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Jüdische Volksstimme · 1918-11-29 · Heft 27-28 (29.11.1918) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 27-28 (29.11.1918)
Date
1918-11-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 87-28. ״איייממוי®9ntMe״ Zwischen Tod und Leben gibt es keine Verständigung. So lasset die nach Tod und Untergang lech zen in S^inhoit o-vv Unschönheit sterben. Für die, die nicht leben wollen, gibt es keine Rettung. Bekümmert euch um M, die nach starkem Leben begehren. MH groß ist die Schar der lebendigen Jiwen, groß und gewaltig. Denn sie sind die Lebensbejaher, die Träger der Zukunft. Sie sind die 'berufenen Verwahrer des Erbes unter Väter. Vereinigt euch, die ihr lsben wollt, umd lebet mitem-ainder und totemander. Mals streitet ihr, ob wir Juden eins Nation, eine Mliyion, oder eine soziale Gemeinschaft sind? Mit Worten werdet.ihr es nicht erfassen. Das Judentum ist eigenartig und kann mir aus sich heraus tmd nicht nach frentden Schablonen verstanden wer., den. Wir sind das Volk Gottes, .aussvwählt durch hohe Pflichten, die allein selig machen. Das ist unser Beruf, der Beruf des Judentums und der Ju-ienheit. Ohme diesen Bevuf sind wir arm umd schwach. Ein Volk, das keimen Boden hat, muß ein großes Ideal haben, Ural leben zu können. Eine Leidensgemeinschaft muß wissen, wofür sie lei!det. Leiden im Dienste einer großen Sache, adelt, leiden ohne Zweck macht stumpf und mürbe. Unsere Väter litten mehr als wir, aber in ihrem Innern war keine Zerrissenheit, denn sie lebten im Judentum, sie trugen den Schmerz in ihrer Seele», aber dem Schmerz war göttlich. In unserem Herzen ist eine Zerrissenheit, weil wir nicht den Mut haben, ganze Juden zu sein.'Nur ganze Juden können ganze Menschen sein». Unsere Väter waren uiidjt henfrptlos. weil sie übenall ihre Heimat mit sich trugM. Ihre Familie, ihre Gemeinde war ihre Welt, — eine Welt durchweht von Schmerz und Jammer, aber getragen von einer!gewaltigen Harmonie. Mir haben die Gemeinde beinah ganz verloren und auch -unsere Familie, unsere letzte Zuflucht, verblaßt von Ta;, zu Tag, verliert ihme Hoheit, ihre Schönheit und »ihre Eigenart, ihre Reinheit und ihre Heiligkeit. Wir harren der Erlösung, aber mU!v wir selbst können uns erlösen. Die innere Erlösung mutz dier äußeren vorangehen. Die individuelle Befreiung trägt in sich den Keim der Volksbe. frsiiung. Als Volk von Brüdern mit hohejm. Ziele, als Söhne und Töchter Gottes stehen wir groß und unerschütterlich da. Weil die Ewigkeit mit uns ist. Zersplittert und verirrt bieten wir ein BiV der Schwäche und des Jammers, ein Zerrbild aller Schönheit und Größe!. So wollen wir nach lxMgen Irrungen ins jüdische Heim, in L'!ie jüdische Gemeinde zurückkehren. Wirwollen das alte Judentum, das stets iin uns unbewußt Lobte, uns wieder erobern, es mit -neuen Schönheiten erfüllen und uns zu eigen machen. Ein jüdisches Heim ist mehr wie. ein jüdischer Staat. Es ist Ne Zuflucht unserer Seele, die Stätte der Entfaltung unserer. JndivitMlität. Schlicht und einfach, klar und wahr soll unser Loben fein. Alles Große im Judentum offenbart sich in schlichter Gestalt. Das jüdische Leben -verträgt keinen Prunk, keinen unsiWigen Luxus, keine ewige Maske, keine Unnatur׳. Je einfacher -unser Löben ist, desto größer Ne Chaneen wahr enGlückes. Je verwickelter der Lebensknoten ist, desto schwieriger die Entwirrung. Ein Rausch täuscht nur ׳das Glück für Momentevor und hinterläßt eitnen Katzenjammer. Das wahre Glück ruht m der Geschlossenheit des Seelenlebens, in der großen Harmonie, in der Vereinigung 'des Menschlichen mit dom Göttlichen. Nur die schlicht-frommen Juden des Ostens Loben, trotz »Mer äußeren BMängung, eiin» wahres jü- Äiisches Leben, ein Leben voll »großer Harmonien. Die Westjuden kennen keine großen Harmonien, weil ihnen die Naivität des ethischen Instinkts sohlt. Sie sind trockene Jntelliyenzmenschen, deneu alles durch die Röhre des Utilitarismus zuflieht. Judentum und Leben gehen bei' ihnen bald neben-, bald gegeneinander, aber nie ineinander. Ihre sogenannten Harmonien sind künstliche Zusammensetzungen von Dis- Harmonien, eitugsfcqtzt in einen fremden Rahmen. Wer das Judentum erfassen will, der darf «es nicht in die Synagoge verbannen, son, denn ins Leben hiinaustragen. Ist das nicht mög-!ich, dann müssen wir den umgekehrten Wey gehen, nmjd das ganze Leben ins Judentum hineintragen. Nicht abschkiehen wollen wtr uns vom großen Leben, sondern es mit jüdischem Herzen aufnehmen und das jüdische Wesen daran bereichern. Kehren wir zu unserem Urelement zurück und suchen wir, im jüdischen Heikn zu Hause zu fern. Hier ist der Born, aus dem wir schöpfen können. Nur im eigenen Element fanm die jüdische Individualität sich groß und frei entwickele Wir wollen nach Veredlung und Vertiefung streben, oben keinen Kultus mit der Kultur treiben. Sie macht nicht glücklich und nicht frei, — das hat dieser Krieg gezeigt. Die wahre Kultur ist das Ringen nach Hoheit und Reinheit. Die jüdische Familie war die Zufluchtstätte aller Größe und aller Schönheit. Hier wohnte d>as stille Glück, das stille Heldentum. Kehren wir zur jüdischen Fami-lia zurück, denn ohne jü- Nsches Familienleben gibt es kein Judentum. Lassen wir das alte Familenleiben i'n Grchw eigenartigen Glanze neuerstehen. Tragen wir alles, was unsere Seele erfüllt, dahinein. Wir werden ans manches verzichten müssen, aber Großes dafür eiutauschen. Unsere Kinder sollen in dier jüdischen Familie wieder heimisch werden. Hiev sollen sie das Judentum erleben, und sie werdenes besser erfassen als durch Bücher. Die jüdische Schule kannidias -jüdische Heim ergänzen, aber injicht ersetzen. Und die jüdische Gemei-nde soll unser eriveitsckes jüHsches Heim bilden. Hier soll der Quell der Anregungen fetor, hier soll sich alles Jüdische frei und ungehemmt ausleben. Hier soll aktives und nicht passives Leben herrschen. Hier füll keine Partei׳, sondern der jüdische Geist das Szepter führen. Alle sozialen und kulturellen Einrichtungen, die so sehr dem jüdischen Wiesen entsprechen, sollen hier ihre Verwirklichung finden. Alle Kräfte sollen hier dem ׳großen Ideale der Gemeinschaft dienstbar gemacht werden. Die gemeinschaftliche Arbeit ist der beste Weg zur Verständigung, zur Einheit. Gemeinsame Mrsgaben für die Gegenwart führen auch zu gemeinsamen Zielen für die Zukunft. Unsere Väter w>aren die wahren Lebensweisen. Sie vevstalnden es, das Fehlende zu ersetzen und stets aus dem Vorhandenen etwas zu machen. Ihnen fehlte das große Nationalheiligi»um, sie -ersetzten es durch ׳das kleiine, die Bet- und Lehrstätte, das Mikdasch meat. Ihnen fehlte her Staat, sie schufen sich die festgefügte Gemeinde. Die Gesellschaft ersetzten sie durch Ne Farmlig, die tauschenden Freuden durch das stille Glück. Das war nur möglich, WM die Quelle der Kraft im lebenspendenden Glauben gegeben war. Wandeln Mir denselben Wog, im selben Geist, wenn auch nicht immer! in derselben Form. Werden wir ganze Juden, und dev Fluch der Halbheit ist von uns -genommen. Unser Leben ist ohne klaren Zusammenhang mi!i der Vergangenheit, Häher führt es nicht zur Zukunft.! Wenn man nicht weiß, woher man kommt, wie soll man da wissen, wohin MM geht? Kehren wi-r zur Geschichte zurück, — -nicht zur ganz alten, -Ne wir nur ahnen, sondern zu der, die uns noch nicht ganz fremd geworden ist. Man kann das große Erbe der alten Ahnen!nur durch den Vater und Großvater empfangen. M-an kann nicht die Uebevlieferung ganzer Jahrhunderte künstlich ausschalten und an die Bibel anknüpfen. Die Bibel wäre ein schönes aber universtündliches Buch, wenn es nicht durch lieber! ieferung und Entwicklung uns eröffnet und zugeführt worden wäre. Das Judentum wäre längst tot, wenn es nur Leinte gegeben hätte, die es bewunderten, ohne es zu leben. Heilig und jüdisch ist alles, Mas im Laufe der Jahrhunderte im jübischen Wiste erzeugt ist. Man kann das alte Heiligtum Wohl von Staub und Rost -reinigen, aber man kann keine Grundsteine aus dem Bau entfernen, ohne es zu erschüttern. Die Welt draußen wollen Mir nicht verachten, aber auch nicht beeinflußen. Wir Wollen nicht uns ihr assimilieren, sondern sie uns assimili-eren. Alles, was daran gut und mit dem jüdischen Wesen vereinbar ist, wollen wir uns aneignen und mit unserer _ Eigenart harmonisch verschmelzen, damit es unser» Gut wird. Deswegen Horen wir nicht auf. sondern fangen erst iß Wirklichkeit an, modern zu werden. Der wirklich Modernd, verleugnet sein Wesen nicht, sondern entwickelt es nach den inneren Gesetzen. Unsere Zeit ist keine Zeit der Ernte auf sozialem und kulturellem Felde, wohl absv eine Zeit der Umwertung aller Werte, eine Zeit der Vorbereitung für das neue Leben, eine Zeit ׳der Einkehr. Halten wir Einkehr, — iE -um verwoichlichte Butze zu tun, sondern um neuen Lebensmut zu finden. Kehren wir zu unserem Wesen, zu unserem Heim, zu unserer Gemeinde, zu Gott zurück, und der Weg ztyn leuchtenden Lebcnsziele ist gegeben. גבולות — habrllteha Manattschrlft. Äio». Organisation Kopenhagens Büro Dr. Victor Jacobson. Der 2. November in Palästina. Dem Kopenhagener Zionistischen Büro ist anläßlich des Jahrestages der britischen Regie- Dungserklärung ein Telegramm von Nahum Sokolow aus England zugegangen, in dem es heW: ״Aus Palästina kommt die Nachricht, daß der Tag der Erklärung van! allen palästinenfischen Gemeinden festlich begangen werden wird. Versammlungen und Gottesdienste sollen stattfinden, bei denen auf die Bedeutung und Wich, tigkeit der Balfourschen Erklärung, hingewiesen und der englischen Regierung für ihr Versprechen, dem jüdischen Volke bei der Errichtung einer nationalen Heimstätte tot Palästina beizustehen, gedankt werden soll. Es ist eine Quelle großer Freude für die ganze jüdische Bevölkerung, daß es ihr vergönnt ist, diesen ersten Iah- »vestag zu feiern. Sie, die schweigen mußten, als am 2. November 1917 die englische Regierung dem jüdischen Volke -das Unterpfand der Freiheit gewährte, sind nun freie Menschen. Sie schließen sich ׳dem Chov der Stimmen ihrer Brüder in allen freien Ländern der Mit an,.um dem englischen Volke ihren Dank auszusprechen und an der Feier dieses Jahrestages tätigen Anteil zu nehmen. Den Mertmüdlichen Anstrengungen der Zionistischen Organisation bringen sie ihren innigen Dank entgegen, und aufswärmste danken sie dev englischen Regierung, für! -ihre Sympathie, ihr aufrichtiges Interesse und die ihrer schweren Aufgabe gewährte Unterstützun<g. Israel wird in seine Heimat zu-mckkehren, um dort ein glückliches Leben zu führen. Die Tage der Heimatlosigkeit, Verfolgung und Sklaverei sind vorüber. Palästina wird ein Zentrum nationaler Dyaditilon, jüdischer Kultur und Wist senschaft werden. Schon jetzt ist Hebräisch zu etner lebendigen Sprache geworden, hie man in allen jüdischen Kolonien hört. Di>e Schaffung dev jüdischen Universität ist ein ״fait accompli", und aus allen Teilen der Welt werden unsere jungen Leute ihr zuströmen. In ihrer Freuds gedenken sie aller, die gleich ihnen die Anerksnnung ihrer besonderen Rechte erwarten. Den Arabern und Armeniern senden sie ihre freundschaftlichen Wünsche. Sie wissen, daß die Losung Englands und seiner Verbündeten im Weltkrieg di« Befreiung »der kleinen Nationen ist. Getreu seiner stets bewiesenen Duldsamkeit und Gerechtigkeit hat England fovmiell -erklärt, daß diese« Krieg nicht zu Ende gehen soll, bevor -das größte Unrecht, das Unrecht an dem heimatlosen jüdischen Volk, wiiedergutgemacht ist. Frankreich, getreu feinem GruM-atz von der Anerkennung der Menschenrechte, demzuliebe es die größten Leibeit ertragen hat, sympathisiert mit der jüdisch- ,nationalen Bewegung und gewährt ihr seine volle Unterstützung. Italien, auf dessen Ei-Nigung und Wiedergeburt das Erwachen des nationalen Bewußtseins gefolgt ist, begrüßt freudiy die Wiedergeburt des jüdischen Volkes und erkennt seine nationalen Rechte an. Amerika, gemäß seinen hohen Idealen der Duldung und Gleichheit, das so oft unseren leidenden Brüdern Schutz gewähren mußte, hat durch -den Präsidenten Wilson sein tiefes Interesse am zionistitschen Werk ausgedkrückt und iin seine Kriegsziels das Recht der Juden auf ein freies Volksleben in Palästina m-Aaufgenommen. Ein neues, glorreiches Kapitel unserer Geschichte hat begonnen. Mit Englands und seiner Verbündeten Hilfe sehen wir vertrauensvoll dev Zukunft einer Hoffnung -entgegen, die an dem ms unvergeßlichen 2. Novencher 191 wiedergeboren wurde." Das Kopenhagener Zionistische Büro deröffentlicht das folgende Teleg-mmm -er Norwegischen ZionistenvereinigMü an die englische Regierung:

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