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Jüdische Volksstimme · 1918-11-22 · Heft 25-26 (22.11.1918) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 25-26 (22.11.1918)
Date
1918-11-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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- » *■ - M v 25-26 Der Jüdische Nationalrat für Westgalizien. (Ein Pole gegen die Assimilanten.) Vorige Woche konstituiisrte sich wie ׳bereits gemeldet, in Krakau ein Jüdischer Nationalrat für MestgÄlizien, der sich aus je fünf Vertue, tern IdM zionistischen, poale-ziicm/istischen und jWsch-sozital'demokr-atischen Pa.rtei zusammensetzt. Van zionistischer Seite gehören dem Nationalrat an die Herren Dr. Thon, Dr. Feld»- blum, Dr. Wahrhaftig, Schnruel Spiim und Dr. Schwarzbart als Mitglieder und Dr. ZiMmermann und Leistneir als StellvertreM. Im Präsidium, das aus je einem Vgchreter der 3 Parteien besteht, sin-d die Zionisten durch Dr. Thon vertreten. der Botschaft Masaryks an Äiie zionistische Orjganisation Amerikas Kenntnis und Mtiet Masairyk und der Washingtoner tschechoslowakischen Regierung den Dank der nationalen Juden des tschecho-slowakischen Staates zu übermitteln." Diese Dankeskunidgebung wurde vom zioMstischcn Bureau in Kapenhagen an Professor Masalvyk im Washington übermittelt. Der Nationalrat erließ ein Manifest cm die Juden, wvmin djie!rational-jüdischen Postulate und diis. Aufgaben ,des NR. kurz skizziert und die Juden zur Mitarbeit aufgemfen wenden. Namens des I. N. N. begaben sich Wie Herren Dr. Thcm, Dr. Wahrhaftig, Dr. Schreiber, Dr. Guttmanin und Dr. Schipper! zu der polnischen Liquidationskommission, um ihr Me Gründüng des I. N. N« und die Fovdiemngen des jüdischen Volkes zur Kenntniis zu bringen. Der Sprecher ldev Deputation, Herr Dr. Thon, ,erklärte in Anknüpfung an den Aufruf der P. L. K. «an Me Juden, daß das jüdische Volk bereit sei, am dem Aufbau eines unabhängigen, geeigneten und freien Polen!nMzuarbesiten, wobei er -die im Manifeste enthaltenen Postulate darlegte. Schließlich appellierte Dm. Thon am׳ die P. L. K., den in Galizien üborhaindnehmenden antisemitiischen Erzessen auf dtas energischeste snigegenzuwirken und entsprechende Anordnungen zu treffen. Der Präses der P. L. K., Dr. Tertil, nahm die Erklärung des I. N. R. zur Kenntnis und versprach, die gestellten Forderungen der Ple-!ravvövsammlung der P. L. K. vorzulegen und zu unterstützen. Hierauf erklärte der zweite Präses der P. L. K., Dv. Ptas, Üah das polnische Volk den Der Wiener jüdische Nationalrat an die amerikanischen Juden. Justice Louis D. Brandeis, Washington, D. C. Jüdischer National'yait für Deutschöstevvsich entbietet dem Führer des amejrikaniischen natilolen Judentums den herzlichsten Gruß. Jüdischer Nationalriat beglückwünscht Me Brüder ijn! Amettlifo zu «der großartigen Haltung des amovikanijschen Judentums in den׳ schweren Zeiten des Krieges und »daM ihnen für ihr treues Zusammenhalten m!i>t dem ganzen Volke. Wir hoffen, daß ein baldiger Friede auch uns die Möglichkeit geben wijvd, Wieden Hand in Hand mli/t .ihnen im Dienste unseres Volkes zu arbeiten. W-ir rechnen damßt, daß Sie auch in den kommenden schweren Tagen des Wiederaufbaues helfend zu uns stehen Werden. Gleichzeitig bitten wir, Päsidsnten Wilson den tiefempfundenen Dank der österreichischeu Judenschaft für soino großherzige Fürderung der nationalen Bestreibunigen des Judentums zu übermittelt Jüdischer Nationalrat für Deutschöstorrreich. Jüdisch-mohamedanische Texten km Orient. Versammlung jüdischer Frauen. Sonntag, 10. November, fand in den Reichshallen die stark besuchte, vom Jüdischen Nationalvorein einberufene und von Frau Erna Patak präsidierte Fyauenversammlung statt. Dr. Finkelstein übsrbrachte ldlie Grüße!des JÜdischen Nationalvates, der das Stimmreicht der Frau als -etwas Selbstverständliches betrachtet. Frau Eva Salzer begrüßt das Erwachen dar jüdischen Frauen zur selbständigen Tätigkeit und fordert!den vollen Einfluß der Frlau in der jüdlscheu Schule und in!der Erziehung Mir Jugend im nationale Sinne. Oberleutnant Margulies überbringt die Grüße des Jüdischen Soldatenra Fordsrunigen dsr jMschen Bevölkewung stets tez. Dann ,Mach F«m Amtta Müller Sb-r das geneiigt war, und daß das Haupthindernis in, der Realisierung der jüdisch-nationalen Postulate die stlüheren Vertreter der Juden, z. B. di«e Herren Löwenstsin, Kolischer u. a. gewesen seien. Die beiden Präsidenten der P. L. K. betonten, daß Me P. L. K. als provisorische Behörde nicht berufen sei, über gvun-dsätzliche Postulate des jüdischen Volkes in Polen zu entscheiden. Dies oblilgs lediglich dem künftitzen Polnischen Landtag. Hingegen sei die P. L. K. bereit, in laufenden Angelegenheiten sich Mit dem I. N. R. in Krakau zu verständigen. Hierauf wurde die Depütativn in Angelegenheit des angesprochonen Schutzes für Me bedrohte jüdische Bevölkeru-ng an die »betreffenden Referenten Graf Lasocki und Dettmajer gewiesen. Im Einvernehmen mit der P. L. K. übernahm, das dem I. N. R. unterstehende Komitee der jüdischen Solidsaten die Organisierung der jüdischen Offiziere und Soldaten zum Zwecke des Schutzes der jüdischen Bevölkerung in Kra. kau und in der Provinz. Der. an die jüdische!» Soldjaten gerichtete Weirbeaufruf ׳i/st vom I. N. R. und von der P. L. K. gezeichnet. Erwachen der jüdischen Seele in dev schweren Kriiogszett, welche Me jüdische Frau demokratksiert und national zum- Judentum zurüchgieführ! hat. Nachdem Fräulein Schor jüdisch für die Poale ZivNi, Fräulein Rohatyn für den jüdlschen Mädchenverein ״Mariah", Frau Dr. Orenstein für den Verein jüdischer Hochschülerinnen gesprochen, brachte Frau Patak die Resolution des jüdischen Nationalrates -und eine EntrüstungskundgeLuaig anläßlich dev neuerlichen Pogroms namens der Flauen jüdischer Nation zur Abstimmung!. Jüdische Flüchtlinge im tschechischen Staate. Kunlllckiau. Der Dank der böhmischen Juden an den tschechoslowakischen Staat. Wie Wir in einem Telegramm aus London gemeldet haben, hat Professor Masaryk in eijneir Kundgebung -an die! Zionistische Organisation Amerikas die Gleichstellung »der Juden -ihn« tschechoslowakischen Staate angekündigt und seine Sympvtir für den Zilonismus zum Ausdruck gebracht. Als diese Nachricht in Pwg eirvtraf, rich- Lete der Vorsitzende des jüdischen Nationalvates Böhmen Dr. Singen: folgendes Telegramm Im tschecho-slowakischen Staate weilen der- 18.000 jüMsche Flüchtlinge aus Galizien, die nicht heim kehren können, dv ihre Heimat zerstört ׳ist. In Böhmen sind 10.000, in - Mähren 7000, in Schlesien 1000. Der Jüdische Nationalrat in Prag wendete sich im Interesse -dieser Flüchtlinge an den Abgeordneten Reizes, dev mit dem Redakteur Wechsler bei/m! tschechischer, Gesandten in Wien, Tusar, vorsprach und ihm das Ersuchen vorlieg-te, man möge Mose Fluchtlinge einstweilen noch im tschecho-slowakischen Staate lassen und ihnen die Unterstützungen wie lieber diesen Gegenstand hielt Herr Dr. I. E! s e n b e r g am 30. Oktober im ״Deutschen Verei/n für Volkskunde und Sprachwissenschaft" zu Prag, Deutsches Haus, einen, fesselnden Vor. trag. Seime AusführunDen beleuchteten den Ursprung, Entwicklung und Verfall einer Bewepn«g> welche die Leiden der Menschheit am! Beginn des 17. Jahrhunderts heraufbeschworen, Leiden, welche an die der Jetztzeit erinnern. Im südlichen Spanien wütete »Me ׳blutdürstige In quisition, so zu sagen -die spanische Krankheit, ln Osteuropa zogen Me Kosakemhorden Chmelnickys von Stadt zu Stadt, überall sengend und plündernd, das war der damalige Bolschewismus, ujmb Mitteleuropa lag infolge des dreißig jährigen Krieges W Schutt und Asche da. Was Wunder, daß diese Grausamkeiten einer ftrifte ren Zeit (büc Hoffnungen der Juden auf Palästina von Neuem entflammten und ihnen sogar einen Messias in der! Person des Sabbatai Zewi zuführten? — Dieser legte aber auch Hand an das rabbin'ische Judentüin, indem er es mit christlichen Dogmen und» islamischen Vovstellungen durchsetzte und so eiine neue Theosophia schuf. — Der eigentliche Sohorvers (II 232) ״Dke Js!m!aeliiten werden dereiust Palästina besetzen, Me Juden vertreiben und bei Jerusalem, große Schlachten zu Latnd und zu Nasser aufführen, bis Palästina den chrMijchen Kämpfern alK Beute fällt usw.", welcher Vers sowohl auf die Kreuzzüge als auch auf den gegenwärtigen Weltkrieg bezogen werden kann-, ließ ihn nicht ruhen, um Palästina doch den Juden zu erkämpfen. — Er bediente stch jedoch keiuer Kampfmittel, sondern lediglich kabbalistischer Gebete und mystischer Lehren. Als er den Islam an/genommen hatte, setzte er diese Theorien in die Wirklichkeit um und gründete die erste jüdisch-mohamedauische Texte. Diese bildete den Ursprung -der noch gegenwärtig in und um. Salonikilebenden Sekte der ״Döhme", welche vor dem Weltkriege gegen zehntausend Familien zählte. Ihr Ritual erschien als Konglomerat von jüdischen, mohamedcmischen u!nd nritunter auch christlichen An-- schauungen, ihre Mitglieder besuchen Synagogen unjd Moscheen und trachteten beiden Religionen gerecht zu werden. (Vgl. den Artikel ״Döhme" in ״Enzyklopädie des Islam" I, von Dr. Eisenberg.) Die Balkan- sowie Me Weltkriege und di!e Grausamkeiten der Zei«t dürften -auch die, Mitglieder dieser Sekte derart dezimiert ha« ben, daßnach dem Frieidienschlusse von ihnen nur Splitter zurtückbleiben dürften. Aber auch jene Wirwköpfe, welche als Epigonen dien Glauben an den falschen Messias Sabbatlai in Osstovrei-ch, Deutschland usw. e-inzubürgern suchten, erörtert!e d!er Vortrag in lichtvoller Weise, was hier nur angädeiutet worden kann-. — Das Auditorium spendete diesen Ausführungen aufrWlgen Beifall. Ausschreitungen gegen die Juden in der mährischen Slowakei. Die Jud:enpogr!ome in Polen und m der ungarischen Slowakei gnisfen auf die ntährische Slowakei über. Wie Ms berichtet wird faudecn in mehreren Orten -wie Ung.-Brod, Ung. Ostra,^ Wessely, a. M.. Weribotz. Gr.-Pawlowitz, so wie in den Dörfern hier Umgebung Plünderungen gegen die Juden statt. In Aen miei'sten Fällen wurden, die Juden gezwungen ihr Hab und Gut im Stiche zu lassen und zu flüchten. Auch jetzt ist noch die Lage in vielen Orten besorMisevregend a! V re u B H D de hc te » Kt bisher auszahlen. Tusar erklärte, daß ar schon j ist zu ^^^n, daß ^r ״Navchni ^bor aus M-nWichkMSrücksicht-n dieses.Ersluch-n.s°.--1?!!! an -das Zionistische Zentralburoau i/n, Berlin: ״Der jüdische Nationalra/t für den tschechoslowakischen Staat nimmt Mit tiefer Bewegung von fort telephonisch dem tschecho-slowakischen Rationailausschuß in Prag vorlegen werde. Unter ein!em werde er die Weisung erteilen, Dr. Alfred Enlgel, Mitglied des jüdischen Nationalausschusschusses in Prag, deshalb ijn den tschscho-slowakischen Nationalrat zu berufen. Er habe dem Bezirkshauptmann in Unyarisch-Hratdisch -die Woisung erteilt, daß er Me zweihundert Flüchtlingskindsr, die in dem dortigen Lager, wohnen, an- -Lerswo entsprechend unterbringe, weil «dieses Barackenlager zur Unterbringung dtetv durch den Vlavapaß marschierenden Armee nötig sein wird, und fügte hinzu, daß arme Kindew auch dü,rch kriegerische Maßnahmen nicht leiden dürfen. eilnwirken wird. Der ״Jüdische , Brütnn hat in den einzelnen Fällen interveniert, und Unterdrückung der Unruhen energisch gefordert. Jüdische Volksversammlung Brünn. in Donnerstag, den 21. November fand im großen Saale der Schwechater Bierhalle eine vom Jüdischen Volksr/ate in Brünn einberufene Volksversammlung statt. Der große Saal kos!nte die nach Hundjorten zählenden Personen mw* fassen und so mußten die im ersten Stockwerke befindlichen Lokalitäten für eine zweite Ver׳ B< B< B, Bl Bl C4 Dl Fi Fi 0< 10 Ki Mi M N«

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