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Jüdische Volksstimme · 1918-11-22 · Heft 25-26 (22.11.1918) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 25-26 (22.11.1918)
Date
1918-11-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Kr. 26-26 Seite 0. sich zwecks Anschluß an dem dort gegründeten Selbstschutzvereine schleuniM anzuschließen und den bedrängten Brüdern Hilfe zu bringen. Nach Zlnhörung der Redner wurde folgende Resoluiion vorig eschlagen und einstimmig anyenommen: Die am 11. November 1918 ip> Wien stattfindende VersMMlung von jüdischen Offizieren und Soldaten begrüßen voll Freude die Grün düng der jüdischen Nationalräte für Deutsch- Oesterreich, Westgalizien, Ostgaligien und die Bukowina, sowiedie -in alldiesen Gebieten gegründeten jüdischen Soldatenuäte und erklären, daß die Juden der ganzen Welt eiine unteilbare Einheit bilden. Gleichzeitig protestieren die jüdischen Offlrziere und Soldaten aufs Nachdrücklichste gegen die eben in WeftigalWen stattfindepdien׳ Juden- Pogrome und geloben feierlichst zum Schutze! ihrer verfolgten Brüder und Schwestern alle ihre Kräfte einzusetzten, dies umsomehr als sie sich jetzt nach der Demobilisierung untätig fern! von der Heimat aufhalten müssen und wenn ihnen Gelegenheit zur Heimkehr geboten wird, ihren Eintritt in djije Reihen der jüdischen Reserven, Westgaliziens als Angehörige ׳des freien gleich berechtigten jüdischen Volkes und zwar!nur zum Schutze desselben vollziehen wollen. Die jüdischen Soldaten varlangen auch Wahrung strengster Neutralität im Bürgerikriie׳- ge zwischen Polen und Ruthenen und fordern daß keiner von ihnen in diesem unMigen Kamp fe verwendet werde. Die jüdischen Offiziere und Soldaten ersuchen den Jüdischen Nationalrat. für Deutsch Oesterreich ijm! Einivsmehmen mit allen zustän. digen Stellen, insbesonders mit dem Jüdischen Nationalrat für Westgalizien die notwendigen Veranlassungen zur schleunigsten Erfüllung dser vorgebrachten Forderungen, vor allem zu einer geordneten, ehebaldigen Heimkehr zu treffen. Das unter Einiem fünfgliedrig gewählte Soldatenkomitee hat sich sofort mit dem Jüdi schen Nationalrat in Deutsch-Oestevreilch in Vorbmdung zu setzen. genkommend, und es muß betont werden, daß dis Regierung eifrigst um die Aufvachthaltung der Ruhe und Ordnung bemüht ist. Der Volksrat wird auch lveiterhin alles, was in seiner Macht steht, tun, um gewaltsamen Ausbrüchen von Judenhaß entgegenzuavbeiien. Dev Volksrat erschien deputativ beim Vorstan'de der Brüinner KultuAgememde und vor!- langte die sofortige Ausschreibung von Kultus- Wahlen. Daraufhin hielt der Vorstand eine Sitzung ab, in der beschlossen wurde, noch im lausenden Jahre die Kultuswahlen dürchzusühven. כבולות — hebräische Monatssschrift. Ausschreitungen gegen die Inden. m!Mitteilungen des jüd. Nationolrates in Brünn. Dev in djen MassenversammluMen am 6. Novembciy 1918 gewählte Volksrat hat sich so» fort konstituiert und hat seine Kanzleien Krapfen׳ gaffe; 19 (Telephon 863). Eine Deputation des Volksrates erschien gemeinsam mit dem Vizepräsidenten des Landesverbandes der mähr. Kultus-Gemeinden, Herrn Rabbiner Dr. Levy, beim ״Narodni vybor" in Brünn, wo dieselbe namens des ״Narodn vybor" von Herrn Dr. Dolansky empfangen wurde. Die Deputation überreichte tm Sinne der gefaßten Resolutionen ein Memorandum, das die Forderungen der Judenschaft nach Schaffung einer Heimstätte in Palästina und ferner nach Gewährung vollkommener politischer und bürgerlicher Gleichberechtigung und nationaler Minderheitsrechte (Vertretung in allen Politischen, wirtschaftlichen und kurturellen Körperschäften) im Lschecho-slowakischen Staate enthält. Mit Befriedigung kann festgeftellt werden, daß die vorgebrachten Forderungen volles Verständnis fanden und die nationalen Wünsche des Judentums mit Sympathie entgegengenommen wurden. Wir können berechtigt hoffen, daß im tschecho-slowakischen Staate alle unsere Forderangen erfüllt würden, sobald der Friedenskongreß, was sicher geschehen wird, zu unseren Gunsten entschieden haben wird. Die Frage der jüdischen Flüchtlinge Leschäftigt den Volksrat unausgesetzt, «der hiebei den Standpunkt vertritt, daß mit der von der Regierung in Aussicht genommenen Repatriierung der Flüchtlinge solange zugewartet werden solle, bis es die derzeit trostlosen Zustände in Galizien gestatten. Sein besonderes Augenmerk wendet der Volksrat den leider sich immer mehr hausenden Fällen von schweren Ausschreitungen gegen Juden, namentlich im südöstlichen Mähren, zu. Jeden zur Kenntnis gebrachten Fall machte der Volksrat zum Anlaß einer Intervention bei den kompetenten Behörden und forderte schleunigsten Schutz und Sicherheit für die bedrohten Juden. Die Behörden zeitigten sich äußerst entge- Furchtbare Pogromstimmung in Polen. Ein Jude in Warschau und sechs Juden Siladlce gjetötet. In ganz Polen herrscht eine furchtbare Pogromstiimmung. In Warschau schießen die polnischen Legionäre, die es übernommen haben die Ordnung aufrecht zu erhalten, wahllos aus. jüdische Paffanten. In Warschau wurde ein Jude! und in Siadlce sechs Juden von den Polen ge»' tötet. An den judenfeindlichen Exzessen beteiligt sich nicht!nur der Mob, sondern!auch Studenten und gebildete Kreise. Pogrome in Polen. Diü Warschauer Zeitungen vom 11. November bringen Meldungen über Judenpogromie in Warschau. Juden wurd enqus den Tramwayen gezerrt und aufs schwerste rnWandielr. Es kam zu blutigen Ausschreitungen. In der ganzen Stadt herrscht Panik unter der jüdischen Bevölkerung. In letzter Stunde kommen neue höchst ßt» unruhigende Nachrichten aus Marschau und! der polnischen Provinz. Es ist zu furchtbaren Greueltaten gegen die Juden gekommen^ Die Ausschreitungen gegen die Juden in PrzemySl. Der JüGschs Nationalrat berichtet darüber: Sofort nach Besetzung Ljer Stadt durch Polnische Truppen xm 11. b. hat diie Plünperung jüdischer Geschäfte und Wohnungen begonnen. In der Nacht vom 11. auf den 12. d.wurden vierzehn in der Hauptstraße (Franz,iskanska) befindliche jüdische Geschäfte von unifovmiMen Legionären erbrochen und von ihnen ausgeraubt. Noch am Hellen Morgen wurden Waren von dort weggKria-gen und auf den Wo, Exzessen in Chrzanow wiirjd berichtet: Seilt ein!igen Weggeführt-. Die Polnischen MiMärposteun(ir im י׳ז^יי־י׳» Hörden in den Dörfern verteilt wird, brachte einen Leitartikel, idjer folgende Stelle enthielt: ״Wenn ihr bemüht sein werdet, jeden sich bietenden Nutzen!odnzuheijmisen, so wird der Jude gezwungen sein, von dannen zu gehen." Dev Minister ging in seiner Hetze so weit, daß die Zensur sich veranlaßt sah, eiilnige Stellen aus dem Leitartikel zu streichen. Derselbe Minister, der zugleich Universitätsprofeffor ist, sammelte an der Spitze eines aus Professoren und Literaten bestehenden Konritäas 200.000 Lei zum Zwecke der Wiederherausgabe dev berüchtigten antisemitischen Zeitschrilft ״Semanatorul". Der frühere Judenfreund׳ Mille entfaltet eine Propaganda! des Boykotts gegen die ״Fremden", d. h. gegen die Juden, uW fordert zu ihrem vollständigen wirtschaftlichen Ruin auf. Die Hetzpropaganda hat eins so vergiftete Stimmung geschaffen, diaß Judenpogrome erwartet werden. Die jüdische Bevölkerung empfindet die Notwendigkeit der Organisierung eilies Selbstschutzes, ׳aber ׳der Gedanke kann nicht verwirklicht Werden Wegen der Unmöglichkeit, Waffen im freien Handel zu erwerben. Dagegen aber erhalten die schwärzen Banden Waffen aus den Depots der Armes. Die jüdische Bevölkerung fordert dringend sofortigen Einspruch und Intervention dev iin-! tevnationlalen Welt. Plünderung jüdischer Läden und Wohnungen in Falkenau. Das Standrecht verhängt. Am Mittwoch kam es iki Falkenau zu gro׳ ßen Ausschreitungen, die offensichtlich nach einem bestimmten Plane organisiert waren. Schon in den Vormittjagsstunden war eitw starker Zuström von Leuten aus den Dörfern, naich der Stadt bemerkbar. In den frühen Nachmittagsstunden bildeten sich Banden, und! sofort setzte auch der Ansturm auf!einzelne Geschästsläden ein. Die Wut dev Menge richtete sich gegen die Juden. Einzelne Läden wurden gänzlich ausgeraubt. Selbst vor Privatwohnungen wurde nicht Hält gemacht. Stundenlang ׳durchzogen die Leute mit!ihrem- Raube die Straßen. Das Plündiern währte bis in die späten Nachtstunden unv hörte erst nach Eingreifen der eilends gebildeten bewäfftysten Judenwchr auf. Der bereits am Sonntag gebildete Sichepheitsausschuß hat Vollständig versagt. Am Donnerstag früh wuchs über Falkenau das Stanjdrecht verhängt. Von Eg-er ist eine Abteilung NationalgMde einge» troffen. Judenpogroms in Galizien. Die Blätter veröffentlichen fortgesetzt Nachrichten über Judenpogroms in Lemberg. Zu den haben die Plünderer weder gestört noch aufgr halten. Unter׳ dem Vorwand, daß von jüdischem Seite auf die Polen geschossen wurde, sind am nächsten Tage und in den folgenden alle jüdische Wohnungen dujychgestöbevt und vielfach ausgeraubt worden; dabei ist d>er Jude Abraham Rorter getötet worden. Es gilbt kein Wisches Haus, in welchem die uniformierten Räuber nicht die meisten Wertsachen konfisziert hätten. Bei! emzelnen Bürgarn wurden Beträge von 50.000 bis 80.000 Kronen geraubt. Besondere Banden von Legionären überfielen den Tempel und die Belzev Klaus, zerrissen Thorarollen und richteten scheußliche Verwüstungen an. Zwanzig Juden wupden getötet, etwa achtzig verwundet. Dienstagt, den 12. d. in der Früh würden alle auf der Straße angetroffeinlen Juden sowie alle Angehönigen der jüdischen Miliz verhaftet, unter Schimpfwörtern und Kolbenschlägen itn eins Kaisevne geführt, dort unwürdig behandelt und erst nach zwei! bis vier Tagen freigelaffen. Keinem einzigen Juden ist irgend etwas Böses nachgewiesen worden. Seither stockt.alles Leben in der Stadt. Judenpogrome in Rumänien befürchtet. Ein dringender jüdischer Appell um Rettung. Eine äußerst heftige antisemitische Hetzkampagne hat in Rumänien «ingetsetzt. In stark verbreiteten Hetzaufrufen wird die Bevölkerung direkt zum Massenmord der Juden aufgefordert. Die ״Duminica Poporuhm", das Blatt des gegenwärtigen Kultusministers, das durch die Beger Zeit bestjandsn. schon in Chrzanow infolge von Verschiedenen ׳anrtijüdischen Exzessen in den benachbarten Städtten und Dörfern eine jüdische Selbstwehr, der es bis gestern gelungen war, die nach de)v Stadt strebenden Banden, die aus Banden und Arbeitern der Nachbardärfer bestanden, zu vertreiben. Nachmiittags wurde die jüdische Milliz von den polnischen LeOonüren, dle den SitcherheiitMenst übernommen hatten, mit Gewalt entwaffnet. Sofort verstärkten sich die am Ringplatz zusammengeströtmiten Bandön und es kam zu eitEm schrecklichen Ppgrom. Die Menge stürzte sich auf die jüdischen Geschäfte und alles wmtde ausgeriaubt und׳ ausgeplündert. Dl>e Plündetmngen dauerten Tag untd Nacht. Nach vollständiger Ausräumung der Geschäfts ging es üb!sr die jüdischen Wohnungen. Unruhen in Ungarn. In Maramarosßiget haben ׳die heimkehren»׳ den Soldaten wahre Pogwms arraWiert. Den plünder-ndsn Soldaten schlossen sich rumänische Weiber an und nun wurden dhe Plündereien in größerem Stil fortgesetzt. Seit diesem Tage kalm,en in der Stadt ähüikiche Vorfälle nicht wieder' vor. Am 7. d. kam die vom ungarischen Zi'onistenverband gesandte erste Zivnisten-Brachiültruppe in der Stadt an. Ein Teil der Truppe zog am 9. d. nach Kalifalva, wo sie nach kuntzer Zeit Äße Ordnung wieder herstellte. Von hiev marschierten die Zionisten nach Ganha, dann nach Dombor, wo 170 jüdische Familien von ihvetn Wohnsitzen vertrieben wurden.

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