Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIX (1918)
- Issue
- Heft 23-24 (30.10.1918)
- Date
- 1918-10-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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*t. 2324־ ^Ilchifche Srite ö. legt werdtu sollen. Ein solcher kann aber nur dann Zustandekommen, wenn die gerechten Fordsvungen aller Nationen, den kleinen wie der großen, erfüllt werben, und wenn׳ für eine jede Nation die Möglichkeit geschaffen wirjp sich bei Entfaltung der ihr innewohnenden Kräfte und Fähigkeiten ikt den Dienst der Menschheit zu stellen. Auch das jüdische Volk erhebt in dieser historischen Schicksallsstunde seine Forderungen. In dem Friedonsinistrument muH ilhmi gesichert werden: 1. Die Festsetzung Palästinas in den durch geschichtliche Ueberlieferung und drrvch politische und ökonomische Notwendigkeiten bestimmten Gvenzon als national Heimstätte ׳dies jüd. Volkes, sowie div Schaffung der Vorbedingungen für den! ungehinderten Aufbau; 2. die volle und tatsächliche Gleichberechtigung der Juden in׳ allen Ländern; 3. ,die nationale Autonomie auf kulturellem, sozialem und politischem Gebiet, sowie aller anderes Länder, falls deren jüdische Bevölkovung Anspruch ׳auf sie ׳erhebt. Wir fordern die zionistischen Verbände aller Länder, auf, diese Forderungen des jüdischen Volkes vor den- Regierungen und der öffentlichen Meinung des Landes zu vortreten. Das jMsche Volk muH in den Bund der freien Nationen als gleichberechtigtes Glied emtreten. Gez.: Die zionistische Oyganffation, Kopenhagener Bureau D!r-. V. Jakobson. Die Mederbringung der Thorarollen nach Jaffa. Mr haben vor einiger Zeit van einer Feier Ln Jaffa berichtet, die zu Ehrender Rückkchr der Thorarollen veranstaltet worden war. Ueber diese Verunstaltung liggt nun ein ׳ausführlicher Bericht vor. Als die Bevölkerung-1917 evakuiert wurde, nahm sie die Thovariollen mit sich, damit sie nicht Len türkischen SoMtlen in die Hände fielen. Sie wurden ׳djen Kolonien iin Petach Tikwiaih zur Aufbewahrung gegeben uGl nach der Rückkchr der Bewohner von Jaffa in feiierlichom Zug in die Stadt zurückgeb>mcht. An der Nordgrenze von Tel Awiw war ein Triumphbogen errichtet, jedes Haus war mit Blumen geschmückt und, die ganze Kolonie festlich hsvgeriichtet. Diie Mitglieder des Turnvereines ״Makkabi" in׳ blau-weißer Kleidung folgten für die Ordnung. Dam Zug ging die australische Militärkapelle voran-, und Der Feier am Triumphbogen wohnten der! Militärgouverneur sowie die Mitglieder der zionistischen Kommission bei. Per Chachm Baschi hielt eine hebräische Ansprache. Unter den Klängen des Schofar wurden die Rollen unter Baldachinen vom Obervaibbiiner Dr. Wsizmann und anderen nach den Synagogen, denen sie gehörten, getriagen. Vor!dem Eintritt in die Synagogen wurden Gebete ׳gesprochen. Auch der Nachmittag wurde festlich begangen. Züge von blumengeschmückten Schulkindern׳, JemMiten mit jungen Lämmern und Ziegen -auf den Schultern und! Palmzweiigen iin, den Händen, Erntewagen׳ und Pflüge mit Halmen, Immergrün und Blumen geschmückt, bewegten sich durch die Straßen, Schulkinder verkauften Blumen und Konfetti, deren Erlös dem von den zionistischen Lehrern begründeten Fonds zur Uobersetzung und Herausgabe eMsicher Literatur ins Hebräische zuflieHt. Am Mend vevcm- Miete der ״Makkabi" ckn Turnfest. Ein Befehl. Ein Seitenstück zu dem österr.-ung. Militärbefehl in Mrchny DInieprowsk biildetd der folgenide Befehl zu dem sich jeder Kommentar erüb- K?u. k. Etappenstationskommando in Cherson. Einfluß der Jndepschaft auf die McmnMt. An den Rabbiner von .... Feldpost 436, am 25. August 1918. Im Aufträge des Armeeoberkommandos ge- Lei ich Ihnen Nachstehendes bekannt: Es ist,erwiesen, daß einzelne Angehörige der jüdischen Nation es versuchen, -unsere Solbaten zu Vergehen nud Verbrechen in ar) politischer Richtung, b) in wirtschaftlicher Hinsicht zu verleiten (Diebstahl. RE, verbotener Handel mit Waffen usw.) — Es ist begannt, wie solidarisch die gesamte Judenschaft Zusammenhalt und vorgcht. Um eiikP Abhilfe im Vorgehen meist nicht erckwbarer Einzelner zu schaffen, müssen wir die gesamte Judenschaft zur Verantwortuing ziehen. — Daher möge die gutgesinnte, anständig denkende, nur auf bürysrilichen Gewinn hirmrheitende Judenschaift die schlechten Elemente an ihrem schädlichen und zersetzenden Treiben hindern; tut sie das nicht, macht sie sich mitschuldig und׳ mUH dann die Folgen tragen. Die Folgen sind: Kontribution auf die Judenschaft, Sondermaßnahmen gegen dieselbe. Wenn die guten Elemente!der Judenschaft fürchten, daß die alte Stimmung der Bevölkerung -gegen sie auslöst, dann! ist es umso dringender, diesem schädlichen Treiben Einhalt zu tun. Die Rabbiner als in jeder Beziehung führende Organe der Judeuschaft, haben es inder Hand, Aas Anisehen und die Ruhe der Judeuschaft zu wahren. Mit idem Glauben hat die Sache nichts zu tun. K. u. k. Etappenstationskommando. Unterschrift. Im besetzten Palästina. Sehr interessante Nachrichten bringt die neueste Nummer des ״Boten aus Zion" vom Heiligen Lande. Die kriegerischen Ereignisse sind dort seit der Einnahme von- Jerusalem ׳durch die Engländer zu -einem gewissen Stillstand gekommen. Ein Durchbruch des englischen Heeres nach dm Norden ist dank der Tapferkeit der türkischen und deutschen Truppen mißglückt; der Vorstoß ins Ostjordanland hatte ebenfalls nicht den gewünschten Erfosg. So ist also die militärische Lage des verbündeten türkischen und deutschen Heeres in Palästina! durchaus vertrauenerweckend. — Das Schicksal der Bewohner, auch der Deutschen, im von den Engländern besetzten Gebiete darf nach den bis jetzt elingetrvffenen Nachrichten als befriedigend bezeichnet werden!. Soweit sie in Jerusalem wohnten, sind sie fast durchweg unbelästigit geblieben. Den Spitälern Wurde durch die englische Militärverwaltung Brot, Getreide und Milch zugewiesen. Auch durften sie!bisher ihre Arbeit ungehindert weiter treiben. Ihre Getreibevorrate durften die Deutschen größtenteils behasten. In Jaffa und der Küstengsgend verfuhr man strengpr. Die Felder und Weinberge bei Jaffa wsrjdtzn durch arabische Arbeiter besorgt; die Orangegärten mußten -an Eingeborene verpachtet werden. Mangel an׳ Nahrungsmitteln scheint nirgends zu herrschen; es gibt sogar Reis, wenn auch zu hohen Preisen. Für die! eingeborene BevölkruM, Aer-en Not ja sehr groß war, ist durch reichliche ArbeitsgeleMuheit gut gesorgt worden. Einen gewaltijgen Fortschritt für den Verkehr bilbet dije nunmehr vollendlete Eisenbahnverbindung zwischen Jerusalem und Kairo. Die Bahn ist zweigleisig angelegt. Einen weiteren Fortschritt bedeutet die verbesserte Wasserversorgung Jerusalems. Es soll der Stapt, die bisher im Wesentlichen auf die ungenügende und in gesundheitlicher Beziehung durchaus nicht einwandfreie Versonguin-g durch Zisternen Wasser angewiesen war. nunmehr gesundes Quellwasser aus dom Am Arruhb südlich von Hebron zugeführt werden. Traurig sind dagegen!die Geldverhältnisse. Das türkische Pjapievgeld wird von den Engländern nicht in Zahlung genommen. Auch in vielen Geschäften gilt es nicht mehr als Zahlungsmittel. Für Papiergeld im Werts von etwa 260 Mark (13 türkische Pfund) ׳erhält >mvu!etwa 20 Mark. Welch empfindliche Verluste dadurch-die. ohnedies schon sehr verarmte Bevölkerung erleidet, kann' man sich -denken. — Günstig ist die Lage der! Indien. Nach Jaffa sind ihrer bereits wieder 5000 zurückgekehrt. Die englische Regierung begünstigt offenkundig die Bestrebungen des Zionismus. Ei-n! hervorragender Vertreter dieser Bewegung Major Norman Bentwich, ein Juble, frmrlbie von ihr zum General- Prokurator und Apellationsrichter der vonden Engländern besetzten Teile Palästinas ernannt. Schekelpropaganda. Die zionistische Föderation in England! hat eine großzügige Schekelpropaganda mit der Ab- Haltung einer außerordentlich stark besuchten zionistitschen Demonstmttonsvsrfammlung im! Pavillontheater in Loojdcm eingeleitet, in der Nahum Sokolow als Redner austrat. Die Föheration hofft in diesem Jahre 50.000 Schekali-en au-f zubringen. Die Poale-Zion ihrerseits führen eine getrennte Schekelaktion durch, die sehr erfolgreich zu werden verspricht. Zwanzigtausend Juden in Sibirien in schlimmster Not. — Die Sendung von Hilfsgeldern nach Rußland in Amerika untersagt. Herr Samuel Mason, der von der Hebrew Jmjmignant Aidsociety in Newyork nach Japan unjh Sibirien entsentdet war, um die Lage der jüd. Heim-losen und Emigranten zu untersuchen, ist von seiner Reffe zurückgekchrt. Er berichtet, daß in Sibirien allsijn, sich 20.000 Juden befinden, die i!n schrecklichster Not leben. Mit den von ihm mitgebrachten Hilfsmitteln konnte er nur für eiinige Zeit das Elend von 2000 Personen mildern. Leider weMn die amerikanischen Juden für diese Unglücklichen wie überhaupt für die zahllosen jübischen Opfer des ׳Weltkrieges und des Bürgerkrieges in Rußland bis auf weiteres nichts Lun können, penn ein weiteres Londoner Telegramm meldet uns: Die amerikanische Regierung Hai die Ueb.srweisung von Hilfsgeldsrn -nach Rußland für die Kriegsopfer verboten. Dieses Verhängnisvolle Verbot wird offiziell mit ׳der. in Rußland herrschenden Anarchie begründet. Wie bekannt, dürfen Lerieits seit Monaten keine Hilfsgeider aus A-mier-ika nach LithaUen gesendet werden. Beide Verfügun'gen bedeuten den empfindlichsten Schlag für Woße Teile des jüdischen Volkes, die zur Er- Haltung ihrer nackten Existenz auf die Hilfe der amerikanischen Judenheit angewiesen sindi. Der Völkerbund und die Juden. Das Jüdische Pveßbureau in Stockholm melbet: Zur Einladung der zionistischen Weltorganisation «durch die elnlglische Gesandschaft in Kopenhagen zur Frage des Anschlusses ׳des südischen Volkes an! die geplante Liga der Nationen sich zu äußern, schreibt ׳der ״Raswot", -das Organ der russischen Zionisten: ״Die offizielle Zuschrift der englischen GefaMcbaft -cm die zionistische Organifation bchieutet, daß England und wahrscheinlich auch seine Verbündeten es für möglich halten, das jüdische Volk in den Völkerbund aufzunehmen. Diese AnerkeunmW der Gleichberechtigung unseres Volkes auf d>em Gebiete der internationalen Politik ist ein Ereignis außerordentlicher Wichtigkeit, ׳ein Ereignis, ׳dessen Bedeutung hgute noch nicht vollständig gewürdigt werden׳ kann. — Wir haben -es hier mit einem neuen SchMt auf dem Wege zur AnerkgMung der jüdischen Nation zu tun, dem zweiten nach Ae!r bekannten englischeu Erklärung Wer Palästina. Die innere idielle Verbindung zwischen beiden politischen Erscheinungen liegt auf der Hand, da erst nach der vollständigen Anerkennung des Rechtes der Juden auf ein eigenes Territorium und auf eine autoMme politische Existenz von ihren Rechten ajuf dem Gebiete des internationalen Zusammenlebens die Rede sein konnte. Wir Mep׳ jetzt eine höchst WierzenMnde Bestätigung dieses von den Zionisten wiederholt ausgesprochenen Gedlan-kens, daß unsere Bemühungen um eine internationale Anerkennung der jüdischen Nation die, Forderung njach einem nationalem Ceintrum in Palästina zum Ausgangspunkt halben müssen. Koreefponäenzen. ״Knopfmuseum Waldesianum" in Prag. Die Prager Jludnheit erlebte am 25. v. M.. einen Ehren-- und Freudentag. An diesem Tage übergab der Gwßmhinstrielle Herr Heinrich Waldes sein -neujgeschaffenes ״Museum dar KleHerverschlüssle aller Zeiten und Länder", ein Wahr- Zeichen menschlichen Schaffens und menschlichen Könnens, der Oeffentlichkeit. Die zahlreich erschienenen Ehrengäste, Vertreter der Mmistsrien, der Staats- und Lcmdesbehörden, dev Wissenschaft, Kunst und ׳der Presse׳, -mögen gewiß ein Gefühl des Neides empfunden haben, daß der Initiator dieser eigenartigen Schöpfung ein Jude sei. Dieser Mäzen, welcher Eier Menschheit den vervollkommneten KleiÄsrverschluH, dien Druckknöpf, geschenkt, stiftet nun auch ein Museum, eine Smmelstätte sämtlicher KleidewerMüsse aller Völker -der Vergangenheit und Gegenwart. Wenn man die Schätze, welche die weiten und ele-