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Jüdische Volksstimme · 1918-10-30 · Heft 23-24 (30.10.1918) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIX (1918)
Issue
Heft 23-24 (30.10.1918)
Date
1918-10-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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,f. 23-24. ״Mische SM»lN««e" «rite S ^lnvm-stand und UnkemrtilviSs in Sachen des Ost- Atejchem, ostjüdischcr Sagen usw., zur Hand, sie Ä'Ä-Sf' “1־•״*""äj-n״, fo 0.1. >o- «£ ,**״. *, Zu«P imtnbe die ung-rqch- G-sMchaft g-. ’ob־״ Aschen dc«tschor Sprach-W.Mdi« Juid-n dps Os« gchctzt. nun hat der!״*יי <« «uch honte nach von Produkten monier lntisemi/tismus in Ungarn sein Haupt schoben Ueberslctzungsfabrikanten. Für diese Flut gibt es sticht nur gegen die Ostjuden, sondern! auch gegen diejenigen Juden, welche sich uni das UnMrtum!!,:!!sterbliche VeMlenste erworben haben. Das Interesse des Judentums verlangt es Häher, daß ohne Rücksicht auf Sy'mjpathie ode!y Antipathie gegen den jüdischen Antisemitismus, der die Gefahr in sich dingt, das jüdische Volk in zwei feindliche Lager zu spalten, von jüdischer Seite sehr -energisch vovgegangelt wende, ehe es zu spät sei. Denn nur wenn Win alle einig seien, würde dis antisenMische Flut, welche den Damm Mer Kultur und Zivilisation zu,durchbrechen sucht, auf daß auch nach Friedeinsschluß dar Hätz der Völker gegen einmtöer die Welt regiere, in ihr Fcchrbett zurückgedrän-gt werden können. Daher csvesnt consulesl Etwas über die Uebersetzung des Buches:. ״Aus dem nahen Osten". In einer der letzten Nummern der׳ Prager Selbstwehr" war eine Geschichte zu lesen, die ״Wien — das ist einst Stadt!" betitelt war. Eine Bemerkung der Redaktion, die dieser GeWchte voranging, verwies auf dos Buch ״Aus dienr!!jähen Osten", das!ausgewählte Erzählungen Scholem-Alejchems ins Deutsche übertragen! enthalte und dem Äikse Geschichte entnommen sei. — lieber den Wert und die Bedeutung dieser Er- Kühlungen Scholem-Alejchems zu erzählen, ist nicht die Aufgabe des Schreibers dieser Zeilen, zu dem ׳er vovaussetzt, daß jeder Leser wol darüber unterrichtet ist, was diese gnomenarti-ge Persönlichkeit für uns bedeutet, welche Fülle! von Kulturwerten sie in das enge Bereich des ostjüdischen Lebens hineintrug, gerade djchiuvch, daß sie! das Vorhandene dieses Lebens, seine im Kleinen webenpe Realität — dieses Wort im wahrsten Sinne seiner Badeutung — in einer äußerlich sich gebenden und plastischen Form Revue Passieren ließ und,ihm so zu -einer komischen Selbstbespiegelung verholf; gar nicht davon zu sprechen, was er der jiddischen Literatur ausmache׳, den anfangs noch knarrenden, später immer, melodischer werdenden Ruck nach vorwärts, den sie durch ihn erhielt, seine ungeahnte Nachwirkung, die unabsehbar lange,cmhalten Wird — soviel steht fest — usw. Es wäre nur! darüber zu reden in welchem Gewände er dem Jiddisch nicht verstehenden deutschen Leser geboten wird. — Die Ostjuden sind bekanntlich — wahrlich bis zum Ueberdiruß ״bekanntlich" —!iin dieses K-ri-ege ״entdeckt und erforscht" worden׳. Neuheitsbeflissene Köpfe des Westens haben es verstanden aus der Retorte ihrer eigenen Flachköpfigkest sin neues ״Problem" «ysteigen zu lassen. Von so vielen Kriegs- Übeln wohl das übelste. Mit sonderbarem Rafftnement wurden Dinge hevvorgeklügelt und ״großartige Wahrheiten" ״entdeckt", daß eitonem wahrlich die Haare zu Berge steigen konnten in Anbetracht dieser winselnden Impotenz, dieser schlotternden Phwssmnachevsi und journalistischeu FeuUletonausbrüche. Selbstverständlich muhte auch die ostjüdische» Literatur berhalten; iwlens Polens wurde sie in den Strudel dieser Sinnlosigkeiten hineingepeitscht׳, ste konnte sich Wahrlich nicht wchren; sie war der Willkür der Verballhornung -rettungslos ausgelie-fievt. Das Jahr 1916 -und 1917 sowie die Verlage (R. Löwit und Georg Müller), deren gute Absicht schließlich lobenswert heworgshoben seihatten Uebersetzungen vornehmlich des Perez, Scholemkeinen Damm. Als ich obenerwähnte ״übersetzte Gedichte" in ,der ״Selbstwehr" las, konnte ich nrich nicht enthalten, den Zoiluug Flügel zu verleihen und sie für einen Augenblick vor Unmut in meinem Ziinmer surren zu lassen.Das soll Scholem-Alejchem sein! Das jener wunderbare Humor, der uns aus jeder Zeile -entgegenweht! Das jenes packende! Kolorit des Volksausdrncks! Ein buntes Gewimmel willkürlicher Entstellungen, Auslassungen, Sinnverdvohungen, Hinzu füg,un,gen von Dingen, die 1'lm, Original überhaupt nicht vor- Händen sinW e!in,e bis zur Langweile gesteigerte Mattigkeit, alles blaß, verwischt bis zur Unkenntlichkeit. Ich!pihmfy:, der Uabors-eher, der übrigens die Bescheiden,heit aufbringt sich im Buche ״Aus dem nahen Osten" (ein schöner Titel das!) nicht zu neunen, weshalb ich ihn auch ungenannt lassen will, hatte mit Scholem-Alejchem dasselbe vor, wsa. die philantrophischen Westler mit den Ostjuden Vorhalten: ״,europäisch machen!" Schönens Dank! Laßt uns!nur hübsch weiter in unserer ״Politischen Finsternis", ihm Herren.! Hättet ihr aber auch unsere Literatur,, ,bitte wahrlich für euer!MvrMklenhaftes Experimenti׳M0n zu Erhaben ist, in Ruhe gelassen, wir hätten euch mehr Dank Uwußt. Unter anderem hättet ihr uns erspart, euch jenen Nömersp>r1uch zuzupufen: 3ie 13euis8es, pkilo80pku8 msu8!8se8l Dagegen verm'ssen wir We in früheren Jahren Und was ich von dieser einen Geschichte sagte, gilt vom ganzen Buche ״Aus dem nahen Osten". Seine Fehler aufzuweisen, oder gar berichtigen, wäre eine Hsrkulesarbeit. Denn es gibt fast keineu Satz!in diesem Buche, sei es Mist!,sch oder dem Sinne nach, von dem man sagen könnte: er ist einwandfrei übersetzt! Und das wird dann als ostjüdiksche Literatur anfgottscht. Ich weiß nicht, ob der IWersetzor schon einmal eine Zuviick- Weisung von Seiten der öffentlichen Kritik erfahren hat, er täte doch Mt, mit etwas mehr Liebe und größerer Scheu vor Verballhornung von Kunstwerken an -dire Sache zu gehen oder es überhaupt Geeigneteren zu überlassen. Prag. G. Haller. Vom Krieg zum Frieden! Hickls Wiener jüdischer Bolkskalender für das Jahr 5679 liegt vor uns und man kann ruhig behaupten,!d!aß er weder äußerlich noch innerlich seinen, Vorgängern auch nur int geringsten nachsteht. Druck und Papier sind.gar nicht Wegsgemäß in ihrer Reinheit. Zun! Inhalt wäre zu sagen, daß das von Robb. Dr. I. Günzig zusammengestellte Kalenpariistm, mit seinen historischen Tabellen sich zu einer reichen Fundgrube interesfcynter und!wissenswerter Daten -entwickelt hat. Damaen vermissen wir die in früheren Jahrgängen üblich gewesenen und für den praktischen Gebrauch im religiösen Leben so wichtigen Minhaigim. Die durch den Krieg verursachte Papierknappheit mag jedoch diesen Mangel einitschuldigen. Sehr lesenswert sind die folgenden Beiträge: ״Das neue jüdische Leben" von Fabius Schach, in dem wiiv einen alten Bekannten aus der Redakiion der ״Welt" wiederfinden, mit seinem zeitgemäßen Avbell zur Rückkehr zu unserem Heime, zu unserer Gemeinde, zu Gott. ״Mts sollen wir tun?" von Dr. C. Cohn und ״Jüdische Politik" von Max Joseph sind Aufsätze, dite einander glücklich ergänzen. Ganz besonders zeitgemäß und reich an Anregungen ist der Aufsatz ״Judentum und Friedensidee" von Rabbiner Dr. Dienemann, der in b&C\ Forderung gipfelt, man müsse einst erzählen können, daß sie um ihretwillen und ztt ihrer Verwirklichung zu Predigern des Frie« dens mtter!den Menschen wurden. Das ermnetl lebhaft an ׳eitnfe Schrift Eduard Bernsteins übe* die ״Nufapibe der Juden im Weltkriege" und er« innert mich an die Tatsache, daß zu den ersten und eifrigsten Vorkämpfern,der Friedensiidee von je her Juden und Jndenstämmlinge, die so un« bewußt odar bewttßt der Aufgabe ihres Blute- und ihres -ererbten Geistes gerecht werden. Des gleichen Geistes!'!st ׳der Beitrag ״Messiianismus und Weltkrieg" von Rabbiner Dr. Gel« les, tier in dardurch den Weltkrieg belgsünstigtet, Bildung einer Gsmemschaft -der Völker die Vorstufe zum Gottesreiche auf Erden erblickt. Sehr in-teressanite Details bringen di!e S-kizzen ״Belgrad int Kriege" von Du G. Freud» mann ferner ״Zwei- Wiener A-erzte jüdischer Abkunft als Pioniere der Wissenschaft i!m Orient" von Prof. Dr. Max Neuburger und ״Jüd. Grabdenkmäler in Galizien" von Dr. Friedrich Behn. Di!e Bolotriistik ist vertreten durch hübsche Ge» dichte von Lorenz und Marek Scherlag und Eisig König, durch eine gelungene Uebevtragung des Psalm 23 von- Dr. Ernst Müller, einige Mist» reiche ״Jüdische Aphorismen" v. Fabius Schach, durch em Gedicht von Hugo Zuckermann ״Ich HM ein Ziel" u. a. m. Ganz zulicht sei noch die Satire ״Kein Schabbes mehr" von Dr. Nathan Birnbaum er» wähnt, die M Wesvt wohl sämjtliche übrigen Beiträge!dies Kalenders aufwiegt und diib, wenn! sie nur genügende Verbreitung fände, ein wirksames Kampfmittel gegen das ״entschabbeste" Jrtden» tum wäre. Sie sollte einmal am Jom Kippur (im Interesse möglichster Verbreitung) in sämtlichen Wiener B-ethäusevn verteilt werden!! Sehr angenehm wirken die be!gegebenen Buchschmuck-Vignetten in Lililen-Ubcvriier und es bliebe nur noch zu wünschen übrig, Paß der vorliegende Kalender wirklich ein Kriegs- 1tn(b! Fvi'e° denskaleudier sei, wie!es sein Titelblatt verspricht, ein Kalender über diie Uebergangszeit vom Krieg zum Frieden und aus der Finsterlnis unserer Tage zunt LichteGottes. Leopold Moses. So du einst hiuweggehst. Nach dem Jiddischen dies D. Einhorn. Bon P. Haller. So du einst hiltweggehst — Psalmen werde ich Meine Klagen mögen zum alten Buche dringen. Und -es wird die Zähre ihr Tränenplätzchett finden. Wo so viel Tränett einsam׳ sich aneinanderb'ilnden. Wo ich geliebte, teuere AhinMgräber habe, Wo ich mich.an dein Aeuglein! tnei« Mutter labe: Wo ich in jeder Zeile heilige Andacht fühle, Des Trostes -große Stille, der trpuen Liebe kühle. Und wenn -die Abendröte, mir linden Kummer bringt, r Dann will d-ie Tür ich schließen, durch düe he!r!em er-drugt. ,, Oeffnen will das Buch ich. Die -alte Melodie soll In meiner tiefen Seele bewahren mir den Groll. Und es wird im Traum milr wifatne Liebste winken, t c״ r Nicht als wilde Tänzerin, auf der dte Blumen blinken; , , ... Dort in dem Weibevtempel werden alte, herltge Strahlen Auf die weiße Blässe ihres Gesichtes lallen. Ihre zarten Blicke herab vom Fenster oben Künden mir vom Glauben, dt>e thre Defe loben» Kein« atußer sonst — nur ich und ste alleine Und träumerische Schänp mit uns da im Veretne. Und wir wollen flehen, daß Gott m Menschenleere Das Heil'M unserer Liebe durch seinen Segen mehre.

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