird für das gesamte /Judentum ein nationalstaatliches Zentrum g.e° schaffen sein. Tatsächlich besteht heute schon in der ganzen Welt eine starke jüdisch-nationaile Bewegung, ,großzügig organisiert, ausgestattet mit offiziellen Vertretungen, Nachrichtenverbmdungen und Korvespondenzbüros. Auch in Deutsch- Lsterreich hat sie längst Fuß gefaßt, ist als ernster Faktor vorhanden uud> darf für sich boanspruchen, daß sie logischer und korrekter ist als alles, was bisher an politischen Aeußevuugen aus dem Judentum gekommen ist. Sie bringt die reinliche Scheidung von Nation zu Nation. Damit sind auch wir einverstanden. Die Judenschaft, soweit sie dem Staate angehört, soll gerechterweise erhalten, was ihr nach ihrer Zahl im Staatsbürgerverbande! gebührt, aber nicht mehr. Das jetzige Verhältnis der Vermischung von Indentum und Deutschen schmuggelt einen den zahlenmäßigen Anteil des Judentums weit übersteigenden Einfluß in Staat und Verwaltung und die Herrschaft über die christliche deutsche Bevölkerung ein«. Dev Entwurf der Wahlordnung für die .Konstituante «räumt der jüdischen Nation keine sichere Stelle ein. Das ist ein Unrecht ,gegenüber der jüdischen Nation, deren Existenz zu leugnen unvernünftig ist und gegenüber der christlichen Bevölkerung, biile .mindestens im Zeitalter der nationalen Selbstbestimmung einen Anspruch darauf hat, daß ihr nationaler Wille rein, ohne fremde Beimischung und ohne fremde״ Beherrschunjg zum Ausdruck komme. Es genügt nicht, daß innerhalb der Verhältniswahl auch jüdischnationale Listen möglich weirldien׳, der Staat selbst sorge für die roitniliche Scheidung und stelle die Zugehörigkeit zur jüdischen Nation ebenso ausdrücklich fest, wie die zu anderen Natiouen Wtgestellt wivd. Ein Reuiger. Dr. Tobias Aschkenazy, der 20 Jahre im Lager der polnischen Assimilanten an führender Stelle stand, veröffentlichte in dev Vorwoche unter dem Drucke dsr Ereignisse folgenden Artikel in dem ״W>iek Nowy": Als Judo, ׳der seit frübestsr Jugend zur Polnischen Fahne schwört, wende ich mich jetzt an | die Polnische Gesellschaft mit der Aufforderung zur Dat, die der Welle der Vernichtung einen Damm entgegensetzen soll. Man muß die Ursache des Bösen beseitigen. Und als solche Ursache sehe ich die Nichtanerkennung ׳der Rechte der Juden als eigene Nation an. Man kann keinesfalls die Sache so stellen, daß der Jude in diesem Lanide entweder Pole oder Ukrainer sein muß. Diese grüße׳ Lüge muß endlich verschwinden. Die große Masse des jüdischen Volkes ist weder polnisch «noch ukrainisch, und will weder polnisch noch ukrainisch sein. Sie ist jüdisch und will es bleiben. Wir müssen mit dieser Tatsache rechnen und sie anerkennen. Es läßt sich an eiine derartige Begriffsverwirrung!nicht glauben, daß jede momentane Feuerlinie kn Lande oder gar in Lemberg darüber entscheiden soll, ob ein Jude zwangsweise in die polnische oder ukrainische Armee eingereiht werden soll, wenn diese zwei Armeen miteinander Krieg führen. Uöberleast nur einen Moment das Furchterliche dieser Situation: Ein Bruder weilt zeitweise in der Saviehagasse, wo ihn die Polen zwangsweise in ihre Reihen gegen die Ukrainer einstellen- «der andere Bruder weilt zeitweise am Rangplatz und wird deshalb zwangsweise m die ukrainische Armee zum Kampfe gegen die Polen eingereiht. Wohin führt d!as? Hat so das Selbstbestimmjungsrecht der Völker auszufehen? Ich fordere im Namen -aller göttlichen und menschlichen Rechte die Anerkennung der jüdischen Nationalität, ich fordere die Zuerkenmung des Rechtes der nationalen Selbstbestimmung für alle Juden unseres Landes. Nur dies wird die wichtigifte Quelle der konventionellen, teilweise unbewußten, teilweise heuchlerischen Lüge, welche unser öffentliches Leben vergiftet, beseitigen. rischen Nativnalvat bereitwilligst zugesichevt. Die von den Nsologenführern geleitete Konferenz hat beschlossen der Anregung des Vertreters der ungarischen Volksregierung Rechnung zu tragen und sich mit den Vertretern der Judenschaft in den Cntsntestaaten für die Integrität des ungarischen Staates ins Einvernehmen zu setzen. » Ellen Key und Georg Brandes gegen die Pogrome in Polen. Georg Brandes richtete an eine vom zion-istisch-soziälistilschen Arbeiterverband Poale-Zion in Stockholm veranstaltete Protestversammlung gegen die Judenpogrome m Polen folgendes Telegvamm: ״Mit Wehmut und ohne Wirkung zu erwarten, schließe ich mich dem Proteste an. Ich war 30 Jahre hindurch Fürsprecher von Polens Unabhängigkeit, jetzt ist all meine Hoffnung auf die «menschliche und freiheitliche Gesinnung des poliniischen Volkes zusammengebrochen." Ellen Key telegraphierte in gleichem Sinne. Der Veranstaltung wohnten zahlreiche Vertreter der schwedischen Oeffentlichkeit bei. Die Versammlung «nahm eine Resolution an, wellche die schwere Schuld der polnischen Führer feststellt, ihre Bestrafung verlangt und einen Appell an die Regievungen aller Völker richtet, sofort wirksame Maßnahmen zwecks Verhinderung der Dtassenmorde und Plünderungen zu treffen. Diese Resolution wurde sämtlichen diplomatischen Vertretern in Stockholm zugestellt. (I. P. W.) Ein antisemitisches Flugblatt der Obersten . Heeresleitung. 1 Hundfchau. Die Juden für die Integrität Ungarns. Die von der neo logen Kanzlei einbeirufen-e Versammlung hat trotz dringlichen Abratens seitens des orth. Landespräsidiums am 7. November stattgefunden. In dieser Versammlung kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Zionisten und den neologen Führern. Der Ackerbauminister Buza als Vertreter der neuen ungarischen Volksregierung appellierte in seiner Rede an die Zionisten, die gute Verbikdüngen mit denjenigen Staaten haben, i!n! deren Händen Ungarns Schicksal jetzt liegt, ihren Einfluß für eine bessere Zukunft Ungarns auszunutzen. Zum Schlüsse erklärte der Minister folgendes: ״Wer sich als Ungar bekennt, der ist mein Bruder, und wer dies nicht tut, dem trage ich auch nichts nach." Die Zionisten erblicken in dieser offiziellen Erklärung de!s Ministers eine historisch denkwürdige Deklaration zugunsten der jüdischen Nation!. Im Uebrigen stellen die Zionisten sich auf den Standpunkt der omthodoxen Landeskanzleß daß eine Manifestieriung der jüdischen Vaterlandstreue ׳sine Beleidigung der ungarischen Judenschaft sei. In!der Versamimiluinig gab es nachher Tumulte, die auch zu Tätlichkeiten führten. ״Wo die Differenzen auseinanderweichen" sagte Kosiuth im Jahre 1848 -״ •ךmuß die Teilung den Streit ausgleichen." Di!e neologen Versammlungsleiter flüchteten mit ihren Getreuen in ein anderes Lokal, während die Zurückgebliobanen unter zionistischer Leitung die Tagung fovtsetzten. Beide Vollversammlungen konstituierten sich als ״Landesorganisationen dev -ungarischen jMschen Gemeinden". — Die Zionisten gründeten den Freien Organisationsrat dev unabhängigen Juden Ungarns utnd haben ihre patriotischen Dienste dem neuen unga- Bad Ems, 3. Dezember 1918. — Die Beratungen der Soldatenräte des Feldheeres dauern am«. Der Sprecher der zehnten Armee bemerkte: ״Ein besonderes Vorkommnis gibt mir Veranlassung, für die Wahl eines Zentralrates bei der Obersten Heeresleitung zu sein. Es Hanbett sich um das Flugblatt, das von der Obersten Heeresleitung herajusgegeben wurde. Es ist unglaublich, dojß!etwas Derartiges unter den Au- ,gen des Soldatenrates bei der Obersten Heeresleitung geschehen konnte. Der «reaktionäre, antisemitische Inhalt des Flugblattes spottet jeder Beschreibung. Etwas derartiges darf nicht an die Truppen gelangen. Wenn die Juden gut genug Waren, im Schützengraben zu stehen und das Vaterland mit ihrem Leben zu verteidigen, so müssen sie auch jetzt gut genug sein, uins bei dem neuen Aufbau zu Hefen." Nach Verlesung des Flugblattes wurde ein Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung als Demonstration gegen dessen Verfasser emstimmig anigsnommen. mmmxmxm M. Hlckl-Verlag. BrUnn-Wlen. Wien, II., TaborstiaBa Nr. 52 b Soeben erschien das erste Heft von: GEWULOTH — גבוהות — Hobr. Monatsschrift für moderne Literatur Herausgegeben von Q. Schoffmann und Z. Dies endruck. Aus dem Inhalte: H. Bergmann, Die wahre Freiheit. S.Schneuer Die Gefangene. 0. Schoffmann, Vier Skizzen. E» Diesendruck, Von der Groteske. Z. Grünberg, Gesang der Kämpfer, Zeitglossen׳? etc, Abonnement beträgt: halbjährl. K 15 — (10 Mk.) Einzelheit inklusive Porto K 3 20 (Mark 2*20). Einzelverschleiß: Administration: Wien, Taborstraße 52b sowie sämtl. Buchhaltungen u. Zeitungsverschleißstellen »CXXXXXXXXXXXXXXXX Eine jüdisch-nationale Eisenbahnerorganisation. Das ״Prager Tagblatt" vom 16. November 1918 meldet: In einer am 12. November in Oderfuivt abgshaltensn Verfa-mnluug von jüdischen Eisenbahnern aus Mährisch-Ostrau und den nächsten Stationen wurde die Schaffung, einer jüdischnationalen Eisenbahnerorganisativn einstimmig beschlossen und sofort ein vorbereitendes Komltee!gewählt.