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Jüdische Volksstimme · 1918-11-29 · Heft 27-28 (29.11.1918) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 27-28 (29.11.1918)
Date
1918-11-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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GßM $ dMilch» V-tt»ßi««r- .25-26 *־־* Ei« Hilferuf -es Poale-Zion-Ber-an-eS an die sozialistischen Parteien. Das Jüdische Preßbüro in Stockholm melbet: Das Büw des Jüdischen. Sozialistischen Arbeiterverbandes Poale-Zion richtete telegraphisch folgenden Appell an die britische Arbeiterpartei und an die sozialistischen Parteien der anderen alliierten Landern: Eine Pogwptwelle hat sich über Westgaiizion und Polen ergossen. Die gesamte jüdische Bevölkerung von Szakowa und Dombrowa wurde durch Pogronte und Brandstiftungen in die Flucht getrieben. In Chrzanow dauerte der Judenpogrom zwei Tage. Dev jüdische Selbstschutz wurde dort von den Pogvomhelden entwaffnet. Neun Menschen, davon zwei Kinder, wurden getötet und viele schwer verletzt. Die jüdische Bevölkerung war zur Flucht gezwungen. Ein jüdisches Ministerium für Palästina. Nach Informationen, die hier aus England eingetvoffen sind, hat sich mit Zustimmung Englands und der Vereinigten Staaten ein jüdisches Ministerium für Palästina gebildet, dessen Mitglieder führende Zionisten der Ententeländer sind. Der Chef des Kabinetts ist der Führer der amerikanischen Zionisten, Oberlichter Louis Brandeis. Antizionistische Propaganda amerikanischer Reform-Rabbiner. bürgerliche Gleichberechtigung, ohne trgendwelche Begrenzung. Dagegen kann von irgend einer nationalen Autonomie keine Rede sein, da Polen einen Staat im Staate in keiner Form dulden kann. Autonom können höchstens dis Genrsinden, Schulen utnd kulturellen Einrichtungen bleiben. Dieses gilt nicht allein von Juden, sondern auch für alle «nationalen Minderheiten hm Lande. Der Punkt in der Wiilsonschen Note über! das Selbstbestimmungsrecht der Völker könne sich nicht auf kleine Nationalitäten innerhalb eines Staates beziehen, sondern habe lediglich Völker -im Auge, die territorial und in ein>em eigenen Staatsrahmen vereinigt sind. Partei für bürgerliche Gleichberechtigung der Inden in Polen. Warschau, 5. November. Im Programm dieser Parts! jüdischer Polen heißt es unter Ziffer 4: Die Lösung der Judenfrage ist nur möglich, wmm der Staat die Juden als volle Bürger erklärt und die reliigßösen Bedürfnisse der Mischen Bevölkerung schützt. Ziffer 6: Die Gleichberechtigung muß auf dem ganzen politischen Gebiete garantiert und die antisemitischen Bestrebungen bekämpft werden. Diese find eine Gefahr für -den Staat uind für die Inden. Ziffsr! 6: Das jüdisch-nationale Programm ist der Grundläge des Staates zuwider und muß im Interesse der Juden bekämpft werden. Die jüdische Lage in Nordpalästina. Das Jüdische Preßbüro in Stockholm meldet: Die Reform-Rabbiner Friesh und! Philippson versuchen, eine antizionistifche Liga ms Leben zu rufen, die im Namen der amerikanischen Juden dam Präsidenten Wilson eine antizivnistische Note überreichen soll. Die jüdische Presse verurteilte diese ״Umtriebe" aufs schärfste. Der bekannte Philanthrop Jacob Schiff, der eivgeladen wurde, sich der Aktion anzuschliejßen, lehnte entschieden ab, indem sr erklärte, djaß er seit dem Beginn der russischen Revolution und seit Bolfours bekannter« Erklärung mit dem Zionismus sympathisiere und die Errichtung eines amtionalen Heimes für die Juden im Palästina für durchaus wünschenswert und möglich halte. Judenhetze in Rumänien. Das Jüdische Preßburecm in Stockholm er-, hielt aus zuverlässigster Bortliner Quelle folgendes Telegramm: Eine äußerst «heftige antisemitische Hetzkampagne hat in Rumänien emgesstzt. In stavk derbreiteten Hetzaufrufen wird die Bevölkerung diretk zum Massenmord der, Juden aiufgefo,rdert. Die ״DjUMt'nica Popoculni", das Blatt des gewesenen KultusMnisters, das durch die Bchörden in den Dörfern verteilt wird, brachte einen Leitartikel, der fosgeinds Stelle enthielt: ״Wenn Ihr bemüht sein werdet, jeden sich bietenden Nutzen eiUzuheimsen. so wird der Jude gezwungen sein, von dannen zu «gehen." Dev Minister ging in seiner Hetze so weit, daß die Zensur sich veranlaßt s!ah, dinige Stsllen aus dem Leitartikel zu streichen. Derselbe Minister, der zugleich Utnivsysitätsprofessor ist, sammelte an der Spitze eines aus Professoren und Literaten «bestellenden Kotnitees 200.000 Lei zum Zwecke der Wiedorausgäbe der berüchtigten antisemitischen Zeitschrift ״Ssmanatorul". Der frühere Judenfreund Mille entfaltet eine Propaganda des Boykotts gegen die ״Fremden", d. h. gegen die Juden, und fordert zu ihrem vollständigen wirtschaftlichen Rum auf. Die Hetzpropaganda hat eine so vergiftete Stimmung geschaffen, daß Judenpogrome erwartet worden. Die jüdis«che Bevölkerung vntp» findet die Notwendigkeit der Organisierung eines Selbstschutzes, aber der Gedanke kann nicht verwirklicht weichen wegen -der Unmöglichkeit, Waffen im freien Handel zu erwerben. Dogegen aber erhalten die schwarzen Banden Waffen aus den Depots der Armee. Die jüdische Bevölkerung fordert dringend sofortigen Einspruch und Intervention der internationalen Welt. Vom Schicksal der Juden in Polen. Vertretern jüdischer Zeitungen gegenüber äußerte sich dsr polnische Gesandte im. Kiew, Wankowski, über die politische Zukunft der! Juden Polens wie folgt: Die Juden erhalten volle Ein Londoner Telegramm des Jüdischen Preßbüvos in Stockholm lautet: Die Mitglieder dsr Palästinakommission Dr. Eder und Bianchini besuchten die Städte Haifja, Safed, Dibepias und mehrere jüdische Kolonien. Sie koustiatievten, daß der Zustand in: allgemeinen weniger bosorgniiisorregenid ist, als «NDM» erwartet hatte. In Tiber tas find jedoch Fälle von Cholera konstatiert worden, sodaß über bii!c Stadt die Quarantäne verhängt werden mußte. Großes Elsnld herrscht unter den Juden von Safed. Viole Juden, die von den Türken aus ihren Wohnorten evakuiert worden sind, scheu nunmehr ihrer Hetmschaffung mit Ungeduld entgegen. 30.000 Pfund Storliing sind sofori für die dringendsten Aufgaben des Hilf»- Werkes notwendig. Die Ingenieure Oettinger und Milkansky sind voll dsr Ziointistischen Kommission beauftragt worden, sine Reise durch Gajiläa zu ma^ chen und die dort herrschenden Zustände zu untersuchen. In Jaffa wird gegenwärtig eine jüdische Volksbank organisiert. Stellenvermittlung für jüdische Handelsangestellte und Beamte. Tausende Mischer Angestellte und Beamte fluten vom Kriegsschauplatz zurück, sie zu versorgen ist Unsere Pflicht, denn ihr wirtschaftlicher Ruin würde zum nationalen Unglück für unser ganzes Volk. Hier zu helfen, hat sich der Jüdische Handlun-gsgehilfen-Verband, 2. Bezirk, Obere Donaustraße 66, entschlossen. Bei dieser Arbeit brauchen wir aber die Unterstützung jedes jüdisch Fühlenden. .Jüdische Arbeitgeber, verlangt benötigtes Personal vom Jüdischen Handlungsgehilfen- Verband. Jüdische Angestellte, meldet jode freie Stelle dem jüdischen HandlungAgehilfen-Verband. Die Stellenvermittlung erfolgt kostenlos. Amtsstunden täglich von 7 bis 9 Uhr abends. Sonntag von 9 bis 12 Uhr vormittags im VorVandsheiwl, 2. Bezirk, Obere Donaustraße 65. Antisemitische Hetze in Karlsbad. Der Stadtrat von Karlsbad schreibt: ״Untev Bezug auf die m Nr. 256 des ״Prager Tageblatt" vom 3. November 1918 enthalteine Mitteilung ״Antisemitische Hetzen in Karlsbad" beehrt sich der Stadtrat miitzuteilen, daß hier kleine Plakate antisemitischen Inhalts vom unbekannter Hand angeschlagen wurden, die in Eger gedruckt wurden und jedenfalls auch von dort stammen. Dieses, Vorgehen wurde und wird hier von allen Kreisen, insbesondere aber von den leitenden Kreisen auf das Entschiedenste verurteilt und es ist vollkommen unwahr, daß die Plakatierung mit Wißen und Zustimmung der hiesigen leitenden Kreise erfolgte." Die Notlage -er J«-en in Damaskus, Beirut «n- Si-on. Das Stockholmer Jüdische Preßbüro berichtet: In London traf ein Telegramm aus Palästina ein׳, welches über die schreckliche Notlage der Mischen Bevölkerung in Damaskus, Beirut und Sidon borjiichtst. Die Zionistische Kommis- [tarn .in Palästina organisiert die Hilfs-Aktion. Große Fonds für Nahrung und Kleidung sind nötig. Kinder sterben Hungers in den Straßen von Beirut. Rekrutierung Saloniker Juden für Palästina. Die ״Neue Züricher Zeitung" vom 29. Oktober meldet: ״Der griechische Minister für auswärtige Angelegenheiten, Politis, teilte Lier Presse mit, daß sr die Erlaubnis gegeben habe,- daß sich in Saloniki ein Kontingent jüdischer Freiwilliger bilde, das nach Palästina in Dienst gehen soll. Die! Vorarbeiten zur Rekrutierung dieser zungen Leute haben begonnen. Das Kopenhagens!: Zionistische Büro an die englischen Zionisten. Anläßlich der ersten Wiederkehr des Iahrestages der britischen Regierungserklärun'g zugunsten der Errichtung einer nationalen Heimstatte für das jüdische Volk in Palästina hat das Kopenhagener Zionistische Büw folgendes Telegramm an die anglischen Zionisten gsrichtot: Wir feiern die erste Wiederkehr! des Iah-- restages der englischen Rsgisrungserklävung, welche die Wiedererrichtung eines jüdischen Palästinas verhieß, und bringen aufs «neue die ewige Dankbarkeit des jüdischen Volkes zum Ausdruck. Das jüdische Volk erwartet sehnsuchtsvoll, als Fortsetzung der mit d«er Deklaration eingeleiteten Aktion, die Feststellung der politischen und ökonomischen Grundlagen, die durch die Ermöglichung einem jüdischen Masseneinwanderung, sowie «eines großen Siedlungs- und Kulturwerkes Palästina zur nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes machen werden. Das jüdische Volk erwartet zuvsrchtlich^ daß auch seine Forderung auf Anerkennung dsr bürgerlichen und nationalen Gleichberechtigung der Judenhckt in der Diaspora Förderung seitsns der britischen Regierung finden wirb. Eine große und verantwortliche Aufgabe lastet auf den «englischen Zionisten und ihren Führern; tiefe Genugtuung werden sie empfinden, wenn das zerstreute Israel aus allen vier Ecken dsr Welt zurückkehrt zu einem «neuen Leben in Schönheit, Freiheit und Gerechtigkeit. An die Flüchtlinge ans dem früheren Oberlandesgerichts- Sprengel Lemberg Den in der deutschösterreichischen, tschecholowakischen und ungarischen Republik von den etzten Ereignissen knapp vor ihrer Heimkehr lberpaschten Flüchtlingen, d!ie nach dejm frühe» :en Oberlandesgerichtssprengel Lemberg (also ur jetzigen westukvain«ischen Volksrepublik) zutändig sind, wird folgendes bekainutgsgeben: Die Regierungen dieser Staaten Habs ich- «ngegangen, den Flüchtlingen tnsolange den lufenthalt in ihren gegenwwärtigen Wohnorten u ,gestatten, bis der Abtransport in die Heimat ringNcht sein wipd>; ebenso habe ich namens- «reiner Regierung das Ersuchen gerichtet, die Zlüchtlingsunterstutzungen gegen seinerzeitige tefundierunig durch meinen Staat weiter zur luszahlung zu bringen. . In sntgegenkommendster Weise wird beten Wünschen bis auf woiteres <im tschecholowakischen Staate bis 15. Dezember l. I.) technung getragen. ״ ׳ r Einer in dem dortselbst herrschenden Wohungsmangel begründeten Verfügung der Praer Regierung entsprechend, muß alles daran esetzt werden, uM> Mitte Dezember den Ab» cansport dev Flüchtlinge aus der tschecho-slowaischen Republik in die Wegs zu leiten. Ich habe arauf nachdrücklichst das galitzisch-ukrainische׳ nd das Bukowinaer Flüchtlmgskomitee auflerksam gemacht, und worden diese beiden Oranisatisnen, gemeinsam mit den früheren zerren Reichsratsabgeordneten Breiter. Reitzes .nd Dr. Stmuchsr, alle notwendigen Vorberetnngen und Veranlassungen treffen.

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