Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 27-28 (29.11.1918)
- Date
- 1918-11-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2621806-2622015-2622030--3840-2625075- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ki. 27-28 ״Jüdische D»L?-ö^a»«r* Seite s. Herr Tr. Wolf, Trvppau; zu Beiräten die Herren: Dr. Silbevstein, Teschen, Alois Reik, Friedek, Leo Westreich, Jägerndvrf, Dr. Albert Meyer, Frsistandt; zu Ersatzmitgliedern die Herren Zänker, Oderberg, und Markus, Wagstadt; zu Berifikatoren die Herren Emil Spitzer, S kotschau, und Wasserbovg, Freiwaldcm. Es wurde eine GeschäftsordnNg des Verbandes und der Verbandsleitung und ein Iahresbeitrag von 2 Kranen zer Steuerzahler jeder Kultusgemein.de beschlossen. Ueber einen gestellten Antrag auf Demokrati'sierung dev Kultusgetmeinden wurde auf die beftende demokratische Form der gsgenwär- Ligen Wahlordnungen in den einzelnen Staaten der schlesischen Kultusgsmeinden hingewiesen, im übrigen aber den Kultusgemeinden, so weit dies nicht der Fall wäre, die Einführung eines allgenreinen, ,geheimen und direkten Wahlrechtes empfohlen. Die Beschlüsse wurden mit völliger Einstimmigkeit und Einmütigkeit gefaßt und wir begrüßen es warm, daß die Not der Zeit alle kleinlichen Gegensätze zum Ausgleiche gebracht hat uinld würden wünschen, daß der Landesverband w Schlesien, der bisher schon ״pace-makar" war, in seiner seltenen Einmütigkeit auch anderswärts Vorbild werden und Nachahmung finden möge! Kmxmxmx»^ M. Hlckl-Verlag. BrUnn-Wlen. Wien, II., TaborstiaBa Nr. 52 b Soeben erschien das erste Heft von: GEWULOTH נבולות — Hebr. Monatsschrift für moderne Literatur Herausgegeben von 0. Schoffmann und Z. Diesendruck. Aus dem Inhalte: H. Bergmann, Die wahre Freiheit. 8. Schneuer Die Gefangene. G. Schoffmann, Vier Skizzen. E. Diesendruck, Von der Groteske.• Z. Grünberg, Gesang der Kämpfer, Zeitglossen etc. Abonnement beträgt: halbjährl. K 15*— (10 Mk.) Einzelheit inklusive Porto K 3*20 (Mark 220־). Einzelverschleiß: Administration: Wien, Taborstraße 52b sowie sämtl. Buchhaltungen u. Zeitungsverschleißstellen BtMtmmmxm Die Pogromwirtschaft in Lemberg. Geplantes Einschreiten der Entente. In den letzten Tagen ist es in Lemberg zu Ereignissen gekommen, die ein Einschreiten der Entente notwendig machen werden. Einer in unserem gestrigen MittaWatte publizierten Pvivatdepesche aus Budapest zufolge haben, die kommandierenden Generale der dort eingetroffenen französischen Truppen mitgeteilt, daß sie in letzter Stunde den Auftrag erhalten haben, Vorbereitungen für den Vormarsch einer sranzösischen Division, nach Ostgalizilen zu treffen. Die Proteste gegen die polnische Pogromwirtschaft in Lemberg, die den Alliierten in den letzten Tagen unentwegt zugehen, haben eine Verfüguug des französischen Oberkomjmlandos Provoziert, Lemberg und Umgebung militärisch zu besetzen und den Massenmord durch die entfesselte polnische Soldateska zu verhindern. Die Pogrome, die Frucht systematischer Agitation. Einer Zuschrift des zionistischen Vereines ״Theodor Herz!" in Zürich entnehmen wir: Die Pogrome in Galizien und Polen sind das Prodiukt einer seit Jahren mit allen Mitteln und von allen führenden Persönlichkeiten und Parteien — bis auf die extremsozialistischen Politiker — systematisch geführten Agitation gegen die Juden, die durch PresfepolenMen hindurch Ligen Exzessen führen mußte. Seitdem die Polen Ae Verwaltung in Galizien übernommen haben, haben sie jede Rücksicht aufgegeben und i nullen Zeitungen und in öffentlichen Verfammlmigen direkt Mfgefordert, die Juden zu überfallen und sie unschädlich zu machen. Einige Beispiele sollen diese Ausführfungen erläutern: Der ״Nowy Dzreunik" vom 9. November berichtet über eine Versammlung der jüdischen und polnischen Nötabeln in Oswiecim, wobei die durch die Ueber nah me der Verwaltung durch die Polen geschaffene Lage beraten wurde. Die Ver» tveter der Juden verlangten von dem -dort anwesenden Kommandanten Schutz gegen gefürchtete Ueberfälle. Der Kommandant erwiderte wörtlich: ״Es ist eine unerhörte Frechheit, so etwas zu verlangen. Es handelt sich hier nicht um eine der üblichen BauerMus schrei Lungen, sondern um eine' organisierte Aktiou aller polnischen Gesellschaftskreise gegen die verhaßten Juden." Nach!diesen Ausführungen verzichteten die Juden auf weitere Verhandlungen. In Posen wurde gelegentlich einer Versammlung, in der 'die Polen die Uebergabe der Stadt an die polnische Verwaltung sonderten, vom Abgeordneten Seyda eine scharfe Hetzrede gegen die dortigen Juden gehalten. Schilderung eines Augenzeugen. 600 Tote, 50 Häuser und 2 Synagogen eingeäschert. Von ׳einem Augenzeugen der Pogrome, der am Sonntag von Lemberg durch die Vermittlunjg eines i!h!m! gut gesinnten Majors flüchten konnte und als Tsecho-Slowak in den Personenzug gelangte, wird uns folgende interessante Schilderung der Lemberger EreiMisfe überwittelt: Dev Pogrom kam an! Freitag früh zum AusbMch und dauerte fast ununterbrochen bis Sonntag nritta/g. Im Lemberger Judenviertel wurden etwa 50 Häuser angezündet, diie JudenfamMen, die die brennenden Häuser verlassen mußten, wurden!niedergeschlagen oder erschossen. Dem Brande fielen zwei Synagogen zum Opfer, aus denen alle Silbergegenstände geraubt worden waren. Ein Tempeldienier wurde in der Syjniagoge erschossen, ein Rabbiner mißhandelt. Ein jüdisches Spital wurde in eine Festung umgewandelt und mit Maschinengewehren ausjgerüstet, viele Kranke wurden getötet oder starben vor Schrecken. In der Karol-Ludwiga-Stmße wurde das Konfektionsgeschäft Strauber srbrochen und das ganze Warenlager auf vier Militärautomobiilen weggeführt. Die Zahl der Toten beträgt etwa 600-, die Juden bildeten eine Miliz. Eine Deputation dieser Miliz wollte. mit den Legionären verhandeln, sie wurde jedoch erschossen, die Miliz wurde entwaffnet un'd eing!ekerkert. Die ihres Heims beraubten JudenfaMi!- lien mit halbnackten Frauen und Kindern verbrachten die kalten Nächte auf den Brandtrümmerln!. Die Leichen blieben drei Tage unbeerdiigt li,e,gen; man hatte ihnen dir Kleider und Schiuihe geraubt. * * Der Präsident des Zentralkomitees für die Interessen der jüdischen Bevölkerung iw Kriegsgebiete Dr. Phlipp Ritter v. Gomperz und Sekvetär Siegfried Fleischer haben gestern wegen der Pogrome gegen die Juden in Galizien und in Kongreßpolen bei dem polnischen Gesandten Dr. Habicht und bei dem Vertreter der Krakauer Liquidationskommission Ritter v. Galecki intervenievt. * * Die Protestversammlung gegen die Pogrome. Gestern abends fanden gleichzeitig üiieit vom Jüdischen Nationalmt einberufene Versammlunjg-en statt, die so überfüllt waren, daß taufend!e Personen keimen Einlaß finden konnten. In jedem Saale hatten sich Flüchtlinge ׳eingefunden, die vor wenigen Dagen Lewberg verlassen hatten. Sie bestätigen die schon gemeldeten, von den Polen begangenen Greueltaten nach ihrem Einzug in die Stadt. Als Redner traten Oberrabbiner Dr. Chajes, Frau Anitta Müller, Abg. Dr. Straucher und viele andere auf. Sie wandten sich -gegen -die mit untauglichen Mitteln unternommenen Versuche der Polen, die Blutschuld von sich auf die ״von den Ukrainern freiigelasseneu Sträflinge" abzwvälzen Md forderten den schleunigsten, schon .angekündigten Einmarsch von Ententetruppen nach Ostgalizien zur Ver- Hinderung der noch iimmer mit dem weiteren Vormarsch der polnischen ׳Legionen drohenden Massakers. llumlsd»««. Jüdischer Soldatenrat in Olmütz und Brünn. In Olmütz hat sich aus der Mitte der Garnison sin Jüdischer Soldatenrat,gebildet. Den Vorsitz führt Hptm. Dr. Broch. Der Soldatenrat wirkt in hervorragender Weise am. der Durchfühmng dev Demobilisierung mit, eine Tätigkeit, die hiev von umso größeres Bedeutung ist, als unter den in Olmütz garnisonierenden Rogimentern eine Menge galizischer Juden dient. Ein großer Teil vom diesen hat im Frieden lange Jahre hindurch in Deutschland gelebt und hat dort Familie und Beruf. Der Soldatenrat beschäftigte sich daher Mfs intensivste mit Ver- Handlungen bei den nächsten Grenzkommanden, um diesen Soldaten den Uebertritt nach Deutschland zu ermöglichen. Ebenso hat dev Soldatenrat vielfach Gelegenheit zu intervenieren, wo sich dor Entlassung jüdischer Soldaten Schwierigkeiten m!den Wog stellen. Der ״Okvesni Narodni vybor v Olomouei" hat die rechtliche Geltung dor jüdischen Natiomjalität und den Jüdischen Soldatenrat als Vertretejv der jüdischen Soldaten anerkannt. Auch in Brünn hat sich unter dem Vorsitz Von Dr. Hugo Stransky ein Jüdischer Soldatenrat konstituiert, der sich bereits an den Jüdischen Nationalrat in Prag gewandt hat. Die Wiener isr. Kultusgemeinde an Wilson. Wie wir hiezu erfahren, hat auch die Wiener israelitische Kultusgemeistde gestern beschlossen, sich mit Mer Kundgebung gegen die polnische Pogrvmwir'tschaft in Lemberg an! Wilson zu wenden. In der .abzusendenden Depesche des Permanenzausschusses wird, falls noch keine französischen Truppen nach Ostgalizien vibgega!Mn sind, das Ersuchen gestellt werden, die bedrohten Juden in Lemberg durch militärische Intervention zu schützen. Das Porlmlanenzkomitee, dem sieben Vorstehun gsmitglied^r angehören und an dessen Spitze der geschäftsführends Vizepräsident Dr. Nappaport steht, WM nur noch nähere Mitteilungen über die von dor Entente getroffenen Verfügungen abwarten, um danach seine Maßnahmen einzurichten. Die jüdische Stadtschntztruppe in Wien. Aus Wien, kommt die nachfolgende Meld,ung: Zr dev von einigen Blättern veröffentlichten Nachricht über die Grümdung einer ״bewaffneten jüdischen Selbstwehr" erhalten wir vom Präsidium, des Jüdischen Nationalrates in Wien nachstehendls Aufklärung: Da die Juden den innigen Wtunsch haben, daß der Stadt Wien der Zustand des Friedens so schnell Wie möglich hergjestellt werde, wozu vor allem dtie stmagste Aufrechteivhaltung der Ruhe und Ordnung nötig ist, hat sich der Jüdische Natiionalrat in Wien entschlossen, zur Unterstützung de!r Werbeaktion für die Wiener Stadtschutztruppen im Einvernehmen wi!t dem Polizeipräsidium eine jüdische Gruppe inlnerhalb der Stadtschutztruppe zu bilden.•Man verspricht sich von diieiser jüdischen Gruppe einen guten Einfluß, insbesondere auf die jüdischen Soldaten und eine beruhigende Wirkung auf die jüdische Bevölkerung. Zionistische Garde in Ungarn. Bei-m! Präsidenten der ungarischen zwnistischen Organisation meldeten sich mehr als 200 jüdische Offiziere, die von der^ Front zurückgekommen sind und baten ihn, die Aufstelluing einer zionistischen Garde zu vermitteln. Profeffov Strauß setzte sich sofort mit dem Staatssekretär im Kriegsministerium Friedrich ins Einvvr» nehmen, d>er auch die Konstituierung der Gajrde selbst in die Hand zu nehmen versprach und oin« Kaserne für die zionistische Gachtz in Aussicht stellte. Nach einer Mitteilung des ״Bester Lloyd" vom 6. November forderte der Staatssekretär im ungarischen Kriegsministsrium Friedrich zum Schutze der von. ukrainischen und tschechoslowakischen Banden bedrohten ungarischen Gebiete die Aussendung regulären Militärs. Friedrich erklärte, daß bis heute nur die Zionisten bereits 11.000 Mann, gut ausgerüstet, der Regierung zur Verfügung gestellt haben und die Regierung diese Truppen in dis exponiertesten Gebiete dtvigisrjt hat.